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Kritik zu Deadly Class 1.08 - The Clampdown (Kein Weg zurück)

Die Serie Deadly Class trägt mit der achten Episode der Staffel etwas zu dick auf. Das Fazit fällt daher auch eher gemischt aus. Das und den Rest hinterfragt jede Woche exklusiv für SYFY der Medienjournalist Björn Sülter.

Key Art zu Deadly Class

Präsentiert von: Björn Sülter


Lips Like Sugar

Schon häufiger hat die Serie in ihrer ersten Staffel auf eine sogenannte Bottle-Show zurückgegriffen. Wir erinnern uns beispielsweise an die vierte Episode (Mirror People/Machtspiele), die stark an The Breakfast Club erinnerte und dank der Konzentration auf die Gefühle und Beweggründe der Figuren ein erster Gewinner der jungen Serie war. Hier versucht man nun etwas Ähnliches, allerdings nicht mit so nachdrücklichem Erfolg. Dabei ist es rein handwerklich gar nicht korrekt, bei dieser Episode hier von einer Bottle-Show zu sprechen - die Intention der Macher ist aber die gleiche wie bei den beliebten Spar-Episoden, die nicht allzu viele teure Kulissen oder Drehorte benötigen: Man wollte die Figuren in die Enge treiben und ganz genau hinschauen, was sie bewegt.

Dabei ging es primär darum, Geheimnisse aufzudecken, die Reaktionen abzufragen und somit auch für die Zukunft der Serie die Information herauszufordern, wen welches Wissen zu welcher Handlung bringen würde. Schafft es Einheit? Bringt es gegeneinander auf? Verursacht es Gräben? Viele Antworten darf man dabei aber noch nicht erwarten. Alles hier Gezeigte fühlt sich wie Setup an, wie ein Teaser für die restlichen zwei Episoden, was eine eher undankbare Aufgabe für die Episode darstellt, da kein Moment zu einem Ende geführt wird. Nicht ganz eindeutig gezeichnet ist auch Gao, die neben ihrem Wunsch, Ordnung in die Akademie zu bringen, hier doch einen eher ungewöhnlichen Weg geht, der mit diesem Anspruch kaum in Einklang zu bringen ist. Auch die animierte Sequenz passt diese Woche nicht so gut, da sie zu sehr für sich steht, der Story nicht dient und sich nicht so gut einfügt, wie die Wochen zuvor.

Eine Erkenntnis bringt die Episode für den Zuschauer aber doch hervor: Die oft übermäßig philosophischen Voice-Overs von Marcus stehen Pate für das, was die Autoren in ihrer eigenen Jugend gedacht und besprochen haben. Es handelt sind hier nicht nur um abstrakte Mono- und Dialoge, die sich jemand in einem kahlen Raum ausgedacht hat, sondern eher um Vergangenheitsbewältigung. Zugegeben: Bei Kevin Williamson und Scream war das irgendwie pointierter, dennoch kann man viele von Marcus geäußerte Gedanken und auch Teile der Gespräche der Gang mit diesem Ansatz besser verstehen.

Somit ist der Versuch bestimmt aller Ehren wert und einige Versatzstücke funktionieren auch. Der Unterschied in der Klasse der Drehbücher ist jedoch augenfällig. Co-Showrunner Miles Orion Feldsott hatte da in der bereits erwähnten Episode Mirror People (Machtspiele) deutlich mehr Kohärenz und Linie in seine Erzählung gebracht.

Technisch betrachtet

Das Drehbuch schrieb Rayna McClendon. Für sie ist es die erste Arbeit an der Serie, was man ein wenig daran merkt, dass der Zugriff auf die Figuren nicht durchgehend gelingt, einige Handlungsschritte nicht organisch entwickelt wirken und der Flow der letzten Episoden zudem verlorengeht.

Die Regie führte ebenfalls eine Ersttäterin: Ami Canaan Mann. Die britische Autorin und Regisseurin ist die Tochter von Michael Mann (Heat, Collateral, Miami Vice) und hat wie der Vater bereits eine überzeugende Karriere vorzuweisen. Im TV arbeitete sie an NYPD Blue, The Blacklist, Chicago Med, Sneaky Pete, House of Cards und Marvels Runaways. Ihr Debüt in Sachen Kino namens Morning wurde 2001 mit verschiedenen Preisen versehen. Für Deadly Class liefert sie eine souveräne Arbeit ab.

Musik

Drei Songs veredeln die achte Episode und zeigen erneut die ganze Palette in Sachen Musikgeschmack von Rick Remender.

Das großartige Transmission von Joy Division hören wir, als Billy, Petra und Lex gemeinsam eingesperrt sind.

Lips Like Sugar von Echo & The Bunnymen ist ebenfalls ein Song, an den man sich gerne mal wieder erinnert. Hier läuft er passenderweise, als es zwischen den drei genannten zur Sache geht.

Well I Wonder von The Smiths ist schließlich das dritte Kleinod der Episode und rundet den Soundtrack dieser Episode ab.

Gib dem Kind einen Namen

The Clampdown (Kein Weg zurück): Der englische Titel bezieht sich auf die Situation, in der sich alle befinden und das damit verbundene "harte Durchgreifen". Der deutsche Titel zielt derweil auf die in allen Bereichen verfahrene Situation der Figuren ab.

Fazit

Deadly Class nimmt sich kurz vor dem Finale eine kleine qualitative Auszeit. Das liegt primär daran, dass die Dramaturgie uns nicht mitnimmt, die Figuren nicht durchweg überzeugend agieren und generell wenig rüberkommt; emotional wie inhaltlich. Eventuell muss man dieses Urteil revidieren, sollten alle Handlungsstränge zukünftig optimal aufgelöst werden. Für den Moment ist die Episode jedoch in erster Linie verwirrend und unbefriedigend, auch wenn die Message klar ist: Ein großer Kampf steht kurz bevor.

Bewertung: zwei dicke und ein kleiner Blutspritzer

Nicht vergessen: Deadly Class läuft heute Abend ab 20.15 Uhr auf SYFY mit der Wiederholung der achten Episode The Clampdown (Kein Weg zurück) und direkt danach ab 21.00 Uhr folgt dann die neue neunte Episode Kids of the Black Hole (Liebe und Betrug).

 

Über den Autor:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider. Neben seinem Sachbuch "Es lebe Star Trek" ist im Oktober der Auftakt seiner Jugendbuchreihe "Ein Fall für die Patchwork Kids" erschienen. Im Dezember startete mit "Beyond Berlin" seine erste eigene Science-Fiction-Reihe.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.


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