News /

Kritik zu Deadly Class 1.04 - Mirror People (Machtspiele)

Das vierte Abenteuer aus der Serie Deadly Class schaut hinter die Fassade der Figuren. Das Ergebnis ist die bisher beste Episode. Das und den Rest hinterfragt jede Woche exklusiv für SYFY der Medienjournalist Björn Sülter.

Key Art zu Deadly Class

Präsentiert von: Björn Sülter


The Way I feel

Wo steht eigentlich geschrieben, dass man in einer 80er-Jahre-Serie innerhalb der ersten vier Episoden drei Tropen der Teenager-Filmgeschichte unterbringen muss? Vermutlich nirgends, doch umso erstaunlicher ist, wie gut es innerhalb von Deadly Class bisher größtenteils funktioniert. Rick Remender meint es wirklich gut mit uns und holt hier nach den Themen Party und Tanzfest in der Schule einen weiteren All-Time-Favoriten aus der Tasche: The Breakfast Club. Ergo: Unsere Helden müssen nachsitzen und erhalten Zeit, über die Geschehnisse und sich selbst zu reflektieren und zu sprechen. 

Dadurch bietet sich eine willkommene Abwechslung insbesondere zur dritten Episode, die in Sachen Dramaturgie und Dialoge einige Schwächen offenbart hatte. Hier ist das Drehbuch nun wieder ganz nah dran an dem, was die Hauptfiguren bewegt; und uns Zuschauer interessiert. Doch der Reihe nach.

Wir erfahren beispielsweise einiges über Saya und ihre Verbindung zum Kuroki Syndikat. Die junge Dame hat Tokyo definitiv nicht im Guten verlassen und wird nun von den Geistern der Vergangenheit gejagt. Verknüpft wird das Ganze noch effektiv mit ihrer Familiengeschichte, als sie einen der maskierten Angreifer tötet und feststellen muss, dass es sich um einen Cousin handelt. Marcus bringt die Sache danach sehr schön auf den Punkt, als er von der Summe der Beschädigungen spricht, die uns zu dem machen, was wir sind. Diese Weltsicht ist sicher keine besonders positive, passt aber in die Grundstimmung dieser Serie und gehört zu den besseren philosophischen Momenten im Dialog bisher.

Sogar Lin erhält ein wenig mehr Unterfütterung, als wir ihn erstmals eine Spur hilfloser erleben. Sein Einfluss scheint deutlich geringer zu sein, als er vermitteln möchte und er wurde durch die Umstände seines Lebens zu etwas, das er nie hatte werden wollen. Schön, dass auch diese Figur sukzessive erweitert wird. Seine Geschichte passt übrigens auch wunderbar zu den von Marcus geäußerten Gedanken über die Summe unserer prägenden (negativen) Erlebnisse.

Neben all dem Humor und den Sentimentalitäten ist sogar Platz für eine Fortführung der Geschichten rund um Petra und Viktor sowie um Maria, Chico und Willie. Obendrauf reicht es noch für ein wenig Suspense und Horror, als wir erfahren, dass Marcus immer noch verfolgt wird. Der Mix verschiedener Stile gelingt in dieser Episode bisher am besten.

Technisch betrachtet

Das Drehbuch stammte erstmals seit dem Auftakt von Co-Showrunner Miles Orion Feldsott, der beweist, dass er und sein Kollege Remender das aktuell beste Gespür für die relevanten Dinge und das passende Tempo besitzen. Seine Episode nimmt alle Figuren ernst und begleitet sie auf dem Weg, ohne zu vergessen, auch Dramatik einzubauen und Luft für krachige Action zu lassen.

Die Regie übernahm zum ersten Mal Alexis Ostrander, bekannt durch die Arbeit an American Horror Story, Supergirl oder Riverdale. Auch hier darf man gerne anmerken, wie gut die Balance zwischen den ruhigen Tönen und den kompetent choreographierten Kampfszenen gelang.

Musik

Sechs sehr abwechslungsreiche Songs finden sich in der neuen Episode. Folgende Titel kommen vor:

Gleich der erste Song der Episode ist ein Kracher und überrascht, handelt es sich doch um Wasted Years von Iron Maiden. Zu hören ist er in der Szene mit Dwight in Shabnams Haus.

The Way I Feel von Mac Prindy läuft in der Szene mit Master Lin.

Ein weiterer sehr stimmungsvoller Song untermalt die Szene, in der Chico letztlich von seinem Bruder erzählt: In Between Days von The Cure.

Did You Wanna Die von Youth Brigade läuft während des Kampfes mit den Kuroki.

You Clearly Misunderstood (feat. Jamie David) von Nathan Matthew David ist der Song der Wahl als Saya und Marcus nach dem Zwischenfall zusammen sind.

Und nochmal spielt am Ende ein Favorit von Rick Remender. Diesmal ist es Our act becomes the truth von Nathan Matthew David. Der Song wird verwendet, nachdem die Verletzten weggebracht werden.

Maria geschminkt als Skelett

Gib dem Kind einen Namen

Mirror People (Machtspiele): Der englische Titel spielt vermutlich darauf an, wie wir durch unsere Erlebnisse geprägt und vernarbt werden. Wir sind ein Abbild dessen, was wir im Leben gesehen, also gespiegelt haben. Der deutsche Titel ist ungleich weniger subtil und konzentriert sich lieber auf verschiedene andere dramatische Elemente der Episode, passt aber selbstverständlich dennoch.

Fazit

Deadly Class überzeugt mit einer klar strukturierten und von den ruhigen Momenten bis hin zu den Kampfszenen stark inszenierten Episode, die niemals vergisst, was der Kern der Erzählung sein sollte: Die Emotionen und Beweggründe der Figuren!

Bewertung: vier dicke und ein kleiner Blutspritzer

Nicht vergessen: Deadly Class läuft heute Abend auf SYFY mit der dritten Episode Mirror People (Machtspiele) als Wiederholung um 20.15 Uhr, direkt danach folgt dann die neue Episode Saudade (Der Trip).

 

Über den Autor:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider. Neben seinem Sachbuch "Es lebe Star Trek" ist im Oktober der Auftakt seiner Jugendbuchreihe "Ein Fall für die Patchwork Kids" erschienen. Im Dezember startete mit "Beyond Berlin" seine erste eigene Science-Fiction-Reihe.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.


Tags: Deadly Class