News /

Kritik zu Star Trek: Discovery 2.04 - An Obol for Charon

Klassisches Star Trek, Gefühle, Spannung, wichtige Themen und Drama – und all das in nur einer Episode von Star Trek: Discovery? Das und den Rest hinterfragt jede Woche exklusiv für SYFY der Medienjournalist und Star-Trek-Experte Björn Sülter.

Star Trek

Präsentiert von: Björn Sülter


Was passiert?

Die Crew verfolgt eine Spur zu Spock, wird aber von einem Weltraumphänomen aufgehalten. Derweil wird Tilly ihre Stalkerin aus dem Netzwerk nicht los und Saru muss sich mit seiner Sterblichkeit auseinandersetzen …

2:1 für das Klassische

Die neue Staffel hat schon verschiedene Dinge probiert: Das große Hochglanz-Action-Abenteuer zum Start mit Brother (Bruder), das stille Planetenabenteuer mit klassischen Elementen (und etwas zu wenig Tiefe) in New Eden und das zugegeben unübersichtlich-serielle Altlasten-Puzzle Point of Light (Lichtpunkt).

Doch wohin würde das Pendel irgendwann ausschlagen? In dieser Hinsicht dürfte das vierte Abenteuer An Obol for Charon (Charonspfennig) mehr als nur ein Fingerzeig sein. Denn erneut sind es die klassischen Töne, die die Serie anschlägt; und das sogar noch viel überzeugender als im etwas unausgegorenen New Eden

Star Trek war immer dann am besten, wenn Episoden sich ein übergeordnetes Thema vornahmen und dieses vor dem Hintergrund der Serie und mit Hilfe der Emotionen und Lebenssituationen der Protagonisten ausloteten. Star Trek: Discovery war dies noch nicht gelungen. Die besten Episoden hatten sich bisher entweder eines Themas angenommen, das auch in anderen Ablegern auf die gleiche Weise funktioniert hätte (Magic to Make the Sanest Man Go Mad/T=Mudd²) oder sich kompetent im eigenen Mikrokosmos bewegte, ohne einen Aussagewert darüber hinaus zu entfalten (Lethe oder Context is for Kings/Lakeien und Könige). Das sollte sich nun jedoch ändern.

Das 100.000-Jahre-Ding

Bevor der Aufschrei zu groß wird: Das alte Weltraumwesen ist selbstverständlich kein Ding sondern vielmehr ein aufregendes und zunächst missverstandenes Wesen, das in bester Tradition einiger Vorgänger im Trek-Universum steht. Diese Rahmenhandlung setzt dann auch das Thema der Verständigung, des Vertrauens und des Respekts im Umgang mit anderen auf höchster Ebene an.

Um ein Vertrauensverhältnis geht es auch gleich direkt zwischen Pike und seinem ersten Offizier "Number One" (wunderbar: Rebecca Romijn). Die beiden zeigen in nur wenigen Momenten eine starke Chemie, was auf weitere gemeinsame Szenen hoffen lässt. Die Information, dass man Spock in einem Raumschiff vermutet und ihn nun verfolgen könne, ging zwar nicht völlig unter, da sie immer wieder zur Sprache kam und sogar ganz am Ende wieder aufgenommen wurde, stellt aber eindeutig eine Randerscheinung dar. An dieser Handlungsfront geht es weiterhin nur im Schneckentempo weiter. Hoffen wir, dass den Autoren der Unterschied zwischen Spannungsaufbau und Hinhaltetaktik bewusst ist.

Auch die plötzlich auftauchende Weltraumkreatur kommt in Sachen Spannung natürlich wie gerufen. Das Schiff wird festgehalten und muss schnell handeln, bevor die Spur zu Spock erkaltet. Dass zudem viele Systeme beeinträchtigt sind, fällt da fast nicht so sehr ins Gewicht. Zu einer grandiosen Szene kommt es jedoch, als der Universalübersetzer beeinträchtigt wird und alle plötzlich in anderen Sprachen sprechen. Das interessante daran ist, dass somit eindeutig klar wird, dass auf der Discovery selbst die Crew nicht von Haus aus Föderationsstandard spricht und letztlich nur mit Hilfe des magischen Geräts untereinander kommunizieren kann. Wie Saru nicht ganz ohne Ironie fragt: Hat wirklich niemand außer ihm eine andere Sprache gelernt? Dennoch: Die Turmbau-zu-Babel-Szene macht irrsinnigen Spaß und geht für mich in die Franchise-Geschichte als beste Verwendung einer Universalübersetzer-Fehlfunktion ein.

Star Trek

Die restliche Handlung wird von einer Person dominiert, die eigentlich ins Bett gehören würde: Saru. Dieser quält sich mit Männergrippe-Symptomen, was – wie wir alle wissen – leicht zum Tode führen kann. So auch hier, was lustig klingt, jedoch einen nur wenig amüsanten Dreh bekommt.

Das Saru-Ding

Wir erfahren, dass Kelpianer irgendwann in ihrem Leben entweder ihrem vorgezeichneten Weg (sich zu opfern) folgen, oder den Verstand verlieren. Bei Saru sind die Symptome ausgebrochen und er bereitet sich auf den Tod vor. Vorher hilft er jedoch noch seiner Crew, den vermeintlichen Angriff des Wesens zu verstehen und richtig zu entscheiden. Schön ist dabei, dass wir somit erstmals einen "Letztkontakt" erleben, wie Saru es nennt. Das Wesen stirbt und möchte sein immenses Wissen weitergeben. Dass es dazu nötig ist, sprichwörtlich die Hosen (Schilde) herunterzulassen, fällt Pike natürlich nicht leicht. Am Ende siegt jedoch auch bei ihm das Vertrauen auf Saru und der Glaube an seinen Eid der Sternenflotte gegenüber. Sense of wonder, Ehrfurcht, Liebe zum Job. Sehr schön!

Am Ende bleibt der Crew also die Dankbarkeit eines uralten Wesens, das sein Wissen weitergeben durfte und als Dank (so darf man es wohl interpretieren) die verloren geglaubte Spur zu Spock preisgibt. Das ist vielleicht nicht ganz so schön metaphorisch wie die Flöte für Picard in The Inner Light (Das zweite Leben), für die Crew im Moment aber dennoch ausgesprochen wichtig.

Für Saru steht dann allerdings noch der letzte Gang an. Dabei fällt es natürlich schon etwas unangenehm auf, dass seine Kollegen ihn nicht von seinen Plänen abhalten wollen. Doch hat auch diese Haltung etwas mit kulturellem Respekt zu tun. Das Drehbuch macht es sich an dieser Stelle vielleicht ein wenig zu leicht und hätte den Wunsch, Saru zu helfen, vielleicht thematisieren und klären sollen; es funktioniert aber auch so. Burnham ist seine Wahl für die Zeremonie, die Sterbehilfe nahe kommt. Hier erhält Sonequa Martin-Green ihren vielleicht bisher besten Moment der Serie, als alle Emotionen aus ihr herausbrechen. Klar ist: Das Band zwischen Saru und Burnham ist nicht ausreichend aufgebaut worden, um diese Szene vollumfänglich zu stützen. Mit ein wenig Phantasie geht sie aber als passend durch. Würden die Autoren manchmal mehr Sorgfalt im Aufbau walten lassen, würden sich viele Entwicklungen noch organischer anfühlen.

Burnham zieht die Sache am Ende durch; oder ist zumindest bereit dazu. Doch fallen die entzündeten Ganglien einfach ab und Saru lebt trotzdem noch. Das Makabere an der Sache: Damit fällt die Maske bezüglich der Lebensweise seines Volkes und Saru erkennt, dass alles eine Lüge ist, woran er und seine Leute seit Ewigkeiten glauben. Offenbar wurden die Kelpianer von den Ba'ul vorsetzlich mit den Ganglien ausgestattet, um sie zu kontrollieren und zu unterwerfen. Viel Stoff zum Nachdenken für den armen Kelpianer! Dass er zudem ab sofort ohne Angst wird leben können, verändert den Status Quo der Figur völlig und gibt den Autoren neue dramaturgische Möglichkeiten. Ob das eine gute Entscheidung war, werden wir zu einem späteren Zeitpunkt sicher besser bewerten können.

Das Tilly-Ding

Etwas losgelöst vom Rest geht es im Maschinenraum zu. So mysteriös die ganze Geschichte rund um Tilly, ihre Besucherin May aus dem Netzwerk und die Sporen auch ist, so sehr beinhaltet dieser Handlungsstrang dieses Mal den Humoraspekt der Episode. Herz des Ganzen sind dabei Stamets und Jett Reno, die einen furiosen zweiten Auftritt hinlegt. Die Chemie der beiden Sturköpfe würde vermutlich gut und gerne auch alleine für eine ganze Episode reichen, in der das Duo sich nur Sprüche an den Kopf wirft. Die Schreiber und die Darsteller pushen sich in dieser Beziehung gegenseitig zu Höchstleistungen und ermöglichen uns einige echte Lacher.

Dabei fällt die Nebenhandlung, in der die beiden zusammenarbeiten müssen und sich auf diese Weise näherkommen, natürlich ab und eifert platten Film- und Serienklischees nach. Aufgrund der Spielfreude und des hohen Tempos fällt dieser Aspekt aber nicht weiter ins Gewicht.

Mary Wiseman, die Dritte im Bunde, steht Anthony Rapp und Tig Notaro schauspielerisch in nichts nach und komplettiert das kongeniale Trio. Wie schon in der vergangenen Episode kommt die Handlung etwas comicartig und überzeichnet daher. Erst wurde Tilly mit einem Ghostbusters-Werkzeug ihres ungebetenen Gastes entledigt, hier nun wird ihr der Kopf angebohrt. Als Beruhigung singt Stamets aber immerhin ein kleines Lied von David Bowie (Space Oddity). Klassiker sterben eben nie!

Star Trek

Am Ende der Episode verschwindet Tilly im Kokon der Kreatur und somit, wie es scheint, im Inneren des Netzwerks. Ob hier eine Verbindung zu Alice im Wunderland beabsichtigt war? In jedem Fall könnte man davon sprechen, dass die junge Frau im Kaninchenbau verschwunden ist. Stamets und Reno blicken in den letzten Sekunden dann auch angemessen erschrocken durch die Öffnung in die Dunkelheit. Vielleicht bringt Tilly ja Dr. Culber aus dem Netzwerk zurück? Wenn sie schon mal da ist ...

Blick zurück nach vorn

Die größte Leistung des Drehbuchs ist es, alle Ebenen auf ihren Kern zu reduzieren und dort zu verbinden. Tilly muss Stamets und Reno vertrauen, während diese beiden ihre Animositäten überwinden müssen. Die Crew und besonders Pike muss Saru vertrauen, der wiederum darauf vertraut, dass das Wesen es gut mit ihnen meint. Zudem muss der Kelpianer auf Burnham vertrauen, diese wiederum auf ihn und seine verstörenden Aussagen zu seinem Zustand und der Vorgehensweise. Es geht um Respekt voreinander, um Achtung für die Gefühle und Bräuche des Anderen und um das Schaffen einer gemeinsamen Basis. Friedliche Koexistenz wie auch Liebe oder Freundschaft bedingen auch immer den Versuch, hinter die Fassade zu blicken. Das Drehbuch ist zwar äußerst rasant angelegt, nimmt aber alle Ebenen auf diese Reise mit.

Viele der modernen Trek-Serien haben in ihren zweiten Staffeln erste Höhepunkte gesetzt. Man denke an The Measure of a Man (Wem gehört Data?) oder Q Who (Zeitsprung mit Q) aus Star Trek: The Next Generation, an Cardassians (Die Konspiration) oder The Wire (Das Implantat) aus Star Trek: Deep Space Nine, an Meld (Gewalt) aus Star Trek: Voyager oder an Dead Stop (Todesstation) und Cease Fire (Waffenstillstand) aus Star Trek: Enterprise. Schön zu sehen, dass nun auch Star Trek: Discovery im ersten Drittel der zweiten Staffel die erste rundum gelungene, selbstbewusste, thematisch relevante und durchweg unterhaltsame Episode abliefert. Mithalten kann da höchstens das leichte Vergnügen aus Magic To Make the Sanest Man Go Mad (T=Mudd²). Auch diese konnte absolut überzeugen, machte sich die Sache aber einfacher und war inhaltlich nicht an die Serie gebunden. Zu höchsten Weihen reicht es zwar auch heute noch nicht ganz, die Serie ist inzwischen aber verdammt nah dran. Schauen die Macher weiterhin kritisch auf ihr Wirken, werden sie die letzten Stolperfallen auch noch finden und eliminieren. So optimistisch darf man inzwischen einfach mal sein!

Einige Beobachtungen

Endlich ist Jett Reno (Tig Notaro) wieder zurück. Es wäre zu schön gewesen, hätte die Autoren sie auch schon in die zweite und dritte Episode in irgendeiner kleinen Nebenhandlung rund um ihre Eingewöhnung nach der Zeit auf dem Asteroiden hineingeschrieben. So wirkt es hier, als habe man sie in ihrem Quartier eingesperrt und erst jetzt aufgrund der Notlage herausgelassen. Für derartige Versäumnisse gibt es weiterhin Abzug in der B-Note.

Star Trek

Die aus der ersten Episode der Staffel bekannte Nhan (Rachael Ancheril), bei der es sich um eine Barzanerin handelt, scheint nun auf der USS Discovery angeheuert zu haben. Das kam etwas plötzlich. Wir erinnern uns bei dieser Gelegenheit an die Episode The Price (Der Barzanhandel) aus Star Trek: The Next Generation, bei der es die Spezies ebenfalls zu sehen gab. Das visuelle Update ist dezent und gelungen.

Dr. Tracy Pollard (Raven Dauda) ist erneut zu sehen. Obwohl es niemand sagt, könnte es sich bei ihr um die Chefärztin handeln. Oder spricht ihr Rang (Lieutenant junior grade) dagegen? Vielleicht ist sie auch wie schon Dr. Culber nur Teil des Teams? Immerhin ein Chefingenieur wird diesmal erwähnt, wir erfahren aber erneut nicht mehr über sie oder ihn.

Erwähnung findet auch ein gewisser Mr. Luvier, der Chefingenieur der USS Enterprise. Pike sagt, niemand werde das Schiff jemals mehr lieben. Ob er sich da mal nicht irren soll …

Mar Wiseman hat offenbar in ihrem Vertrag stehen, dass sie einmal pro Staffel eine Episode wie auf Drogen spielen darf. Macht ja bestimmt auch Spaß …

Das Wesen erinnert gleich an diverse Vorbilder aus dem Trek-Kanon: Als da wären V`Ger (Star Trek: The Motion Picture/Star Trek: Der Film), Tin Man (Tin Man/Der Telepath), die Wal-Sonde (Star Trek IV: The Voyage Home/Star Trek 4: Zurück in die Gegenwart) oder auch die Sonde, mit deren Hilfe Picard ein ganzes Leben durchlebte (The Inner Light/Das zweite Leben).

Der Verlauf der Story erinnert zudem an Episoden wie Disaster (Katastrophe auf der Enterprise) aus Star Trek: The Next Generation.

Es wird erneut Bezug auf den Short Trek namens The Brightest Star genommen, der sich mit Sarus Vorgeschichte befasst hatte. Die Enthüllungen über sein Volk sind äußerst clever.

Herrlich, wie Number One an Bord der USS Discovery kommt und direkt mal ein kleines Festmahl zusammenstellt. Ihr Geschmack ist dabei exzellent.

Star Trek

Stamets und Tilly singen den Song „Space Oddity“ von David Bowie. Reno erzählt nach einer Ohnmacht von einer Vision, in der sie mit Prince einen Song live performt habe – gemeint ist vermutlich „When Doves Cry“. Eine sehr musikalische Episode.

Neue Fragen für den Rest der Staffel

Was wird die Übertragung des Wesens für Geheimnisse enthüllen? Werden wir sie jemals erfahren?

Wann holt die Discovery endlich das Schiff von Spock ein?

Wohin ist Tilly verschwunden? Was werden Reno und Stamets unternehmen, um sie zu finden?

Was wird aus den Kelpianern? Wird Saru Gelegenheit haben, sein Volk aufzuklären?

Kanon-Korrekturen

Eine neue Rubrik feiert diese Woche ihren Einstand, da die Autoren offenbar wirklich daran interessiert sind, verschiedene Brandherde des ersten Jahres forsch anzugehen. Schauen wir einmal, was sich bisher schon angesammelt hat.

Im Auftakt wurden die Uniformen der Enterprise-Crew als „die neuen Uniformen“ bezeichnet, was die Überführung der Serie als Zwischenstufe nach Star Trek: Enterprise hin zur Originalserie ermöglicht.

Die Klingonen wurden deutlich überarbeitet und zeigen sich nun in gewohnteren Gewändern, mit Haaren und Bärten und leicht verändertem Make-up, was insbesondere bei L’Rell auffällt. Auch hier gelingt somit nun der Spagat hin zu den uns bekannten Kriegern.

In den Klingonen-Szenen zeigte man ebenfalls den im Bau befindlichen neuen D7-Schlachtkreuzer, der sich in das bekannte Erscheinungsbild aus der Originalserie einpasst und den Faux-Pas aus Staffel 1 vergessen lässt.

In der vierten Episode nun wird erwähnt, dass die Holotechnologie auf der Enterprise zu Problemen geführt hat und konsequenterweise deinstalliert wird. Somit schlägt man auch an dieser Stelle eine Brücke dazu, dass es in den zeitlich folgenden Serien (bis hin zu einem erneuten Aufflackern in DS9) diese Technik nicht gibt. Das Ganze ist zwar eher spaßig als überzeugend, kann aber doch wohlwollend zur Kenntnis genommen werden.

Außerdem deutet die Episode an, dass der Sporenantrieb möglicherweise andere Lebensformen (oder deren Ökosystem) beeinträchtigt. Damit legt man eventuell den Grundstein für eine endgültige Einmottung der spannenden Technologie, die in den zeitlich folgenden Serien bekanntlich keine Rolle mehr spielt.

Technisch betrachtet

Die technische Umsetzung ist in jeder Hinsicht gelungen. Insbesondere gefällt erneut der Score von Jeff Russo, der beispielsweise die Szene, in der Burnham mit Saru die Brücke verlässt, episch unterlegt. Auch Sarus Quartier ist eine hübsche Idee.

Regie führte zum zweiten Mal nach Choose Your Pain (Wähle deinen Schmerz) Lee Rose, der erneut eine starke Umsetzung des vollgepackten Stoffes gelingt und die aus den Darstellern, hier insbesondere aus Sonequa Martin-Green, alles herausholt.

Das Drehbuch stammt aus der Feder von Andrew Colville, diesmal in Kooperation mit Neuzugang Alan McElroy. Colville hatte gerade erst vergangene Woche die Episode Point of Light (Lichtpunkt) abgeliefert und damit das Fandom gespalten.

Die Idee zur Episode entstand als Zusammenarbeit der damals noch in Amt und Würden befindlichen Showrunnern Gretchen Berg und Aaron Harberts gemeinsam mit Jordan Nardino. Berg und Harberts hatten das Drehbuch zu Battle at the Binary Stars (Das Urteil) geschrieben, ebenso das zu Context is for Kings (Lakaien und Könige) gemeinsam mit Craig Sweeney und erneut zu zweit das zu Will You Take My Hand? (Nimm meine Hand). Außerdem stammte die Idee zu Choose Your Pain (Wähle deinen Schmerz) in Kooperation mit Kemp Powers von ihnen. Jordon Nardino hatte im ersten Jahr Vaulting Ambition (Blindes Verlangen) geschrieben. Gemeinsam gelingt dem Dreierteam ein starkes, fokussiertes Drehbuch, das vielleicht etwas zu sehr die Haupthandlung aus den Augen lässt, aber mit ihrem Fokus auf das Phänomen der Woche und die Figuren auch viel Spaß macht und klassisches Trek-Feeling heraufbeschwört.

Die Frau des Rezensenten

Sie feierte primär zwei Faktoren ab. Einerseits wäre da die Männergrippe, die den Saurianer Linus zu dem Statement „ich dachte ich sterbe!“ veranlasst. Zugegeben, sie kennt das eben von Zuhause. Ihrer Meinung nach sollten alle Betroffenen auf der Discovery dringend eine Selbsthilfegruppe gründen und sich regelmäßig treffen. Andererseits gefiel ihr der Ausfall des Univeralübersetzers sehr. Auch der generelle Humor bekam ihren Segen. Für sie fühlt sich die Serie gar wie nach einem qualitativen Quantensprung an. „Das macht so richtig Spaß“ war ihr knapper wie eindeutiger Kommentar.

Gib dem Kind einen Namen

An Obol for Charon: Charon ist in der griechischen und römischen Mythologie der greise Fährmann, der die Toten für einen Obolus über den Totenfluss befördert. Sie sollen dadurch ins Totenreich, das Reich des Hades, gelangen.

Übertragen kann man das auf diese Episode nur sehr vage. Saru befand sich zwar eine Weile auf seiner gefühlt letzten Reise, Burnham passt als Charon aber weniger gut. Oder ist das fremde Wesen Charon? Auch der Obolus (seine Ganglien) wäre etwas zu weit hergeholt. Auch auf das 100.000 Jahre alte Wesen kann man den Titel nicht wirklich stimmig anwenden.

Wir haben es daher vermutlich mit einem Titel zu tun, der nett klingt, aber weniger aussagt, als man auf den ersten Blick meinen möchte. Das ist aber immer noch besser, als würde die Episode beispielsweise „Krise“ heißen.

Im Deutschen vergab man den Titel „Charonspfennig“, was ein üblicher Begriff für den gleichen Sachverhalt ist, das Ganze nur etwas enger fasst. Wer oder was in diesem Fall der Pfennig ist, bleibt aber auch hier offen.

Übrigens: Als mir jemand vor einigen Wochen den Titel am Telefon verriet, verstand ich zuerst „An Oboe for Sharon“ und fragte mich den halben Tag, was eine Oboe wohl mit der Folge zu tun haben würde und wer zur Hölle Sharon sei. Nun ja, Ohren auf oder Hirn einschalten.

Fazit

So machen wir das! Die Episode erfindet zwar kein Rad neu und verlässt sich fast zu selbstbewusst auf den flotten Flow des Drehbuchs, angesichts einer spielfreudigen Besetzung, der wunderbaren Sprüchen, ins Mark treffenden Emotionen und äußerst klassischen Trek-Themen von Verständnis, Respekt und Zusammenhalt geht der vierte Versuch der Staffel aber spielend als bisheriger Höhepunkt der Serie ins Ziel. Weiter so!

Bewertung: Ein sattes Menü aus Pizza Funghi mit Hausdressing, Cheeseburger, Fritten und dazu einen Shake. Einzig aufs Dessert müssen wir noch verzichten.

Star Trek

Buchtipp: SYFY präsentiert das umfassendste Sachbuch zu Star Trek in deutscher Sprache - jetzt auch als E-Book!

Autor, Journalist & SYFY-Experte Björn Sülter nimmt euch mit auf eine Zeitreise durch über 50 Jahre, erzählt die Geschichten hinter den Kulissen und beleuchtet Stärken, Schwächen und Dramen aller Serien und Filme seit 1966! Angefangen mit den Abenteuern des Captain Kirk über Picard, Sisko, Janeway und Archer hat sich Star Trek seit damals eine treue und engagierte Fanbase erarbeitet. Die erfolgreichen Reboot-Kinofilme des J. J. Abrams sorgen seit 2009 für ebenso viel Diskussionsstoff wie die jüngst gestartete Fernsehserie Star Trek: Discovery. So zeigt sich das Franchise somit immer noch topfit und durchlebt aktuell einen weiteren Frühling. Die Entstehung und der Verlauf jeder Serie und jedes Films wird dabei eingehend beleuchtet. Ein ausführlicher Teil befasst sich zudem mit den neuen Kinofilmen und Star Trek: Discovery.

Das Buch ist bei Amazon und vielen anderen Händlern erhältlich.

Über den Autor & Gastgeber von Planet Trek fm:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider. Neben seinem Sachbuch "Es lebe Star Trek" ist im Oktober der Auftakt seiner Jugendbuchreihe "Ein Fall für die Patchwork Kids" erschienen. Im Dezember startete mit "Beyond Berlin" seine erste eigene Science-Fiction-Reihe.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.


Tags: Star Trek   Star Trek: Discovery   Star Trek: Short Treks   Star Trek: Lower Decks