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Kritik zu Deadly Class 1.09 - Kids of the Black Hole (Liebe und Betrug)

Die Einleitung zum Finale lässt erneut einen klaren Fokus vermissen, bringt aber auch vieles in Stellung für den großen Knall. Das und den Rest hinterfragt jede Woche exklusiv für SYFY der Medienjournalist Björn Sülter.

Key Art zu Deadly Class

Präsentiert von: Björn Sülter


Misunderstood

Wenn man weiß, dass in der folgenden und auch letzten Episode der Staffel alle Konfrontationen ausgespielt werden sollen, kann man sich den Verlauf dieser vorletzten Episode fast denken. Sie besteht aus reinem Setup und leuchtet ein weiteres Mal die Motivationen der Figuren aus um sie final in Stellung zu bringen für das, was alternativlos kommen muss.

Die zentrale Frage für alle ist: Wie weit darf mein Einsatz für eine Sache gehen? Wie wichtig ist es, sich zu kümmern? Die Episode illustriert das sehr schön am Beispiel von Willie, der nicht bereit ist, etwas wegen der Ungesetzlichkeit an der Tankstelle zu unternehmen. Jeder muss selbst entscheiden, ab welchem Punkt er bereit ist, für eine Sache zu kämpfen und aktiv zu werden. Dass aber ganz nebenbei Willies Chemie mit Gabrielle weiterhin sogar die von Marcus und seinen wechselnden Frauengeschichten in den Schatten stellt, hilft diesem Handlungselement zusätzlich auf einen guten Level.

Doch sind auch die diversen Verstrickungen rund um Lin, Gao oder Lex und Jack sowie Marcus und Saya nicht uninteressant; sie drehen sich nur zu sehr im Kreis und lassen einen klaren Fokus vermissen. Am Ende sind wir so schlau wie vorher und ahnen, dass die Episode mehr eine Durchgangsstation war als alles andere. Die Serienmacher lieben ihre Metaphern und diese hier steht für Chaos und Kameradschaft und dreht sich um Courage, Ängste und fehlenden Lebensfokus. Irgendwie passend.

Eine Sache müssen wir aber leider noch zur Sprache bringen: Die Durchfall-Szene von Marcus, auf die Fans der Comics vermutlich schon sehnsüchtig gewartet haben (was an sich schon absurd genug klingt!), ist den Machern leider vollkommen misslungen. Während die Sequenz in der gedruckten Vorlage aus der Figur heraus Sinn ergibt, wirkt hier alles nur wie Selbstzweck und peinlich. Daran lässt sich jedoch auch aufzeigen, wie groß die Unterschiede zwischen den Figuren aus den Comics und denen der TV-Adaption teilweise sind. Daher sollte gelten: Passt etwas in der Neubearbeitung nicht organisch in die Figurenzeichnung, sollte man sich auch den Fan-Servive sparen und Teilaspekte weglassen, bevor sie so missraten wie hier.

Somit ist am Ende alles in Position gebracht. Wir erwarten die Konfrontationen zwischen Lin und Diablo, Saya und Maria und natürlich zwischen der Gruppe und Fuckface. Der Weg dorthin war zumindest in diesem Fall zwar nicht durchweg überzeugend, hat uns aber immerhin noch einmal daran erinnert, wie viel inzwischen emotional auf dem Spiel steht.

Technisch betrachtet

Das Drehbuch schrieben erneut die beiden Showrunner Rick Remender & Miles Orion Feldsott, was umso erstaunlicher ist, wenn man sich anschaut, wie wenig kohärent die Handlung verläuft. Zuvor hatten beide ein sehr gutes Händchen für ihre Serie bewiesen, hier scheitern sie aber am Material und schinden zu viel Zeit, beziehungsweise verlieren den guten Flow der Staffel in Nebenkriegsschauplätzen.

Die Regie führte Wayne Yip mal wieder ein Neuling an der Serie. Ihn trifft an der zerfaserten Episode keine Schuld, die Umsetzung ist handwerklich vollkommen in Ordnung.

Musik

Vier Songs sind bei der neunten und vorletzten Episode mit dabei.

Jingle Bell von Cast untermalt die Szene, als Billy, Petra und Alex vor dem Club auf den Rest der Gang warten.

You Clearly Misunderstood von Nathan Matthew David & Jamie David wird verwendet, als Marcus und Saya sich nach dem Konzert unterhalten und küssen.

Kids of the Black Hole von den Adolescents, gleichzeitig Pate für den Titel der Episode, läuft während des Konzerts.

One Step Beyond von Prince Buster schließlich rahmt die Szene musikalisch ein, als Maria, Billy, Alex und Petra Marcus im Comic-Laden finden.

Gib dem Kind einen Namen

Kids of the Black Hole (Liebe und Betrug): Der englische Titel leitet sich aus dem Songtitel der Band Adolescents ab, die in der Episode eine Rolle spielt und sagt damit natürlich auf einer metaphorischen Ebene auch eine Menge über die Figuren und ihren aktuellen Status aus. Im Deutschen geht man wie so oft sehr viel plakativer zu Werke und fasst die Themen der Episode in eindeutige deutsche Wörter.

Fazit

Deadly Class schlingert sich mit einer erneut nicht gänzlich überzeugenden und zudem verwirrend unübersichtlichen Episode dem großen Finale entgegen. Weder überzeugen die Vorbereitungen auf den Kampf, noch werden die Motivationen der Figuren angemessen ausgeleuchtet und um weitere Facetten ergänzt.

Bewertung: zwei dicke und ein kleiner Blutspritzer

Nicht vergessen: Deadly Class läuft heute Abend ab 20.15 Uhr auf SYFY mit der Wiederholung der neunten Episode Kids of the Black Hole (Liebe und Betrug) und direkt danach ab 21.00 Uhr folgt dann die neue zehnte und letzte Episode Sink With California (Scherbenhaufen).

 

Über den Autor:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider. Neben seinem Sachbuch "Es lebe Star Trek" ist im Oktober der Auftakt seiner Jugendbuchreihe "Ein Fall für die Patchwork Kids" erschienen. Im Dezember startete mit "Beyond Berlin" seine erste eigene Science-Fiction-Reihe.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.


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