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Kritik zu Star Trek: Short Treks 2.01 - "Q & A"

Im ersten Short Trek der neuen Staffel namens Q & A dreht sich alles um den ersten Tag an Bord der Enterprise eines uns wohlbekannten Vulkaniers. Wie Spock und Number One unfreiwillig Zeit miteinander verbringen steckt für uns Fans voller Überraschungen.

Star Trek: Short Treks

CBS veröffentlichte am vergangenen Wochenende überraschend den Auftakt der zweiten Staffel ihrer Short Treks. Über ihr Streamingportal CBS All Access sollen den Fans diesmal gleich sechs dieser kleinen Episoden die Zeit bis zum Start von Star Trek: Picard versüßen. Die ersten drei drehen sich (mehr oder weniger) um die Crew der USS Enterprise unter dem Kommando von Captain Pike und bringen Anson Mount, Ethan Peck und Rebecca Romijn zurück. Die nächsten beiden sind animiert und drehen sich um die Discovery-Crew. Zum Abschluss folgt im Januar eine Episode, die als Vorgeschichte zur Picard-Serie dient.

Faktencheck

Bei diesem ersten von drei Short Treks über die Crew der USS Enterprise konzentrierte man sich auf zwei Hauptfiguren: Spock und Number One. Captain Pike taucht immerhin am Ende kurz auf.

Somit kam man auch den Fans entgegen, die sich am Ende der zweiten Discovery-Staffel vehement für eine eigene Serie der sympathischen Crew ausgesprochen hatten. Ob es jemals dazu kommen wird, ist aktuell noch unklar. Zieht man die Aussagen von Alex Kurtzman heran, ist jedoch alles möglich.

Wie schon in der ersten Staffel bei der Ausnahmeepisode Calypso lieferte Autor Michael Chabon das Drehbuch ab. Er wird auch Showrunner von Star Trek: Picard, was seine Beiträge immer besonders spannend macht. Die Regie übernahm mit Mark Pellington ein Trek-Neuling, der allerdings schon Erfahrung bei Serien wie Cold Case oder Blindspot vorzuweisen hat. Für die Musik war zum ersten Mal in der langen Trek-Geschichte (!) eine Komponistin zuständig: Nami Melumad. Ihr zur Seite standen Jeff Russo und Michael Giacchino, der bei den Reboot-Filmen für die Musik zuständig war. Man hört den Einfluss des Letztgenannten an einigen Stellen dann auch deutlich heraus.

Zum Kanon: Angesiedelt ist die Handlung dieses Short Treks im Jahr 2254 als Ensign Spock das erste Mal einen Fuß auf die USS Enterprise setzt. Dabei trifft er auf Lt.-Cmdr. Una, den ersten Offizier des Schiffes, die jedoch lieber nur Number One genannt werden möchte. Er bleibt mit ihr im Turbolift stecken und lernt die eigenwillige Vorgesetzte direkt von verschiedenen Seiten kennen. Am Ende nimmt er seinen Dienst auf der Brücke auf und trifft erstmals auf Captain Pike.

Im selben Jahr tragen sich später übrigens noch die Ereignisse aus The Cage (Der Käfig) zu und Spock wird auch zum Lieutenant befördert. Die Ereignisse aus Star Trek: Discovery rund um den Roten Engel finden dann im Jahr 2257 statt. Erst 2265 soll dann ein gewisser James T. Kirk das Kommando übernehmen und Vorgesetzter des Vulkaniers werden. Der Rest ist Geschichte.

Generell konnte man rein sachlich bei diesem Short Trek eigentlich wenig falsch machen, da sowohl die neu gestaltete Enterprise als auch die Figuren durch die zweite Staffel von Star Trek: Discovery und die Classic-Serie bereits etabliert waren. Somit musste man als Fan (wenn überhaupt) nur erneut das bereits bekannte visuelle Update (auch in Bezug auf die etwas albernen Turboliftszenen im Innern des Schiffes) akzeptieren können. Dass dort derart viel Platz für eine Art Achterbahn-Fahrstuhl verschwendet wird ist reichlich absurd und wäre bereits in den Discovery-Episoden entbehrlich gewesen.

Erstaunlich ist jedoch, dass die Macher trotz der eng gefassten Vorgaben noch einen weiteren Schnitzer einbauten. Zu Beginn der zweiten Staffel von Star Trek: Discovery wurde deutlich darauf hingewiesen, dass die Enterprise-Crew (im Gegensatz zur Discovery-Crew) bereits die neuen, farbenfroheren Uniformen bekommen hatte. Dass diese nun also drei Jahre vor diesen Geschehnissen ebenfalls im Einsatz sind, ergibt einfach keinen Sinn. Entweder müssten alle Crewmitglieder in diesem Short Trek die bekannten Discovery-Leibchen tragen oder irgendeine andere frühere Form der hier gezeigten Uniform. An dieser Stelle hat also erneut keiner im Team mitgedacht oder es war den Verantwortlichen schlicht egal. Wirklich relevant ist dieser Fehler zwar nicht, nur leider ein weiteres Mal ziemlich unnötig. Ich habe manchmal fast das Gefühl, dass die Macher den Zuschauern zu wenig zutrauen und dabei vergessen, wie gut gerade Trekkies oft mitdenken.

Just call me Number One

Rein von der Handlung betrachtet geschieht diesmal nicht viel. Spock beamt an Bord der Enterprise und wird von seinem neuen ersten Offizier und Vorgesetzten Lt.-Cmdr. Una (oder knackiger: Number One) begrüßt. Die beiden betreten einen Turbolift, dieser bleibt stecken und das Duo lernt unfreiwillig in kürzester Zeit viel mehr übereinander, als das im normalen Dienst möglich gewesen wäre. Glaubt man einfach mal an den Zufall des Ausfalls und die folgende Unfähigkeit der Crew, den Fehler zu beheben, bleibt dennoch die Frage, warum man die beiden nicht einfach herausbeamt. Ein Satz Dialog hätte hier ausgereicht. So darf man sich konstant wundern, warum Spock und Una überhaupt so lange in ihrem Gefängnis verweilen müssen.

Spock gibt die Situation zumindest die Gelegenheit zu vielen Fragen (zu denen er von Una aufgefordert wurde). Dabei entwickelt sich schnell eine gegenseitige Wertschätzung, da beide mehrfach den Satz des anderen beenden. Great minds think alike. Aus dieser Entwicklung heraus ist es auch gerade noch schlüssig, dass die verschlossene Una Spock später den versteckten Nerd in ihr offenbart und ein Lied von Gilbert & Sullivan anstimmt. Spock steigt zu ihrer Überraschung ein und quittiert das Duett mit einem herzhaften Lachen. An dieser Stelle möchte das Drehbuch ganz bestimmt den Höhepunkt der Episode auffahren. Es wäre aber auch nicht verwunderlich, wenn einigen Zuschauern diese Gefühlsregung zu schnell und zu heftig gerät.

Und auch wenn es in 14 Minuten nicht realistisch möglich ist, die Annäherung zweier so introvertierter Charaktere glaubhaft nachzuzeichnen, haben wir es hier eindeutig mit dem Spock zu tun, der auch im ersten Pilotfilm der Classic-Serie sowie in Where No Man Has Gone Before (Spitze des Eisbergs), und Charlie X (Der Fall Charlie) ein Lachen zeigte. Es handelt sich also um ein Verhalten, das perfekt in den Kanon und unser Wissen um die Figur passt. Ethan Peck führt uns einen sehr jungen und unerfahrenen Halbvulkanier vor, der beim Beamen auf das Schiff vor Freude verschmitzt lächelt, dies am Ende auf der Brücke wiederholt und zwischendurch seinen Gefühlen freien Lauf lässt. Gleichzeitig demonstriert er aber auch Beherrschung und das Verständnis dafür, dies weiterhin so zu handhaben. Nicht zuletzt trägt Una dazu bei, da sie ihm genau das rät, sollte er den Kommandoweg beschreiten wollen.

Letztlich lernen wir aber genaugenommen viel mehr über die Number One der Enterprise, als über Spock. Selbst in Star Trek: Discovery hatte man sich damit begnügt, ihr eine Leidenschaft für Fast Food ins Drehbuch zu schreiben. Ansonsten erfuhren wir nur wenig. Romijn ist es hier dann auch, die alle Szenen stieht, da sie eine gleichermaßen kompetente wie auch sympathische, witzige und hochintelligente Figur darstellt, über die wir gerne mehr erfahren würden.

Einige Easter-Eggs verstecken sich ebenfalls noch in der Episode.

  • So singen Spock und Number One das gleiche Lied, das Dr. Crusher zu Beginn der TNG-Episode Disaster (Katastrophe auf der Enterprise) Geordi La Forge als Casting für ein Theaterstück vortragen lässt. Es handelt sich um I Am The Very Model of a Modern Major General aus dem Musical The Pirates of Penzance von Gilbert & Sullivan. Witzigerweise handelt auch diese Episode von einem feststeckenden Turbolift und auch dort wird am Ende gesungen (Frère Jacques). Ein Song von Gilbert & Sullivan wird auch in Star Trek: Insurrection (Star Trek: Der Aufstand) gesungen: A British Tar aus HMS Pinafore.
  • Der Computer der Enterprise wird von Jenette Goldstein gesprochen. Diese kennt man nicht nur von der Brücke der Enterprise-B aus Star Trek Generations sowie aus 24 und Titanic, sondern auch als Vazquez aus Aliens.
  • Es wird erwähnt, dass Captain Pike in Sachen Pferde sehr emotional werden kann (was ihn für Pferdefreunde natürlich äußerst sympathisch macht). Das ist eine direkte Referenz an The Cage (Der Käfig), wo die Talosianer ihm sein geliebtes Pferd Tango zeigen.
  • Das Originalthema von Star Trek von Alexander Courage ist in einer Variation kurz zu hören.
  • Rebecca Romijn trägt ihr Haar etwas länger und glatter als in Star Trek: Discovery, was eine Referenz an die Frisur von Majel Barrett aus The Cage (Der Käfig) darstellt.
  • Spock nennt seine Dienstnummer: S-179-276 SP. Diese kannten wir schon aus The Cage (Der Käfig).
  • Ebenfalls eine Referenz an den ersten Pilotfilm stellt die Besessenheit von Number One in der Causa Pike dar. Dort erfahren wir nämlich, dass sie heimlich Gefühle für den Captain hegt.
  • Lt. Amin rettet am Ende das Duo aus dem Turbolift. In Star Trek: Discovery wurde sie uns als Brückenoffizierin in goldener Uniform gezeigt, hier trägt sie noch die rote Version was auf Sicherheit oder Technik deutet. Sie muss also zwischen 2254 und 2257 in den Kommandobereich befördert worden sein.

Smiling Vulcan

Die statische Dramaturgie bot Regisseur Mark Pellington nicht viele Freiheiten in Sachen Inszenierung. Dennoch gelang ihm ein visuell ansprechendes Häppchen mit Stil und netten, kleinen Ideen in der Kameraführung.

Ethan Peck und Rebecca Romijn hatten sichtlich Spaß an der Darstellung ihrer Figuren und insbesondere Peck macht einen spürbaren Sprung nach vorne, während er in den letzten Sekunden der zweiten Discovery-Staffel im neuen Look nicht gänzlich überzeugend gewirkt hatte. Es bleibt indes auch festzuhalten, dass Peck leider weder ein Nimoy (besonders in Sachen Präsenz) und auch kein Zachary Quinto (in Sachen nuanciertes Spiel und Ähnlichkeit zu Nimoy) ist. Peck interpretiert die Figur in jedem Fall besser, als dass er optisch in die Rolle passt. Das mag kein großes Lob sein, ist aber zumindest erfreulicher als andersherum.

Fazit

Mit Q & A beweist Autor Michael Chabon, dass er auch durchaus das Gespür für bekannte Figuren aus dem Trek-Universum besitzt und verpasst einem kleinen und bisher unbeachteten Moment der Franchise-Geschichte mit simplen Mitteln einen hübschen Dreh, der es zudem zulässt, dass Ethan Peck und Rebecca Romijn ihre Rollen derart gut spielen dürfen, dass man sich nur noch stärker eine eigene Serie für diese neu besetzte Enterprise-Crew wünschen möchte.

Dabei gelingt ihm jedoch diesmal und insbesondere im Vergleich zu seiner erstklassigen Episode Calypso keine große emotionale Resonanz. Auch laufen einige Entwicklungen zwischen Spock und Number One viel zu rasant ab, um wirklich überzeugen zu können. Logiklöcher wie die Uniformen oder das Unterbleiben eines Rausbeam-Versuchs lassen die Sache nicht besser aussehen. Dennoch macht die kleine Geschichte aber fraglos Spaß und beweist zumindest, dass Calypso keine Eintagsfliege war, auch wenn Chabon bei Weitem nicht den zuvor gezeigten Grad an Perfektion erreicht.

Short Treks sind und bleiben kleine Appetithappen, die im Normalfall zwar keinen großen Hunger stillen, aber über die Dürre zwischen den "echten" Staffeln hinwegtrösten. Das gelingt auch hier und lässt uns (wie Spock) mit einem verschmitzen Lächeln zurück.

Ausblick: So geht es weiter

Bereits am 10. Oktober wurde in den USA der zweite neue Short Trek veröffentlicht. In The Trouble with Edward feiern die beliebten Tribbles ein Wiedersehen und sorgen erneut für ziemlich viel Trubel. Danach geht es dann im November weiter. Wir halten euch auf dem Laufenden!

Buchtipp: SYFY präsentiert das umfassendste Sachbuch zu Star Trek in deutscher Sprache - nominiert für den DPP 2019!

Autor, Journalist & SYFY-Experte Björn Sülter nimmt euch mit auf eine Zeitreise durch über 50 Jahre, erzählt die Geschichten hinter den Kulissen und beleuchtet Stärken, Schwächen und Dramen aller Serien und Filme seit 1966! Angefangen mit den Abenteuern des Captain Kirk über Picard, Sisko, Janeway und Archer hat sich Star Trek seit damals eine treue und engagierte Fanbase erarbeitet. Die erfolgreichen Reboot-Kinofilme des J. J. Abrams sorgen seit 2009 für ebenso viel Diskussionsstoff wie die jüngst gestartete Fernsehserie Star Trek: Discovery. So zeigt sich das Franchise somit immer noch topfit und durchlebt aktuell einen weiteren Frühling. Die Entstehung und der Verlauf jeder Serie und jedes Films wird dabei eingehend beleuchtet. Ein ausführlicher Teil befasst sich zudem mit den neuen Kinofilmen und Star Trek: Discovery.

Das Buch ist bei Amazon und vielen anderen Händlern erhältlich.

Über den Autor & Gastgeber von Planet Trek fm:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider. Neben seinem Sachbuch "Es lebe Star Trek" ist im Oktober der Auftakt seiner Jugendbuchreihe "Ein Fall für die Patchwork Kids" erschienen. Im Dezember startete mit "Beyond Berlin" seine erste eigene Science-Fiction-Reihe.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.