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Kritik zu Star Trek: Short Treks 2.02 - "The Trouble with Edward"

Star Trek: Short Treks

CBS hatte etwas überraschend zur Comic Con in New York und über ihr Streamingportal CBS All Access in den USA den ersten nagelneuen Short Trek namens Q & A veröffentlicht. Kurz darauf ging es dann direkt mit dem zweiten Streich weiter: The Trouble with Edward.

Insgesamt sollen den Fans diesmal gleich sechs dieser kleinen Episoden die Zeit bis zum Start von Star Trek: Picard versüßen. Die ersten drei drehen sich (mehr oder weniger) um die Crew der USS Enterprise unter dem Kommando von Captain Pike und bringen Anson Mount, Ethan Peck und Rebecca Romijn zurück. Die nächsten beiden sind animiert und drehen sich um die Discovery-Crew. Zum Abschluss folgt im Januar eine Episode, die als Vorgeschichte zur Picard-Serie dient.

Faktencheck

Bei dieser zweiten Episode geht es, wie eingangs bereits angedeutet, eher nur am Rande um die Crew der Enterprise. Genaugenommen schickt Captain Pike alias Anson Mount nur eine Offizierin in ihr erstes, eigenes Kommando. Der Rest der Episode dreht sich dann um die USS Cabot und die dortigen Geschehnisse. Für Fans von Pike, Spock und Number One handelt es sich also nach dem eindeutig um diese Crew gestrickten Auftakt um eine kleine Mogelpackung.

Für das Drehbuch zeichnete diesmal Graham Wagner verantwortlich, der nicht nur ein Trek-Neuling ist, sondern bisher für gänzlich andere Stoffe bekannt war. Dazu gehören Portlandia, Das Büro und Silicon Valley. Auch in Sachen Regie gab es ein Debüt: Daniel Gray Longino kann auf eine gemeinsame Vergangenheit mit Wagner bei Portlandia zurückblicken und inszenierte zuletzt für die Serie PEN15. Aller guten Dinge sind drei: Mit Sahil Jindal gibt es auch in Sachen Musikuntermalung einen Neuzugang zu hören, der sich in der Szene bisher noch gar keinen Namen gemacht hat. Die Produzenten sind also definitiv bereit, experimentell an ihre Short Treks heranzugehen und talentierte Menschen hinter den Kulissen zu testen und ihnen eine Chance zu geben.

An der Schauspielerfront ging man indes auf Nummer sicher und holte H. Jon Benjamin dazu, der den kauzigen Edward spielen durfte. Den Mimen, Sprecher und Comedian kennt man aus Bob's Burgers, Family Guy und Archer. Als Captain Lynn Lucero stellte man ihm Rose Salazar zur Seite, die in American Horror Story auffiel, in Alita: Battle Angel einem größeren Publikum bekannt wurde und zuletzt in Undone als Alma glänzte. Für beide ist es ebenfalls das erste Mal bei Star Trek.

Zum Kanon: Diesmal befinden wir uns an einem nicht exakt zu bestimmenden Zeitpunkt während der Amtszeit von Captain Pike auf der USS Enterprise. Man gibt uns zu Beginn die Sternzeit: 1421.9. Diese sind, wie man weiß, aber in Star Trek leider nicht immer sehr verlässlich oder vergleichbar, da zu viele Faktoren bei der Auswahl der Sternzeiten seitens der Autoren herangezogen wurden und werden und sie sich somit oft widersprechen. Da Spock nicht zu sehen ist, könnte der Short Trek vor seiner Ankunft oder danach spielen, sowie vor The Cage (Der Käfig) oder danach.

In jedem Fall jedoch spielt die Handlung selbstverständlich vor The Trouble with Tribbles (Kennen Sie Tribbles?) sowie den Spin-Offs More Tribbles, More Troubles (Invasion der Wollmöpse) aus der ersten Zeichentrickserie und Trials And Tribble-ations (Immer die Last mit den Tribbles) aus Star Trek: Deep Space Nine. Da hier die Vorgeschichte (in Hinblick auf die Fortpflanzung der Tribbles) ein wenig umgeschrieben wird, verändert das natürlich die Wahrnehmung der später spielenden Episoden. Rein kanonisch passt aber soweit alles zusammen.

Einzig die Tribble-Sichtung in Star Trek: Enterprise in der Episode The Breach (Böses Blut) spielt zeitlich vor den hier gezeigten Ereignissen. An diesem Punkt entsteht dann auch das einzige Fragezeichen der Handlung. Die Tribbles bei Archer vermehren sich nämlich bereits recht flott, was hier aber nicht als Normalzustand dargestellt wird. Um das Ganze hinzubiegen müsste man einen der folgenden beiden Ansätze verfolgen. Entweder haben verschiedene Menschen eben verschiedene Ansichten über die Geschwindigkeit der Reproduktion (was für den einen schnell ist, ist für den anderen langsam...) oder wie halten uns an eine zweite Merkwürdigkeit. Bisher wurde der Name der Tribbles immer mit Polygeminus Grex angegeben. Hier heißen sie plötzlich Tribleustes Ventricosus. Witzig: Der Heimatplanet wird aber immerhin korrekt mit Iota Geminorum IV angegeben. Was vermutlich eher ein Kanonfehler des Autors ist, könnte aber auch auf verschiedene Tribble-Arten hindeuten, die unterschiedliche Fortpflanzungsraten aufweisen. Dann müsste man sich aber fragen, warum Larkin nicht gleich die sich schnell fortpflanzenden genommen hat... Nun gut, dann hätten wir keine Handlung gehabt. Schwamm drüber.

Fast schon absurd ist auch, dass die Macher in der letzten Episode Q & A einen überflüssigen Fehler mit den Uniformen begingen, diesmal aber sogar andere für die Crew der USS Cabot zeigen. Am fehlenden Geld kann es also nicht liegen. Man darf sich auch noch fragen, warum der neue Captain nicht auch in die Leibchen ihrer neuen Crew wechselt. Man stelle sich vor, ein Fußballer wechselt von Schalke zu Dortmund und erscheint zum ersten Training im königsblauen Dress. Okay, der Vergleich hinkt etwas, unsinnig ist es aber in jedem Fall.

Wie auch immer: Es gelingt den Machern immer wieder, kleine und unnötige Fehlerchen heraufzubeschwören oder zumindest zum Grübeln anzuregen. Die Krux von Prequels.

Mein erstes, eigenes Kommando

Direkt zu Beginn der Episode zeigte sich dann ein weiteres Problem, das sich durch den Rest der Handlung ziehen sollte: das Timing in Sachen Comedy. Die ganze Besprechungsszene wirkte ein wenig neben der Spur. Der neue Captain war sehr schnell sehr negativ berührt von Edward Larkin (der hier schon stark an Reginald Barclay erinnerte) und auch der Rest der Crew behandelte den Kollegen direkt ungewöhnlich ablehnend und herablassend. Dabei war sein Vorschlag doch eigentlich gar nicht so dumm. Dass er als Belohnung für seine Mühen dann direkt in eine andere Abteilung abseits seiner Expertise versetzt wurde, machte die Sache nicht besser. Menschenführung mangelhaft, Frau Captain.

Doch auch Larkin selbst benahm sich kurz darauf vollkommen daneben und schickte anonyme Beschwerden über seinen neuen Captain an das Sternenflottenkommando. Als Ergebnis wurde er direkt am nächsten Morgen zum Captain zitiert und kurzerhand versetzt ("You´re done here."). Was soll man dazu sagen? Dieser neue Boss verliert wirklich keine Zeit. Natürlich ist es mehr als sonderbar, dass Larkin bisher mit seiner Art und Weise des Umgangs mit Kollegen und Problemen überhaupt derart weit gekommen ist. Der uns wohlbekannte Barclay ist ein einsichtiger, empathischer Waisenknabe dagegen!

Dennoch wäre es schön gewesen, wenn Lucero nicht direkt auf den Schiffs-Gossip zurückgegriffen hätte, um mehr über Larkin zu erfahren (und ihn dann zu feuern) sondern zumindest versucht hätte, ihm eine Chance zu geben. Hier drängte leider schlicht die Zeit und das Drehbuch ließ die Akteure allesamt vollkommen überzeichnet und albern aussehen. Dazu passend lief Larkin kurz darauf in Unterhose durchs Schiff, was erneut eine unmotivierte Szene darstellte, die witzig sein sollte, aber irgendwie nicht recht wusste, was sie aussagen wollte. Dass Larkin nicht ganz richtig tickt, hatten wir zu diesem Zeitpunkt schließlich schon mehrfach vorgeführt bekommen und verstanden.

Was fängt man also mit dieser Episode an? Wie bewertet man sie? Es hilft schon einmal ungemein, sie losgelöst vom Rest zu betrachten und in keiner Weise ernst zu nehmen. Überdeutlich wird dies, als Lucero am Ende vor ihren Vorgesetzten als Rechtfertigung für den Verlust ihres Schiffes und alle Folgeprobleme über den toten Larkin sagt: "He was an idiot."

Also belassen wir es dabei, dass die rund 14 Minuten durchaus unterhalten können, einen bekannten Aspekt der Trek-Geschichte hübsch und einmal anders präsentieren und hängen die Probleme nicht zu hoch.

Einige Easter-Eggs verstecken sich noch in der Episode.

  • Es handelt sich hierbei um das erste Mal in 53 Jahren Star Trek, dass es eine Post-Abspannsequenz gab. Diese geriet auch definitv spaßig, zeigte man doch einen Werbespot für Larkins Tribbles-Frühstück. Unbedingt anschauen!
  • Der Song, den man hören kann, als die Tribbles außer Kontrolle geraten, ist Johnny Appleseed von Bing Crosby.
  • Der eingesetzte Tribblesauger sollte definitiv ein Gastgeschenk an die Klingonen werden - für die große Tribblejagd, über die man später Lieder singen wird.
  • Die Szene, in der Tribbles aus einem Fach in der Wand fallen, ist natürlich eine direkte Referenz an die beliebte Kirk-Sequenz.
  • In der Post-Abspannsequenz kann man den Code A113 am Nahrungsreplikator sehen. Dabei handelt es sich um einen bekannten Insiderwitz von Studenten der California Institute of Arts und deutet auf einen Raum hin, der von Animationsstudenten benutzt wird.

Technisch betrachtet

Das Drehbuch hält sich nicht lange mit irgendwelchen Details auf. Auch legt es keinen großen Wert auf eine überzeugende Charakterisierung der Figuren. Captain Lucero wirkt überfordert und unsympathisch, Larkin nimmt man zu keiner Sekunde ab, dass er auch nur einen Tag auf einem Schiff der Sternenflotte überstehen könnte und der Rest der Crew wirkt wie eine Horde Berufsmobber, die sich von einem nervigen Kollegen befreien lassen wollen.

Die Inszenierung ist zunächst bedächtig, dann bricht innerhalb von Sekunden Chaos aus und führt ins Verderben. Das Timing in Sachen Humor wirkt durchweg ein wenig aus der Bahn geraten und weder Salazar noch Benjamin können dabei wirklich überzeugen. Immerhin ist die Musik gelungen und die Umsetzung der Tribble-Vermehrung sorgt für Schmunzeln.

Fazit

The Trouble with Edward ist vermutlich der bisher eindeutigste Comedy-Versuch in der Geschichte von Star Trek. Während viele andere Episoden Humor oft als Ergänzung zur Handlung angesehen haben, ist er hier zentraler Aspekt. Als solcher funktioniert er dann auch ganz gut, sorgt für einige Schmunzler und am Ende sogar einen größeren Lacher. Ernstnehmen darf man das alles aber freilich nicht.

Insgesamt wirkt das Konstrukt einfach nicht organisch, da die Figuren unrealistisch überzeichnet daherkommen und die Handlung keine Anstalten macht, auch nur im Ansatz nachvollziehbar zu sein.

Somit ist die zweite Episode der neuen Short Treks eine amüsante Spielerei ohne größeren Wert.

Ausblick: So geht es weiter

Two down, four to go. Die weiteren Episoden werden nun monatlich veröffentlicht. Im November und im Januar erleben wir je eine, im Dezember gibt es sogar zwei Abenteuer. Die folgende dritte Episode dreht sich noch um die Crew der USS Enterprise unter dem Kommando von Captain Pike.

Die beiden Dezember-Episoden sind dann animiert und handeln von Abenteuern auf der USS Discovery, die letzte Episode ist dann wieder eine Real-Episode und zudem die direkte Vorgeschichte zu Star Trek: Picard.

Ausführliche Rezensionen zu allen Episoden und natürlich auch zu Star Trek: Picard gibt es wie gewohnt hier bei SYFY.

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Autor, Journalist & SYFY-Experte Björn Sülter nimmt euch mit auf eine Zeitreise durch über 50 Jahre, erzählt die Geschichten hinter den Kulissen und beleuchtet Stärken, Schwächen und Dramen aller Serien und Filme seit 1966! Angefangen mit den Abenteuern des Captain Kirk über Picard, Sisko, Janeway und Archer hat sich Star Trek seit damals eine treue und engagierte Fanbase erarbeitet. Die erfolgreichen Reboot-Kinofilme des J. J. Abrams sorgen seit 2009 für ebenso viel Diskussionsstoff wie die jüngst gestartete Fernsehserie Star Trek: Discovery. So zeigt sich das Franchise somit immer noch topfit und durchlebt aktuell einen weiteren Frühling. Die Entstehung und der Verlauf jeder Serie und jedes Films wird dabei eingehend beleuchtet. Ein ausführlicher Teil befasst sich zudem mit den neuen Kinofilmen und Star Trek: Discovery.

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Über den Autor & Gastgeber von Planet Trek fm:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider. Neben seinem Sachbuch "Es lebe Star Trek" ist im Oktober der Auftakt seiner Jugendbuchreihe "Ein Fall für die Patchwork Kids" erschienen. Im Dezember startete mit "Beyond Berlin" seine erste eigene Science-Fiction-Reihe.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.

Es lebe Star Trek