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Kritik zu Star Trek: Discovery 2.01 - Brother

Auftakt nach Maß? Die zweite Staffel von Star Trek: Discovery hat sich eine Menge vorgenommen und liefert fast durchgängig. Das und den Rest hinterfragt jede Woche exklusiv für SYFY der Medienjournalist und Star-Trek-Experte Björn Sülter.

Star Trek

Präsentiert von: Björn Sülter


Es geht wieder los! Ab heute wird an dieser Stelle wie gewohnt jede Woche eine ausführliche Rezension zu den Episoden der zweiten Staffel von Star Trek: Discovery erscheinen; flankiert wird das Ganze mit dem wöchentlichen Podcast Planet Trek fm, der immer zu Beginn der Folgewoche erscheint. Den Anfang macht die Episode Brother.

Was passiert?

Captain Christopher Pike übernimmt das Kommando über die USS Discovery, um mysteriösen Signalen nachzugehen, die plötzlich aufgetaucht sind. Michael Burnham befasst sich derweil mit ihren Dämonen in Hinblick auf den abwesenden Halbbruder Spock …

Zitat

„Where’s my damn red thing?“ (Pike)

Comeback

Gut ein Jahr ist es bereits her, dass die USS Discovery in den letzten Sekunden der ersten Staffel auf die USS Enterprise getroffen war.

Doch wo standen wir eigentlich inhaltlich? Der Klingonenkrieg wurde beendet, der Trip ins Spiegeluniversum hinter sich gelassen. Dr. Hugh Culber wurde durch den als Ash Tyler getarnten Klingonen Voq ermordet und der fiese, falsche Lorca enttarnt und ebenfalls getötet.

Dazu erhielten wir mit Imperatorin Georgiou eine Figur, die weiterhin ihr Unwesen treiben wird. L’Rell und Tyler machen derweil nach ihrer Freilassung durch Burnham die Heimatwelt der Klingonen unsicher, der Beziehungsstatus zwischen Ex-Meuterin und Ex-Sicherheitschef verblieb kompliziert und die Crew der Discovery wartete gespannt, wer ihr neuer Captain sein würde. Achja: Tilly wurde noch ins Kommando-Training aufgenommen und Saru als Interimscaptain eingesetzt.

An dieser Stelle und mitten auf dem Weg nach Vulkan tauchte dann unvermittelt die USS Enterprise auf. Exakt an dieser Stelle nimmt auch die zweite Staffel nun ihre Arbeit auf.

Hinter den Kulissen der Serie hat Trek-Veteran Joe Menosky seinen Hut genommen und ist auf die USS Orville umgezogen, Nicholas Meyer kehrte ebenfalls nicht zum Stab zurück. Als Showrunner fungierten weiterhin Gretchen Berg und Aaron Harberts – zumindest zu diesem Zeitpunkt noch. Sie schrieben auch den Auftakt gemeinsam mit Ted Sullivan. Der neue Franchise-Chef Alex Kurtzman übernahm die Regie.

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Pike! Pike! Pike! Reno!

Obwohl die Episode eindeutig nach Spock benannt worden ist, steht eigentlich ein ganz anderer Charakter im Mittelpunkt: Captain Christopher Pike.

Was für ein Glück, dass es den Produzenten gelang, eine derart grandiose Castingentscheidung zu treffen! Jason Isaacs hatte im ersten Jahr als Captain Gabriel Lorca definitiv eine Menge Charisma zu bieten gehabt, auch wenn er darüber hinaus mit einem Starfleet-Captain nicht viel zu tun hatte. Pike hält aber nun in jeder Hinsicht mit, reißt Szene für Szene an sich und präsentiert uns zudem einen Vorzeige-Captain im Geiste von Kirk und Picard. Was für eine irre Mischung! Ein cooler Sunnyboy-Cowboy mit Humor, Ecken, Kanten, einer klaren Meinung aber auch viel Empathie, Weisheit und innerer Ruhe: Klasse! Wer den brummeligen Anson Mount aus Hell on Wheels kennt, wird ihm diese Darstellung vielleicht nicht unbedingt zugetraut haben. Er ist jedoch schon jetzt ein Volltreffer für die Serie!

Auch gelingt es Mount, das beste der beiden Vorgänger zu vereinen. Jeffrey Hunter und Bruce Greenwood hatten auf ihre Weise in der Rolle des Pike überzeugt, Mount trifft aber auf seine Art sogar beide Darstellungen und vereint sie zu etwas spannend Neuem.

Seine Vorstellung auf der Brücke, bei der er alle Offiziere seine Akte mit samt seinen Schwächen und Fehlern einsehen lässt, ist schon jetzt ein Klassiker. In diese Kategorie gehört auch seine Aufforderung an alle, sich namentlich (und ohne Rang) vorzustellen. Hier nehmen die Autoren sich gekonnt selbst auf die Schippe und machen die Brückencrew endlich zu wichtigen Figuren im Ensemble. Dazu passt auch, dass diese endlich einmal wieder richtig Anteil an der Mission erhalten und ihren Teil aktiv beitragen. Das darf so weitergehen!

Doch gilt das auch für Tig Notaro und deren Figur der Jet Reno, die man in einer großen Actionsequenz in der Mitte der Episode von der USS Hiawatha retten muss. Notaro reißt, ähnlich wie Mount, sofort das Heft des Handels an sich und begeistert als knorrige, zynische und äußerst einfallsreiche Ingenieurin. Wenn die Macher den vakanten Platz im Maschinenraum der USS Discovery nicht mit ihr besetzen, müssen sie mindestens zwei Wochen mit dem Tardigraden eine Zelle teilen. Spaß beiseite: Notaro wäre eine ideale Ergänzung des Casts und sollte unbedingt gehalten werden.

Das Pike-Problem

Selbstverständlich entsteht bei so viel Sonne aber auch Schatten. Die Hinzunahme von Pike bringt der Serie nämlich auch elementare Probleme ein.

Das erste fällt vorerst nicht weiter ins Gewicht, solange wir nur von dieser einen Mission der Staffel reden: Pike wird irgendwann auf die Enterprise zurückmüssen, da er dort in gut zehn Jahren das Kommando an einen gewissen Captain Kirk abgibt. Das Ende seiner Amtszeit ist also vorgezeichnet, wenn auch zeitlich nicht klar definiert. Nimmt man den Kanon einmal locker und sagt, dass Pike durchaus zwischendurch einige Jahre Captain der Discovery gewesen sein kann, dann auf die Enterprise zurückkehrte und diese schließlich an Kirk übergab, hat das Produktionsteam eigentlich alle Zeit der Welt und könnte ihn für den Rest der Serie im Kommandosessel belassen. Das würde vielen Fans aber vermutlich als Erklärung nicht gefallen und ist bestimmt auch nicht der Plan. Dennoch wäre es theoretisch machbar.

Der zweite Punkt ist etwas globaler. Mit Pike gibt man der Serie auch weiterhin keine Identifikationsfigur in Sachen Captain. Während die anderen Serien eindeutig mit ihren Anführern verbunden sind, bleibt diese hier die Serie rund um Burnham mit wechselnden Chefs. Das mag Kalkül sein und die Sache auflockern, ist aber gerade in Hinblick auf Anson Mount eigentlich schade, da er als „Captain Sowieso“ ebenfalls grandios gewesen wäre und dann auch noch der endgültige Discovery-Captain für die Geschichtsbücher hätte werden können.

Diese beiden Faktoren spielen allerdings keine Rolle, wenn Burnham irgendwann Captain werden soll (wovon auszugehen ist) und somit alle bis dahin nur Platzhalter und Lehrmeister auf diesem Posten und ihrem Weg sind. Wenn man ehrlich ist, wäre diese Vorgehensweise clever, frisch und irgendwie spannend.

Die Sache mit der Wissenschaft und den Gefühlen

Clever, frisch und spannend fühlt es sich auch an, wie bei verschiedenen Gelegenheiten die wissenschaftliche Begeisterung bei Teilen der Crew in den Vordergrund rückt. Insbesondere Tilly, Stamets und Burnham sind in diesem Zusammenhang zu nennen. Doch auch Jet Reno könnte in diesem Bereich eine wunderbare Bereicherung sein. Die Autoren lösen somit auch ein Versprechen ein und holen einen klassischen Trek-Aspekt wieder in den Fokus. Eine gute Entscheidung!

Einen besonderen Höhepunkt der Episode stellt eine relativ kurze Unterhaltung zwischen Tilly und Stamets dar. Der ehemalige Sporen-Beauftragte scheint endlich Zeit für die Aufarbeitung seiner Trauer zu finden und daraus auch Entscheidungen für seine Zukunft abzuleiten. Ihm wurde ein Posten auf Vulkan angeboten und er hat vor, diesen nach der aktuellen Mission auch anzunehmen.

Tilly ist darüber allerdings untröstlich, zeigt ihre Gefühle mehr als deutlich und versucht den Kollegen für potentiell spannende neue Aufgaben zu begeistern. Während man das eine oder andere Tränchen von ihr erwarten konnte, überrascht jedoch die Wucht, mit der uns Anthony Rapp hinter die Fassade seiner gepeinigten Figur blicken lässt. Paul Stamets ist ein gebrochener Mann, der nicht ertragen kann, an diesem Ort ohne seinen Hugh weiterzuleben. Er muss einfach gehen. Rapp spielt die Verzweiflung, die Hilflosigkeit und die tiefen Wunden mit einer Intensität, dass es fast den TV-Schirm sprengt. Wenn dieser Austausch ein Indikator für eine höher Qualität der Drehbücher sein könnte, würde ich den Rest der Staffel sofort kaufen. Weiter so!

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Burnham, Kollegen und Familie

Abseits von Pike, Reno, Stamets und Tilly wird allerdings bereits zu Beginn der Episode klar: Wir befinden uns immer noch mitten drin in der Michael-Burnham-Show. Das Stilmittel des Voice-Overs wie auch die Flashbacks kannten wir schon aus der ersten Staffel. Dabei ist interessant zu sehen, wie die junge Burnham ihre ersten Schritte in ein neues Leben auf Vulkan nahm. Dass dabei auch ein junger Spock zu beobachten ist, macht die Sache nur noch spannender.

So dreht es sich zumindest im Hintergrund dann auch die ganze Episode hindurch um ein Problem zwischen Spock und Burnham, das letztere offenbar irgendwann verursachte, von dem aber nicht einmal Sarek Kenntnis besitzt. Ausgang offen. Spock selbst, respektive sein Darsteller Ethan Peck, ist in dieser Episode nur in einer Audio-Aufzeichnung zu hören.

Der Weg, die Geschwister wieder zusammenzubringen, wird ein relevanter Faktor der Staffel werden und weckt hier bereits genug Interesse.

Überhaupt nicht gelungen ist jedoch ein Aspekt, der bereits in der ersten Staffel zum großen Nervfaktor wurde: Burnham hat immer recht und macht was sie will! Hier darf sie direkt ihren neuen Chef auf der Brücke in gewohnt übellaunig-zickiger Art und Weise zurechtweisen. Auch hat sie zwei Momente zu bieten, in denen sie wie eine Schulstreberin gegenüber ihren Kollegen die noch bessere Idee aus der Tasche holt. Zu allem Überfluss verweigert sie mal wieder einen direkten und eindeutigen Befehl (diesmal von Pike und wieder nur, weil sie meint, es besser zu wissen), was zwar zu dessen Rettung führt und von ihm im letzten Moment noch abgesegnet wird, es ist aber einfach ein Muster das nervt. Auch behält sie dann selbstredend noch in Bezug auf Redshirt Connelly (der allerdings blau trägt) recht, als dieser in seiner Arroganz den Tod findet, weil er nicht auf Burnham gehört hat. Ganz nebenbei schreit die Figur des Connelly natürlich auch von Beginn an nach einem solchen Tod. All diese Momente schmecken schal und überzogen. Wir haben alle längst verstanden, wie kompetent Burnham ist. Die Macher müssen damit aufhören, sie zur übermächtigen Mutter der Kompanie zu machen, die alles und jedem etwas beizubringen hat. Die Fixierung der Autorin, mit aller Macht eine einzigartige Heldin zu generieren, ist einfach zu deutlich sichtbar. Sympathisch macht das zudem leider niemanden.

Kritik kann man ansonsten aber nur dezent anmelden. So zum Beispiel an der generischen Rettungsmission, bei der selbstverständlich exakt jetzt, wo die Crew der Discovery anwesend ist, der Untergang beginnt oder an den vorhersehbaren Momenten, die erst zur Rettung von Pike durch Burnham und dann von Burnham durch Pike führen. Hier bewegt sich das Drehbuch wieder eher auf den Spuren der ersten Staffel und schleuderte uns Offensichtliches um die Ohren. Aber Schwamm drüber. Die Schwächen werden von so vielen Stärken überlagert, dass man gerne mal ein Auge zudrücken darf.

Die Signale, der Engel und die Action

Etwas kurz kommt bei all den aufgeworfenen Themen natürlich auch die neue Rahmengeschichte der Staffel. Es reicht aber dennoch locker aus, um Interesse zu wecken und erste Spannung zu erzeugen. Dass die Signale natürlichen Ursprungs sind, ist fast auszuschließen. Doch wer steckt dahinter? Warum sieht Burnham einen roten Engel? Warum hatte der kleine Spock früher schon Albträume von diesem Phänomen? Wagt man sich hier unter Umständen an einen religiösen Kontext, der ganz bestimmt nicht einfach zu schreiben sein dürfte? Die Autoren werfen durchaus kreative Ansätze in den Mix, machen Appetit auf mehr und locken unsere Phantasie. Wohin das alles führen soll bleibt dabei erfreulich diffus.

Weniger diffus, sondern im Gegenteil sehr präsent, geriet die Action. Zwar gönnt sich die Episode zu Beginn und am Ende auch sehr lange Entschleunigungs-Sequenzen, der Mittelteil rockt aber fraglos die Bude. Unter der Regie von Alex Kurtzman erreicht die Serie hier sogar den Level der Reboot-Kinofilme und bewegt sich auf Blockbusterpfaden. Man mag davon halten was man will; es sieht in jedem Fall sensationell gut aus und macht Star Trek: Discovery visuell zu einer der aktuell spannendsten Serien.

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Einige Beobachtungen

James Frain und Mia Kirshner sind als Sarek und Amanda wieder mit dabei und liefern beide starke Leistungen ab.

Für die zweite Staffel spendierte man der Serie ein paar neue Bilder für den Vorspann, der ansonsten aber unverändert daherkommt. Die klingonischen Motive gehören endgültig der Vergangenheit an. Dafür sieht man nun beispielsweise ein Abzeichen der Sektion 31, den roten Engel oder einen Transporterraum, der auf Pikes Besuch anspielt.

Die Episode fällt mit 60 Minuten (inklusive einer dreiminütigen Wiederholung der Geschehnisse aus Staffel 1) sehr lang aus, wirkt dabei aber äußerst kurzweilig. Sehr schön, dass man sich die Zeit nimmt, die man dank Streaming-Service per Definition nun einmal hat.

Airiam wird in dieser Staffel nicht mehr von Sara Mitich gespielt, sondern von Hannah Cheesman. Vielleicht eine Folge des sehr aufwendigen Makeups? Mitich ist jedoch ebenfalls noch dabei; sie spielt jetzt Lt. Nillson und ist in einer Szene im Frachtraum links hinter Tilly zu sehen, während Airiam rechts hinter Stamets steht.

Zu Beginn der Episode zeigt man alte NASA-Logos (die seit den 1960er-Jahren nicht mehr benutzt werden) und Bilder der Cassini-Mission, die tatsächlich existiert hat und eine gemeinsame Mission der NASA und ESA zwischen 1997 und 2017 war. Warum man ausgerechnet darauf Bezug nimmt ist unklar.

Burnham liest mal wieder aus Alice im Wunderland, was eine schöne Kontinuität darstellt.

Pike hat da "ein ganz mieses Gefühl" - schöne Grüße an die Freunde von Star Wars.

Für die an der Synchronisation interessierten: Sascha Rotermund (bekannt als die Stimme von Benedict Cumberbatch und aus vielen anderen Serien und Filmen) spricht Pike, Arne Stephan (als Sprecher bekannt aus Blindspot oder Orange is the New Black und als Schauspieler aus GZSZ) den Spock. Beide machen hier einen sehr guten Job.

Die Uniformen der Enterprise-Crew werden als „neu“ bezeichnet. Somit schließt man offensichtlich das damit verbundene Kanon-„Problem“ und macht die Discovery-Uniformen endgültig zu einem stimmigen Zwischenschritt nach Star Trek: Enterprise und vor Star Trek. Passt! Wann die Serie wohl komplett auf die neuen Leibchen umschwenkt?

Bin ich alleine damit oder geht es auch anderen so? Seit wann schlenkert Saru beim Gehen so extrem mit den Armen? Das ist mir vorher nie aufgefallen.

Den Turbolift während der Fahrt von außen zu zeigen ist eine clevere visuelle Idee, die außerdem gut umgesetzt wurde. Dass sie obendrauf stark an Babylon 5 erinnert, macht die Sache nur spaßiger.

Die Holokerzen zum Auspusten aus Burnhams Quartier hätte ich definitiv auch gerne. Vielleicht eine Geschäftsidee für das große schwedische Möbelhaus?

L’Rell wird als Kanzlerin des hohen Rates erwähnt; doch weiß sie leider auch nichts über die mysteriösen Signale. Für die Kontinuität ist diese Anmerkung aber wertvoll.

Sarus Schwester wird erwähnt, nachdem wir sie zum ersten Mal im Short Trek mit dem Titel The Brightest Star kennenlernen durften. Ebenfalls eine schöne Kontinuität.

Stamets erwähnt einen Freund auf der USS Enterprise, einen Kollegen den er als Ethno-Botaniker bezeichnet. Vermutlich handelt es sich hier um eine Anspielung auf Hikaru Sulu, der zu dieser Zeit noch in blauer Wissenschafts-Uniform unterwegs war und in The Man Trap (Das letzte seiner Art) seine Liebe zu Pflanzen artikulierte.

Der Spruch aus einem von Lorcas vergessenen Glückskeksen lautet: „Not every cage is a prison, not every loss eternal.“ Damit spielt man freilich auf den ersten Star-Trek-Pilotfilm The Cage (Der Käfig) an, in dem Captain Pike (damals: Jeffrey Hunter) die Hauptrolle spielte. Eine schöne Verbindung zur Figur, ihrer Geschichte und den Auswirklungen. Alex Kurtzman bestätigte gerade erst, dass wir uns definitiv nach den Geschehnissen aus The Cage befinden, was die Sache nur stimmiger macht.

Stamets und seine Holo-Simulation des verstorbenen Hugh Culber erinnert an das Tasha-Yar-Hologramm aus Star Trek: The Next Generation.

Pike zitiert sinngemäß eine Geisteshaltung von Spock, die er wie folgt zusammenfasst: „Logic is the beginning of the picture, not the end.“ In Star Trek VI: The Undiscovered Country (Star Trek VI: Das unentdeckte Land) sagt Spock viel später selbst: "Logic is the beginning of wisdom ... not the end." Eine sehr hübsche und gelungene Verwendung dieses ikonischen Ausspruchs.

Etwas merkwürdig mutet es an, wie Pike erst aus dem Nichts Saru den Stuhl des Captains zurückgibt (weil er mit seiner Mission fertig ist), um dann kurz danach die Discovery-Uniform zu tragen und Burnham seinen Verbleib zu erklären. Frei nach dem Motto: Ich bin dann mal weg – ach nee, doch nicht. Hier wurde im Schnitt sehr unschön gearbeitet. Die Saru-Szene hätte man vielleicht einfach weglassen sollen, so hübsch sie auch ist.

Offene Fragen für den Rest der Staffel

Was sind die Signale? Wer ist verantwortlich? Etwa der rote Engel, den Burnham sieht? Was ist der rote Engel? Warum hat Spock das alles schon als Kind in seinen Träumen gesehen? Was hat es mit den Überlieferungen afrikanischer Ureinwohner zu tun, die Burnham erwähnt?

Warum haben Spock und Burnham sich so entfremdet? Welche Frage konnte Spock sich selbst nicht beantworten? In welchem Zustand wird Burnham ihn vorfinden?

Verlässt Stamets wirklich das Schiff und geht nach Vulkan?

Und nicht ganz ernst gemeint: Wie wird der neue Bereitschaftsraum des Captains aussehen? Schlenkert Saru jetzt immer so wild mit den Armen und wann wird Tilly wieder ein wenig ruhiger?

Technisch betrachtet

Die technische Umsetzung der Episode ist auf einem Level mit gutem, aktuellem Blockbusterkino und zeigt die Serie von ihrer besten Seite. Der Wechsel auf das Bildformat zahlt sich wie bereits bei den Short Treks auch hier aus. Zudem kann der Score von Jeff Russo in jeder Hinsicht begeistern und besticht durch einen verspielt-kreativen Ansatz und überraschende Ideen.

Regie führte Trek-Chef Alex Kurtzman und beweist, dass er ruhige und actionreiche Momente gleichermaßen in Szene setzen kann und in der Lage ist, Höchstleistungen aus seinen Darstellern herauszuholen.

Verantwortlich dafür ist aber selbstverständlich auch das Drehbuch der geschassten Showrunner Berg und Harberts in Kooperation mit Ted Sullivan. Das Dreiergespann bringt sowohl Kanon-Referenzen als auch Themen der ersten Staffel und sogar der Short Treks zusammen und verbindet sie mit den aktuellen Vorgängen.

Die Frau des Rezensenten

Auch der Couchnachbarin gefiel dieser Auftakt ausgesprochen gut. Sie fühlte eine Ruhe und Selbstsicherheit, die in die Serie einzieht, begeisterte sich an den Schauwerten und lobte insbesondere "Papa Schlumpf" Pike, den "Captain mit dem kompetenten Hundeblick". Dieser ist für sie neuer Fixpunkt der Srie und ein Riesengewinn. Es zeichnet sich bereits ab: Was dem einen (ihrem Mann) die Tilly ist der anderen (ihr) in Zukunft der Pike. Es sei ihr gegönnt! Tilly selbst nervte sie mal wieder über alle Maßen und sie war Saru für den abschätzigen Blick in einer Szene sehr dankbar.

Gib dem Kind einen Namen

Brother: Ein für die Serie erstaunlich generischer Titel, der zwar zur emotionalen Situation Burnhams und dem ganzen Mysterium rund um das gestörte Verhältnis zu Spock passt, aber irgendwie der Handlung der Episode und der Konzentration auf Pike und seine erste Mission nicht so wirklich gerecht wird.

Fazit

Ein ganz starker Auftakt! Mit einem wunderbar aufgelegten Anson Mount in der Rolle des Captain Pike und vielen gut geschriebenen Momenten für den gesamten Cast trifft die erste Episode der Staffel emotional genau die richtigen Töne, setzt eine spannende Hintergrundhandlung in Gang und entfaltet ein facettenreiches Setting für das zweite Jahr. Einzig Kleinigkeiten in der Überzeichnung von Michael Burnham trüben das Bild ein wenig. Dennoch steht eindeutig fest: Sollte der Startschuss ein Indikator für die neue Ausrichtung der Serie sein, darf man vorsichtig auf einen spürbaren qualitativen Sprung hoffen.

Bewertung: 4 von 5 kelpianische Ganglien

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Autor, Journalist & SYFY-Experte Björn Sülter nimmt euch mit auf eine Zeitreise durch über 50 Jahre, erzählt die Geschichten hinter den Kulissen und beleuchtet Stärken, Schwächen und Dramen aller Serien und Filme seit 1966! Angefangen mit den Abenteuern des Captain Kirk über Picard, Sisko, Janeway und Archer hat sich Star Trek seit damals eine treue und engagierte Fanbase erarbeitet. Die erfolgreichen Reboot-Kinofilme des J. J. Abrams sorgen seit 2009 für ebenso viel Diskussionsstoff wie die jüngst gestartete Fernsehserie Star Trek: Discovery. So zeigt sich das Franchise somit immer noch topfit und durchlebt aktuell einen weiteren Frühling. Die Entstehung und der Verlauf jeder Serie und jedes Films wird dabei eingehend beleuchtet. Ein ausführlicher Teil befasst sich zudem mit den neuen Kinofilmen und Star Trek: Discovery.

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Über den Autor & Gastgeber von Planet Trek fm:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider. Neben seinem Sachbuch "Es lebe Star Trek" ist im Oktober der Auftakt seiner Jugendbuchreihe "Ein Fall für die Patchwork Kids" erschienen. Im Dezember startete mit "Beyond Berlin" seine erste eigene Science-Fiction-Reihe.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.


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