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Kritik zu Deadly Class 1.10 - Sink With California (Scherbenhaufen)

Die letzte Episode von Deadly Class spitzt verschiedene Krisen erwartungsgemäß zu und kann damit größtenteils überzeugen. Das und den Rest hinterfragt noch einmal exklusiv für SYFY der Medienjournalist Björn Sülter.

Key Art zu Deadly Class

Präsentiert von: Björn Sülter


Asleep

Die erste Staffel von Deadly Class hat sich über die letzten Wochen viele offene Fragen aufgespart. Wer jedoch darauf gehofft hat, diese würden auch alle noch angefasst oder gar beantwortet, dürfte sich verwundert die Augen gerieben haben. Vielmehr konzentrierte man sich seitens der Macher auf nur einige Brandherde und ließ dabei vieles offen. Dass der Action-Level hoch sein würde, hatte man indes erwarten dürfen, dass mit Lex und Naya gleich zwei Figuren das Zeitliche segneten, überrascht ebenfalls nicht.

Doch stehen all diese Dinge gar nicht wirklich im Zentrum des Interesses. Eine starke Szene zwischen Chester und Marcus verdeutlicht vielmehr erneut, worin die Serie bisher am besten war und auch weiterhin ist: philosophische Diskurse über die Gesellschaft anzubieten, in der unsere Figuren leben, die aber zudem auch allgemeingültiger Natur sein können. Hier ist es die Feststellung, dass die Gesellschaft ihre Monster selbst erschafft, weil sie sie braucht, um zu funktionieren. Wie die Figuren in dieser Serie sucht auch die Gesellschaft um sie herum ein ständiges Gleichgewicht und gerät dabei zuweilen aus den Fugen.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist jedoch, wie sehr man am Ende die relevanten Charaktere in alle Winde zerstreute. Willie ist bereits seit der vergangenen Episode weg, Marcus und Maria in Nöten und Saya davongestürmt. Dazu wissen wir nicht, was aus Billy und Petra geworden ist. All diese Entscheidungen führen weder zu besonders potenten Cliffhangern, noch zu einem würdigen Abschluss. Vieles fühlt sich ein wenig vage an, so dass man als Zuschauer nicht händeringend weiterschauen muss, sich aber eben auch keine völlige Zufriedenheit einstellen will. Zudem verpufft die emotionale Wirkung der tragischen Tode von Naya und Lex aufgrund der brachialen Actionsequenzen (die jedoch überzeugend umgesetzt wurden). Einzig mit Master Lin kann man mitfühlen, seine Geschichte wurde aber auch am deutlichsten zu einem Ergebnis geführt.

So sehr man am Anfang der Serie befürchten musste, dass sie eventuell nur ausgetretenen Pfaden (Teenie-Drama, geheime Schule) folgen würde, so sehr konnte sie sich letztlich allerdings doch schon zu diesem frühen Zeitpunkt davon abgrenzen. Viele Episoden machten einfach Spaß und punkteten zudem durch die meist gelungene Umsetzung und den immer wieder grandiosen Soundtrack. Man denke insbesondere auch an die immer wieder eingesetzten animierten Sequenzen des Wes Craig. Einfach wunderbar! Dazu bot man uns eine Menge Philosophie junger Menschen der Generation X, Punkrock, Sex, Drogen sowie popkulturelle und Comic-Referenzen. Rick Remender hat in der Summe definitiv nicht enttäuscht.

Über eine Fortsetzung der Serie ist übrigens bisher nichts Offizielles bekannt geworden. Wir halten euch auf dem Laufenden.

Technisch betrachtet

Das Drehbuch schrieb zum Abschluss Comic-Guru und Showrunner Rick Remender. Ihm gelingt es nicht, an allen Fronten für den notwendigen Abschluss zu sorgen, da er seine Gruppe auf zu viele Handlungsorte verteilt und somit die Gruppendynamik und den emotionalen Eindruck etwas ausbremst. Dafür bringt er allerdings die wichtigsten Themen in den sicheren Hafen und würde auf diese Weise auch bei einer Absetzung der Serie für ein akzeptables Ende sorgen.

Die Regie führt zum vierten Mal in der ersten Staffel Adam Kane, der sich von der Inszenierung her nichts zu Schulden kommen lässt. Insbesondere die Action gelingt ihm erneut glaubhaft und gut.

Musik

Zum Abschluss der Staffel bietet man uns noch einmal vier Songs an, die das Geschehen umspielen.

Los geht es mit dem Song London Dungeon von The Misfits, der läuft, als Lin mit seiner Tochter durch Chinatown läuft, um El Diablo zu entkommen.

Whiskey River von Willie Nelson wurde für die Szene gewählt, in der Marcus, Saya und Lex die Konfrontation mit Fuckface suchen.

Das berühmte Mr. Crowley von Legende Ozzy Osbourne begleitet die Jagd von Marcus nach Fuckface.

Auch die Band The Smiths darf noch einmal ran: Asleep ist der letzte nennenswerte Song und umrahmt die Szene, in der Marcus und Maria sich über ihre Beziehung unterhalten.

Gib dem Kind einen Namen

Sink With California (Scherbenhaufen): Der englische Titel zielt wie auch der deutsche darauf ab, dass zum Schluss alles in einem gewaltigen Drama endet. Dabei ist die Betrachtungsweise des Originals durchaus globaler, als der berühmte deutsche Scherbenhaufen, den man schon in so vielen Serien zu irgendeinem Zeitpunkt als Titel gewählt hat. Selbstverständlich passen aber beide. Der englische Titel ist nebenbei auch noch Songtitel der Band Youth Brigade, die jedoch 1994 das Lied veröffentlichte und somit nicht in den Soundtrack gepasst hätte. Im Text heißt es:

"Well I've been around the country and I've met a lot of kids
Some kids are smart and some kids are dumb
But I don't pass judgement they're just having fun
Some kids get fucked up and others refrain
But that's what makes the world so great, no one should be the same
The kids of the future, you can see it in their eyes
They must overcome nationality, if the World is to survive

And we'll sink with California, when it falls into the sea"

Fazit

Deadly Class liefert mit der letzten Episode der ersten Staffel Spannung zum Nägelkauen, einen hohen Action-Faktor und viel Gewalt, vergisst aber ein wenig, die Gruppe näher zusammenzuhalten und somit an allen Fronten für eine zufriedenstellende Auflösung zu sorgen. Dennoch bildet das Abenteuer den angemessenen Abschluss für eine insgesamt interessante und gute erste Staffel.

Bewertung: vier dicke Blutspritzer

 

Über den Autor:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider. Neben seinem Sachbuch "Es lebe Star Trek" ist im Oktober der Auftakt seiner Jugendbuchreihe "Ein Fall für die Patchwork Kids" erschienen. Im Dezember startete mit "Beyond Berlin" seine erste eigene Science-Fiction-Reihe.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.


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