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Multiversum, Warp-Antrieb & Golem: Sieben Innovationen, die 2020 den Star-Trek-Kanon für immer veränderten - Teil 2

Star Trek hat mit den letzten Serien seine Vision von der Zukunft verändert. Wir präsentieren euch die sieben größten Innovationen, die allesamt die fremden, neuen Welten und das verändern, was wir über den Kanon der unendlichen Weiten wissen oder zu wissen glaubten.

Picard Nycc Trailer Header

Im ersten Teil dieser Reihe haben wir davon gesprochen, wie Star Trek mutig seine Vision von der Zukunft verändert hat, in dem man sich in der Zeit nach vorne bewegte. Hier kommen nun drei weitere Innovationen, die allesamt die fremden neuen Welten und das verändern, was wir über den Kanon der unendlichen Weiten wissen.

Achtung, größere Spoiler zu den ersten Staffeln von Star Trek: Picard und Star Trek: Lower Decks sowie Staffel 3 von Star Trek: Discovery!

Vergangenheit & Zukunft der Romulaner

Applaus für die … Romulaner? Mehr als in allen anderen Momenten in der Star-Trek-Geschichte waren die Romulaner 2020 eine große Sache. Star Trek: Picard gestaltete ihre komplette Historie neu. Wir erfuhren von nicht nur einer, sondern gleich zwei geheimen romulanischen Gruppierungen – den hinterhältigen, Androiden hassenden Zhat Vash und ihren wesentlich freundlicheren und nobleren Feinden, den Kriegernonnen der Qowat Milat. Picard enthüllte, dass beide dieser romulanischen Verbindungen seit Jahrtausenden existiert haben und dass die Zhat Vash völlig im Verborgenen agierten. Da die Zhat Vash als Geheimabteilung innerhalb des Tal Shiar operierten, setzt diese Eröffnung auch verschiedene Episoden von The Next Generation in ein neues Licht. War beispielsweise die romulanische Spionin in Data’s Day (Datas Tag) eventuell ein Mitglied der Zhat Vash? Gut möglich!

Elnor und die Qowat Milat halfen ebenfalls beim Füllen jener Lücke in der Geschichte, was mit den Romulanern nach der Zerstörung ihres Heimatplaneten durch eine Supernova in Star Trek von 2009 geschah. Zwischenzeitlich verdeutlichten Nareks Geheimaktivitäten die tiefe Spaltung der romulanischen Kultur und den steigenden Hass auf die Föderation. Dies alles bereitete den Boden für Staffel 3 von Discovery, in der wir ins 31. Jahrhundert vorstoßen und erfahren, dass die Romulaner und die Vulkanier nun in Frieden zusammenleben und den Planeten Vulkan in »Ni’Var« umbenannten.

All diese Stränge liefen in der Discovery-Episode Unification III (Wiedervereinigung Teil III) zusammen, in der Burnham eine holographische Aufzeichnungen anschaut, in der Spock mit Picard über die romulanisch-vulkanische Wiedervereinigung spricht. Diese Gesamtgeschichte, welche in den Next-Generation-Episoden Unification I & II (Wiedervereinigung Teil I & II) begonnen wurde, findet schließlich in Discovery ihren Abschluss, als Burnham erfährt, dass die Mission ihres Ziehbruders in The Next Generation erfolgreich war. Als Höhepunkt brachte die Co-Schöpferin von Picard, Kirsten Beyer auch die Qowat Milat ins 31. Jahrhundert und zeigte uns, dass Burnhams Mutter zu einer dieser schneidigen Kriegernonnen geworden ist. Meine Freunde, wählt das Leben, und Jolan tru!

Der hüter der Ewigkeit heißt Carl

Seit 1967 war der »Hüter der Ewigkeit« das berühmteste Zeitportal in der Science-Fiction (worüber sich streiten ließe). Das gekrümmte kringelförmige Tor aus Harlan Ellisons The City On The Edge Of Forever (Griff in die Geschichte) tauchte nur zweimal im Star-Trek-Kanon auf; zum ersten Mal in Ellisons Episode und das zweite Mal in D.C. Fontanas Episode der klassischen Star-Trek-Zeichentrickserie Yesteryear (Die Täuschung/Das Zeitportal).

Doch in Terra Firma, Teil 2 in Staffel 3 von Discovery war der Hüter der Ewigkeit zurück und hatte diesmal eine schrullige Verkörperung, die sich selbst »Carl« nennt - die Discovery-Autoren enthüllten, dass Carl von Carl Sagan inspiriert war. Indes geht die Idee, dass der Hüter eine Verkörperung besitzt, auf eine tatsächliche Idee des Story-Konzepts aus Ellisons Originaldrehbuch zurück. Das Erscheinen des Hüters der Ewigkeit in Discovery war definitiv der größte nostalgische Rückblick auf TOS seit dem Auftritt von Vina und den Talosianern in Staffel 2. Werden wir Carl/den Hüter wiedersehen? Nun, wir wissen jetzt, wo er zu finden ist und sollten argwöhnisch alle Melonenhüte betrachten, die in zukünftigen Inkarnationen von Star Trek am Rande erscheinen.

Jean-Luc ist nicht länger ein Mensch

Star Trek hat schon oft tote Charaktere ins Leben zurückgebracht. Doch man brachte niemals jemanden von den Toten zurück und veränderte seine Spezies. Im Finale von Staffel 1 von Star Trek: Picard geschieht aber genau das. Nachdem er der Gehirnerkrankung erlag, an der er seit der Next-Generation-Abschlussfolge All Good Things (Gestern, heute, morgen) litt, starb Jean-Luc Picard nur, um in einem neu geschaffenen »Golem-Körper« wiedergeboren zu werden.

Ohne Zweifel, es handelt sich dabei um einen synthetischen Androiden-Körper, der Picard effektiv derselben Spezies wie Soji und in einem gewissen Grad auch Data zugehörig macht. Doch anders als Data bleibt Picards neuem Körper nur eine begrenzte Zeitperiode übrig, ehe er auf natürliche Weise stirbt, aber dennoch hat sich Jean-Luc Picards Status als Lebensform grundlegend geändert. Michael Chabon, der Showrunner der ersten Staffel von Picard äußerte, dass die Entscheidung, Picard zum Androiden zu machen etwas war, das ihm und den anderen Autoren der Serie unausweichlich schien.

»Hätten wir das nicht getan, hätte das bedeutet, dass wir uns komplett vor einer unserer klar geäußerten Aussagen der Serie drücken: Dass synthetisches Leben genauso hoch anzusehen ist wie organisches!«, erklärte Chabon letzten März. »Wenn Picard an diese Prämisse glaubt und wenn entsprechend auch wir daran glauben und die Föderation und die Sternenflotte es ebenfalls glauben, dann können die endgültige Erprobung und der Beweis dieses Glaubens nur darin gefunden werden, dass wir Jean-Luc Picard zu einer synthetischen Lebensform machen.«

Diese neue Zuordnung von Picard bewirkte kürzlich zwei Einträge für die Figur auf der bekannten Trekkie-Wiki Memory Alpha. Neuerdings listet Memory Alpha Picard als zwei verschiedenen Spezies zugehörig: Mensch und Golem. Viele Fans glauben, dass Picard in Staffel 2 über das »Schiff-des-Theseus-Paradox« nachdenken wird, bei dem alle Teile eines Schiffes ersetzt wurden, was die Frage danach aufwirft, ob es sich noch um das ursprüngliche Objekt handelt. Danach befragt, ob Picard derartige Gedanken hat, antwortete Michael Chabon auf Instagram: »ICH würde.«

Im Finale von Staffel 1 erklärt Soji Picard, dass die Aufhebung des Banns für synthetische Lebensformen im Föderationsgebiet bedeutet, dass sie nun frei dafür ist zu reisen. Picard schenkt ihr einen warmen Blick und antwortet, dass dies auch für ihn gelte. 1979 wurde uns am Ende von Star Trek: The Motion Picture (Star Trek: Der Film) gesagt: »Das menschliche Abenteuer hat gerade erst begonnen.«. 2020 hat Star Trek dieses Abenteuer durch das Stellen neuer Fragen danach erweitert, was es bedeutet, ein Mensch zu sein.

Dsc 309 Post 04

Wir dürfen gespannt sein, was das Trek-Franchise in den nächsten Jahren in diesem Bereich noch für Überraschungen zu Tage fördern wird. Mit der vierten Staffel von Star Trek: Discovery, den zweiten von Star Trek: Lower Decks und Star Trek: Picard sowie den Debütstaffeln von Star Trek: Strange New Worlds, Star Trek: Prodigy und der Sektion-31-Serie um Michelle Yeoh steht uns ja einiges ins Haus.

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Dieser Artikel wurde von Thorsten Walch von Moin Moin Medien im Auftrag von SYFY.de übersetzt.

Der Originalartikel stammt von SYFY.com und wurde von Ryan Britt geschrieben.