News | 15 Monate

Marvel: Serienhelden von gestern und morgen - Teil 2

Was ist nur in der Marvel-Serienwelt los? Im Gegensatz zur Kinosparte wechselten sich auf dem kleinen Schirm bisher kleine Erfolge mit größeren Fehlschläge ab. Seit einiger Zeit bremst nun Corona alle Bemühungen. Wie geht es mit den Projekten weiter? Ein zweiteiliger Rückblick und Ausblick auf die TV-Abteilung des Erfolgsstudios.

Marvelsrunaways Y1 Adart Billboard

von Stefan Turiak

Im Gegensatz zu den Kinofilmen hatten die Marvel-Serien immer Schwierigkeiten, einen ähnlich erfolgreichen Anklang bei der Fangemeinschaft zu finden. Der TV-Zweig des Studios schickte verschiedenste Helden ins Rennen, probierte tonal mal spaßigere und mal düster-brutale Superhelden aus der zweiten und dritten Reihe des Marvel-Universums aus, die bei zahlreichen TV-Sendern und Streaming-Plattformen eine Heimat fanden, um diverse Gegenspieler zu vermöbeln.  

Viele Serienstaffeln und mindestens eine gescheiterte Geschäftsbeziehung später könnte der Start von Disney+ alles ändern. Denn auch wenn ein Virus, das momentan global Schlagzeilen macht, vielerlei Ambitionen im TV- und Kino-Bereich ausbremst, hat der neue Streaming-Service des erfolgreichen Mickey-Maus-Studios die besten Karten auf der Hand.  

Der erste Teil des Artikels ist hier zu finden.

Ende eine holprigen Zusammenarbeit

Das Ende der Zusammenarbeit zwischen Marvel und Netflix und somit der Ausklang des alten TV-Universums war spätestens mit den ersten Gerüchten um Disney+ abzusehen. Als familienfreundliches Portal würde dieses zwar mit aller Wahrscheinlichkeit auf die blutigeren Marvel-Ableger verzichten, aber es kämen auch Serien hinzu, die enger mit dem Kino-Universum verknüpft sind (aber dazu später mehr).

Aus der Netflix-Perspektive ergab das Ende der Zusammenarbeit auf einer geschäftlichen Ebene ebenfalls Sinn. Die Streaming-Plattform hätte Marvel und damit Disney bezahlen müssen, um weitere Serien zu produzieren. Serien, die gleichzeitig Promotion für die Marken Marvel, Disney und letztendlich für den Streaming-Service Disney+ darstellen würden. Insbesondere letzteres hat sich inzwischen zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten entwickelt.

Disney zog mit dem Entstehen von Disney+ logischerweise seine anderen Filme und Serien bei Netflix zurück. Hinzu kam, dass die Marvel-Serien für Netflix keine Neukunden mehr anlockten, die auch an anderen Sendungen interessiert waren. Für eine weitere Kooperation der beiden Medien-Konzerne  bestand also kein rationaler Grund mehr.

Der Produktionsdeal endete 2019. Von einer wirklich kohärenten TV-Strategie seitens Marvel konnte zu diesem Zeitpunkt keine Rede mehr sein. Mithilfe des Streaming-Portals Hulu (an dem Disney ebenfalls Anteile besitzt) sattelte man auf Teenager-Dramen um, die im Marvel-Universum spielten. Wie schon andere Marvel-Serien nahmen diese eine interessante und vielversprechende Erzählperspektive ein.

Marvel’s Runaways beschäftigte sich mit Teenagern bzw. den Kindern von Superbösewichten, die sich gegen ihre Eltern auflehnten. Marvel’s Cloak and Dagger handelte dagegen von zwei verlorenen Teenagern, die durch ihre Kräfte untrennbar miteinander verbunden waren. Zusammen kämpften sie gegen Gewalt und Korruption, die von Konzernen, Staat und Polizei ausgingen. Beide Serien überlebten nicht lange. Und Marvels acht Episoden der bestenfalls belächelte Serie Inhumans, mit dem man zu ABC zurückkehrte, wollte schlussendlich kaum noch jemand sehen.

Eine neue Ära

Das Marvel-Universum steckte auf der TV-Ebene voller interessanter Ideen, um mit Erzählperspektiven und erzählerischen Tonarten zu spielen. Die kleineren Geschichten mussten zur Abwechslung auch nicht sofort den nächsten Weltuntergang herbeizitieren.

Dennoch herrschte zwischen TV und Kino immer eine erzählerische Lücke. Hinzu kam, dass die Serien auf so vielen unterschiedlichen Plattformen verteilt waren und so viele Köche daran herum rührten, dass keine einheitliche Form entstehen wollte. Easter-Eggs, Cameos der verschiedenen Heldinnen und Helden, die im Kino immer wieder auf unterhaltsame Weise aufeinandertrafen, machten für Fans einen großen Reiz der Kinofilme aus, war aber im TV nur bedingt möglich.   

Das alles soll sich aber nun ändern, denn Marvel plant noch einmal einen Neustart des TV-Universums. Die alten Serien haben mittlerweile alle ihr Ende genommen oder wurden abgesetzt. Kevin Feige, gefeierter Herrscher über das Marvel Cinematic Universe, trifft künftig auch alle wichtigen kreativen Entscheidungen über die TV-Produktionen.

Wie eingangs schon angedeutet, haben sich TV- und Marvel-Welt verändert. Immer mehr Filmstars lassen sich generell für Serienprojekte verpflichten. Sogar Schauspieler, die gestern noch große Rollen in den Marvel-Kinofilmen spielten, sind bereit für den kleinen Bildschirm. Zwar werden wir Chris Evans oder Robert Downey Jr. vorerst nicht auf Disney+ erwischen – zumindest nicht ohne eine exorbitante Gage – aber Tom Hiddleston, Elizabeth Olsen, Paul Bettany, Anthony Mackie, Sebastian Stan und Jeremy Renner stehen bereits in den Startlöchern für ihre eigenen Serien.

Schon allein die Besetzung deutet an, dass künftige Serien und Kinofilme enger miteinander verschlungen sein soll. Ob es wirklich notwendig sein wird, die Serien zu sehen, um auch bei späteren Kinofilme mitkommen zu können, wie Feige einst andeutete, bleibt jedoch abzuwarten. Anhaltspunkte dafür und für konkrete Handlungsinhalte gibt es bisher noch wenig.

M C U 1

Falcon and The Winter Solider

Die Serie rund um Sam ‚The Falcon‘ Wilson (Anthony Mackie) und Bucky ‚The Winter Soldier‘ Barnes knüpft direkt an die Handlung von Avengers: Endgame an. Wilson hat den Captain-America-Schild von Steve Rogers geerbt, muss diesen eventuell aber bald an einen Superhelden namens U.S. Agent (Wyatt Russell) abgeben. Weitere bekannte Gesichter, die in der Serie auftreten werden, sind Sharon Carter (Emily VanCamp) und Helmut Zemo (Daniel Brühl).

Malcolm Spellman, der die Fox-Serie Empire produzierte, fungiert als Showrunner und John-Wick-Drehbuchautor Derek Kolstad schrieb an Scripts der Serie mit. Der Abschluss der Dreharbeiten musste allerdings wegen des Ausbruchs der Covid-19-Pandemie verschoben werden.

WandaVision

Die Serie, in der Elizabeth Olson wieder ihre Rolle als Scarlet Witch und Paul Bettany seine Rolle als Vision übernimmt, erscheint noch etwas mysteriöser. Scheinbar sind die beiden in einer Art Sitcom-Realität gefangen, die immerzu neue Formen annimmt.  Mehr ist noch nicht bekannt und lässt sich nicht aus dem Trailer erschließen. Gastauftritt von Randall Park als FBI-Agent Jimmy Woo (bekannt aus Ant-Man and the Wasp), Kat Dennings als Darcy Lewis (bekannt aus Thor und Thor: The Dark Kingdom darf man dennoch erwarten. Co-Autor des Black-Widow-Flms Jac Schaeffer arbeitet als Showrunner an den sechs Episoden. Wie bei Falcon and the Winter Soldier wurde der Abschluss der Dreharbeiten vom Corona-Ausbruch aufgehalten.

Loki   

Der dritte im Bunde stellt Götter-Fiesling Loki dar, der in seiner sechs Episoden umfassenden Serie anscheinend auf Zeitreise geht und verschiedene Zeitlinien durcheinander bringt. Schauspieler Owen Wilson, der bisher nichts mit Marvel zu tun hatte, wird ebenfalls in einer noch nicht bekannten Rolle mitspielen. Rick-und-Morty-Autor Michael Wadron ist als Chefautor für die Serie tätig, was eine eher komödiantische Tonart vermuten lässt.

Hawkeye

Jeremy Renner kehrt als berühmter Bogenschütze zurück, wird vermutlich aber seinen Bogen an eine jüngere Generation in der Gestalt von Kate Bishop weitergeben. Diese ist bereits aus den Comics bekannt. Mad-Men-Autor Jonathan Igla hat die Aufgabe des Chefautoren übernommen.

Kann Marvel sein Erfolgsrezept wiederholen?

Kino und TV rücken künftig zusammen. Es kristallisiert sich aber immer mehr heraus, dass nicht nur hinter den Marvel-Kulissen eine Staffelübergabe stattfindet und neue Heldinnen und Helden wie Mrs. Marvel, Moon Knight und She-Hulk in den Vordergrund rücken. Ob sich vergangene Kinoerfolge nun auch endlich ins Fernsehen übersetzen lassen, wird sich wohl erst in den nächsten Jahren herausstellen.    

Marveldisney