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Kritik zu Deadly Class 1.03 - Snake Pit (In der Schlangengrube)

Die dritte Episode von Deadly Class will zu viel, nimmt sich zu ernst und findet nicht den nötigen Fokus. Das und den Rest hinterfragt jede Woche exklusiv für SYFY der Medienjournalist Björn Sülter.

Key Art zu Deadly Class

Präsentiert von: Björn Sülter


Superficial Love

Es geht zwar in der dritten Episode der Serie nicht ausschließlich um die Liebe, oberflächlich bleibt das Treiben der Figuren aber leider fast durchweg. Vielleicht ist dieses Urteil aber auch ein wenig zu hart und rührt daher, dass die zweite Episode so enorm gut war.

Die Einführung neuer Lehrer und Kurse ist nur Beiwerk und erhält keine Ausarbeitung. Ein wenig erinnert das an die frühen Harry-Potter-Filme, bei denen auch oft die Schulsequenzen im Vergleich zur Buchvorlage stark zusammengestrichen waren und somit ein wenig losgelöst von der Handlung wirkten. Auch geht der Erkenntnisgewinn dieser Szenen in Bezug auf Marcus nahe Null, da alle Einblicke in seinen Charakter bereits etabliert worden waren.

Wie vergangene Woche gibt es auch diesmal wieder verschiedene Teenie-Drama-Tropen zu bestaunen, die aber weniger gut funktionieren als zuletzt. Immerhin zeigen sie aber auch auf, wie stark sich die Serie (sonst) von den klischeehaften Highschool-Dramen der 80er-Jahre unterscheidet.

Die Szenen zwischen Saya und Maria leiden unter schwachen Dialogen und springen thematisch zu stark, als dass sie irgendeinen klaren Fokus erkennen lassen könnten. Ihre Freundschaft entwickelt sich nicht organisch und bleibt eine Randnotiz des Drehbuchs. Besser gelingen die Szenen zwischen Marcus und Willie, was aber auch daran liegen kann, dass Marcus uns durch die ersten beiden Episoden deutlich besser bekannt ist.

Somit bleibt die Hoffnung, dass die Macher mit der Zeit eine Balance finden werden, relevante von weniger relevanten Handlungsschwerpunkten besser zu unterscheiden und nicht mit zu vielen Bällen gleichzeitig zu jonglieren. Denn eines ist die Serie bereits zu diesem Zeitpunkt: sehr unterhaltsam.

Technisch betrachtet

Das Drehbuch stammt diesmal vom Duo Krystal Houghton Ziv & Kevin Rodriguez. Erstere hat Serien wie CSI: Miami, The Purge und Rush Hour in ihrer Vita stehen, Rodriguez nur eine Episode der Serie Notorious. Ihnen gelingt leider nur ein zerfasertes Drehbuch mit einigen gelungenen Momenten, jedoch auch vielen Szenen, die aktuell ins Nichts laufen. Auch ist der Tenor der Episode vielleicht eine Spur zu ernst, was der Serie zu diesem frühen Zeitpunkt nicht optimal zu Gesicht steht.

Die Regie übernahm erneut Adam Kane, der sich nichts zu Schulden kommen lässt und souverän inszeniert.

Musik

Sieben Songs finden sich in der dritten Episode und bieten erneut einen gelungenen Mix an. Folgende Titel kommen vor:

Beginnen wollen wir mit Superficial Love von T.S.O.L., der zu hören ist, als Lex und Billy zusammen unterwegs sind.

Der Song Go! (Club Mix) von Tones On Tail läuft, als Saya und Maria gemeinsam beim Tanzen ankommen.

Good Guys (don't wear white) von Minor Threat ist angesagt, als sich Marcus und Billy angeregt über Politik unterhalten.

Our Lips Are Sealed von The Go-Go's untermalt die Szene, in der Saya und Maria sich vergnügen und Chico die gute Laune stört.

Ein Klassiker der Musikgeschichte ist ganz sicher Lady In Red von Chris De Burgh, den wir hier hören, als Billy und Petra tanzen.

Digital Lover von Wayne Murray hingegen läuft, als Maria im Bett liegt und Musik hört.

Zum Schluss bietet die Episode dann noch den Song Run and Hide (feat. Jamie David) von Nathan Matthew David an.

Maria geschminkt als Skelett

Gib dem Kind einen Namen

Snake Pit (In der Schlangengrube): Fast wirkt es, als wäre der Titel ein Statement über die vielen zerklüfteten Geschichten der dritten Episode, die sich irgendwie zusammenwuseln, aber kein stimmiges Bild ergeben.

Der deutsche Titel ist gelungen übersetzt und ergänzt wie oft üblich nur noch ein paar Füllwörter.

Fazit

Deadly Class kann den Level der zweiten Episode nicht halten und verliert sich im dritten Abstecher nach San Francisco zu sehr in kleinen und letztlich unergiebigen Erzählsträngen, anstatt die interessanten Brandherde und Figuren weiter zu unterfüttern. Unter Umständen muss dieses Urteil mit Fortgang der Staffel revidiert werden, hier jedoch wirkt die Sache ein wenig blutleer.

Bewertung: zwei große und ein kleiner Blutspritzer

Nicht vergessen: Deadly Class läuft heute Abend auf SYFY mit der dritten Episode Snake Pit (In der Schlangengrube) als Wiederholung um 20.15 Uhr, direkt danach folgt dann die neue Episode Mirror People (Machtspiele).

 

Über den Autor:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider. Neben seinem Sachbuch "Es lebe Star Trek" ist im Oktober der Auftakt seiner Jugendbuchreihe "Ein Fall für die Patchwork Kids" erschienen. Im Dezember startete mit "Beyond Berlin" seine erste eigene Science-Fiction-Reihe.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.


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