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Kritik zu Star Trek: Discovery 2.02 - New Eden

Ausgetretene Pfade oder klassisches Star Trek? Die zweite Episode besitzt durchaus Potential für eine zwiespältige Betrachtung. Das und den Rest hinterfragt jede Woche exklusiv für SYFY der Medienjournalist und Star-Trek-Experte Björn Sülter.

Star Trek

Präsentiert von: Björn Sülter


Was passiert?

Ein Signal führt die Crew in den fernen Beta-Quadranten. Dort findet sie erstaunlicherweise eine menschliche Kolonie, während Tilly auf eigene Faust mit den Asteroidenfragmenten herumexperimentiert …

Zu Beginn (schuf der Rezensent das Vorwort)

Die erste Episode der neuen Staffel hatte wirklich Appetit auf mehr gemacht. Star Trek: Discovery startete selbstbewusst, humorvoll, gespickt mit starken Darstellerleistungen, großen Schauwerten und vielen smarten Dialogen ins Abenteuer. Dass man dazu auch einige dramaturgische Altlasten mitschleppte, war zu verschmerzen. So weit, so gut.

Die echte Feuerprobe für die neue Staffel folgt aber selbstverständlich erst mit dem weiteren Fortgang der Handlung. New Eden ist auf diesem Weg nun der erste Schritt. Wohin und in welcher Geschwindigkeit wird man den Staffel-Arc wohl vorantreiben? Was geschieht mit Figuren wie der geretteten Ingenieurin Reno? Wann gibt es ein erstes Aufeinandertreffen mit Spock? Was passiert derweil auf der klingonischen Heimatwelt mit L’Rell und Tyler/Voq? Was geht mit Georgiou und Sektion 31 vor sich?

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Die zweite Episode liefert noch nicht gar so viele Antworten auf die zuletzt genannten Fragen. Dass ist jedoch auch gar nicht schlimm. Von Spock fehlt also (zumindest in Person) noch jede Spur, Reno glänzt ebenfalls durch Abwesenheit und auch über das Klingonen-Duo oder die Imperatorin erfährt man zunächst nichts. Es geht in der zweiten Episode primär um den staffelübergreifenden Arc rund um die mysteriösen Signale – und das ist gut so. Warum das Gesamtwerk dennoch zu einer zumindest diskutablen Veranstaltung führt, schauen wir uns nun einmal gemeinsam an.

Das Positive (ist immer ein guter Anfang)

Doch beginnen wir mit lobenden Worten. Die erste Episode war schließlich viel zu erfreulich geraten, um direkt eine Woche später aller Hoffnung den Gnadenschuss zu verpassen. Sammeln wir also fleißig Pluspunkte.  

Erneut bietet man uns eine starke Szene zwischen Tilly und Stamets, die dessen Verwundbarkeit in Bezug auf den verstorbenen Hugh Culber thematisiert. Tilly scheint in dieser Hinsicht eine Art emotionale Mentorin für den Trauernden zu werden, was eine durchaus ambitionierte Wahl darstellt. Stamets ist in diesem Zusammenhang auch das erste Mal ehrlich bezüglich seiner Visionen von Hugh im Netzwerk. Tilly und Stamets teilen ohnehin schon die wissenschaftliche Begeisterungsfähigkeit und bringen ihre Freundschaft nun auf eine neue, emotionale Ebene, was der Serie ausgesprochen gut zu Gesicht steht. Zudem besitzen Mary Wiseman und Anthony Rapp eine natürliche Chemie, die sich auf den Zuschauer überträgt. Weitermachen!

Auch in der Causa Anson Mount darf man sich bestätigt fühlen: Sein Pike ist ein durch und durch smarter Captain und eine formidable Ergänzung des Casts. Durch ihn und seine Figur fühlt sich die Serie schon mit dieser zweiten Episode wie klassisches Old-School-Trek an. Das mag oder mag nicht im Sinne aller Fans sein, es schlägt aber in jedem Fall eine Brücke zu den beliebten Abenteuern der Vorgänger-Crews. An seine Seite stellt man hier erneut Burnham, die dadurch so etwas wie die Rolle der Vertrauten und zumindest gefühlt die Position des 1. Offiziers einnimmt; obwohl diese eigentlich Saru zufallen müsste. Diesen weiß man aber immerhin ebenfalls auch gut einzusetzen, als er auf der Krankenstation Tilly einen Einblick in seine eigene Entwicklung und Gefühlswelt gewährt und für sie zum Ratgeber mutiert. Die Crew funktioniert somit auch an dieser Stelle als Familie und Saru wird zum kompetent-besorgten Stellvertreter Pikes, der anderen Aufgaben nachgeht. Passt.  

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Ein weiteres dickes Plus ist die erneute Einbeziehung der Brückencrew. Endlich wirkt dieses in der ersten Staffel noch blasse Team wie das pulsierende Leben des Schiffes. Die Brücke wird durch kleine Kniffe zur Schaltzentrale und die Figuren treten aus ihren Schatten. Jeder erhält seine Momente und sogar Textzeilen. Obendrauf gönnt man Oyin Oladejo in der Rolle der Joann Owosekun sogar die Teilnahme an der Außenmission und einige clevere Szenen, bei der Figur glänzen kann. An dieser Stelle setzen die Macher eindeutig um, was die Fans sich gewünscht hatten. Klasse!

Auch gefällt, wie man erneut eine wissenschaftliche Lösung für ein Problem findet (erneut ist Tilly beteiligt), die alle begeistert. Diese Leute führen hier nicht einfach nur Dienst nach Vorschrift aus, sie leben die Begeisterung für die Erforschung des Alls – und somit für ihren Job. Die Serie wird dadurch um ein Motiv ergänzt, dass ihr ausgesprochen guttut und eine lange Geschichte im Franchise aufweisen kann. Star Trek feiert somit ein weiteres Mal die Wissenschaft als wahren Quell der Magie und zementiert etwas, das immer ein fester Bestandteil der verschiedenen Serien war. Gute Arbeit. Wenn in diesem Aspekt später sogar ein Puzzleteil der Rahmenhandlung zu finden ist, wäre das eine doppelt gute Vorarbeit.

Man sieht: Im Detail gibt es viel Grund zum Loben. Doch wo liegt dann der Haken?

Das Negative (muss leider erwähnt werden)

Dazu kommen wir nun und setzen unsere Reise mit den weniger erfreulichen Nachrichten der Woche fort; beginnend mit einem Thema, das eigentlich bereits zu den Akten gelegt schien.

Im Staffelfinale des Vorjahres hatte Stamets seinen wirklich allerletzten Sprung mit dem magischen Sporenantrieb durchführen müssen. Die Sternenflotte erklärte die spektakuläre Technik dann auch konsequenterweise für außer Betrieb gesetzt. Schließlich verstößt sie gegen diverse Regularien in Bezug auf genetische Veränderung von Menschen. Vom bedauernswerten Tardigraden wollen wir lieber gar nicht sprechen. Dass man damit auch gleich ein Stück Technik aus der Serie nahm, das von Beginn an nicht in den Kanon passte, war ein erfreulicher Nebeneffekt. Mit diesem Stand waren wir also vergangene Woche ins zweite Jahr gestartet. Nun ja. Lange gehalten hat der Frieden leider nicht.

Die plötzlich im Beta-Quadranten auftauchenden Signale reichten den Autoren nämlich vollkommen aus, den gerade etablierten Status Quo mit dem Hintern wieder einzureißen. Dabei schrieben sie auch gleich noch Pike an die Wand, da dieser in bester Lorca-Manier erklärt, dass die Mission wichtiger sei als irgendwelche Befehle. Er habe schließlich den Auftrag, die Sache mit den Signalen zu untersuchen und wenn der Antrieb funktionieren würde, solle er gefälligst auch eingesetzt werden. Boom! Mit der gleichen Argumentationskette hatte Lorca im ersten Jahr einige seiner fadenscheinigen Entscheidungen begründet. Eine sehr unschöne Wahl der Autoren, die sicher zu vermeiden gewesen wäre, wenn man die Story etwas anders aufgezogen hätte. Dafür hätte man allerdings den eigenen Ansatz im Kern überdenken müssen – und an dieser Stelle waren die Autoren bei Star Trek: Discovery bereits im ersten Jahr regelmäßig faul. So beweist dieser Umstand nur, dass sie diese bestimmte Vorgehensweise einfach (noch) nicht ablegen können oder wollen: Ihre Storyideen führen immer wieder zu Kunstgriffen, die eigentlich keinen Sinn ergeben, unlogisch sind oder Figuren und etablierte Informationen verraten. Die aktuelle Angelegenheit bildet da leider keine Ausnahme. Man brauchte für das Mysterium um die Kolonie New Eden die große Entfernung zum Alpha-Quadranten – und somit zur Überbrückung der Distanz durch das Schiff den Sporenantrieb. Schade. So musste Stamets also erneut zweimal den Behelfs-Tardigraden geben; wobei wir ihn nach dem zweiten Mal nicht einmal mehr wiedersahen.

Doch kommen wir direkt zum zweiten Punkt: New Eden. Oft hatten die verschiedenen Crews in den Trek-Serien Planeten besucht, auf denen eine erdähnliche Zivilisation lebte oder bei denen es sich sogar um Kolonisten oder entführte Menschen handelte. Immer mal wieder gab es dabei gute Beispiele, oft jedoch gerieten die Abenteuer unter dem Strich auch recht ähnlich.

Doch trotz warnender, jüngerer Beispiele (wie Terra Nova oder North Star in Star Trek: Enterprise), gingen die Autoren erneut den gleichen Weg. So dürfen wir also mal wieder die übliche Kleinstadt voller Menschen auf einem fremden Planeten erleben, während unsere Helden sich angemessen umziehen und vorsichtig vor Ort ermitteln.

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Einen großen Erkenntnisgewinn bringt der Außeneinsatz dabei leider nicht. So erfahren wir über die Einheimischen nur, dass sie (in 200 Jahren!) erstaunlich wenige Fortschritte gemacht haben und keine Elektrizität besitzen, dass sie alle Erdreligionen zu einer eigenen vermischt haben und einer der ihren seit Jahren heimlich auf Besucher von der Erde wartet. Das Ganze ist hübsch inszeniert und gespielt, führt aber leider nicht in die Tiefe des Materials.

Brechen wir das Ganze daher auf den reinen Drehbuchzweck herunter: Pike sieht am Ende in einer alten Aufzeichnung, dass der rote Engel bereits vor zweihundert Jahren die Erde besucht und diese Menschen hierher entführt hat. Der Grund bleibt ein Rätsel. Zu mehr war der Abstecher für den Moment nicht gut, mehr Aufwand hat man dementsprechend auch nicht in das Drehbuch investiert. Die Menschen in New Eden bleiben bis auf Jacob leere Hüllen. Die Discovery rettet noch nebenbei den Tag und verlässt die Kolonie am Ende so schnell wieder, wie sie sie gefunden hat.

Von Interesse ist dabei höchstens noch der angedeutete Konflikt zwischen Pike und Burnham. Letztere möchte die Menschen retten und nach Hause bringen. Pike steht auf dem Standpunkt, dass man sie wie eine Prä-Warp-Zivilisation behandeln und in Ruhe lassen muss, da sie nicht durch eigene Kraft hier gestrandet sind. Die Diskussion ist dabei aber natürlich eine rein theoretische, eben weil die Menschen damals zwangsumgesiedelt und somit gegen ihren Willen entführt wurden. Richtiger wäre es vermutlich, sie umfassend zu informieren und dann nach ihrer Meinung zu fragen. Der Disput ist an dieser Stelle aber auch global betrachtet ein wenig überflüssig, da diese Entscheidung sicherlich bei der Sternenflotte daheim auf der Erde getroffen werden sollte. Am Ende der Episode darf Pike dann aber doch noch eine Entscheidung treffen: Er tauscht einen Powerzelle gegen die Helmkamera aus längst vergangener Zeit. Damit hat die Kolonie nun endlich Strom. Wie wird das die Lebensweise der Menschen wohl verändern? Ob wir es je erfahren werden?

Der Rest (hilft, die Kurve zu bekommen)

Kommen wir noch einmal zu Stamets: Seine Ängste bezüglich Hugh führen dazu, dass Tilly wissenschaftlich noch aktiver wird, was der Figur einen guten Arc bescheren dürfte. Dass sie das Ganze im Alleingang durchzieht, lassen wir natürlich nicht einfach so stehen. Sie möchte helfen und ist übereifrig. Dass sie damit sich selbst und auch das Schiff gefährdet, ist Saru ein paar deutliche Worte wert. Zumindest bis er den Grund erfährt. Er billigt Tilly diesen einen Fehltritt zu, warnt aber deutlich vor weiteren. Übrigens handelt sie nach ihrem Unfall noch einmal gegen den direkten Befehl von Saru und kommt dafür mit einem zu etwas zu lässigen Spruch davon – sie lernt eben von der Besten, gell Burnham? Die Discovery bleibt also auch weiterhin das Schiff der abwesenden Kommandostruktur. So sympathisch es ist, wie Saru mit Tilly umgeht, so wichtig wird es sein, dass sie ihre Lektion für die Zukunft lernt. Anstatt der jungen Frau mit Engelszunge mitzuteilen, dass sie bitte erst an sich denken soll, bevor sie anderen helfen kann, hätte Saru eher mit Nachdruck sagen sollen: Bevor Sie jemandem auf diese Weise helfen, sprechen Sie bitte erstmal mit Ihrem Vorgesetzten! So schwer ist das schließlich nicht, oder? Aber das wäre ja irgendwie total militärisch und würde auf eine Hierarchie hindeuten. Ein absurder Gedanke meinerseits. Interessant ist dieser Subplot aber natürlich dennoch und gibt Mary Wiseman und Doug Jones viel Gelegenheit zu glänzen.

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Ebenfalls um Tilly rankt sich ein weiterer kleiner Handlungsstrang, der bisher jedoch noch wenig Sinn ergibt. Der wackere Fähnrich sieht nämlich einen Geist! Zunächst ist ihr das gar nicht bewusst – was schon an sich merkwürdig anmutet – dann jedoch erkennt sie, dass nur sie die junge Frau sehen kann und stellt fest, dass es sich um eine alte Bekannte aus der Schulzeit handelt, die allerdings lange verstorben ist. Ob Tilly einfach nur durchdreht, oder diese Geschichte irgendwie mit der Staffelhandlung, der grünen Spore aus der ersten Staffel und/oder dem Schicksal von Dr.Culber zu tun hat, werden wir sicher noch erleben. Für den Moment sind die Szenen allesamt nur eines: spooky und undurchsichtig.

Halten wir also fest: Es ist gut, dass die Autoren sich auf den Arc konzentrieren und die Crew als Team und Familie auf einer riskanten Mission zeigen. Der Weg dorthin (Sporenantrieb) und der Informationsgehalt vor Ort (New Eden) bleiben aber etwas frustrierend, wie der ausgelutschte Ansatz der entführten Menschen. Been there, done that. Unterhaltsam ist die Episode dank starker schauspielerischer Leistungen, einiger guter Dialoge und der mysteriösen Handlung, die uns zum Nachdenken anregt.

Einige Beobachtungen

Ethan Peck erhält als Spock zu Beginn erneut einen kleinen Auftritt per Voice-Over.

Burnham erfährt von Pike: Spock ist nicht im Urlaub, er befindet sich vielmehr in einer psychiatrischen Einrichtung auf Sternenbasis 5. Auf eigenen Wunsch hatte man seine Familie nicht informiert. Im Zuge des gegenseitigen Vertrauens schenkt Burnham ihrem neuen Captain am Ende dann auch reinen Wein darüber ein, was sie auf dem Asteroiden gesehen hat. Zu Beginn der Episode hatte sie dazu noch geschwiegen.

Tilly hat mal wieder eine gute Idee, Burnham jedoch eine noch viel bessere – manche Muster sind in den Köpfen der Autoren eben nicht totzukriegen. Warum nicht mal andersherum?

Die Szene, in der Pike verletzt wird und die darauffolgende Reaktion des Einheimischen erinnern stark an die Episode Who Watches the Watchers (Der Gott der Mintakaner) aus Star Trek: The Next Generation, in der Picard verletzt wird.

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Pikes Elternhaus spiegelt laut seinen Erzählungen den in dieser Staffel aufgegriffenen Konflikt zwischen Wissenschaft und Glaube sehr stark wieder. Die Autoren bauen damit genaugenommen einen Mikrokosmos (Familie) zum Makrokosmos (Story-Arc) auf und werden den wackeren Captain sicherlich später noch in einen Gewissenskonflikt befördern. Außerdem erwähnt Pike, dass er weiß, wie es ist mit Zweifeln zu leben. Eine klare Anspielung auf die Episode The Cage (Der Käfig).

Der dritte Weltkrieg wird erwähnt und wie in Star Trek: First Contact (Star Trek: Der erste Kontakt) beziffert Pike die Zahl der Toten auf 600 Millionen. Riker alias Jonathan Frakes hatte damals die selbe Zahl genannt; und der führte hier immerhin Regie.

Der Hilferuf der Kolonie stellt ein Easter Egg dar. Der Soundeffekt wurde nämlich direkt aus der Episode Balance of Terror (Spock unter Verdacht) aus der Originalserie entnommen.

Tilly spricht von einem Risan Mai-Tai - so etwas trinkt man natürlich idealerweise auf Risa, dem Vergnügungsplaneten aus verschiedenen Trek-Episoden.

Arthur C. Clarke und William Shakespeare werden erwähnt und zitiert. 

Nachdem wir in der ersten Episode der Staffel schon zwei eindeutige Reboot-Anspielungen auf Star Trek von 2009 (der grantige Ingenieur irgendwo im Nirgendwo) und Star Trek Into Darkness (die Mission im Asteroidenfeld) erhalten hatten, gibt es nun eine weitere auf den Auftakt der Filmreihe, als Tilly direkt von der Krankenstation in einer Art Nachthemd auf die Brücke kommt, weil sie wichtige Informationen besitzt. Vergleichbar ist das aber natürlich auch mit dem alten Picard, der in All Good Things (Gestern, heute, morgen) auf die Brücke stolpert und zunächst nicht ernst genommen wird.

Neue Fragen für den Rest der Staffel

Werden wir die Bewohner von New Eden wiedersehen? Warum hat der rote Engel sie auf diesen weit entfernten Planeten gebracht? Warum haben sie sich in 200 Jahren kaum weiterentwickelt? Warum haben die Signale die Discovery dorthin geführt? Sollte die Crew die Katastrophe verhindern und die Kolonie retten? Warum? Der rote Engel hätte bestimmt ebenfalls die Macht dazu gehabt, oder?

Warum sieht Tilly ihre alte Schulfreundin als Geist? Was hat es mit ihr auf sich? Verliert Tilly den Verstand? Oder spricht die grüne Spore zu ihr? Wird es Tilly gelingen, Stamets in Sachen Sporenantrieb aus dem Spiel zu nehmen? Wie reagiert dann die Sternenflotte?

Jetzt wo der Sporenantrieb wieder aktiv ist und Tilly sogar eine Lösung für Stamets sucht, stellt sich auch erneut die Dauer-Frage der ersten Staffel: Wie wird man erklären, dass er irgendwann keine Rolle mehr spielen kann?

Technisch betrachtet

Die technische Umsetzung ist erneut gelungen. Das gilt sowohl für die Effekte als auch für den sehr atmosphärischen Score.

Regie führte Trek-Veteran und Riker-Darsteller Jonathan Frakes, der im ersten Jahr für die Umsetzung der Episode Despite Yourself (Nur wegen dir) verantwortlich war und nicht enttäuscht hatte. Auch hier gelingt ihm eine geschliffene Umsetzung des vorhandenen Materials, die sehr old school daherkommt.

Die Story stellt die erste Zusammenarbeit von Akiva Goldsman (der Mann, der uns den Tribble und den Doppelpenis brachte) und Sean Cochran (der mit Michael Chabon den Short Trek namens Calypso schrieb) dar. Goldsman hatte in der ersten Staffel an The Vulcan Hello (Leuchtfeuer) und Will You Take My Hand? (Nimm meine Hand) mitgeschrieben und bei letzterer Episode dann auch Regie geführt. Die altbekannte Grundstory gewinnt primär durch die Verbindung zum Season-Arc an Bedeutung. Insbesondere in der Kolonie New Eden besteht der Rest jedoch aus rudimentären Figuren und oberflächlichen Informationen. Am ehesten funktioniert die Anreicherung mit der Tilly-Geschichte, wenngleich diese auch auffällig nebenherläuft.

Das Drehbuch entstand in Kooperation von Cochran mit Vaun Wilmott, für den es die erste Autoren-Arbeit an Star Trek ist. Er war bisher durch seine Beteiligung an Dominion und Prison Break aufgefallen. Fun-Fact: In Star Trek: The Next Generation spielte er 1993 zudem in der Episode Descent (Angriff der Borg) einen bajoranischen Sicherheitsoffizier.

Die Frau des Rezensenten

Ihr gefiel die Episode und sie vermutet, dass man sie insbesondere dann wertschätzen wird, wenn man nicht alles an Star Trek gesehen hat und auswendig kennt. Dennoch bot ihr das Drehbuch auch zu viele konstruierte Momente (Stichworte: Asteroidenfragmente an Bord zur Rettung des Planeten, Sporenantrieb wird doch wieder benutzt). Für einen ersten kleinen Schritt ins Staffelabenteuer würde sie New Eden aber eine lauwarme Empfehlung aussprechen. Auf Tilly im Nachthemd sowie auf ihre extrem nervige, imaginäre Freundin hätte sie aber durchaus verzichten können.

Gib dem Kind einen Namen

New Eden: Ein für sich genommen erstmal ein generischer Titel, der sich offenbar einzig und allein auf die Kolonie bezieht. Selbstverständlich könnte man auch annehmen, dass der übergeordnete Staffelbogen dazu beitragen wird, dass die Menschen der echten Erde in Sachen Glaube ein neues Eden finden werden (und somit zum Advanced Human des Gene Roddenberry werden?). Oder er könnte darauf abzielen, dass nur durch die Verbindung aller Religionen ein gemeinsames Eden erreicht werden kann. Wie auch immer es jedoch am Ende sein wird: Für den Moment ist der Titel wenig inspiriert und steht in einer Reihe mit Versuchen wie Terra Nova aus Star Trek: Enterprise.

Fazit

Eine ganz schwierige Kiste. Mit dem Wissen aus rund 750 Trek-Episoden und vielen andere Genre-Serien ist New Eden eine recht uninspirierte Angelegenheit, die durch viele hübsche Details am Leben gehalten wird. Ignoriert man diesen Hintergrund jedoch oder geht einfach weniger zynisch an die Sache heran, kann man auch von klassischem Star Trek und somit einer gelungenen Hommage an die Originalserie sprechen. Doch selbst wenn man diesen Ansatz wählt, bleibt die Haupthandlung in der Ausarbeitung etwas zu oberflächlich und wirkt wie ein reines Mittel zum Zweck. Dabei trägt sie aber immerhin zur übergeordneten Geschichte der Staffel bei und baut das Mysterium aus. Auch die Figuren kommen in vielen Momenten zu ihrem Recht, was einen klaren Pluspunkt darstellt. Dass obendrauf ein paar unschöne Entscheidungen seitens der Autoren zu schlucken sind, sollte man aber wiederum auch nicht verschweigen. Seien wir ehrlich: Das Ganze würde sich in einer Staffel mit 26 Episoden vermutlich ganz wohl fühlen. Doch hat Star Trek: Discovery für derartig vorhersehbare Stoffe eigentlich nicht mehr die Zeit. Verbleiben wir für den Moment wohlwollend und hoffen wir einfach, dass die nächsten Episoden etwas mehr Fleisch auf die Rippen bekommen.

Bewertung: 3 von 5 nigelnagelneue Energiezellen (und eine halbe grüne Spore obendrauf)

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Autor, Journalist & SYFY-Experte Björn Sülter nimmt euch mit auf eine Zeitreise durch über 50 Jahre, erzählt die Geschichten hinter den Kulissen und beleuchtet Stärken, Schwächen und Dramen aller Serien und Filme seit 1966! Angefangen mit den Abenteuern des Captain Kirk über Picard, Sisko, Janeway und Archer hat sich Star Trek seit damals eine treue und engagierte Fanbase erarbeitet. Die erfolgreichen Reboot-Kinofilme des J. J. Abrams sorgen seit 2009 für ebenso viel Diskussionsstoff wie die jüngst gestartete Fernsehserie Star Trek: Discovery. So zeigt sich das Franchise somit immer noch topfit und durchlebt aktuell einen weiteren Frühling. Die Entstehung und der Verlauf jeder Serie und jedes Films wird dabei eingehend beleuchtet. Ein ausführlicher Teil befasst sich zudem mit den neuen Kinofilmen und Star Trek: Discovery.

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Über den Autor & Gastgeber von Planet Trek fm:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider. Neben seinem Sachbuch "Es lebe Star Trek" ist im Oktober der Auftakt seiner Jugendbuchreihe "Ein Fall für die Patchwork Kids" erschienen. Im Dezember startete mit "Beyond Berlin" seine erste eigene Science-Fiction-Reihe.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.


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