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Kritik zu Star Trek: Short Treks 2.03 - "Ask Not"

Im dritten neuen Short Trek der zweiten Staffel namens Ask Not dreht sich alles um Captain Pike und ein Crewmitglied, die gemeinsam in eine schwierige und verwirrende Situation geraten.

Short Treks Ask Not Review Header

von Björn Sülter

CBS veröffentlichte vergangene Woche die dritte Episode der zweiten Staffel ihrer Short Treks. Über das hierzulande noch nicht verfügbare Streamingportal CBS All Access werden den Fans diesmal gleich sechs dieser kleinen Episoden die Zeit bis zum Start von Star Trek: Picard versüßen. Die ersten drei drehen sich dabei (mehr oder weniger) um die Crew der USS Enterprise unter dem Kommando von Captain Pike und bringen Anson Mount, Ethan Peck und Rebecca Romijn zurück. Die nächsten beiden sind animiert und drehen sich um die Discovery-Crew. Zum Abschluss folgt im Januar eine Episode, die als Vorgeschichte zur Picard-Serie dient.

Faktencheck

Bei diesem vorerst letzten von drei Short Treks über die Crew der USS Enterprise konzentrierte man sich endlich auch einmal auf Captain Pike alias Anson Mount, der bisher nur eine Nebenrolle spielen durfte. Spock (Ethan Peck) und Number One (Rebecca Romijn) haben hingegen nur kurze Gastauftritte am Ende. Die Laufzeit liegt mit insgesamt rund neuneinhalb Minuten sehr niedrig. Zieht man noch die Vorschau für die nächsten Abenteuer und den Abspann ab, bleiben gar nur unter acht Minuten übrig. Ein wahrer Short Trek und insgesamt auch der kürzeste bisher!

Erneut durfte ein Trek-Neuling das Drehbuch schreiben. Kalinda Vazquez ist jedoch kein Newbie im Business. Sie gehörte von 2006 bis 2009 zum Stab von Prison Break, schrieb an mehreren Episoden und war sogar am Abschlussfilm Prison Break: The Final Break beteiligt. Zudem konnte man Beispiele für ihr Wirken in Human Target, Nikita, Fear the Walking Dead und Once Upon a Time verfolgen.

Die Regie übernahm mit Sanji Senaka (Künstlername schlicht Sanji) ein weiterer spannender Neuzugang. Der Musikvideo-Regisseur wurde im vergangenen Vierteljahrhundert mehrfach mit Preisen wie dem MTV Award oder einem Grammy ausgezeichnet, ist berühmt für einen auffälligen visuellen Stil und wird aktuell von vielen Major-Studios mit Angeboten für Kinofilme eingedeckt. Man darf gespannt sein, wann sein Name das erste Mal im Vorspann eines größeren Films auftauchen wird.

Für den Score zeichnete die 1980 geborene Andrea Datzman verantwortlich. Diese wechselte nach ihrem Studium in den Stab von Michael Giacchino (der an den Short Treks aktuell als Supervising Composer beteiligt ist) und arbeitete mit ihm zum Beispiel an Star Trek (von 2009) sowie den Folgefilmen des Franchises. Danach übernahm sie auch Aufgaben bei den Serien Undercovers und Alcatraz. Sie ist die zweite Frau, die in Star Trek einen Score abliefern durfte.

In Sachen Kanon muss man sich dieses Mal keine Gedanken machen. Der Short Trek spielt schlicht irgendwann während der regulären Mission der Enterprise unter Captain Pike. Wenn man jedoch ein wenig Geheimniskrämerei betreiben möchte, kann man durchaus vermuten, dass hier ein weiterer Schritt in Richtung einer Serie um Mount, Peck und Romijn unternommen wird. Mit der sympathischen Gastdarstellerin Amrit Kaur als Kadettin Thira Sidhu hat man in jedem Fall schon einmal die Crew verstärkt und der neue Maschinenraum macht ebenfalls eine Menge her, wenngleich es sich an dieser Stelle natürlich um CGI handelt. Ob man den Fans diesen Wunsch wohl tatsächlich irgendwann erfüllen wird?

Augen zu und durch

Stilistisch fällt direkt auf, dass dieser Short Trek im Gegensatz zu allen anderen mit einem Cold Open aufwartet und nicht auf die übliche Einblendung setzt, womit wir es hier überhaupt zu tun haben. Einzig der Episodentitel wird noch nach wenigen Sekunden nachgereicht.

Der Rest vom Fest ist dann schnell erzählt. Auf Sternenbasis 28 bricht eine Krise aus und eine Kadettin bekommt unerwartet einen Gefangenen in ihre Obhut, da das Gefängnis nicht benutzt werden kann. Dieser Gefangene wird der Meuterei bezichtigt. So weit, so gut. Irritierend wird die Sache für die junge Dame jedoch, als sich der vermeintliche Meuterer als Captain Pike herausstellt. Nach dem Abgang der Wachen verlangt dieser dann auch sofort seine Freilassung und versucht mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln (Vertrauen aufbauen, Drohgebärde, den Mann der Kadettin ins Spiel bringen und Angst erzeugen), seinen Willen durchzusetzen. Doch wem soll die junge Frau glauben?

Die Auflösung kommt nicht gänzlich überraschend. Bei der ganzen Situation handelt es sich um einen Test und natürlich hat auch kein Zuschauer ernsthaft daran geglaubt, dass Pike ein Meuterer sein könnte. Dieser wollte nur wissen, wie weit seine Gegegnüber bereit ist, Befehlen zu folgen. Im Gegensatz zu Michael "ich mach immer nur mein eigenes Ding" Burnham geht es ihm nämlich darum, dass sich seine Untergebenen im Zweifelsfall an klare Ansagen halten sollen. Da Kadettin Sidhu dann auch bis zum Schluss durchhält (und sogar das Wohl ihres Ehemannes opfern würde) und obendrauf fest entschlossen scheint, Pike zu verletzen, beendet er die Simulation und offenbart seine Intention. Sidhu hat bestanden und darf endlich ihren Wunschposten an Bord der USS Enterprise einnehmen; im Maschinenraum.

Es wirkt selbstverständlich schon ein wenig exzessiv, dass Kadetten mit derartigem Aufwand rekrutiert und getestet werden, beweist aber auch eine Ernsthaftigkeit, die in Krisenzeiten sicher hilfreich sein kann. Wie auch beim Kobayashi-Maru-Test geht es hier schlicht darum, bestimmte Parameter abzuklopfen, die für einen Offizier oder angehenden Offizier elementar sind. Offen bleibt da nur eine Frage: Wo war bloß Burnham, als all das gelehrt und geprüft wurde?

Doch so zynisch dieser Seitenhieb in Richtung der Discovery-Dauerheldin vielleicht klingen mag, muss auch erwähnt werden, dass man beide Seiten mit Skepsis betrachten sollte. Burnham zeigt uns den Typus Offizierin, die immer nur auf die Stimme in ihrem eigenen Kopf hört und der Befehle im Zweifelsfall vollkommen egal sind. Pike wünscht sich hingegen offenbar jemanden, der blind die Befehlskette einhält. Beides hat Vor- und Nachteile. Vermuten wir einfach mal, dass ein Captain wie Pike in der Lage ist, auf der Basis der Folgsamkeit in der späteren Ausbildung einen Mittelweg zu lehren. Die wenigsten Dinge funktionieren im Leben schließlich schwarz-weiß.

Short Treks Ask Not Sidhu Phaser 640x269

Einige Easter-Eggs verstecken sich ebenfalls noch in der Episode.

  • Der Titel Ask not geht vermutlich auf die berühmte Rede von John F. Kennedy zurück, in der er sagte "ask not what your country can do for you, ask what you can do for your country" und verdeutlicht, dass man als Offizier der Sternenflotte lernen muss, das Richtige zu tun, auch wenn es persönliche Belange negativ beeinflusst. Man könnte den Titel allerdings auch als Scherz auffassen. Vielleicht sagen die Produzenten damit lakonisch: "Wir wissen wirklich, dass ihr diese Crew unbedingt in Serie haben wollt. Fragt bitte nicht mehr!"
  • Vermutlich wurden noch nie vorher in Star Trek so viele Sternenflottenregularien in so kurzer Zeit abgefeuert. Dazu gehört die Direktive 010 aus der Episode In the Flesh (In Fleisch und Blut) aus Star Trek: Voyager, die Regelung Nummer 191, Artikel 14 aus der Episode Equinox (Star Trek: Voyager) sowie die sogenannte "reserve activation clause", die in Star Trek: The Motion Picture (Star Trek: Der Film) Erwähnung fand und dort als "selten verwendet" und "kaum bekannt" bezeichnet wurde .
  • Auf einem Display sieht man, dass aktuell zwei Schiffe der Constitution-Klasse an Sternenbasis 28 angedockt sind.

Gebt uns mehr!

Die Dialoge sind gut geschrieben und werden rasant runtergespielt. Auch die Regie lässt sich nichts zu Schulden kommen. Der Score untermalt das Ganze angemessen, glänzt dabei aber nicht. Abgesehen vom Inhalt haben wir es hier jedoch schlicht mit einer längeren und kompetent umgesetzten Action-Sequenz zu tun, wie sie in Star Trek schon hunderte Male vorgekommen ist.

Dafür machen die Leistungen von Anson Mount als Pike sowie von Amrit Kaur als Kadettin Sidhu umso mehr Spaß. Das ungleiche Duo spielt engagiert auf und lässt uns (ein weiteres Mal) wünschen, mehr von dieser Welt zu sehen.

Fazit

Mit Ask not dürfen wir zum vorerst letzten Mal in den Alltag dieser neuen Enterprise-Crew eintauchen. Das extrem kurze, dafür aber fraglos rasante Abenteuer punktet mit sympathischen Figuren, guten Dialogen und einer interessanten Aussage über das Leben von Sternenflottenoffizieren, steht allerdings inhaltlich auch ein wenig verloren da, sofern es keine Fortführung rund um die junge Kadettin geben sollte. Doch vielleicht ist das eben genau der Clou an der Sache. Ein Wink mit dem Zaunpfahl? Wir werden es erleben.

Ausblick: So geht es weiter

Am 12. Dezember werden die Fans in den USA mit gleich zwei neuen Abenteuern versorgt. In The Girl Who Made the Stars erzählt man uns eine Geschichte, die auf den Start der zweiten Staffel von Star Trek: Discovery zurückgeht und dort von Michael Burnham angerissen wurde. Der zweite Short Trek namens Ephraim and Dot handelt dann vom Tardigraden und entstand unter der Regie von Michael Giacchino. Spannend dabei: Beide Episoden sind animiert! Wir halten euch auf dem Laufenden!

Short Treks Ask Not Engineering

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Autor, Journalist & SYFY-Experte Björn Sülter nimmt euch mit auf eine Zeitreise durch über 50 Jahre, erzählt die Geschichten hinter den Kulissen und beleuchtet Stärken, Schwächen und Dramen aller Serien und Filme seit 1966! Angefangen mit den Abenteuern des Captain Kirk über Picard, Sisko, Janeway und Archer hat sich Star Trek seit damals eine treue und engagierte Fanbase erarbeitet. Die erfolgreichen Reboot-Kinofilme des J. J. Abrams sorgen seit 2009 für ebenso viel Diskussionsstoff wie die jüngst gestartete Fernsehserie Star Trek: Discovery. So zeigt sich das Franchise somit immer noch topfit und durchlebt aktuell einen weiteren Frühling. Die Entstehung und der Verlauf jeder Serie und jedes Films wird dabei eingehend beleuchtet. Ein ausführlicher Teil befasst sich zudem mit den neuen Kinofilmen und Star Trek: Discovery.

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Über den Autor & Gastgeber von Planet Trek fm:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider. Neben seinem Sachbuch "Es lebe Star Trek" ist im Oktober der Auftakt seiner Jugendbuchreihe "Ein Fall für die Patchwork Kids" erschienen. Im Dezember startete mit "Beyond Berlin" seine erste eigene Science-Fiction-Reihe.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.

Es Lebe Star Trek 4