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Kritik zu Deadly Class 1.05 - Saudade (Der Trip)

Zur Halbzeit der ersten Staffel aus der Serie Deadly Class begeistern uns die Macher mit einem visuell wie emotional herausragenden Roadtrip. Das und den Rest hinterfragt jede Woche exklusiv für SYFY der Medienjournalist Björn Sülter.

Key Art zu Deadly Class

Präsentiert von: Björn Sülter


Let's Spend the Night Together

In den Comics sind Road-Trips ein bekanntes Muster, das hier nun auch erstmals für die Serie umgesetzt wurde. Dabei stehen verschiedene Motive der Gang im Mittelpunkt. Für Marcus bedeutet der Trip einen Ausbruch aus den fest definierten soziale Strukturen der Akademie. Wie beschreibt er es in seinem Voice-Over so schön? Menschliche Interaktion ist wie ein Tanz der Manipulation. Der Ausflug stellt somit eine willkommene Abwechslung dar, bei der er zudem die Chance erhält, Billy bei der geplanten Ermordung seines Vaters zu unterstützen. Saya hingegen benötigt nur eine Pause von ihrer Familie, während Willie von Hoffnungen getrieben wird, die niemals eintreten können und sollen.

Drogen sind in dieser Episode ein offenes Thema. Remender stellt sie als das dar, was sie in seiner Welt und seiner Erinnerung sind: Mittel zum Zweck für eine verlorene Generation, die fraglos selbstreferentiell zitieren, ihr eigenes Leben aber nicht kompetent reflektieren kann. Im Ergebnis erhalten wir visuell betrachtet einige spannende und unterhaltsame Sequenzen wie den Clown, die erneute animierte Szene, den Cop oder Slimer aus Ghostbusters.

Doch trotz seiner viel zu hohen Dosis gelingt es Marcus noch, Billy zu helfen. Liam James holt dabei alles aus den Szenen heraus und glänzt in einem in dieser Episode geschlossen starken Ensemble. Die Ermordung seines Vaters legt auch erneut offen, wie sehr diese Figuren nach Liebe und Geborgenheit streben und in ihrem Ansinnen, ein Ventil für die ganzen Emotionen zu finden, einfach nur emotional verkümmert sind.

Doch sollte auch der Tod von Chico durch die Hand von Maria nicht vergessen werden. Der neue Antagonist Chester verspricht derweil atemlose Spannung für uns und unsere Heldentruppe, die sich mehr denn je in einer hoffnungslosen und scheinbar ausweglosen Situation wiederfindet. Remender verdichtet hier die Ängst der Figuren und somit der gesamten Generation X anhand seiner Geschichte und wirft uns hinein in dieses düstere und verstörende Abbild der 80er-Jahre. Hoffen wir, dass die Serie ihr Momentum halten kann.

Technisch betrachtet

Das Drehbuch schrieb wenig überraschend erneut Rick Remender persönlich, der die verschiedenen Brandherde und Figurenkonstellationen wunderbar verdichtet und uns somit ein klares Bild auf das verschafft, was die Serie zu erzählen versucht.

Die Regie übernahm erneut Adam Kane, für den es schon die dritte Episode auf dem großen Stuhl ist. Er fängt die Atmosphäre des Roadtrips in optimal ein und schenkt der Serie somit eine visuelle Identität, die gerne weiterverfolgt werden darf.

Musik

Sieben Songs versammeln sich in der aktuellen Episode und machen diese in Sachen Musikuntermalung zur bisher besten der Staffel.

Zu Beginn gibt es einen Klassiker der 80er-Jahre zu hören: Our House von Madness untermalt die Szene, in der Marcus über sein Problem spricht, alles zu analysieren.

Let's Spend the Night Together von David Bowie ist der Song der Wahl als Maria und Saya Kokain konsumieren.

Saudade von Love and Rockets umspielt die Sequenz, als die Gruppe in Las Vegas ankommt.

In der Szene mit Billy und Marcus läuft Terry and June von John Shakespeare.

Holiday In Cambodia von Dead Kennedys spielt, als Chico und Marcus kämpfen.

Brother Wolf; Sister Moon von The Cult läuft, als die Gruppe durch die Mojave Wüste fährt.

To Have and to Hold von Deftones untermalt die Szene, als Maria Chico tötet.

Maria geschminkt als Skelett

Gib dem Kind einen Namen

Saudade (Der Trip): Wikipedia erklärt uns freundlicherweise, dass es sich bei Saudade um eine portugiesische und galicische Form des Weltschmerzes handelt. Übersetzen lässt es sich mit „Traurigkeit“, „Wehmut“, „Sehnsucht“, „Fernweh“ oder „sanfter Melancholie“. Somit steht der Titel sinnbildlich für die Emotionen der Gruppe und den Grund ihrer Reise. Wie wir es inzwischen gewohnt sind, ist man im Deutschen weniger subtil, wobei der titelgebende Trip aber immerhin eine gewisse Doppeldeutigkeit besitzt.

Fazit

Deadly Class liefert zur Staffelhalbzeit eine stilistisch äußerst kreative und ansprechende Episode ab, die verschiedene Figurendynamiken aufbricht und umsortiert und die Dramatik der Geschichte auf einen neuen Level hebt. Bleibt die Serie dieser Linie treu, stehen uns heiße Wochen bevor.

Bewertung: vier dicke und ein kleiner Blutspritzer

Nicht vergessen: Deadly Class läuft heute Abend auf SYFY mit der dritten Episode Saudade (Der Trip) als Wiederholung um 20.15 Uhr, direkt danach folgt dann die neue Episode Stigmata Martyr (El Diablo und der heilige Geist).

 

Über den Autor:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider. Neben seinem Sachbuch "Es lebe Star Trek" ist im Oktober der Auftakt seiner Jugendbuchreihe "Ein Fall für die Patchwork Kids" erschienen. Im Dezember startete mit "Beyond Berlin" seine erste eigene Science-Fiction-Reihe.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.


Tags: Deadly Class