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Krypton: Die Entstehung einer Legende

In der zweiten Staffel von Krypton erleben wir neue Abenteuer in der Heimat des zukünftigen Mannes aus Stahl. Doch wie hat seine Welt ihn geprägt? Wie wurde aus ihm der Mann, den alle nur Superman nennen? Björn Sülter geht auf Spurensuche.

Präsentiert von: Björn Sülter


Krypton ist nicht nur der Titel der aktuellen Serie mit Superman-Bezug, es ist auch der Name der Heimatwelt des Kal-El; oder wie man ihn auf der Erde nennt: Clark Kent.

Der Planet befindet sich im Orbit eines Roten Riesen. Er ist die Heimat einer hochentwickelten Zivilisation, die sich insbesondere in den Bereichen Wissenschaft und Technologie einen Namen machte. Die Beschaffenheit der Welt wechselte in den verschiedenen Inkarnationen in Comics, TV oder Kino, die kristallinen Strukturen tauchten jedoch beispielsweise fast immer auf.

Krypton wird in weitestgehend jeder Version des Superman-Mythos erwähnt oder sogar gezeigt. Ein Wunder ist das freilich nicht, hat die Heimatwelt des Mannes aus Stahl doch zu jeder Zeit einen immensen Einfluss auf ihn ausgeübt, dem wir heute auf den Grund gehen wollen.

Du bist hier nicht Zuhause

Kal-El gelangt als Säugling durch die Hand seiner Eltern auf die Erde, da Krypton kurz vor der Vernichtung steht. In einem kleinen Raumschiff, das nur Platz für eine Person bietet, landet er mitten im Nirgendwo des mittleren Westens der USA und wird von den Eheleuten Kent gefunden. Diese nennen ihn Clark und ziehen ihn wie einen eigenen Sohn auf.

Wie viele Adoptivkinder spürt auch Clark sein ganzes Leben lang, dass er aus irgendeinem Grund nicht hundertprozentig an diesen Ort zu gehören scheint. So rührend und liebevoll die Kents sich auch um ihn kümmern, ist dort am Himmel auch immer ein fernes Licht, das ihn wie magisch anzieht. Clark spürt den Kal-El in sich und weiß unterbewusst zu jeder Zeit, dass es eine zweite Heimat gibt.

Im Subtext befassen sich die Macher hinter der Superman-Figur an dieser Stelle also mit alltäglichen Problemen von Heranwachsenden, die von ihrer eigentlichen Familie getrennt leben müssen und hinterfragen, wie sich dieses Wissen auf ihre Psyche auswirkt.

Smallville

Du bist anders als wir

Aufgrund seiner Herkunft besitzt Kal-El zudem Fähigkeiten, die sich erst mit der Zeit entwickeln und manifestieren. Auch dadurch spürt er bereits früh seine Andersartigkeit. Mit fortschreitendem Alter reift schließlich die Erkenntnis, dass er nicht wie seine Mitschüler, Freunde, Mitmenschen und Kollegen ist.

Seine verlorene Heimat hat ihm zwar segensreiche Fähigkeiten geschenkt, ihn jedoch auch zu einem Außenseiter gemacht und zwingt ihn, zu lügen und im Geheimen zu operieren.

Kal-El mag zwar den Namen Clark Kent angenommen haben, er bleibt allerdings genaugenommen immer der Kryptonier hinter der Maske eines ganz normalen Menschen. Auch als er später nach Metropolis zieht um dort als Journalist zu arbeiten, bleibt das Pendeln zwischen den Identitäten sein ständiger Begleiter. Er ist Kal-El, das Kind vom Krypton, Clark Kent, der Farmjunge aus Smallville und Reporter des Daily Planet sowie Superman, der strahlende Held und Retter.

Im Subtext geht es also auch hier um alltägliche Probleme von Kindern, Identitätsfragen in der Pubertät und darüber hinaus sowie um Veränderungen im Leben, mit denen man umzugehen lernen muss.

Superman

Du bist dennoch einer von uns

In engem Zusammenhang mit seinem Charakter steht das Aufwachsen auf einer Farm bei seinen Pflegeeltern Martha und Jonathan Kent. Diese nahmen ihn nicht nur liebevoll und selbstverständlich auf, sie brachten ihm auch menschliche Nächstenliebe sowie starke Moralvorstellungen bei und lehrten ihn, dass das Töten eines anderen Individuums unter jeden Umständen zu verhindern und falsch ist. Durch sie wurde er zum Retter der Armen und Schwachen. Durch sie erkannte er den Wert darin, seine Fähigkeiten für andere Menschen zu nutzen.

Wie beispielsweise auch in Star Wars (in Bezug auf die Macht) darf man die Rolle der Kents durchaus als Pendel zwischen Gut und Böse verstehen. Andere Menschen hätten Kal-El unter Umständen zu einer Waffe des Böses instrumentalisiert. Den Kents ist es indes zu verdanken, dass in dem Jungen vom Krypton das Gute kultiviert wurde.

Dank ihnen war es Kal-El als Clark Kent zudem möglich, so nahe wie nur möglich an das Leben eines normalen Menschen heran zu kommen. Er spürte elterliche Liebe, wurde dazu erzogen, das Richtige zu tun und wuchs zumindest eine Weile lang behütet und in Frieden auf.

Smallville

Du hast Heimweh

Und obwohl sich die Kents alle Mühe gaben, fühlte sich Clark Kent eben doch sein ganzes Leben lang zu diesem fernen Stern hingezogen: Krypton.

In den 1980er-Jahren kehrte Superman sogar einmal dorthin zurück und musste feststellen, dass Hoffnung auf eine Regeneration seiner Heimat bestand. Seine Heimat blieb für ihn jedoch immer eine Art Fata Morgana, die er nie erreichen konnte.

In der Serie Krypton erleben wir zumindest Teile der bewegten Geschichte, lernen die Familie des Kal-El kennen und können uns ein wenig in die Welt einfühlen, die dieses außergewöhnliche Wesen hervorgebracht hat.

Krypton

Für die Ewigkeit

Es ist wahrlich kein Wunder, dass die Figur des Superman so viele Jahrzehnte überdauern konnte, sich dabei anhaltender Beliebtheit erfreut und ungebrochen interessant für Zuschauer wie Medienschaffende ist. Die Figur steht für Integrität, Hilfsbereitschaft, Moral und Stärke aber eben auch für Sehnsucht, Zweifel, Identitätskampf und Verlust.

Diese Reichhaltigkeit und emotionale Tiefe, kombiniert mit den spannenden Abenteuern, ließ Superman unzählige Inkarnationen in den Comics, im Kino und TV sowie auch Fehlschläge und Tiefs überstehen. Qualität setzt sich eben immer wieder durch.  

Jerry Siegel und Joe Shuster haben in den 1930er-Jahren schlicht eine popkulturelle Ikone geschaffen, die auch weiterhin Bestand haben wird. Ein zeitloser Held für viele Generationen, dessen bewegte Geschichte durch die Ereignisse aus der Serie Krypton aktuell nur noch reichhaltiger wird.

SYFY zeigt die zweite Staffel von Krypton ab dem 3. Oktober 2019 immer donnerstags um 20.15 Uhr.

Krypton

Über den Autor:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Headwriter und Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider. Neben seinem Sachbuch Es lebe Star Trek ist auch der Auftakt seiner Jugendbuchreihe Ein Fall für die Patchwork Kids erschienen. Dazu läuft mit Beyond Berlin seine erste eigene Science-Fiction-Reihe, die es als Print, Ebook und Hörbuch, gelesen von Synchronsprecher und TV-Mann Benjamin Stöwe, zu kaufen gibt. Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Zudem liest er Hörbücher (Der Earl von Gaudibert, Dunkle Begegnungen, Q sind herzlich ausgeladen) und ist als Moderator und Redner auf verschiedenen Events sowie als Gast in TV und Radio im Einsatz.


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