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Lara Croft: Tomb Raider: Die unterschätzte Games-Adaption

Tomb Raider Wallpaper

von Gerhard Raible

Es gibt einen weit verbreiteten Glauben in der Filmbranche, dass man aus einem Videospiel keinen guten Film machen kann. Aus welchen Gründen auch immer, Filmemacher und die Industrie haben den Code der Adaption in Bezug auf das Games-Medium noch nicht wirklich geknackt. Man hat sich bemüht, aber die Ergebnisse zogen sich meist von mittelmäßig (Assassin's Creed) zu verheerend (Doom) bis zur legendären Katastrophe (Super Mario Bros.). Das hat die großen Hollywood-Studios natürlich nicht davon abgehalten, es weiter zu versuchen. Videospiele machen viel Geld und es ergibt Sinn, ihre große Zielgruppe auch für die Kino-Leinwand zu erschließen.

Da lag es auf der Hand, es mit einem Reboot zu versuchen. 22 Jahre war es her, dass Lara Croft Ihr erfolgreiches Debüt auf der Playstation gegeben hatte und feierte schließlich mit der Adaption der letzten Ausgabe des Spiels im Kino ihr Comeback. Dafür zog 2018 die Oscar-Preisträgerin Alicia Vikanderdas berühmte Tanktop an.

Uns hat es aber auch dazu veranlasst, auf die erste Verfilmung zurückzublicken; eine, die damals nur ein weiterer Beweis dafür war, dass Videospielfilme oft floppen. Doch Tomb Raider war vielleicht dennoch der beste Videospielfilm, den wir hatten. Zumindest damals und eine Weile lang.

Der Action-Adventure-Film Lara Croft: Tomb Raider aus dem Jahr 2001 kam inmitten eines Hypes in die Kinos. Es war eines der erfolgreichsten Videospiele der Welt, mit einer Heldin, die bei ihren Fans wilde Hingabe hervorrief, und es schien, als hätte jede große Schauspielerin auf dem Planeten für die Rolle vorgesprochen.

Tomb Raider 1

Die Besetzung mit der Oscar-Preisträgerin Angelina Jolie erwies sich bei einigen Fans als kontrovers, die der Meinung waren, dass das wilde Kind Hollywoods nicht für die Rolle der Archäologin geeignet sei. Natürlich haben sich einige auch darüber beschwert, dass ihre Brüste nicht groß genug für Lara waren, eine Beschwerde, bei der wir nicht einmal so tun können, als wäre sie jemals legitim. Die damaligen Kritiken waren lauwarm doch die Kinokasse gut genug, um eine Fortsetzung zu rechtfertigen, aber es war nicht der gigantische Kassenschlager, auf den Paramount gehofft hatte.

Tomb Raider ist im Kern sehr albern und ein ungelenkes Actionspiel mit mythischen Einflüssen und langen Stilleperioden, in denen Lara, immer in Hotpants und super engen Tops gekleidet, durch die Wildnis rennt. Im ersten Spiel beschäftigt sie sich mit verlorenen Städten und Mutanten, und in späteren Ausgaben kämpfte sie gegen Drachen und fand außerirdische Raumschiffe in Area 51.

Am besten war Tomb Raider in den frühen PlayStation-Tagen im Geiste von Indiana Jones mit einer gesunden Dosis Selbstbewusstsein. Der Film weiß wirklich, dass die Story keine Rolle spielt. Man schaut ihn für Lara, Schießereien und puren Spaß.

Lara Croft Hated Everything

Über die Objektivierung von Lara Croft, einer Figur mit so unnatürlich großen Brüsten, dass sogar Barbie ihre Ratschläge zu Rückenschmerzen anbieten möchte, wird bis heute gestritten.

Egal auf welche Seite man in dieser Diskussion gerät, es ist schwer zu übersehen, wie albern eine britische Dame aus der Oberschicht ist, die seltene Antiquitäten zurückholt und immer wieder versucht, ihren Butler im begehbaren Kühlschrank einzusperren.

Jolie war das perfekte Casting für Lara der ersten Generation. Sie ist raffiniert genug, um das Leben einer englischen Adligen zu schaffen, die in einem stattlichen Haus lebt, passte aber auch unglaublich gut zur Körperlichkeit der Rolle. In der Tat ist es jedoch Daniel Craig aus der Zeit vor der Bond-Ära, der zur Abwechslung nackt bestaunt wird.

All dies machte den Film zu einer perfekten Videospiel-Adaption, die das Medium Games erkannte und damit umzugehen wusste.

Tomb Raider 2

Das heißt nicht, dass der Film nicht bereit war, ernst zu werden. Es gab einige überraschende Szenen mit Laras Vater, gespielt von Jolies echtem Vater Jon Voight mit sehr viel Pathos. Doch war er nicht fehlerfrei: der Bösewicht geriet langweilig, zwischen Jolie und Craig passt die Chemie nicht, und das CGI war sogar im Jahr 2001 schon veraltet. Was auch immer die Fehler im Film waren, am Ende waren sie belanglos, hatte man doch letztendlich 1,5 Stunden eine unterhaltsame, ausgelassene Zeit im Kino verlebt.

Alicia Vikander wurde dann die neue Lara, ein zeitgemäßes Spiegelbild unserer sich verändernden Einstellungen und Vorlieben in Bezug auf starke weibliche Charaktere in der Popkultur. 2021 soll es mit einem Sequel weitergehen. Denn irgendwie hat man den Code für gute Gaming-Verfilmungen langsam wohl doch gefunden.

Hoffentlich klammern sich Generationen jugendlicher Mädchen an die neue Lara, so wie es damals viele mit Jolies Figur getan haben. Ihre Wirkung und die ultimative Freude an ihrem Film sollten nicht vergessen werden. So so sehr Lady Croft für viele auch immer auf Äußerlichkeiten reduziert wurde, so groß ist sie immer noch als eine der Heldinnen des modernen Geekdoms; egal in welcher Inkarnation.