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Kritik zu Star Trek: Short Treks 2.06 - "Children of Mars"

Im sechsten und vorerst letzten neuen Short Trek der zweiten Staffel namens Children of Mars erhalten wir kurze, dezente Einblicke bezüglich der Vorgeschichte zu Star Trek: Picard.

Picard Short Trek Children Of Mars

von Björn Sülter

CBS veröffentlichte in der vergangenen Woche die sechste und letzte Episode der zweiten Staffel ihrer Short Treks.

Die ersten drei drehten sich dabei (mehr oder weniger) um die Crew der USS Enterprise unter dem Kommando von Captain Pike und brachten Anson Mount, Ethan Peck und Rebecca Romijn zurück. Die beiden folgenden waren animiert und handelten von der Discovery-Crew sowie einem Classic-Abenteuer der besonderen Art. Zum Abschluss folgte nun eine Episode, die als Vorgeschichte zur Picard-Serie dient.

Kanon & Wirkung

Der Short Trek spielt zu einer Zeit, als Jean-Luc Picard bereits Admiral geworden war und die Enterprise verlassen hatte. Er spielt also einige Jahre nach Star Trek: Nemesis (und somit nach 2379 und in einer Zeit, über die wir bisher nicht viel wissen) sowie zudem natürlich einige Jahre vor Star Trek: Picard. Zieht man die Countdown-Comics heran, weiß man, dass Picard an Bord der USS Verity für die Umsiedlung von Romulanern im Angesicht der drohenden Supernova zuständig war. Dass die Supernova aus Star Trek von 2009 eine Rolle für die neue Serie spielt, weiß man auch von Alex Kurtzman. Doch was hat der Mars damit zu tun? Warum greifen wildgewordene synthetische Lebensformen den Mars und Utopia Planitia an? All diese Fragen muss und werden ganz bestimmt bald die Serie und der Roman Die letzte und einzige Hoffnung von Una McCormack klären. Für den Moment bietet der Short Trek nur ein klitzekleines Fenster in eine Zeit, über die wir schlicht und ergreifend zu wenig wissen, um genauer klären zu können, was hier im Detail vor sich geht.

Funfact am Rande: Laut Äußerungen in Star Trek: Voyager war der First Contact Day zumindest in früheren Zeiten mal ein schulfreier Tag. Dies scheint nun jedoch nicht mehr der Fall zu sein.

Faktencheck

Bei diesem Short Trek verfolgen wir die Ereignisse eines Tages auf der Erde. Es ist First Contact Day, also der Feiertag des ersten Kontakts zwischen Menschen und Vulkaniern und somit der 5. April irgendwann zwischen 2380 und 2390. Zwei Mädchen bereiten sich für die Schule vor. Das eine albert mit ihrer Mutter herum, die auf dem Mars arbeitet, das andere streitet mit ihrem Vater, der im Orbit des Mars seiner Tätigkeit nachgeht. Auf dem Weg zur Schule und während des Schultags geraten die Mädchen aus nicht ersichtlichen Gründen ständig aneinander, bis sie schließlich nach einem Kampf über ihr Verhalten nachdenken sollen. Plötzlich wird ein Live-Feed geschaltet: Wildgewordene synthetische Lebewesen haben den Mars angegriffen! Was ist hier los?

Das Drehbuch stammt vom Autorenteam aus Alex Kurtzman, Jenny Lumet und Kirsten Beyer. Es ist nicht direkt ersichtlich, was ihr Anliegen war. Das Puzzleteil, welches die drei uns hier präsentieren, ist derart klein und entrückt, dass es fast wie eine Fingerübung wirkt. Wir erfahren nur, dass es irgendwann einen Angriff von synthetischen Lebewesen geben wird. Das restliche Setting bleibt unklar, ebenso wie die Rolle von Admiral Picard oder die der beiden Mädchen. Vielleicht ergibt sich aber im Verlaufe der ersten Staffel von Star Trek: Picard noch etwas.

Regie führt Mark Pellington, der auch schon für Q & A, den Auftakt der aktuellen Staffel,verantwortlich gewesen war. Erneut gelingt ihm ein visuell starkes Stück TV, das viele interessante Kameraperspektiven und Spielereien vereint. Seine Darsteller, die allesamt kaum Dialoge haben, machen ihre Sache gut.

Auch der Score weiß zu gefallen. Die Entscheidung indes, den Großteil der Handlung mit einer Coverversion des Songs Heroes von David Bowie zu unterlegen, irritiert zunächst. Im Kontext mit der Handlung ergibt die Wahl nicht wirklich Sinn. Handelt es sich um einen typischen Fall von Style over Substance? Eher nicht. Mit Kenntnis der Serie und des Romans Die letzte und einzige Hoffnung ergibt sich nämlich ein Kontext, der eventuell beabsichtigt war und in diesem Fall eine wirklich schöne Idee darstellen würde. Eventuell hat der Song nämlich gar nichts direkt mit den Mädchen oder dem Angriff auf den Mars zu tun, sondern bildet eher den Rahmen für alles, was zu diesem Geschehen überhaupt geführt hat. Darüber wird nach Ausstrahlung der Episoden und Veröffentlichung des Buches sicher noch zu sprechen sein.

Short Treks Children Of Mars Review Shipyard

Neue Freunde

Die Handlung dieses Short Treks ist, wie oben bereits angedeutet, schnell erzählt und läuft ungewohnt unkommunikativ ab. Es dominieren Blicke und Gesten, wie am Ende, als die Mädchen im Angesicht der Katastrophe und des vermeintlichen Verlustes ihrer Eltern, zusammenfinden. Zuviel Pathos? Schwer zu beurteilen, wenn man den Sinn des vorher gezeigten gar nicht versteht. Denn bevor wir eine Ahnung davon bekommen können, was überhaupt vor sich geht, ist es auch schon wieder vorbei. Manche Fans in den USA sprachen nach Ausstrahlung des Short Treks ein wenig zynisch davon, dass dieses wohl der teuerste und nichtssagendste Serientrailer der Trek-Geschichte wäre. Ganz falsch liegen sie nicht, was das Ansinnen der Macher angeht. Es handelt sich um einen Teaser. Wir sehen nämlich hier, abgesehen von den wahren Trailern für die Serie, Sir Patrick Stewart das erste mal seit Star Trek: Nemesis wieder in einer realen Erzählung aus dem Hause Star Trek! Dieser Sachverhalt mag angesichts von Promofotos und Bewegtbildern in eben jenen Trailern kaum auffallen, ein Unterschied ist es aber doch.

Auch lässt uns das Gezeigte spekulieren, was die Ereignisse auf dem Mars wohl mit denen der folgenden Serie zu tun haben könnten.

Spannend ist darüber hinaus, dass wir endlich einmal ein wenig Alltag an einer Schule auf der Erde der Zukunft sehen. Angesichts einer eventuell geplanten Serie über die Sternenflotte-Akademie vielleicht nicht der schlechteste Schachzug?

Warum man uns allerdings junge Mädchen zeigen muss, die (offenbar grundlos) ihren Frust an sich auslassen, bis hin zu einer schmerzhaften Schlägerei, bleibt vollkommen unklar. Möchten die Autoren hier auf Vorurteile bezüglich der Herkunft hinweisen? Passt das in die Trek-Zeit des 24. Jahrhunderts auf der Erde? Und wenn das nicht dahintersteckt, was dann?

Fazit

Children of Mars bietet nicht im wörtlichen Sinne eine Vorgeschichte zu Star Trek: Picard; zumindest nicht, wenn man an Informationen über die Figur des Jean-Luc Picard interessiert war. Die extrem kurze und wortkarge Episode führt uns jedoch zu einem bedeutenden Moment der Geschichte, dessen Auswirkungen auf die Sternenflotte und Picard immens sein werden. Insofern ist der Short Trek zwar von Interesse und kann durch seine Umsetzung punkten, verwirrt aber auch durch die wenig nachvollziehbare Handlung um die beiden Mädchen.

Short Trek Mars02

Ausblick: So geht es weiter

Das war es schon wieder mit den aktuellen Short Treks. Die zweite Staffel hat sechs äußerst unterschiedliche Episoden hervorgebracht und wird hoffentlich auch bald bei einem in Deutschland empfangbaren Streamingdienst landen. Dass es mit einer dritten Staffel weitergehen wird, haben die Verantwortlichen übrigens bereits verkündet.

Nun geht es am 24. Januar jedoch erstmal los mit der ersten Staffel von Star Trek: Picard bei Amazon Prime Video.

Björn Sülters Rezensionen zu allen Picard-Episoden und neue Ausgaben des Podcasts Planet Trek fm gibt es natürlich wie gewohnt nur hier bei SYFY.de.

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Autor, Journalist & SYFY-Experte Björn Sülter nimmt euch mit auf eine Zeitreise durch über 50 Jahre, erzählt die Geschichten hinter den Kulissen und beleuchtet Stärken, Schwächen und Dramen aller Serien und Filme seit 1966! Angefangen mit den Abenteuern des Captain Kirk über Picard, Sisko, Janeway und Archer hat sich Star Trek seit damals eine treue und engagierte Fanbase erarbeitet. Die erfolgreichen Reboot-Kinofilme des J. J. Abrams sorgen seit 2009 für ebenso viel Diskussionsstoff wie die jüngst gestartete Fernsehserie Star Trek: Discovery. So zeigt sich das Franchise somit immer noch topfit und durchlebt aktuell einen weiteren Frühling. Die Entstehung und der Verlauf jeder Serie und jedes Films wird dabei eingehend beleuchtet. Ein ausführlicher Teil befasst sich zudem mit den neuen Kinofilmen und Star Trek: Discovery.

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Über den Autor & Gastgeber von Planet Trek fm:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider. Neben seinem Sachbuch "Es lebe Star Trek" ist im Oktober der Auftakt seiner Jugendbuchreihe "Ein Fall für die Patchwork Kids" erschienen. Im Dezember startete mit "Beyond Berlin" seine erste eigene Science-Fiction-Reihe.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.

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