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Marvel Cinematic Universe: Der Höhepunkt der Infinity-Saga

Das Marvel Cinematic Universe hat mit der Infinity-Saga insgesamt 23 Filme hervorgebracht. Viele waren grandios, einige nur mittelprächtig. Vergangene Woche ging es um eine herbe Enttäuschung, heute verrät unser Björn Sülter euch seinen Höhepunkt der Reihe.

Avengers

Präsentiert von: Björn Sülter


Höhepunkte innerhalb der sogenannten Infinity-Saga des Marvel Cinematic Universe sind wahrlich nicht rar. Viele Fans nennen zurecht verschiedene Teile von Iron Man oder Captain America sowie Doctor Strange oder das erste, dritte und vierte Avengers-Abenteuer. Und wahrlich sind alle genannten Streifen ihre Laufzeit mehr als wert.

Für mich steht jedoch ein anderer Beitrag ganz hoch im Kurs: Black Panther hat mich emotional und intellektuell sowie obendrauf auch noch von der Umsetzung durchweg begeistert und schlägt die Konkurrenz damit um Längen.

Umso erstaunlicher ist das, da ich den Film im Vorfeld kaum wirklich auf dem Zettel hatte.

Die perfekte Tarnung

Von Außen betrachtet ist Wakanda ein riesiges Areal aus Dschungel und Bergen sowie für Außenstehende kaum zugänglich. Es handelt sich schlicht ausgedrückt um ein typisch afrikanisches Land, wie wir es uns vorstellen würden und das jedes Klischee bedient.

Unter der Oberfläche und den Stereotypen haben wir es jedoch vielmehr mit einer hochentwickelten Zivilisation zu tun, die sich gegen neugierige Blicke und Eindringlinge schützt. Wakanda ist, angetrieben vom Vibranium, voller fliegender Fahrzeuge, Hightech und bietet einen hohen Lebensstandard. Dennoch haben die Menschen auch ihre kulturelle Identität voll bewahrt. Traditionen treffen in einer Form auf Technik, die man bisher nicht gesehen hat. In Kürze: Wakanda ist das Afrika, das Afrika verdient hätte.

Black Panther

Heldinnen

Ein zentrales Thema des Films sind die starken weiblichen Figuren. Nicht, dass es diese in den Marvel-Filmen sonst gar nicht gäbe, der große Wurf war der Reihe außer mit Black Widow (die bald endlich einen eigenen Film bekommen wird) und Gamora (Guardians of the Galaxy) jedoch bisher nicht gelungen.

Zugestanden: Auch Nebula (ebenfalls aus Guardians of the Galaxy), "Pepper" Potts (Iron Man), Jane Foster (Thor), Hope van Dyne (Ant Man) oder Scarlet Witch (Avengers-Filme) haben ihren Anteil, wurden von den Verantwortlichen hinter den Kulissen aber auch gerne immer ein wenig stiefmütterlich behandelt. Doch scheint ein Umdenken stattzufinden, da neben dem besagten Solo-Film mit Scarlett Johannsson auch Captain Marvel überzeugen konnte und Jane Foster bald den Hammer des Thor schwingen soll. Vor dieser Zukunftsmusik war Black Panther jedoch eher die Anomalie und somit eventuell der Startpunkt für neuen Mut der Verantwortlichen. Es wurde höchste Zeit!

So gibt es im Film dann auch gleich eine ganze Reihe starker Frauen, die den Kerlen den Rang ablaufen, ohne, dass man Kalkül dahinter erkennen würde.

T’Challa’s brillante Schwester heißt Shuri (Letitia Wright) und ist nicht nur eine ganz wunderbare Nachfolgerin des beliebten Tüftlers Q aus den James-Bond-Filmen, sondern auch die coolste Person in Wakanda. Als Wissenschaftlerin befasst sie sich mit allen Arten von Erfindungen und rettet ihrem Bruder auf diese Weise ein ums andere Mal den Allerwertesten. Vollkommen unaufgeregt und ohne den Verdacht, am Reißbrett entstanden zu sein, gelingt dem Film hier eine grandiose und beispielhafte Figur, die zur Identifikationsfigur für junge Mädchen und Frauen taugt.

Doch geht es damit erst los: Lupita Nyong’o ist Nakia, eine an Ressourcen reiche und gewitzte Agentin, die für Menschenrechte kämpft und für die T’Challa durchaus (noch) Gefühle besitzt. Angela Bassett spielt obendrein mit viel Würde T’Challa’s Mutter Ramonda.

Dazu gesellt sich eine ganze Reihe an toughen Kämpferinnen der Dora Milaje unter der Führung von General Okoye (Danai Gurira aus The Walking Dead), die endlich wieder den Bad-Ass-Modus auspacken darf, der ihrer Michonne seit einer ganzen Weile leider abgeht. Dazu agiert sie aber auch mit Liebe, Stolz und Herz. In ihrer Figur manifestiert sich dann auch der positive Grundgedanke des Films: Afrika hätte heute genau so aussehen können, hätte es die Sklaverei nicht gegeben. Die Frauen in Wakanda müssen sich über Feminismus somit auch konsequenterweise keine Gedanken machen, da sie vermutlich ihr ganzes Leben lang in dem festen Glauben bestärkt wurden, alles sein zu können, was sie wollen.

Black Panther

Gegenpol

Neben diesen Figuren steht aber besonders der Antagonist des Films im Fokus: Erik "Killmonger" Stevens, gespielt von Michael B. Jordan. 

Dieser ist der bisher unbekannte Sohn von T’Challas Onkel und wuchs in den Armenvierteln von Oakland auf. Seine Vision von einer gerechten Zukunft ist es, die schwarze Weltbevölkerung mit den nötigen Waffen auszurüsten, um dann eine Revolution anzuzetteln.

Auf diese Weise versteht das Publikum problemlos den Unterschied zwischen T'Challa und Erik. Ersterer ist Afrikaner, Letzterer ein afrikanischer Amerikaner, der mit all den nachvollziehbaren Traumata und Ungerechtigkeiten aufwuchs, die der König nicht kennt. Seine Agenda besteht darin, den zwei Milliarden unterdrückten Schwarzen dieser Welt die mächtigen Vibranium-Waffen zur Verfügung zu stellen. Sein Credo: Dass Wakanda diese für sich behalten hat, ist eine politische Ungerechtigkeit.

Der Erfolg eines Films dieser Art liegt oft in einer glaubhaften Antagonistenfigur begründet, mit deren Geschichte wir mitfiebern und mitleiden können und die wir verstehen. Black Panther gelingt der Spagat auf nahezu perfekte Weise, auch weil man T'Challa als Held nicht wichtiger nimmt, als er für die Handlung sein muss und Erik viel Platz und einen passenden Abschluss der Geschichte einräumt.

Black Panther

Feuerwerk

In meinem Artikel zu Spider Man: Homecoming hatte ich es vergangene Woche bereits thematisiert: Die Macher bei Marvel haben beim ersten Leinwandausflug des Spinnenmenschen versucht, den perfekten Baukasten-Film des MCU zu produzieren. Mit Erfolg. Alles geriet so stromlinienförmig, vorhersehbar und kalkuliert, dass man sich an der unterkühlten Fassade des Films fast Gefrierbrand holen konnte.

Vollkommen anders sieht es nun bei diesem Werk aus. Black Panther zeigt in jeder Hinsicht die kreative Power und die wahren Stärken der Reihe auf: Unvorhersehbarkeit, frische Ideen, neue Ansätze, spannende Heldinnen und Helden, einen starken, glaubwürdigen Antagonisten und optischen Bombast, der nicht wie von der Stange wirkt, sondern neue Wege beschreitet.

Black Panther ist der ultimative Film der Infinity-Saga. Nicht, weil er etwa so relevant für die Gesamthandlung wäre, sondern weil er diese vielmehr mit einem Einzelabenteuer verbindet, dessen Relevanz in politischer und gesellschaftlicher Hinsicht nur noch vom Unterhaltungswert getoppt wird.

Black Panther

Über den Autor:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Headwriter und Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider. Neben seinem Sachbuch Es lebe Star Trek ist auch der Auftakt seiner Jugendbuchreihe Ein Fall für die Patchwork Kids erschienen. Dazu läuft mit Beyond Berlin seine erste eigene Science-Fiction-Reihe, die es als Print, Ebook und Hörbuch, gelesen von Synchronsprecher und TV-Mann Benjamin Stöwe, zu kaufen gibt. Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Zudem liest er Hörbücher (Der Earl von Gaudibert, Q sind herzlich ausgeladen) und ist als Moderator auf verschiedenen Events im Einsatz.


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