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Kritik zu Deadly Class 1.07 - Rise Above (Der tote Kopf)

Die Serie Deadly Class hält ihre gute Qualität mit einer Episode über Schicksal und freien Willen. Das und den Rest hinterfragt jede Woche exklusiv für SYFY der Medienjournalist Björn Sülter.

Key Art zu Deadly Class

Präsentiert von: Björn Sülter


The Truth

Im Mittelpunkt des Interesses steht in dieser Woche (wie zu erwarten war) die Konfrontation von Marcus mit Chester. Im Hinblick auf den Protagonisten der Serie bedeutet dieser Moment einen Erkenntnisgewinn seitens der Zuschauer: Marcus sucht nach Sinn in seiner Existenz und versucht verzweifelt, seinem eigenen Überleben und dem Tod seiner Eltern eine tiefere Bedeutung zu geben. Doch bleibt die Frage, ob an dieser Stelle wirklich mehr existiert als Schicksal oder der typische Fall von "am falschen Ort zur falschen Zeit". Die Serie spielt geschickt mit diesen Fragen und rahmt die Suche und Orientierungslosigkeit der Generation X mit den verschiedenen Motiven ein, die die Figuren bewegen.

Das gilt auch für Maria, die wie keine andere Figur derartig stark gefangen von ihrem eigenen Schicksal erscheint oder Master Lin, der sich erneut mit der cleveren Madame Gao auseinandersetzen muss.

Willies Geschichte steht derweil vielleicht nicht so stark im Vordergrund (und geht als veritable D-Handlung durch), besticht aber gerade durch ihre Subtilität. Getragen von der erneut starken Performance von Luke Tennie wachsen uns die kurzen Unterhaltungen mit seiner Seelenverwandten Garbrielle schnell ans Herz. Hier erleben wir die Suche nach der Identität von Teenagern der Generation X in einer Art, wie sie Rick Remender im Vorfeld der Serie versprochen hatte und in seinen Comics seit Jahren ausarbeitet.

All diese Handlungsstränge und Wege werden vermutlich zu einem späteren Zeitpunkt der Staffel zu einem ähnlichen Ergebnis führen. Die Figuren müssen sich entscheiden: Fügen sie sich ihrem (vermeintlich) vorgefertigten Lebensweg oder entscheiden sie selbst und brechen aus? Hoffen wir, dass die Drehbuchautoren sich der Reichhaltigkeit einiger dieser Fragen bewusst waren und uns mit adäquaten Antworten versorgen werden.

Unser eigenes Schicksal als Konsumenten besteht derweil ohnehin nur darin, das anzunehmen, was man uns vorsetzt. Als Fernsehzuschauer fehlt uns die Chance auf eine Richtungsänderung leider; oder glücklicherweise?

Technisch betrachtet

Das Drehbuch schrieben Dave Anthony & Hilliard Guess. Es ist ihre erste Arbeit an der Serie. Anthony ist als Comedian, Autor und Schauspieler bekannt, schrieb aber zuvor auch schon an der Serie Maron. Guess ist ebenfalls als Schauspieler aktiv und schrieb für We Got Issues.

Die Regie übernahm Anthony Leonardi, der noch recht frisch in diesem Bereich ist. Er war jedoch immerhin schon viermal für die Serie Con Man hinter der Kamera als Strippenzieher aktiv.

Musik

Nur zwei Songs begleiten die siebte Episode, die dafür aber echte Perlen sind.

Our act becomes the truth von Nathan Matthew David läuft zu Beginn der Episode.

Ça plane pour moi von Plastic Bertrand wird dann noch gespielt, als Maria in einem Nachtclub aktiv wird.

Maria geschminkt als Skelett

Gib dem Kind einen Namen

Rise Above (Der tote Kopf): Die Frage, die im englischen Titel gestellt wird, ist die, inwiefern wir über unsere Programmierung und das Schicksal hinauswachsen können. Wie stark ist der freie Wille? Wie fest sind die Schlingen der Vorbestimmung? Im Deutschen fällt diese Ebene weg.

Fazit

Trotz einiger Vorhersehbar- und Unglaubwürdigkeiten gelingt Deadly Class auch in dieser Episode ein spannender Blick hinter die vordergründige Gewalt der Serie und legt Themen wie Schicksal, den Wunsch nach einem unbeschnittenen Willen und die Folgen von Lebensentscheidungen frei.

Episode seziert zu diesem Zweck auf verschiedenen Ebenen, und durchaus mit wechselhaftem Erfolg, die inneren Vorgänge der Protagonisten und erinnert uns daran, Oberflächliches nie zu wichtig zu nehmen und stets hinter die Fassade zu blicken.

Bewertung: drei dicke und ein kleiner Blutspritzer

Nicht vergessen: Deadly Class läuft heute Abend ab 21.15 Uhr auf SYFY mit der Wiederholung der siebten Episode Rise Above (Der tote Kopf) und direkt danach folgt dann die neue achte Episode The Clampdown (Kein Weg zurück).

 

Über den Autor:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider. Neben seinem Sachbuch "Es lebe Star Trek" ist im Oktober der Auftakt seiner Jugendbuchreihe "Ein Fall für die Patchwork Kids" erschienen. Im Dezember startete mit "Beyond Berlin" seine erste eigene Science-Fiction-Reihe.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.


Tags: Deadly Class