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Kritik zu Star Trek: Discovery 2.06 - The Sound of Thunder

Die sechste Episode der zweiten Staffel macht unheimlich viel richtig, eine elementare Sache aber auch völlig falsch. Das und den Rest hinterfragt jede Woche exklusiv für SYFY der Medienjournalist und Star-Trek-Experte Björn Sülter.

Star Trek

Präsentiert von: Björn Sülter


Was passiert?

Ein weiteres Signal taucht ausgerechnet über der Heimatwelt der Kelpianer auf. Pike schickt Saru und Burnham auf die Oberfläche …

Zufälle bestimmen unser Leben

Oder ist etwa alles Schicksal? Diese Frage wird selbstverständlich heute nicht beantwortet. Ein großer Zufall ist es aber schon, dass das dritte Signal der Staffel ausgerechnet über dem beschaulichen Kaminar erscheint. Oder etwa doch nicht?

Schön ist in jedem Fall, dass man damit zwei Motive der Staffel vermischt. Dabei taucht auch direkt eine interessante Frage auf: Was tut der Engel eigentlich? Leitet er helfende Hände zu Orten, an denen Hilfe notwendig ist, oder verursacht er die Probleme? Oder stimmt gar beides? Egal wofür man sich entscheidet, schließt sich die Frage an: warum?

Uns geben die Vorgänge in jedem Fall die Chance, den sympathischen Kelpianer Saru erstmals runderneuert zu erleben. Abgesehen von seinem Ausbruch gegenüber Pike, der vermutlich eher mit seiner emotionalen Involvierung zu tun hat, und keinen Maßstab darstellen sollte, scheint es sich immer noch um den gleichen, empathischen Offizier zu handeln, wie zuvor. Darauf lässt auch eine schöne Szene mit Dr. Culber schließen. Das Mehr an Emotionen könnte aber durchaus später noch eine spannende Sache werden.

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Die Zusammenführung mit seiner Schwester nach achtzehn Jahren läuft nachvollziehbar ab. Die junge Frau ist aufgrund seines Verschwindens Priesterin geworden und hat gleichermaßen auf eine Rückkehr wie auf ein Fernbleiben des Bruders gehofft. Sarus Abgang hat die Kultur zusätzlich belastet, da man annahm, er habe die Ba’ul erzürnt, was zu noch mehr Angst führte. All diese Dinge sind wohl durchdacht und gut geschrieben. Für Saru ist es somit eine bittersüße Heimkehr.

Später erfahren wir als Bonus noch, was auf dieser Welt wirklich vor sich geht. Die Kelpianer waren einmal die dominante Spezies, Jäger mit besonderen Fähigkeiten. Die Ba’ul waren die Opfer und hoffnungslos körperlich unterlegen. Durch den Vorsprung an Technik kehrten sie vor über 2000 Jahren diese Situation zu ihren Gunsten um und leben seitdem im Verborgenen. Letztlich sind die Ba’ul (ohne ihnen zu nahe treten zu wollen) isolationistische Feiglinge, die in Festungen im Meer vor sich hinvegetieren und aus dieser Deckung ihre Ex-Peiniger bestrafen oder klein halten. All das wirft viele spannende moralische Fragen auf, die, wie es in Star Trek im besten Fall sein sollte, schöne Diskussionen anregen können. Gute Arbeit!

Dennoch kann man selbstverständlich immer sagen, dass eine kreativere Auflösung denkbar gewesen wäre. Die hier gewählte ist aber vollkommen ausreichend und schlüssig. Gelungen ist eben auch, dass die Motive der Ba’ul (jedoch nicht zwingend ihr Vorgehen) nachvollziehbar sind. Genaugenommen haben sie ihre eigene Furcht vor den Kelpianern gegen den Gegner gewendet. Ganz schön zynisch.

Es kann auch nicht schaden, noch einen näheren Blick auf die Entwicklung beider Spezies zu werfen. Die Kelpianer sind Jäger und offenbar früher äußerst skrupellos gewesen. Die Ba’ul hingegen lebten in Angst, waren körperlich unterlegen aber intellektuell zumindest weiterentwickelt. Ihre Technik spricht in dieser Hinsicht Bände. Natürlich haben sie die Kelpianer auch lange Zeit ausgebremst, sie müssen zum damaligen Zeitpunkt aber bereits einen Vorsprung gehabt haben.

Auch wenn der Vergleich nicht ganz zutrifft: Letztlich sind die Ba’ul in diesem Bild eher wie wir Menschen, die Kelpianer wie (intelligentere) Dinosaurier. Ein Urteil über Erstere zu fällen, fällt uns dadurch zumindest schwer. Doch an diesem Punkt bewegen wir uns in einen Fragenkomplex, zu dem wir später noch kommen werden.

Was macht eigentlich Hugh?

Ein weiterer Brandherd hatte sich erst vergangene Episode aufgetan: Die Rückkehr ins Reich der Lebenden von Dr. Hugh Culber. Gut ist, dass die Drehbuchschreiber ihn nicht vergessen haben und zumindest kurze Einblicke in das Gefühlsleben des „neuen Menschen“ und seines Partners Paul Stamets liefern. Sogar noch besser ist, dass die Geschichte des Arztes inhaltlich perfekt zu der von Saru passt.

Beide haben eine Art Transformation durchlaufen. Beide haben einen Teil ihrer Identität eingebüßt. Beim Kelpianer sind es die Ganglien (und die damit verbundene Furcht), bei Culber sinnbildlich die Narbe (und die damit verbundenen Geschichten und Erlebnisse seines Lebens). Beide müssen sich neu verorten und kennenlernen. Von beiden wird aber auch ein Funktionieren, möglichst nach normalen Parametern, erwartet. Hier doppelt das Drehbuch sehr schön und zeigt, dass das Staffelmotto „Glaube vs Wissenschaft“ in vielen kleinen Bereichen Einzug gehalten hat. Klasse!

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Die Direktive, die keiner braucht

Bisher darf man also von einer mehr als runden Sache sprechen, die inhaltlich wie visuell gefällt, kulturelle Einblicke liefert, Figuren um Facetten ergänzt und uns kurzweilige Unterhaltung beschert. Leider kann man sich aber nicht um ein Detail herumwinden, dass der Episode in ihrer Gesamtheit elementaren Schaden zufügt.

Als Saru und Siranna sich auf dem Schiff der Ba’ul befinden, kommt die Idee auf, die Transformation aller Kelpianer durch einen technischen Kniff von der Discovery einzuleiten und somit die Spezies von der Kontrolle der Ba’ul zu befreien. Ohne weiter darüber zu philosophieren, welche Ereignisse man damit in Gang bringen würde (und ob man dazu überhaupt das Recht hätte!), setzt die Crew auf Pikes Befehl hin das Ganze in Gang. Der Captain wirkt an dieser Stelle einerseits wie durch Saru/Burnham ferngesteuert, andererseits aber auch furchtbar naiv. Auch wenn es Anson Mount gelingt, eine starke Performance abzuliefern, ist seine Figur so schlecht geschrieben, wie es bisher noch nicht zu erleben war.

Es kommt, wie es kommen musste. Die Ba’ul reagieren drastisch und bereiten die Vernichtung aller Dörfer durch ihre Pylonen vor. An dieser Stelle wirkt man auf der Discovery dann auch angemessen ratlos, ein Eingreifen kann höchstens noch Teile der Bevölkerung retten, aber wird sicher auch einen Krieg auslösen. Doch dann schwebt der Rote Engel heran, zerstört die Pylonen und vollendet das Werk. So ehrlich muss man sein: Damit konnte niemand rechnen! Auch heißt das noch nicht, dass die Ba’ul sich damit zufriedengeben werden. Pike und Co ist das aber erstmal egal: Die Discovery setzt ihre Mission fort. Die beiden Spezies werden das schon irgendwie hinbekommen …

Diese Einmischung ist eine ziemlich drastische Sache und steht in Konflikt mit etwas, das wir aus Star Trek seit vielen Jahrzehnten kennen. Die Erste Direktive ist für Star Trek eine wichtige Sache. Sie ist eine Leitlinie und steht für friedvolle und respektvolle Forschung und Koexistenz. Sie ist dabei selbstverständlich aber auch etwas, an dem die Figuren sich abarbeiten können und sollten. Und sie ist letztlich im Zweifelsfall auch zum Brechen da, nicht nur zum Dehnen wie Pike so schön sagt. Es muss jedoch einen wohlüberlegten Grund geben und im Zweifelsfall sollte Gutes daraus erwachsen. Daraus entsteht auch Drama und das haben wir in Star Trek oft gesehen. Manchmal waren die Episoden zum Thema erfolgreich, manchmal nicht. Diese hier ignoriert viele Fragen einfach, liefert daher auch keine Antworten oder Gedanken und macht leider ausgerechnet in der Frage nach dem „wie“ alles falsch.

Nun kann man argumentieren, dass auch Kirk oft einen lässigen Umgang mit diesen Regeln pflegte. Doch macht es das besser? Die Originalserie entstand vor über 50 Jahren. Man muss Star Trek heute einfach eine andere Sensibilität abfordern dürfen! Star Trek: Discovery hat immer wieder ins Feld geführt, dass man heute keine Serie mehr machen kann wie 1966. Daher haben wir es beispielsweise ja auch mit einem eindeutigen visuellen Reboot zu tun. Das gilt aber auch inhaltlich! Die Serie legt viel Wert auf Diversität und hat alles dem Zeitgeist angepasst. Warum sollte das für den Respekt vor fremden Kulturen nicht gelten? In der heutigen Zeit ist das ein Motiv, das wichtiger kaum sein kann! Star Trek muss in dieser Hinsicht Vorreiter sein und diese Werte hochhalten.

Erinnert ihr euch an das Bild von den Menschen und den Dinosauriern? Es ist freilich nicht ganz stimmig, weil die Kelpianer nicht mit wilden Tieren vergleichbar sind. Es geht jedoch mehr um den Vorsprung durch Technik. Die Ba’ul haben diesen ausgenutzt, um sich zu schützen. Sie haben ihre Gegner jedoch nicht ausgerottet, sondern „nur“ zu einem primitiven Leben verurteilt, um sie zu kontrollieren. Genaugenommen haben sie sie in Zoos gesteckt, beobachten sie und greifen ein, wenn es gefährlich wird. Klingelt da etwas? Sie nennen das die „Große Balance“ – und glauben vermutlich auch daran, dass es eine ist. Hier haben wir es mit einer kulturellen Geschichte zu tun, die Jahrtausende überspannt. Und auch wenn uns das Ganze an unsere eigene Welt und unseren Umgang mit anderen Lebensformen erinnert ist es erstmal etwas, das Außenstehende nicht direkt erfassen, nachzeichnen und schon gar nicht bewerten können. Bei den Kelpianern könnte es sich schließlich auch um die zukünftigen Schlächter der Galaxie handeln – wer weiß das?

Was würden wir Menschen wohl sagen, wenn ein Außerirdischer käme und nach 15 Minuten Sichtung verschiedener wahlloser Daten sagen würde: Ich habe mir ein Urteil gebildet, wir machen das jetzt mal alles anders. Hier habt ihr wieder ein paar Millionen Dinos. Wird schon, bis bald! Ich weiß: Das Bild hinkt. Aber es geht um die generelle, mit einem Eingriff dieser Art verbundene, Haltung.

Gedanken wie diese sollen nicht davon ablenken, dass man definitiv darüber nachdenken muss, dieser dualen Kultur irgendwie zu helfen. Man muss dabei aber auch mindestens beide Seiten sehen, bevor man sich an eine vorsichtige Bewertung machen kann. Davor sollte ein diplomatischer Dialog stehen, in den beide Seiten einwilligen müssen; nicht nur eine. Aber der Entscheider darf in keinem Fall irgendein Captain nach wenigen Minuten sein! Die Entscheidung wird also viel zu schnell und von den völlig falschen Leuten aus den völlig falschen Gründen getroffen. Auch Sarus Wohl ist kein wirklicher Aspekt. Wir erinnern uns: Saru ist gegen den Befehl seines Captains in diese Lage geraten! Auch hat Pike gar nicht genügend Informationen, um diesen Befehl zu geben und dann einfach zu verschwinden. Was ist seine Legitimation? Was denkt er, was ab sofort passieren wird? Hat er vielleicht alle Ba’ul zum Tode verurteilt? Wie wird die Rache der Kelpianer eventuell aussehen? Kann das irgendjemand sagen? Oder interessiert es ihn einfach nicht? Die Autoren liefern hier kein Futter und schaden damit den Figuren und ihrer Geschichte.

Auch die Argumentation für ein sofortiges Eingreifen mit „aber da sterben sonst weiterhin Kelpianer!“ zieht nicht. Auf der Erde sterben in einigen Kulturkreisen auch Menschen. Durch Folter, Exekution und aus Gründen, die andere Kulturen nicht nachvollziehen können. Dennoch kann nicht jeder Kommandant eines Schiffes, Kampfjets oder ein Missionsleiter bei jeder Gelegenheit irgendwo in ein fremdes Land reinpreschen und nach seinem eigenen Moralkodex aufräumen. Für so etwas gibt es die Politik, national wie international. In Sachen Star Trek ist das die Sternenflotte, die Föderation. Beide müssen ins Boot, beide müssen evaluieren. Beide müssen entscheiden.

Und dann kommen wir noch zum Plan an sich. Dieser ist nämlich – man verzeihe mir die Wortwahl – durchweg hirnrissig. Woran ich das festmache? Nun – hätte der Rote Engel nicht eingegriffen, wäre jetzt vermutlich ein Großteil der Kelpianer tot! Wie kann man darüber nicht nachgedacht haben? Dass die Ba’ul nicht nur zugucken würden, war angesichts ihrer aggressiven Haltung doch irgendwie logisch! Es ist schließlich (auch) ihr Planet! Der Rote Engel rettet zwar für den Moment den Tag, was danach kommt, wird aber wieder nicht diskutiert. Die Hoffnung stirbt zuletzt? Die Episode drückt sich sogar darum, irgendwelche gemeinsamen Szenen von Kelpianern und Ba’ul zu zeigen. Die Mission ist beendet, weiter geht`s. Schlimmer geht es kaum.

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Die Zeit ist wirklich ein Raubtier

Was ist hier das Problem? Die Autoren haben viele Freiheiten, auch was die Laufzeit angeht. Eine längere Szene, die zumindest verschiedene Sichtweisen abprüft, wäre möglich gewesen, wurde aber anderen Überlegungen geopfert. Nur welchen? Rasanz in der Story? Irgendwie fehlte es also mal wieder an Zeit und etwas mehr Beschäftigung mit Dingen, die für die Serie wirklich wichtig wären. So stellt sich nicht nur in der Causa Erste Direktive sondern auch in anderen Teilbereichen frei nach Dr. Soran die Frage, ob der Serie mehr Episoden oder weniger geballtes Drama in den vorhandenen Episoden nicht vielleicht ganz guttun würde.

Vor zwei Episoden hat Saru seine Ganglien verloren und muss seitdem ohne Furcht leben – ein Gamechanger für den sympathischen ersten Offizier! In der darauffolgenden Episode erhielt er fast gar nichts zu tun, seine Veränderungen wurden nicht einmal thematisiert. Hier nun geht es direkt in die Vollen und wir erleben einen eskalierenden Saru und die Auflösung seiner Origin-Story. Ein wenig mehr Aufbau wäre – wie so oft bei der Serie – für die emotionale Glaubwürdigkeit und den Eindruck beim Zuschauer sehr vorteilhaft gewesen.

Tyler ist nun vom geretteten Kriegsgefangenen und Opfer von Vergewaltigung zum Sicherheitschef, vom Culber-Mörder zum Kanzlerinnen-Helfer auf Kronos, zum (für tot erklärten) Neu-Agenten und schließlich zum Verbindungsoffizier der Sektion 31 auf der Discovery geworden. Nun trägt er hier plötzlich wieder die Uniform der Sternenflotte (allerdings mit dem schwarzen Abzeichen). Die Sache nimmt langsam Daily-Soap-Züge an! Gilt für die Autoren, dass es keine Episode mit Tyler ohne Veränderung aus dem Nichts geben darf? Auch hier wäre es besser, nicht ganz so wild zu springen. Außerdem wirkte er in dieser Episode wie ein reiner Stichwortgeber und erfüllte keinen wirklichen Zweck, den nicht auch jeder andere hätte erfüllen können.

Nachdem die Roter-Engel-Story seit der zweiten Episode ruhte, erhalten wir hier nun einen klareren Blick auf eine humanoide Figur in einem Latexanzug. Vielleicht bin ich da in der Minderheit, aber ich hätte gerne noch etwas mehr an der Erscheinung herumgerätselt und Futter dafür erhalten, bevor die Serie mir diese Wendung frei Haus liefert.

All diese Dinge gehen auf ein Problem zurück. Es geht viel zu viel vor sich bei Star Trek: Discovery. Die Autoren jonglieren mit unzähligen Handlungsschwerpunkten, dass einfach keine Zeit bleibt, alle ausreichend zu unterfüttern. Die Serie bleibt dadurch natürlich auf der einen Seite rasant und unterhaltsam, wirkt aber auch überladen und unausgegoren.

Und wenn dann einmal ein Punkt kommt, an dem man sich wirklich abarbeiten müsste, wird das Ganze wie hier in großem Stile versenkt. Das ist einfach schade und diese Behandlung hat die Serie auch nicht verdient.

Einige Beobachtungen

Lt. Airiam erhält wieder etwas mehr zu tun; sie darf mit Tilly die Datenbank auswerten, die man von dem uralten Wesen in An Obol for Charon (Charonspfenning) erhalten hat.

Mit 56 Minuten Laufzeit haben wir es hier mit der zweitlängsten Episode der Serie nach Brother (Bruder) zu tun. Auch interessant: Im ersten Jahr bewegten sich die Laufzeiten zwischen 36 und 49 Minuten, dieses Jahr sind es 44 bis 60 Minuten.

Jett Reno ist bestimmt auf Risa. Oder der Schlüssel zu ihrem Quartier klemmt. Im Ernst: Wie die Autoren diese Figur einbeziehen (oder eben nicht einbeziehen) ist wirklich albern. Arme Tig Notaro. Das kommt aber auch davon, wenn man zu viele offene Story-Fässer herumstehen hat; irgendwas fällt immer hinten über.

Beim Shuttle veränderte man gegenüber The Brightest Star die Kennzeichnung. Damals wirkte es so, als käme es von der USS Shenzou, hier fehlt dieser visuelle Hinweis nun und es wird gesagt, dass Georgiou Teil der Crew der USS Archimedes war.

Der Transporterraum der Ba’ul ist eine ziemlich simple Umgestaltung dessen der USS Discovery. Insbesondere durch Sarus direkten Beamvorgang wirkt die Ähnlichkeit befremdlich. Hier wurde definitiv Geld gespart.

War es wirklich nötig, dass der Ba'ul aussieht wie eine alte Hexe, die in ein Teerfass gefallen ist und beim Reden wirre Verrenkungen macht? Deutlicher kann man kaum "bad guy" rufen.

Was sollten die Lichteffekte auf der Brücke während des Gesprächs mit den Ba'ul?

Erinnern wir uns an das Padd, welches Saru in The Brightest Star umfunktioniert. Sieht das wirklich aus, als könne und wolle ein Ba'ul es mit seinen langen, klebrigen Gliedmaßen bedienen? An Bord des Schiffes weist nichts darauf hin, dass dieses Stück Technik visuell zur Spezies passt.

Warum beamen sich Saru und Burnham direkt neben das "Wachsame Auge"? Damit es direkt böse anfangen kann zu blinken? Oder weil der Strand so hübsch ist?

Der Moment, als die Festung der Ba’ul aus dem Meer auftaucht und vom Strand aus sichtbar wird, hat etwas von Die Truman Show.

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Offene Fragen für den Rest der Staffel

Wer zur Hölle ist die Figur in dem Latex-Anzug, die wie ein Engel aussieht und Tachyonen-Spuren hinterlässt? Ein zeitreisender Spock? Der Future Guy aus Star Trek: Enterprise? William Shatner auf der Suche nach Rache für diverse verpasste Cameo-Gelegenheiten? Oder ist es eine ältere Version des gefallenen Engels Michael (Burnham)?

Wie wird Culber mit seiner Situation umgehen? Wie wird ein erstes Treffen mit Tyler aussehen?

Was wird aus den Kelpianern und den Ba’ul?

Was plant Burnham auf Vulkan?

Technisch betrachtet

Die technische Umsetzung ist erneut spektakulär, alleine weil das Setting auf Kaminar einfach so viel hergibt. Der Score passte sich den verschiedenen Handlungsschwerpunkten an, ohne dabei jedoch groß zu glänzen.

Regie führte erneut Douglas Aarniokoski, der im ersten Jahr auch schon für die sechste Episode zuständig gewesen war: Lethe. Damals gelang ihm eine stilvoll-unaufgeregte Arbeit mit visuell interessanten Entscheidungen, hier überzieht er in Sachen Action und Kameraführung etwas. Insbesondere fällt das auf, als die Kamera in einer Szene mit Pike, Burnham und Tyler einfach nicht zur Ruhe kommen will und beim Zuschauer eher Schwindelgefühl verursacht. Das Ergebnis ist aber insgesamt dennoch gut.

Das Drehbuch ist die nächste Arbeit von Bo-Yeon Kim und Erika Lippoldt, die nicht nur Showrunner der neuen Picard-Serie sind, sondern auch Into the Forest I Go (Algorithmus) schrieben, eine der besten Episoden der ersten Staffel. Auch der Short Trek The Brightest Star ging auf das Duo zurück. Hier gelingt ihnen ein in weiten Teilen schönes Drehbuch, das sowohl die Geschichte auf Kaminar vorantreibt, Sarus inneren Konflikt beleuchtet, Culbers Problematik einbezieht, aber am wichtigsten Punkt der Handlung ohne Rücksicht auf Verlust die falsche Entscheidung trifft. Schade.

Die Frau des Rezensenten

Woran es lag, vermochte sie nicht zu sagen, doch entlockte ihr die Episode keine wirkliche, emotionale Regung. Die Einmischung in die Kultur empfand sie als nicht nachvollziehbar und "dämlich", die ganze Saru-Geschichte als nett, aber wenig tiefgründig. Über zwei Dinge ärgerte sie sich dann aber doch noch: Zunächst darüber, dass es wieder Burnham sein musste, die Sarus Beteiligung an der Mission durchboxte, dann, dass Burnham ihn im Transporterraum einfach gehen ließ.

Gib dem Kind einen Namen

The Sound of Thunder: Der Titel ist fast identisch mit dem einer Kurzgeschichte von Ray Bradbury (A Sound of Thunder/Ferner Donner), bei der es um den sogenannten Schmetterlings-Effekt geht. Dieser besagt, dass eine winzige Veränderung an den Ausgangsbedingungen eines Systems große Auswirkungen auf das Resultat haben kann. In der Kurzgeschichte geht es jedoch um Zeitreisen, hier eigentlich (!) nicht. Oder vielleicht doch? Dennoch wird der Eingriff Pikes (der allerdings nicht winzig ist) definitiv elementare Veränderungen mit sich bringen. Oder worauf will der Titel hinaus?

Fazit

Was für eine vertrackte Kiste. Die Vermischung von Roter-Engel-Thematik und der Geschichte rund um Kaminar gelingt durchweg gut, Sarus Rückkehr trifft die richtigen emotionalen Töne und die Enthüllungen über die Ba’ul sind schlüssig und regen zum Nachdenken an.

Leider fußt aber die Entscheidung, die Kultur komplett auf den Kopf zu stellen, auf einem viel zu gehetzten und in dieser Form äußerst diskutablen Vorgang, und bekommt obendrauf einen katastrophal schlechten Plan an die Hand. Dadurch rammt sich das Drehbuch auf den letzten Metern selbst einen Dolch ins Herz.

Wem die DNA von Star Trek am Allerwertesten vorbeigeht, wird das vielleicht verschmerzen können, auch wenn ein dermaßen krasser Eingriff in die Angelegenheiten einer Spezies meiner Ansicht nach in keinem Universum korrekt wäre; Erste Direktive hin oder her. Wer sich für die DNA von Star Trek allerdings interessiert und die Erste Direktive für einen elementaren Teil des Gesamtkonstrukts hält, kann maximal noch eine durchschnittliche Empfehlung für die Episode vergeben; und vielleicht nicht einmal mehr das.

Bewertung: Zweieinhalb vergilbte Seiten der Direktiven der Sternenflotte (über irgendwas mit Nichteinmischung in fremde Kulturen)

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Autor, Journalist & SYFY-Experte Björn Sülter nimmt euch mit auf eine Zeitreise durch über 50 Jahre, erzählt die Geschichten hinter den Kulissen und beleuchtet Stärken, Schwächen und Dramen aller Serien und Filme seit 1966! Angefangen mit den Abenteuern des Captain Kirk über Picard, Sisko, Janeway und Archer hat sich Star Trek seit damals eine treue und engagierte Fanbase erarbeitet. Die erfolgreichen Reboot-Kinofilme des J. J. Abrams sorgen seit 2009 für ebenso viel Diskussionsstoff wie die jüngst gestartete Fernsehserie Star Trek: Discovery. So zeigt sich das Franchise somit immer noch topfit und durchlebt aktuell einen weiteren Frühling. Die Entstehung und der Verlauf jeder Serie und jedes Films wird dabei eingehend beleuchtet. Ein ausführlicher Teil befasst sich zudem mit den neuen Kinofilmen und Star Trek: Discovery.

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Über den Autor & Gastgeber von Planet Trek fm:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider. Neben seinem Sachbuch "Es lebe Star Trek" ist im Oktober der Auftakt seiner Jugendbuchreihe "Ein Fall für die Patchwork Kids" erschienen. Im Dezember startete mit "Beyond Berlin" seine erste eigene Science-Fiction-Reihe.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.


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