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Mehr Spaß im All: Das Stargate-Franchise

Wem Star Trek oder das neue Battlestar Galactica viel zu verkopft und philosophisch sind, der kann bereits seit den 1990er-Jahren an anderen Ecken des Genres fündig werden. Neben Killjoys, Firefly oder The Orville war es insbesondere das beliebte Stargate-Franchise, das Abenteuer und Spaß in die Science-Fiction brachte. Unser Björn Sülter schaut zurück.

Stargate

Obwohl die 1980er- und 1990er-Jahre unter anderem von Star Trek im ersten goldenen Zeitalter des Roddenberry-Franchise dominiert wurden, entwickelte sich ausgerechnet aus dem Kinofilm eines schwäbischen Filmemachers auch noch ein zweites Fernsehphänomen, das bis heute beliebt und unterhaltsam durch die Fernsehanstalten geistert: Willkommen am Sternentor!

Emmerich flankt unfreiwillig aus dem Halbfeld

Nimmt man es genau, handelt es sich bei Stargate aus dem Jahr 1994 um einen inhaltlich nicht allzu herausfordernden Action-Film, der von Stunts, Spannung, atemberaubenden Landschaften und Effekten sowie dem epischen Score und sympathischen Darstellern lebt.

Nimmt man es dann erneut genau, hat man damit bereits ziemlich genau beschrieben, was Roland Emmerich, einer von Deutschlands verlässlichsten Hollywood-Exporten, seit damals regelmäßig in die Lichtspielhäuser liefert. Stargate markierte nur den Startpunkt des Schwaben in der Filmmetropole. Bis heute wird er dem Ruf gerecht, alles immer noch größer und lauter zu produzieren. Das ist vielleicht nicht immer geistreich, unterhält aber und sieht meist äußerst spektakulär aus.

Dass der gute Mann ganz nebenbei auch noch ein Fernsehfranchise begründete, das bis heute nachhallt, konnte damals wirklich niemand ahnen. Vielleicht ist es also als Glücksfall anzusehen, dass seine ursprünglich geplante Kino-Trilogie nie realisiert wurde, somit MGM die Rechte erhielt und etwas kleiner dachte, als der Meister des think big und size does matter.

Perfekt adaptiert – vom Kinoreißer zur Serie mit Herz

Zunächst besetzte man alle Rollen neu und konzentrierte sich auf ein Thema, das viele potenzielle Abenteuer nach sich ziehen konnte: Das Sternentor und die unendliche Vielfalt, die dahinter lag.

Im Gegensatz zu Star Trek, wo man eine kleine Serie zu einem großen Kinofranchise adaptierte, ging man hier also den umgekehrten Weg und fand im Blockbuster Stärken, die auf der großen Leinwand gar nicht so deutlich ausgespielt wurden. Ein Jahr nach den Ereignissen aus dem Film standen plötzlich Entdeckergeist und Humor auf dem Speiseplan. Schauspieler- und Senderwechsel oder auch die Rochaden hinter den Kulissen konnten dem Format letztlich nichts anhaben. Erst nach 214 Episoden, zwei Fernsehfilmen und zehn Staffeln endeten die Abenteuer des Teams. Dass es damit beispielsweise auch gelang, Richard Dean Anderson nach MacGyver eine zweite ikonische Serienfigur zu schreiben, ist nur ein weiterer Beweis für die Zugkraft der Serie.

Den Mantel des Schweigens muss man an dieser Stelle jedoch über den Versuch legen, die Serie auch für Kinder aufzubereiten. Stargate: Infinity zündete in keiner Hinsicht und wurde nach nur 26 Episoden wieder zu Grabe getragen. Weder betrachtet man die Handlung der Animationsserie heute als Kanon, noch dürfte den meisten Fans viel davon im Gedächtnis geblieben sein. Den Versuch war es aber in jedem Fall wert.

Ganz weit draußen – tapfere Crew in bunten Abenteuern

So verwunderte es niemanden, dass man im Jahr 2004 wieder auf das Pferd Realserie setzte und somit parallel zu Stargate SG:1 eine zweite Reihe auf den Markt warf.

Wie in Star Trek: Deep Space Nine schickte man das neue Team auf einen entlegenen Außenposten; genauer gesagt nach Atlantis. Von dieser sagenumwobenen Basis aus starteten fortan die Abenteuer der wackeren Crew, die insbesondere durch den Charme und Witz von Joe Flanigan als John Sheppard und David Hewlett als Rodney McKay punktete. Die lässige Machart, die phantasievollen Sets und die meist spannenden und abwechslungsreichen Abenteuer mit einer Prise Philosophie erfreuten sich über Jahre großer Beliebtheit.

2009 war dennoch nach fünf Staffeln etwas überraschend Schluss. Ein lange geplanter Fernsehfilm wurde ebenfalls leider nie mehr realisiert. Obwohl die Serie zeitweise unter dem für die gesteckten Ambitionen zu geringen Budget litt, begeisterte sie die Fans doch insbesondere mit den Figuren und deren Chemie. Die Crew aus Atlantis bleibt vielen Genrefans unvergessen.

Wir können auch todernst (und vollkommen unlustig)

Was macht man mit einem liebgewonnen Franchise, dem ein klein wenig der Mainstreamappeal abhanden zu kommen scheint? Richtig, man legt es auf Eis oder hat alternativ eine bombige Idee, wie man den in die Jahre gekommenen Gaul wieder flottmachen kann.

Letzteres traf auf die Macher zu, was zum humorlosen Beenden von Stargate: Atlantis nach der fünften Staffel und dem neuen Ansatz mit Stargate: Universe führte.  

Doch war die Idee der Macher wirklich so gut? Diese Frage bedingt eine zweigeteilte Antwort. Nein, Stargate: Universe ist keine schlechte Serie. Sie brach allerdings radikal mit den Vorgängern und wurde dadurch – wie eben auch Star Trek: Deep Space Nine – zum dunklen Bruder des Franchise. Bei Star Trek, das sich generell seit den Zeiten des Captain Picard durch mehr Ernsthaftigkeit auszeichnete, fiel das jedoch weniger auf, als im Kontrast zu den Späßen der Kollegen in SG:1 und auf Atlantis.

Der düstere Ton und die fehlenden Sprüche der Protagonisten standen im krassen Gegensatz zu dem, was man seit vielen Jahren als Erkennungsmerkmal der beiden Vorgängerserien wahrgenommen hatte. Die starken Schauspieler wie Robert Carlyle wirkten immer etwas zu depressiv und belastet in der komplexen Story. Die Macher hatten jedoch im Grunde wenig falsch gemacht. Funktionieren wollte es aber trotzdem nicht.

Da die Einschaltquoten immer mehr nachließen, durfte man schließlich zu einem simplen Schluss kommen: Die Macher hatten durchaus Recht gehabt, der Franchisemüdigkeit entgegenwirken zu wollen. Sie hatten diese jedoch mit einem völlig anderen Ansatz letztlich nicht aushebeln können. Stargate: Universe traf daran die geringste Schuld. Mit dem immer Gleichen wäre es vermutlich auch nicht besser gelaufen.

Unschön war indes, dass man den Cliffhanger am Ende der zweiten Staffel nicht mehr auflöste. Für eine solch radikale Entscheidung ist Stargate eigentlich zu groß und die Fanbase zu stark. MGM hat sich an dieser Stelle nicht mit Ruhm bekleckert und viele Sympathien verloren. Mit Stil gehen funktioniert eigentlich ganz anders …

Komplett ver(w)irrt – Die erfolglose Suche nach dem Ursprung

Damit war es allerdings noch nicht vorbei. Das (bisher) letzte Aufflackern des Franchise gehört zu den Dingen, über die man (erneut) den Mantel des Schweigens legen muss. Als Geburtstagsgeschenk für die Fans gedacht und in Form einer Webserie für den eigenen Streamingdienst produziert, wurde aus Stargate: Origins nicht weniger als eine Farce.

Mit Connor Trinneer (den viele als Trip aus Star Trek: Enterprise, aber auch aus Stargate selbst kennen) und Ellie Gall gewann man zwar sympathische und gute Schauspieler, diese hatten jedoch, wie auch alle anderen beteiligten Kolleginnen und Kollegen nur eine Aufgabe: Die albernen Dialoge aufzusagen, durch die billigen Kulissen zu stolpern und dabei zu Chargieren, als gäbe es kein Morgen.

Nun, rein qualitativ gab es dann auch kein Morgen. War Stargate: Universe sieben Jahr zuvor noch an viel zu hohen Ansprüchen gescheitert, folgte hier die Bruchlandung aus dem komplett entgegengesetzten Grund. MGM wollte ohne Mühe, Geld oder kreative Energie ein Produkt auf den Markt werfen, das vom Ansatz her und auf dem Reißbrett vielleicht mal ganz nett geklungen hatte, aber niemals eine Chance besaß, das Potenzial auch zu bergen.

Die wirre Geschichte rund um Nazis und den Kampf ums Sternentor spottete jeder Beschreibung und die trashige Machart setzte dem ganzen die Krone auf. Was mag MGM sich nur dabei gedacht haben?

Was bringt die Zukunft?

Eines sollte den Machern nach diesem Fehlschlag klar sein: Das Stargate-Franchise basiert auf starken Figuren, spannenden Geschichten, Humor, Action und Liebe zum Detail. Wenn die Verantwortlichen nicht bereit sind, diese Eigenschaften in eine neue Produktion einzubringen, wären wir alle mit der Erinnerung an die gute, alte Zeit besser bedient, als mit schnell herunterproduzierten Machwerken wie Stargate: Origins.

Hoffen wir einfach, dass irgendwann jemand mit den Rechten spielen darf, der den Kern dieses Franchise (wieder) versteht und die Fackel weitertragen kann. Ein wenig Spaß im All kann schließlich nie schaden.

Über den Autor:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Headwriter und Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider. Neben seinem Sachbuch Es lebe Star Trek ist auch der Auftakt seiner Jugendbuchreihe Ein Fall für die Patchwork Kids erschienen. Dazu läuft mit Beyond Berlin seine erste eigene Science-Fiction-Reihe, die es als Print, Ebook und Hörbuch, gelesen von Synchronsprecher und TV-Mann Benjamin Stöwe, zu kaufen gibt. Sein Podcast Planet Trek fmbehandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Zudem liest er Hörbücher (Der Earl von Gaudibert, Dunkle Begegnungen, Q sind herzlich ausgeladen) und ist als Moderator und Redner auf verschiedenen Events sowie als Gast in TV und Radio im Einsatz.