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Kritik zu Star Trek: Picard 1.01 – "Remembrance" ("Gedenken")

Energie! Der Auftakt zur neuen Serie um Jean-Luc Picard fühlt sich an wie nach Hause kommen und gerät doch auch überraschend frisch und spannend.

Picard Nycc Trailer Header

Nun ist es also endlich soweit. Rund zwei Jahre nach der großen Ankündigung in Las Vegas startet die Serie mit dem schlichten aber sinnigen Titel Star Trek: Picard endlich hierzulande auf Amazon Prime.

Hinweis: Die folgende Rezension enthält Spoiler.

Was passiert?

Während der im Ruhestand befindliche Picard ein Interview zum Jahrestag der Supernova gibt, die zur Zerstörung von Romulus führte, erkennt eine junge Frau ihre Verbindung zu diesem ihr eigentlich unbekannten Mann. Und was haben Data, Romulaner und Borg mit der Sache zu tun?

Hintergrund

Reimt man sich Informationen aus verschiedenen Quellen wie den Trailern, Interviews mit den Beteiligten, dem Short Trek Children of Mars oder den Countdown Comics zusammen, erhält man ein relativ gutes Bild vom Setting der neuen Serie.

Jean-Luc Picard fungierte nach den uns bekannten Ereignissen aus dem letzten TNG-Kinofilm Star Trek: Nemesis (und somit auch nach dem tragischen Tod von Data) noch einige Jahre als Captain der Enterprise aktiv. Als die Sonne der Romulaner zur Supernova zu werden drohte, verließ er die Enterprise, nahm die (vielleicht bereits überfällige) Beförderung zum Admiral an und wurde Anführer und Gesicht der großangelegten Rettungsmission und übernahm das Kommando über die USS Verity. Ein Anschlag auf den Mars durch synthetische Lebensformen beendete diese Mission jedoch einige Jahre später, was (aus bisher unbekannten Gründen) zu Picards Abschied von der Sternenflotte führte. Er setzte sich frustriert in La Barre auf dem Weingut seiner Familie und an der Seite von Hund Number One und zwei romulanischen Verbündeten namens Laris und Zhaban zur Ruhe.

Die Serie setzt nun rund zwanzig Jahre nach Star Trek: Nemesis an und führt die Figur der Dahj ein, die Picards Hilfe sucht.

Nostalgie

Alles beginnt mit einer Szene, die direkt erste Tränchen in die Augen schießen lässt. Es ertönt das Lied Blue Skies von Bing Crosby, welches Data für Riker und Troi zur Hochzeit in Star Trek: Nemesis gesungen hatte. Wir erleben Picard und Data bei Poker und Earl Grey in 10 Forward der USS Enterprise-D. Fan-Service? Ganz bestimmt! Aber äußerst gelungener! Dass die Sequenz sich schnell als Traum entpuppt und mit der vermeintlichen Zerstörung von Mars und Enterprise endet, überrascht zwar nicht wirklich, für die schönen Erinnerungen hatte sich aber jede Sekunde gelohnt!

Zuhause

Kurz darauf befinden wir uns nicht mehr in Traumwelten. Jean-Luc Picard lebt rund zwanzig Jahre nachdem wir ihn als Captain das letzte Mal in Uniform gesehen haben auf dem Weingut der Familie Picard an der Seite seines Hundes Number One. Sieht man den Ex-Captain mit Mantel und Schieberkappe so über seinen Besitz flanieren, hat das zugegebenermaßen nur noch wenig mit dem Mann zu tun, den wir so lange in seinem Wohnzimmer, der Brücke der Enterprise, bei der Arbeit beobachtet haben. Erinnerungen werden aber selbstverständlich an die Szenen aus der Episode Family (Familienbegegnung) wach, in der wir den Alltag von Robert Picard ein wenig kennenlernten durften und an All Good Things... (Gestern, heute, morgen), wo wir ebenfalls einen alten Picard in seinen Weinbergen erleben konnten. Die Macher liefern hier früh den Beweis für das, was Patrick Stewart 2018 in Las Vegas angekündigt hatte: Dieser Picard ist ein anderer Mensch an einem anderen Punkt seines Lebens. Er fühlt sich wie die Großvater-Version seiner Selbst an, was emotional zunächst verwirrend ist, sich aber durch und durch gut und richtig anfühlt. Insbesondere für Fans, die als Kinder mit Star Trek: The Next Generation und Picard als Vaterfigur aufgewachsen sind, fühlt es sich so an, als würden wir nun als Erwachsene nach langen Jahren diesen Vater als alten Mann wiedertreffen. Bittersüß.

Doch ist es schnell vorbei mit der Idylle. Ein Fernsehteam vom FNN (Federation Network News) hat sich angekündigt, um ein Interview zum Jahrestag der Supernova zu führen. Supernova? Auch wenn es immer noch Fans gibt, die Handlungselemente der Reboot-Filme komplett ins Reich eines Paralleluniversums verorten und wünschen, muss man sich an dieser Stelle zumindest ein Zugeständnis erlauben: Die Anfangssequenz aus Star Trek (von 2009) hatte in der klassischen Zeitlinie aller bekannten Serien und Filme gespielt. Die dort erwähnte Supernova, die Romulus zerstörte und zu Spocks Zeitreise führte, ist geschehen und Teil dieser Zeitlinie. Die Macher von Star Trek: Picard nutzen sie nun sogar äußerst geschickt als Aufhänger für ihr großes Serien-Dilemma.

Picard ist über den Besuch not amused. Die Gründe für seinen Abschied von der Sternenflotte liegen im Dunkeln. Der TV-Vorbericht über den Ex-Captain, angereichert mit Bildern aus TNG (die neben ihm übrigens einzig Worf als bekannte Figur zeigen), macht uns jedoch sofort wieder eine Menge Spaß. Das Interview läuft jedoch nicht besonders gut. Die Journalistin hält sich nicht an Absprachen und befragt Picard nach dem Grund für seinen Ausstieg bei der Sternenflotte. Der Admiral im Ruhestand lässt sich aus der Reserve locken: Für ihn war die Sternenflotte nicht mehr die Sternenflotte. Bäm!

Aus seinem Munde besitzt diese Äußerung durchaus Gewicht. Kennt man Picard, muss schon etwas wirklich Katastrophales geschehen sein, damit er zu dieser Einschätzung gelangte. Picard hat sich in seiner Karriere oft auf die Seite der Schwachen und Hilflosen gestellt und seine eigene Karriere für andere riskiert, wenn er glaubte, im Recht zu sein. Er kam letztlich immer damit durch. Hier musste also etwas ganz anders gelaufen sein. Nur was? Die Verbindungen zur Supernova sind ebenso gelungen wie die offenbar nicht erfolgreiche Rettungsmission (die viele aktuelle Geschehnisse auf der Erde thematisch einfängt) und der Angriff der Synthetischen (der sicher nicht zufällig an den 11. September erinnert, was auch in Children of Mars, dem Picard-Short-Trek zum Tragen kam). Die Serie eröffnet hier eine ganze Latte an spannenden Themen, die damit aber noch längst nicht erschöpft sind.

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Nebenkriegsschauplätze

Als die Handlung nach wenigen Minuten nämlich das zweite Mal springt (und das erste Mal Picard als Fokus verlässt), werden rein stilistisch Erinnerungen an die Reboot-Kinofilme wach. Die Szene in Boston rund um Dajh, ihren Freund und die Angreifer verdeutlicht aber auch, dass die Dramaturgie den Gepflogenheiten moderner Dramaserien zu folgen gedenkt. Wir haben es mit verschiedenen Handlungsebenen zu tun und folgen nicht ausschließlich einer Figur oder einem festen Handlungsort. Über die mysteriöse Dahj erfährt man an dieser Stelle nur wenig. Offenbar wollten ihre unbekannten Angreifer sie beseitigen, was eine spontane "Aktivierung" der jungen Frau verhinderte, da sie danach übermenschliche Kräfte zur Schau stellte und den ganzen Trupp umbringen konnte. Von ihren Taten ist sie offenkundig ebenso verwirrt wie von den Bildern in ihrem Kopf, die ihr einen Mann zeigen, den wir nur zu gut kennen ...

Dahj trifft auf Picard und wir entwickeln nicht nur sofort eine Zuneigung zu dieser zweiten verlorenen Seele sondern lernen auch schnell den Grund für die Verbindung kennen. Dahj ist eine Art zweiter "Tochter" von Data und somit eine direkte Nachfahrin von Lal aus dem gescheiterten Experiment aus der Episode The Offspring (Datas Nachkomme). Es grenzt an ein Wunder, wie spielend es den Autoren gelungen ist, wunderbare Momente aus der Serie, die dreißig oder mehr Jahre zurückliegen, mit Motiven aus dem ersten Reboot-Film und spannenden gesellschaftlichen Themen zu verbinden und daraus etwas Neues zu erschaffen, das Star Trek, der Figur des Picard und dem Anspruch an modernes Drama-TV gerecht wird. Schade: Ich habe leider nur zwei Daumen, doch recke ich gerne beide symbolisch nach oben. Die hohen Erwartungen wurden Stand jetzt nicht enttäuscht.

Tragisch ist freilich, dass uns Dahj bereits in der ersten Episode wieder genommen wird. Die Enthüllung über eine Zwillingschwester lässt Picard zwar später wieder hoffen und verdeutlicht ihm auch die Notwendigkeit seiner Mission, im Grunde serviert man uns hier aber einen schalen Ersatz und geht den nötigen Emotionen aus dem Weg. Schließlich sollte man den Verlust eines Lebens betrauern und sich nicht mit etwas anderem trösten! Dafür bleibt jedoch leider zu wenig Zeit, was man der Episode definitiv ankreiden kann.

Und wo wir bei der Mission waren: Ganz nebenbei rekrutiert Picard sich auch schon eine Besatzung, als er eine Schülerin von Bruce Maddox am Daystrom Institut besucht. Richtig gelesen: Neben Lal wird auch Maddox aus der Episode The Measure of a Man (Wem gehört Data?) wieder ins Spiel gebracht. Zwar tritt er nicht auf, die Verbindung zwischen ihm und den Zwilligen sowie den Synthetischen, die den Mars angriffen, dürfte aber logisch sein. Nach normalem Ermessen sollte es mit dem Teufel zugehen, wenn wir den Mann nicht später noch zu sehen bekommen! Die sympathische Dr. Jurati zeigt Picard darüber hinaus nicht nur den demontierten B-4 (der sich offenbar als Enttäuschung herausgestellt hat und Data nicht ersetzen konnte), sondern gibt ihm auch verschiedene Informationen an die Hand.

Weitere Höhepunkte der Episode sind der Besuch im persönlichen "Museum" des Captains, das viele schöne Erinnerungen weckt (unbedingt genau hinschauen!) und die sensibel geschriebene und wunderbar gespielte Unterhaltung zwischen Picard und Dahj über Data. Man spürt nicht nur den Schmerz Picards über den Verlust des Freundes und Kollegen sondern auch die tiefe Bewunderung und Zuneigung. Überhaupt: Patrick Stewart mag fast 80 Jahre alt sein, rein schauspielerisch ist der Mann aber immer noch eine Naturgewalt. Er ist von der ersten Sekunde an der Picard, den wir kennen und schafft es dennoch, eine weiterentwickelte Figur hohen Alters darzustellen. Alleine für seine One-Man-Show hat sich das Ganze schon mehr als gelohnt!

Ein wenig ratlos lässt uns natürlich das Ende der Episode zurück, in der ein Romulaner die Zwillingsschwester von Dahj auf einem kaputten Borg-Kubus in der Hand der Romulaner kennenlernt. Das Ganze ergibt noch keinerlei Sinn, liefert aber fraglos einen schicken Cliffhanger!

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Technisch betrachtet

In Sachen Umsetzung wurde die Serie von vielen Fans fast schon angstvoll erwartet. Würden die Verantwortlichen den aus Star Trek: Discovery und den Reboot-Kinofilmen bekannten Stil mit Lens Flares, schnellen Schnitten und wilden Kamerafahrten auch hier weiterführen? Andere bangten, dass die Serie viel zu retro werden könnte, da der aus Star Trek: The Next Generation bekannte Stil heute schlichtweg nicht mehr zeitgemäß sei.

Wundersamerweise geschah nun jedoch etwas, das vermutlich keiner für möglich erachtet hätte. Die Macher erschufen einen nahezu perfekten Hybrid, der das beste beider Welten verbindet. Die Regie von Hanelle Culpepper besticht ebenso wie die Kameraführung durch Entschleunigung und klaren Fokus. Dialoge sind stets wichtiger als Aktivität im Hintergrund. Das Drehbuch von James Duff und Akiva Goldsman nach einer Idee von Michael Chabon, Kirsten Beyer, Alex Kurtzman, James Duff und Akiva Goldsman wartet mit geschliffenen, überzeugenden und tiefgehenden Dialogen auf und die Umsetzung lässt den Darstellerinnen und Darstellern Raum zur Entfaltung des Gesagten. Das mag auf den ersten Blick ein wenig oldschool wirken, ist aber viel zu modern inszeniert, um jemals Gefahr zu laufen, in Nostalgie abzugleiten. Sets, Kulissen, Requisiten und Kostüme sind vorzüglich und heben die Serie als erste Trek-Show auf einen Level mit modernen Dramaserien. Wo Star Trek: Discovery der kunterbunte Versuch ist, ein jüngeres Publikum einzufangen, ist sich Star Trek: Picard seiner Geschichte und der Hauptfigur in jeder Sekunde bewusst. Anstatt in einem Dialog fünfzehnmal um die Köpfe zweier Personen herumzufahren, nimmt sich die Kamera lieber Details wie unruhige Hände heraus, um eine Stimmung zu verstärken. Klasse!

Sogar auf die Action-Sequenzen färbt der Stil ab. Diese sind zwar selbstverständlich nicht wie klassische Kloppereien in Serien wie Magnum oder Knight Rider inszeniert, liegen aber dennoch auch Welten von aktuellen Superheldenverfilmungen entfernt. Alles wirkt aus einem Guss. Realistisch, unterhaltsam und kompetent, aber nie überkandidelt oder als reines Gimmick.

Hinzu kommt ein überzeugender Score von Jeff Russo, dessen Titelthema zwar erst bei mehrmaligem Hören ins Ohr geht, dem es aber gelingt, viele altbekannte Motive einzufangen und zu etwas völlig Neuem zu machen. Sein Titelthema ist sehr intim und reduziert, was wiederum perfekt zur Geschicht eines Mannes am Ende seines langen Lebens passt. Es wirkt geradezu meditativ und retrospektiv.

Der Vorpann orientiert sich visuell an aktuellen Genrevorbildern und Star Trek: Discovery, bietet einige potente Bilder und beinhaltet sicher auch so manchen Hinweis auf spätere Entwicklungen. Die verschiedenen Versatzstücke (Borg-Kubus, Androiden-Teile, Romulus, Weingut) bilden das Leben von Jean-Luc Picard ab und setzen seine Persönlichkeit wie kleine herausgebrochene Erinnerungsfragmente zusammen. Bravo! Die Überblendung zu Patrick Stewart am Ende wirkt nach der abstrakten Bildsprache zuvor allerdings etwas out of place. Das schmälert den Gesamteindruck jedoch nicht.

Schauspielerisch leistet sich der Pilot keinen Ausfall. Neben Sir Patrick Stewart in Höchstform zu bestehen ist ganz sicher kein Leichtes. Doch gelingt insbesondere der Newcomerin Isa Briones eine starke Leistung als Dahj/Soji. Sie erreicht sogar direkt eine deutliche Abgrenzung zwischen beiden Zwillingsschwestern. Orla Brady (Laris) und Jamie McShane (Zhaban) bringen eine Wärme in die Handlung und an die Seite Picards, die sofort für Sympathie sorgt. Man fühlt sich gut bei dem Gedanken, dass der Ex-Captain diese beiden Weggefährten gefunden hat. Auch Alison Pill als Dr. Agnes Jurati kann direkt überzeugen. Harry Treadaway ist als Narek noch schwer zu bewerten; seine Szene am Ende ist letztlich zu kurz. Obendrauf gibt es ein Wiedersehen mit Brent Spiner als Data, dem es problemlos gelingt, den beliebten Androiden wieder zum Leben zu erwecken. Sein fortgeschrittenes Alter mag für einige Fans problematisch sein, letztlich gibt es dafür aber sowohl eine Erklärung aus der Serie (Data kann wie auch Dr. Juliana Tainer altern) als man auch schlicht den Umstand heranziehen kann, dass es sich um Picards Traum handelt.

In Sachen Synchronisation muss man dem Team um Torsten Nobst ein großes Kompliment aussprechen, da nicht nur die Übertragung der Dialoge perfekt gelang, sondern insbesondere die Sprecherleistungen von höchster Güte sind. Ernst Meincke führt als Picard ein Team an, das jeder Figur die nötige Persönlichkeit verleiht und die deutsche Fassung zu einer reinen Freude werden lässt. Dass Michael Pan wieder als Data glänzen darf, ist dann noch die Sahnehaube.

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Fun Facts & Easter Eggs

  • Zwar wurde es auch schon beim letzten Short Trek so praktiziert, dies ist nun aber offiziell die erste Star-Trek-Serie, bei der im Vorspann nicht "based on Star Trek" sondern "based on Star Trek: The Next Generation" steht. Das mag im Grunde Haarspalterei sein, auffällig ist es aber in jedem Fall.
  • "Tea, Earl Grey, decaf." Ein Brüller.
  • Es ist fast schon absurd, dass offenbar niemandem vorab die Ähnlichkeit zwischen Dahj und Lal aufgefallen ist. Die junge Frau wurde stattdessen sogar als Tochter von Picard und der Borgkönigin gehandelt. Schade ist in diesem Zusammenhang, dass Lal nicht erwähnt wird. Wollte man neue Zuschauer vielleicht nicht zu sehr verwirren?
  • Federation Network News (FNN) feiert eine Rückkehr, nachdem man den Sender zuvor in Star Trek Generations (Star Trek: Treffen der Generationen) auf der Brücke der Enterprise-B erlebt hatte und er zuletzt in Children of Mars, dem letzten der neuen Short Treks, vorgekommen war.
  • Laris und Zhaban sind aufmerksamen Lesern bereits aus den Countdown-Comics zur Serie bekannt. Picard traf dort als Admiral auf einer Mission mit der USS Verity auf die beiden Tal-Shiar-Agenten.
  • Mit La Barre und Paris in Frankreich, Okinawa in Japan sowie Boston und San Francisco in den USA sehen wir so viel von der Erde der Zukunft wie noch nie in Star Trek zuvor.
  • Schaut man in der Totalen von Boston genau hin, kann man einige spannende Logos an den Häusern erkennen. Eines gehört der Ferengi Allianz, ein anderes war das der London Kings. Diese Baseballmannschaft des 21. Jahrhunderts hatte mit "Buck" Bokai einen prominenten Spieler zu bieten, den Captan Sisko verehrte, der mehrfach in Star Trek: Deep Space Nine erwähnt wurde und in der Episode If Wishes Were Horses sogar einen Auftritt hatte (Keone Young spielte ihn).
  • Bruce Maddox wird in dieser Episode von Dr. Jurati erwähnt. Die Figur tauchte das erste Mal in The Measure of a Man (Wem gehört Data?) aus der zweiten Staffel von Star Trek: The Next Generation auf. Diese Episode begann mit einer Pokerpartie, bei der Data am Ende drei Damen auf der Hand hatte. Remembrance beginnt ebenfalls mit einer Pokerpartie, bei der Data am Ende sogar fünf Damen präsentieren kann. Sicher kein Zufall! In beiden Fällen geht es zudem um ein Pokerface; damals um Rikers (das Data zu ergründen versuchte), hier um Datas (das von Picard durchschaut wird). Übrigens: Ob Schauspieler Brian Brophy für seine Rolle als Maddox zurückkehren wird, steht noch nicht fest. Es wäre aber eine gelungene Überraschung nach 32 Jahren!
  • Dass uns hier die Theorie präsentiert wird, dass Androiden immer als Zwillinge auftreten, wirft ein neues Licht auf die Vergangenheit. Data und Lore waren Zwillinge (und funktionierten), Lal war alleine und konnte nicht vor dem Systemversagen gerettet werden. B-4 war ebenfalls alleine und letztlich ebenso ein Fehlschlag. Einzig bei Dr. Juliana Tainer sieht die Sache anders aus; zu wem gehörte sie?
  • Neben Bruce Maddox wird auch Dr. Noonian Soong aus der Serie erwähnt.
  • Der Freund von Dahj stammte vom Planeten Xahea. Diese Welt lernten wir in Runaway, dem Short Trek über Tilly und Po kennen.
  • Picard spricht so viel Französisch am Stück wie noch nie zuvor. In der Serie beließ er es zumeist bei einzelnen Worten oder kurzen Sätzen.
  • Dass der Hund des Ex-Admirals Number One heißt, wurde ja bereits im Vorfeld bekannt. So ganz konnte Picard sich offenbar nicht von seinen Ex-Kollegen trennen.
  • Der Score von Jeff Russo erlaubt sich eine Menge Rückbezüge auf vertraute Klänge, unter anderem am Ende aber auch auf das Romulanerthema aus Balance of Terror (Spock unter Verdacht) der Originalserie.

Merkwürdigkeiten

  • Datas Uniform scheint ihm in der Eröffnungssequenz nicht so richtig zu passen. Vermutlich hatte man keine Zeit, Spiner ein Leibchen in Passform zu schneidern und versorgte ihn stattdessen mit irgendeiner Uniform in annähernd richtigen Größe. Dass dazu noch der Kommunikator schief hängt, lässt eher an eine günstige Fan-Produktion denken. Schwamm drüber!
  • Als die Kamera zu Beginn auf die Enterprise-D heranzoomt, sind nur drei Fenster von 10 Forward beleuchtet; im Inneren sieht man dann aber, dass es viel mehr hätten sein müssen.

Offene Fragen

  • In The Measure of a Man (Wem gehört Data?) gelingt es Picard letztlich, Captain Phillipa Louvois zu überzeugen, als er das Erschaffen einer Armee von Androiden mit dem Beginn von Sklaverei gleichsetzt. Im Short Trek und hier wurde nun auf einen Angriff von abtrünnigen Synthetischen hingewiesen. Wer hatte diese erschaffen? Die Sternenflotte? Warum? Waren die Argumente von damals nicht mehr relevant gewesen? Spannende Fragen für die nächsten Episoden. In diesem Zusammenhang sei auch auf folgenden Dialog zwischen Guinan und Picard hingewiesen:

"Consider that in the history of many worlds there have always been disposable creatures. They do the dirty work. They do the work that no one else wants to do, because it's too difficult or too hazardous. And an army of Datas, all disposable? You don't have to think about their welfare; you don't think about how they feel. Whole generations of disposable people."
"You're talking about slavery."
"I think that's a little harsh."
"I don't think that's a little harsh, I think that's the truth. But that's a truth that we have obscured behind a... comfortable, easy euphemism. 'Property'. But that's not the issue at all, is it?"

  • Warum musste Bruce Maddox fliehen und wo hält er sich auf?
  • Warum hat Picard die Sternenflotte verlassen? War es freiwillig? Oder wurde er "gegangen"?
  • Wie ist die Rettungsmission für die Romulaner abgelaufen?
  • Wie geht es seiner alten Crew? Leben alle noch? Wer ist noch im Dienst?
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Fazit

Remembrance ist Frischzellenkur und Nostalgietrip, steckt voller Erinnerungen und neuer Ideen, beinhaltet Figurendrama und Sozialkritik und ist in der Summe schlicht eine kompetente, stilsichere und mitreißende Dreiviertelstunde Star Trek. Den Machern ist es dabei gelungen, weder ein Produkt für ewig Gestrige abzuliefern, noch bemüht hip zu sein. Das Ergebnis ist vielmehr das Beste was man aus den Stärken des klassischen Star Trek lernen konnte, gehüllt in das Gewand einer modernen Dramaserie. Remembrance ist somit ein zeitloser Instant-Gewinner, der eingefleischten Fans wie auch Neulingen zusagen kann. Mehr hätte man sich vom Auftakt nicht erträumen können.

Ausblick

Im Verlauf des Tages folgt noch der Podcast Planet Trek fm zur ersten Episode. Gastgeber Björn Sülter begrüsst darin den Autor Christian Humberg (Star Trek: Prometheus) und Co-Pilot Moritz Wolfart.

Kommende Woche geht es dann weiter mit der zweiten Episode, einer ausführlichen Rezension und dem nächsten Podcast.

Star Trek Picard Header Cbs

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Autor, Journalist & SYFY-Experte Björn Sülter nimmt euch mit auf eine Zeitreise durch über 50 Jahre, erzählt die Geschichten hinter den Kulissen und beleuchtet Stärken, Schwächen und Dramen aller Serien und Filme seit 1966! Angefangen mit den Abenteuern des Captain Kirk über Picard, Sisko, Janeway und Archer hat sich Star Trek seit damals eine treue und engagierte Fanbase erarbeitet. Die erfolgreichen Reboot-Kinofilme des J. J. Abrams sorgen seit 2009 für ebenso viel Diskussionsstoff wie Star Trek: Discovery. So zeigt sich das Franchise somit immer noch topfit und durchlebt aktuell einen weiteren Frühling. Die Entstehung und der Verlauf jeder Serie und jedes Films wird dabei eingehend beleuchtet. Ein ausführlicher Teil befasst sich zudem mit den neuen Kinofilmen und Star Trek: Discovery.

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Über den Autor:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Verleger, Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider. Neben seinem Sachbuch "Es lebe Star Trek" ist der Auftakt seiner Jugendbuchreihe "Ein Fall für die Patchwork Kids" erschienen. Dazu läuft mit "Beyond Berlin" seine erste eigene Science-Fiction-Reihe. Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.

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