News | 20 Tage

Marvel: Kevin Feige hält Whitewashing bei Doctor Strange für falsch

»Wir hielten uns für besonders schlau!« sagt Marvel-Mastermind Kevin Feige heute, wenn es um die umstrittene Besetzung der Rolle der Ältesten in Doctor Strange durch Tilda Swinton geht. Warum er das so sieht und wie man künftig damit umgehen wird, hat er in einem Interview erklärt.

Tilda Swinton Doctor Strange

Mit dem Film Shang-Chi And The Legend Of The Ten Rings, der später im Jahr herauskommen wird, begrüßt das Marvel Cinematic Universe endlich die erste asiatische Hauptfigur, den von Simu Liu gespielten Titelhelden (die von Chloe Bennett dargestellte Comicheldin Quake neben der von Ming-Na Wen gespielten Agentin Melinda May in Marvel’s Agents Of S.H.I.E.L.D. vor Jahren im Fernsehen nicht mitgezählt).

Wie jedesmal, wenn es um die asiatische Repräsentation im Film geht, geriet Marvel in der Vergangenheit unter Beschuss: Wohl am meisten für die Besetzung von Tilda Swinton als »die Älteste« in Doctor Strange (2016). Der Film präsentierte die weiße Schauspielerin in einer Rolle, die ursprünglich ein tibetanischer Mann in den Comics gewesen war. In einem kürzlichen Interview mit Man’s Health jedoch erkennt Marvel-Präsident Kevin Feige an, dass man diese Angelegenheit besser hätte lösen können.

»Wir glaubten, dass wir ganz besonders schlau und auf dem neuesten Stand wären«, berichtet Feige von der Entscheidung, die sowohl den fernöstlichen als auch den Rassismus-Aspekt der Vorlage beiseiteschob. »Wir wollten nicht das Klischee des weisen alten asiatischen Mannes bedienen. Für uns war es ein Weckruf, als uns gesagt wurde: ‘Moment, wartet eine Sekunde… gibt es keine andere Möglichkeit dafür? Ist da nicht irgendein anderer Weg, sowohl außerhalb des Klischees zu bleiben als auch einen asiatischen Darsteller zu besetzen?‘ Die Antwort darauf lautet selbstverständlich: Ja!«

Natürlich, wie einige Fans vor fünf Jahren ausführten, als das Ganze passierte, wäre es eine Lösungsmöglichkeit für den problematischen Aspekt gewesen, einen asiatischen Schauspieler in der Hauptrolle als Stephen Strange zu besetzen. Dies hätte aus dem Ältesten weniger eine Klischeegestalt gemacht, da dann die Geschichte eines Asia-Amerikaners erzählt worden wäre, der die Beherrschung der Magie von einem gleichfalls asiatischen Magier gelernt hätte (ein bekannter Besetzungsvorschlag führte zum viral gegangenen Hashtag #StarringJohnCho, der den Schauspieler aus Searching als die tatsächlich von Benedict Cumberbatch gespielte Figur vorschlug).

Doch nun hat Marvel durch Shang-Chi mit seiner breitaufgestellten asiatischen Besetzungsliste die Gelegenheit dazu, diesen Kurs auf dem Weg in Phase 4 zu korrigieren: Diese soll wesentlich mehr entsprechende Vielfalt in das erweiterte Universum einbringen, beispielsweise wird Monica Rambeau aus WandaVision in Captain Marvel 2 (auch bekannt als The Marvels) mit dabei sein, ferner wird Ms. Marvel ebenfalls ihre eigene Serie erhalten, ehe auch sie die große Leinwand erobert.

Wie Feige weiterhin in dem Interview äußert, hat er noch erheblich mehr Raum für ungewöhnliche Charaktere auf dem Schirm, die dabei behilflich sein werden, dem MCU zu mehr Diversität zu verhelfen, wenn es an diesen Punkt kommt. Ein Beweis hierfür war Guardians of the Galaxy, der für die Fans zu einem Hit wurde; groß genug dafür, Guardians of the Galaxy 3 zu machen (gefolgt von einem Gastauftritt in Thor: Love And Thunder).

»Das bewies sozusagen schon sehr früh, dass es nicht darum geht, wie bekannt ein Charakter ist, sondern um die Größe seines Potentials, um einen coolen Film oder eine Filmserie zu schaffen«, sagt Feige über kommende Comic-Verfilmungen wie vorher beispielsweise X-Men oder Blade, bei denen viele Kinogänger nicht einmal wussten, dass sie auf einer Comic-Serie basierten. »Und Shang-Chi hatte dieses Potential schon seit Langem.«

Er fügt hinzu, dass die Adaption von Shang-Chi schon seit längerer Zeit geplant gewesen sei, jedoch im Zuge von Avengers: Infinity War und Avengers: Endgame einfach zeitlich nicht möglich gewesen war, ganz besonders wegen der großen Anzahl an Charakteren, die in den Filmen behandelt wurden.

»Jetzt, wo wir das, was wir nun die Infinity-Saga nennen beendet haben, wurden dort die Zelte abgebaut und wir sagen: ‘Okay, was kommt jetzt? Was werden wir als nächstes herausbringen?‘«, fährt Feige fort. »Sozusagen der nächste Entwicklungsschritt im MCU folgt unserer ersten großen Saga, und aus diesem Grund stand Shang-Chi ganz oben auf der Liste… es geht darum, in beiden Welten zu stehen… in der Nordamerikas und in China. Und Simu füllt das sehr gut aus.«

Shang-Chi And The Legend Of The Ten Rings fliegt am 2. September in die deutschen, am 3. September in die amerikanischen Kinos.

*

Dieser Artikel wurde von Thorsten Walch von Moin Moin Medien im Auftrag von SYFY.de übersetzt und von Björn Sülter ergänzt.

Der Originalartikel stammt von SYFY.com und wurde von Nivea Serrao geschrieben.