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Kritik zu Deadly Class 1.06 - Stigmata Martyr (El Diablo und der heilige Geist)

Mit einem klaren Fokus auf die inneren Mechanismen der Figuren biegt Deadly Class in die zweite Staffelhälfte ein. Das und den Rest hinterfragt jede Woche exklusiv für SYFY der Medienjournalist Björn Sülter.

Key Art zu Deadly Class

Präsentiert von: Björn Sülter


Somebody

Der Trip nach Las Vegas hat in der letzten Episode viele Emotionen an die Oberfläche gespült, was zu größeren Aufräumarbeiten und einer näheren Aufarbeitung in diesem etwas ruhigeren Abenteuer führt.

So stellen die Autoren dann auch gekonnt einige Figuren gegenüber und loten deren unterschiedliche Motive aus: Dazu gehören beispielsweise Master Lin und Gao oder Saya und Maria. Auf der Ebene der Lehrkräfte werden die aufeinanderprallenden Philosophien von Gao und Lin wunderbar durch den Disput zwischen Zane und DeLuca gespiegelt.

Viel wichtiger ist jedoch das Liebesdreieck aus Marcus, Saya und Maria. Dabei wird besonders überzeugend und sensibel mit Marias bipolarer Störung umgegangen. Eine ganze Weile wundert sich Marcus nur über das irrationale Verhalten seiner neuen Freundin, bis Saya ihm endlich reinen Wein einschenkt. Natürlich wird das Verhältnis zwischen den Neu-Liebenden dabei gehörig (und nicht immer stimmig) zugespitzt, nur um final in die zu erwartende Sexszene zu münden.

Doch ist das natürlich nur Beiwerk, da Maria und ihre originelle und feinfühlige Origin-Story eindeutig im Vordergrund stehen. Ihr bisheriges Leben wurde geprägt durch Verlust und Hoffnungslosigkeit; wird Marcus etwas daran ändern können? Doch ist auch dieser mit dem Liebesspiel in luftiger Höhe noch nicht fertig für diese Woche: Er muss für Chester nun Chicos Körper finden, was einen spannenden Cliffhanger abgibt.

Die sechste Episode der Staffel macht erneut vieles richtig und bringt zudem noch etwas Abwechslung in die Serie, was den visuellen Stil angeht. Doch nicht in jeder Hinsicht. Daher sollte noch einmal erwähnt werden, wie wunderbar die animierten Sequenzen innerhalb der Episoden weiterhin gelingen.

Am Ende ist das Grundgefühl der Figuren klar: Jeder braucht irgendwen; als Anker, als Bezugspunkt, als Reibungspunkt. An den Rest eines gemeinsamen Lebens (wie im Song Somebody) denkt hier freilich noch niemand. Diese Kids suchen: vornehmlich sich, aber eben auch andere, die ihnen den Weg erleichtern und erklären können. Coming of age at its best. Wenn Deadly Class diesen Fokus und diese Qualität hält, werden die kommenden vier Episoden uns noch Freude machen.

Technisch betrachtet

Das Drehbuch schrieben Maggie Bandur & Alex Ebel. Für beide ist es die erste Arbeit an der Serie. Bandur kennt man bisher eigentlich eher aus humorvollen Stoffen wie Malcolm in the Middle. Ihr Drehbuch nimmt die Figuren ernst und erinnert uns daran, dass es sich hier immer noch um Teenager handelt, die vielleicht zielloser und naiver sind, als wir manchmal glauben.

Die Regie übernahm ebenfalls erstmals der Spanier Paco Cabezas, der für viele Serien wie Fear the Walking Dead, American Gods oder Penny Dreadful aktiv war und sich somit gut mit abgründigen Stoffen auskennt. Nach dem Trip in der vergangenen Woche gelingt ihm hier eine eher über atmosphärische Dichte kommende Arbeit, die aber mindestens genauso gut gefällt.

Musik

Sechs Songs versammeln sich in der sechsten Episode und liefern mal wieder einen absoluten Querbeet-Eindruck der 80er-Jahre.

Stigmata Martyr von Bauhaus eröffnet (eher ungewöhnlich) den Soundtrack der Episode als Gao gerade Maria gehen lässt und ihre Verhöre durchführt.

Ein wunderschöner (und sehr bekannter) Klassiker der 80er läuft dann mit Somebody von Depeche Mode als Marcus gerade ein Mixtape für Maria zusammenstellt.

In Love This Way von den Descendents untermalt dann die Szene, als Saya und Petra über Schwerter sprechen.

Spellbound von Siouxsie and The Banshees wurde ausgewählt, als Maria ihr Mixtape anhört und Fotos betrachtet.

Als Maria sich bei Marcus entschuldigt (und die beiden schließlich Sex haben) läuft passenderweise I Would for You von Jane's Addiction.

Nur wenig zu hören bekommen wir indes vom schönen Song Original Sin von INXS. Er lässt sich aber erahnen.

Maria geschminkt als Skelett

Gib dem Kind einen Namen

Stigmata Martyr (El Diablo und der heilige Geist): Der Originaltitel bezieht sich eindeutig auf den psychischen und physischen Schmerz, den sich Maria teils auch selbst zufügt. Der deutsche Titel spielt sehr charmant mit einer Zeile aus dem Bauhaus-Song und setzt den Teufel an die Stelle des Vaters.

Fazit

Relativ zügig haben die Autoren erkannt, wo bei Deadly Class das meiste Gold zu finden ist: in den gebrochenen und emotional verwirrten Figuren, die sich nach Nähe, Wärme und Sicherheit in einer Welt des Scheins, der Lügen und der Gewalt bewegen. Wenn die aktuelle Episode ein Indikator für den Rest der Staffel ist, stehen uns noch spannende Wochen bevor.

Bewertung: vier dicke Blutspritzer

Nicht vergessen: Deadly Class läuft heute Abend auf SYFY mit der fünften Episode Stigmata Martyr (El Diablo und der heilige Geist) als Wiederholung um 20.15 Uhr, direkt danach folgt dann die neue Episode Rise Above (Erster Kontakt).

 

Über den Autor:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider. Neben seinem Sachbuch "Es lebe Star Trek" ist im Oktober der Auftakt seiner Jugendbuchreihe "Ein Fall für die Patchwork Kids" erschienen. Im Dezember startete mit "Beyond Berlin" seine erste eigene Science-Fiction-Reihe.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.


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