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Kritik zu Star Trek: Short Treks 2.05 - "The Girl Who Made the Stars"

Im fünften neuen Short Trek der zweiten Staffel namens The Girl Who Made the Stars dreht sich alles um einen Abend bei den Burnhams, an dem die kleine Michael von ihrem Vater eine Geschichte erzählt bekommt.

Girl Stars 3

von Björn Sülter

CBS veröffentlichte im Dezember zeitgleich die vierte und fünfte Episode der zweiten Staffel ihrer Short Treks. Über das hierzulande noch nicht verfügbare Streamingportal CBS All Access sollen den Fans aktuell gleich sechs dieser kleinen Episoden die Zeit bis zum Start von Star Trek: Picard versüßen.

Die ersten drei drehten sich dabei (mehr oder weniger) um die Crew der USS Enterprise unter dem Kommando von Captain Pike und brachten Anson Mount, Ethan Peck und Rebecca Romijn zurück. Die aktuellen beiden sind animiert und handeln von der Discovery-Crew sowie einem Classic-Abenteuer der besonderen Art. Zum Abschluss folgt im Januar dann noch eine Episode, die als Vorgeschichte zur Picard-Serie dienen wird.

Faktencheck

Bei diesem zweiten animierten Short Trek haben wir es mit einer Geschichte zu tun, die man als Basis für den Beginn der zweiten Staffel von Star Trek: Discovery ansehen kann. Dort erzählt Michael Burnham aus dem Off eben jene Geschichte vom Girl, who made the stars.

Das Drehbuch stammt von Brandon Schultz, der seit der ersten Staffel von Star Trek: Discovery als Writer's Assistant an der Serie beteiligt ist und im zweiten Jahr gemeinsam mit Alan B. McElroy die Episode Perpetual Infinity (Der Zeitsturm) ablieferte. Er soll auch bei der dritten Staffel mit dabei sein.

Schultz hatte die hier verwendete Geschichte ursprünglich als Pitch für eine Real-Szene im letzten Staffelfinale eingebracht, auch um den im Staffelauftakt Brother (Bruder) bereiteten Rahmen zu schließen. Dort konnte man sie jedoch nicht unterbringen. Da Alex Kurtzman die Idee allerdings zu gut gefiel, kam man auf die Idee eines animierten Short Treks.

Regie führte die Discovery-Institution Olatunde Osunsanmi. Insgesamt hat dieser bereits fünfmal in der Serie und nun zweimal in den Short Treks diese Position eingenommen. Außerdem ist er der Supervisor für alle Regisseure an der Serie und somit maßgeblich für die Umsetzung der Stoffe. Die Animation dieses zweiten Short Treks unterschiedet sich extrem vom zeitgleich veröffentlichten Ephraim and Dot. Während man dort an die alte Trek-Zeichentrickserie aus den 1970er-Jahren denken musste, sieht hier alles eher nach einem aufgeräumten und durchgestylten Disney-Produkt unserer Tage aus.

Bezüglich der beteiligten Sprecher wählte man anstatt Arista Arhin (die die Rolle in Rückblenden der Serie gespielt hatte) einerseits Kyrie McAlpin für die junge Michael Burnham, andererseits den bereits aus der Serie bekannten Kenric Green als Mike Burnham. Dieser ist übrigens der Ehemann von Sonequa Martin-Green. Beide machen ihre Sache sehr gut.

Awe and Wonder

Die Handlung dieses Short Treks ist recht schnell erzählt. Die kleine Michael Burnham wacht eines Nachts durch einen Gewittersturm im All auf und wird von ihrem Vater beruhigt. Dieser erzählt ihr eine Geschichte, die auf Überlieferungen des afrikanischen Xam Abathwa Stammes beruht. Es geht um die Entstehung der Milchstraße. Funfact: Wie wir wissen (und wie bereits eingangs erwähnt) wird sich Michael Burnham auch als Erwachsene noch an die Geschichte erinnern können und sie im Rahmen der Episode Brother (Bruder) zum Besten geben. Mit ihrem Plüsch-Tardigraden im Arm lauscht Michael der Geschichte ... und nimmt uns mit auf ihre phantasievolle Reise, in der sie (beziehungsweise ihre Zwillingsschwester) natürlich die Hauptrolle spielt ...

Girl Stars 1

Das Thema der Erzählung beinhaltet ein äußerst trekkiges Konzept. Während ein Stamm in Angst vor der Dunkelheit lebt und sich nicht traut, den gewohnten Lebensbereich zu verlassen, ist es ein kleines Mädchen, das auf eigene Faust und mutig die Grenzen überschreitet, auf ihrem Weg neues, außerirdisches Leben findet und ihrem Volk am Ende eine Erleuchtung im doppeltem Sinne beschert. Ein wenig erinnert die Geschichte in diesen Aspekten auch an den Film Vaiana.

Am Ende schläft Michael, wie eingehüllt in diese phantastische Geschichte, ein und träumt davon, selbst einmal eine große Entdeckerin zu werden.

Kanon & Wirkung

Spannend ist die Tatsache, dass Star Trek hier in Sachen Mythologie- oder Legenden- und Sagenwelt einmal einen anderen Weg als üblich geht. Bisher war es oft an den Protagonisten, diese (oder falsche Götter) zu enttarnen und somit auseinanderzunehmen. Hier wird nun ganz gezielt und sensibel eine solche Legende gepflegt und präsentiert.

In Sachen Kanon kann man davon ausgehen, dass die Ereignisse dieser Episode auf Doctari Alpha und nicht lange vor dem verheerenden Angriff der Klingonen stattfinden, bei dem Michaels Eltern ums Leben kommen. Eine Frage stellt sich in diesem Zusammenhang jedoch: Warum zeigt man uns in diesem Short Trek im Kinderzimmer nur Bilder von Michael und ihrem Dad und nicht von Mutter Gabrielle? Eine merkwürdige Entscheidung der Macher.

Fazit

Mit The Girl Who Made the Stars bietet man uns eine liebevolle Gute-Nacht-Geschichte, die sich irgendwo zwischen bodenständigen Familienmomenten und dem Ruf des Weltalls positioniert. Star Trek proklamiert somit erneut den Reiz von der Erkundung des Unbekannten und feiert neue Erkenntnisse. Eine Serie in diesem Animationsstil ist für Jung und Alt gut vorstellbar. Warum nicht einen Star-Trek-Animationsfilm ausprobieren? Der Markt ist groß und dürfte einer spannenden SF-Geschichte (siehe Filme wie Wall-E) sicher nicht ablehnend gegenüberstehen. Dieser Short Trek hat dafür in jeder Hinsicht den Boden bereitet. Ein gelungenes Experiment.

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Ausblick: So geht es weiter

Inzwischen sind wir fast wieder durch mit den aktuellen Short Treks. Im Januar folgt nur noch eine vorerst letzte Episode namens Children of Mars, die uns die Vorgeschichte zu Star Trek: Picard servieren wird.

Björn Sülters Rezension dazu sowie ausführliche Artikel im Vorlauf zur Serie und ab 24. Januar 2020 dann auch die Rezensionen zu allen Picard-Episoden und neue Ausgaben des Podcasts Planet Trek fm gibt es natürlich wie gewohnt nur hier bei SYFY.de.

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Autor, Journalist & SYFY-Experte Björn Sülter nimmt euch mit auf eine Zeitreise durch über 50 Jahre, erzählt die Geschichten hinter den Kulissen und beleuchtet Stärken, Schwächen und Dramen aller Serien und Filme seit 1966! Angefangen mit den Abenteuern des Captain Kirk über Picard, Sisko, Janeway und Archer hat sich Star Trek seit damals eine treue und engagierte Fanbase erarbeitet. Die erfolgreichen Reboot-Kinofilme des J. J. Abrams sorgen seit 2009 für ebenso viel Diskussionsstoff wie die jüngst gestartete Fernsehserie Star Trek: Discovery. So zeigt sich das Franchise somit immer noch topfit und durchlebt aktuell einen weiteren Frühling. Die Entstehung und der Verlauf jeder Serie und jedes Films wird dabei eingehend beleuchtet. Ein ausführlicher Teil befasst sich zudem mit den neuen Kinofilmen und Star Trek: Discovery.

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Über den Autor & Gastgeber von Planet Trek fm:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider. Neben seinem Sachbuch "Es lebe Star Trek" ist im Oktober der Auftakt seiner Jugendbuchreihe "Ein Fall für die Patchwork Kids" erschienen. Im Dezember startete mit "Beyond Berlin" seine erste eigene Science-Fiction-Reihe.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.

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