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Leonard Nimoy: 90 Jahre stets mehr als nur Spock

Heute wäre Leonard Nimoy, der unvergessene Darsteller des Spock aus Star Trek, 90 Jahre alt geworden. Unser Thorsten Walch erinnert an einen faszinierenden, wunderbaren Menschen und großen Könner in vielen Bereichen des kreativen Lebens.

File Photo Of Nimoy Cast Member Of New Film Star Trek Into Darkness Posing As

Nicht allein »Captain Kirk« William Shatner begeht im März 2021 seinen 90. Geburtstag: Ganze vier Tage nach ihm, am 26. März 1931, kam in Boston, Massachusetts an der amerikanischen Ostküste der kleine Leonard Simon Nimoy als Sohn eines jüdisch-orthodoxen Einwandererehepaares aus der heutigen Ukraine zur Welt. Ab 1966 wurde er in der Rolle des spitzohrigen Halbvulkaniers Spock in der neuen Serie Star Trek ebenso bekannt, wenn nicht sogar noch bekannter als sein Kollege William Shatner: Erst Jahre später wurden die beiden zu engen Freunden.

Wie nicht allein Star-Trek-Fans wissen, ist es Leonard Nimoy im Gegensatz zu William Shatner leider nicht vergönnt, seinen Jubeltag zu erleben: Der Spock-Darsteller verstarb am 27. Februar 2015 einen knappen Monat vor seinem 84. Geburtstag an den Folgen einer langjährigen chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Nichtsdestotrotz gedenken Trekkies in aller Welt am 26. März des Mannes, der als Mister Spock zu einem ausgesprochenen Prototyp für die Darstellung von Aliens in Film und Fernsehen wurde.

Jungschauspieler

Nicht nur anhand des Alters gab es Parallelen in den Leben der beiden Star-Trek-Hauptdarsteller. Wie auch William Shatner reifte im jungen Leonard Nimoy schon früh der Wunsch danach, Schauspieler zu werden – allerdings ging Leonard Nimoy einen direkteren Weg. Nach seinem Schulabschluss studierte er Schauspiel am Boston College sowie am Pasadena Playhouse, nachdem auch er schon als Kind Theater gespielt hatte. Erste Rollen erhielt er in den Filmen Queen For A Day, Rhubarb (beide von 1951) sowie Kid Monk Baroni (1952).

Seine erste Begegnung mit dem Science-Fiction-Genre hatte er ebenfalls 1952 in dem 12-teiligen Kinoserial Zombies Of The Stratosphere, in dem er den gefühlsarmen Marsmenschen Narab spielte. Ein 78-minütiger Zusammenschnitt dieses Serials erschien 2011 unter dem Titel Des Satans Satellit auch in deutscher Fassung auf DVD. Es dauerte, bis Leonard Nimoys Karriere so recht in Gang kam, dann aber folgten Auftritte im Monsterfilmklassiker Formicula (1954) und verschiedenen Fernsehserien der damaligen Zeit, darunter Abenteuer unter Wasser (1958 und 1961), The Twilight Zone (1959) und dessen Konkurrenzreihe The Outer Limits (1964) sowie Bonanza (1960).

Die Geburt einer Legende

Bereits 1964 hatte Gene Roddenberry den asketisch aussehenden Nimoy für eine Rolle in seiner neuen Science-Fiction-Serie namens Star Trek mit dabeihaben wollen. Völlig gefühllos war Spock in Der Käfig (The Cage), der zunächst nur in Auszügen in einer anderen Episode (der Doppelfolge Talos IV – Tabu) verwertet wurde, noch nicht: Ein gelegentliches Lächeln kam dem satanisch aussehenden Burschen mit den spitzen Ohren und den geschwungenen Augenbrauen noch über die Lippen. Dennoch verlangten die Studioverantwortlichen damals, dass Spock aus der dem Pilotfilm folgenden Serie gestrichen werden sollte.

Doch glücklicherweise setzte sich Roddenberry durch und der sicherlich einprägsamste Charakter seiner Zukunftsvision blieb in der klassischen Originalserie, der nachfolgenden Zeichentrickserie sowie zunächst den ersten sechs auf ihr basierenden Kinofilmen erhalten: Bis zum Jahr 2013, in dem Spock in einer kurzen Szene des damals neuesten Star-Trek-Kinofilms Into Darkness zu sehen war, kehrte Leonard Nimoy mit teils großen Abständen immer wieder in die Rolle zurück, auch in einer Episode der Nachfolgeserie Star Trek: The Next Generation. Nimoys Verhältnis zu der ikonischen Fernseh- und Filmfigur blieb Zeit seines Lebens ein zwiespältiges: In den 70er-Jahren schrieb er das Buch I Am NOT Spock, in dem er die Unterschiede zwischen dem Seriencharakter und seiner realen Person deutlich herausstrich. Allerdings ruderte er zwanzig Jahre später zurück und schloss in einem weiteren Buch mit dem Titel I AM Spock Frieden mit seinem Image.

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Andere Rollen

In der Tat gestaltete es sich nach dem Erfolg von Star Trek und der damit verbundenen Popularität als Spock schwer für den Schauspieler Nimoy, vom Publikum auch in anderen Rollen akzeptiert zu werden. Eine der ersten war die des ehemaligen Bühnenmagiers Paris in der Serie Kobra, übernehmen Sie (Mission: Impossible), die er direkt nach der klassischen Originalserie für 49 Episoden übernahm. Es folgten der Militärfilm Einsatz im Pazifik (1971), der Western Catlow: Leben ums Verrecken (ebenfalls 1971), wo er den Gegenspieler von Yul Brynner darstellte sowie die Episode Zwei Leben an einem Faden aus der berühmten Krimiserie Columbo (1973). Von 1977 bis 1982 moderierte Leonard Nimoy alle 144 Folgen der Dokumentarserie In Search Of… über rätselhafte Phänomene und Orte in aller Welt.

Eine von Nimoys bekanntesten Rollen außerhalb von Star Trek war seinerzeit die des Psychiaters Dr. Kibner in Philip Kaufmans düsterem Sci-Fi-Horror-Remake Die Körperfresser kommen (1978). Rollen hatte er auch in den aufwändigen TV-Mehrteilern Golda Meir über die titelgebende israelische Politikerin sowie Marco Polo über den berühmten Entdecker (beide von 1982). Ein persönlicher Höhepunkt für Leonard Nimoy, der sich Zeit seines Lebens für den Dialog rund um die jüdische Religion und Kultur einsetzte, war der 1991 inszenierte TV-Film Die Schmach des Vergessens (Never Forget), in dem er als Holocaust-Überlebender Mermelstein die Behauptung, Auschwitz sei eine Lüge, unter Strafe stellen lässt. Leonard Nimoys letzte große Rolle als Schauspieler wurde die des mysteriösen Wissenschaftlers Dr. William Bell in der von Star-Trek-Reboot-Regisseur J.J. Abrams konzipierten Mystery-Serie Fringe: Grenzfälle des FBI, den er zwischen 2009 und 2011 in insgesamt 11 Folgen spielte.

Regisseur, Fotograf, Dichter & Sänger

Einen Namen machte sich Leonard Nimoy auch als Regisseur: Neben den beiden Star-Trek-Kinofilmen Auf der Suche nach Mr. Spock (1984) und Zurück in die Gegenwart (1986) inszenierte er die Erfolgskomödie Noch drei Männer, noch ein Baby (1987) mit Tom Selleck, Steve Guttenberg und Ted Danson in den Hauptrollen, das Drama Der Preis der Gefühle (1988) mit Diane Keaton und Liam Neeson sowie mit Kein Baby an Bord (1990) mit Gene Wilder und Mary Stuart Masterson und Holy Days (1994) mit Patricia Arquette und Joseph Gordon-Levitt zwei weitere Komödien.

Ferne wurde Leonard Nimoy bereits ab 1973 auch als vielbeachteter Kunstfotograf mit Ausstellungen wie Shekina oder Maximum Beauty bekannt, schrieb eine Reihe von Gedichtbänden und lieh Charakteren vorwiegend in Animationsfilmen und -serien wie Transformers (1986 und 2011), Der Pagemaster (1994) oder Atlantis: Das Geheimnis der verlorenen Stadt (2001) seine Stimme. Auch veröffentlichte Nimoy seit den 60er-Jahren mehrere Musikalben mit Coverversionen bekannter Songs.

Fans von Star Trek auf der ganzen Welt gedenken an seinem 90. Geburtstag jenes Darstellers und Menschen, ohne den das Universum des Gene Roddenberry niemals vergleichbare Erfolge gefeiert hätte. Dem schließen wir von SYFY uns natürlich in Dankbarkeit ebenfalls an.