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Zum Tod von René Auberjonois

Er war einer der beliebtesten Schauspieler der langen Star-Trek-Geschichte: René Auberjonois. Am Sonntag verstarb der sympathische Odo-Darsteller in Los Angeles im Alter von 79 Jahren.

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Gedanken von Björn Sülter

Als Star Trek: Deep Space Nine 1993 ins Fernsehen kam, hatte die Serie direkt einige spannende Figuren zu bieten gehabt. Zu den interessantesten gehörte jedoch vom Start weg der Formwandler Odo, der sich auf der Suche nach seiner Identität befand, jederzeit moralisch einwandfrei handelte und von René Auberjonois ganz wunderbar dargestellt wurde. Die charmanten Scharmützel seiner Figur mit Barbesitzer Quark prägten die Serie ebenso wie die Suche nach seinem Volk und die spätere Liebe zu Kira Nerys. Dass Star Trek: Deep Space Nine zu meiner ganz persönlichen Lieblingsserie im Trek-Universum wurde, hat in großem Maße auch mit Odo und der Klasse des René Auberjonois zu tun.

Er stach über sieben Jahre lang in einem ohnehin bestechend guten Cast deutlich heraus, weil er ein Meister seines Fachs war und es ihm sogar gelang, unter dickem Latex zu agieren und dabei mitreißend Emotionen zu transportieren.

Der beliebte Schauspieler starb am Sonntag in Los Angeles im Alter von 79 Jahren an Krebs. Nachdem in den vergangenen Jahren bereits Trek-Ikonen wie Leonard Nimoy, James Doohan, Majel Barrett und DeForest Kelley sowie Trek-Schöpfer Gene Roddenberry selbst von uns gegangen sind, verstarb nun zum zweiten Mal (nach Aron Eisenberg alias Nog) der Darsteller einer wichtigen Figur einer der "modernen" Trek-Serien seit 1987.

Auberjonois wurde als René Murat Auberjonois am 1. Juni 1940 in New York geboren. Als Sohn eines gebürtigen Schweizers (Fernand Auberjonois, 1910-2004) und einer Nachfahrin von Napoleons jüngster Schwester Caroline Bonaparte und eines seiner Marschalls (Princess Laure Louise Napoléone Eugénie Caroline Murat, 1913-1986) wuchs der nach seinem Großvater benannte René mit zwei leiblichen Geschwistern und zwei Halbgeschwistern auf. Nach dem zweiten Weltkrieg zog die Familie nach Paris, wo Auberjonois auch erste Schauspielmeriten sammelte. Seine Familie zog zurück nach New York, wo Auberjonois unter Künstlern lebte. Da die Familie zeitweise aber auch in London weilte, beendete er dort seine Schule und studierte Theaterschauspiel.

In den 1960er-Jahren spielt er in den USA viel Theater und half einige Produktionen mit aufzubauen. 1968 landete er am Broadway und spielte in vielen beachteten Stücken mit. Einen Tony Award erhielt er für seine Rolle in Coco (neben Katherine Hepburn, 1969), wurde aber auch noch für viele weitere Produktionen für Preise nominiert und spielte an der Seite vieler Stars. Darüber hinaus führte er auch regelmäßig Regie und war ab 2008 auch bei der Shakespeare Theatre Company aktiv.

Im Kino spielte er neben vielen weiteren Filmen 1970 den Father Mulcahy in MASH. 1988 war er in Police Academy 5 zu sehen, 2000 in The Patriot. Kleinere Rollen oder Cameos hatte er beispielsweise in Batman Forever oder in Star Trek VI: The Undiscovered Country als Colonel West. Seine Stimme lieh er Louis in den ersten beiden Little-Mermaid-Filmen. Der Film Cortex, der sich aktuell in der Post-Produktion befindet, wird sein letzter Kinoauftritt sein.

Doch auch im Fernsehen war Auberjonois regelmäßig zu sehen. 1960 fiel mit einer Rolle in NET Playhouse der Startschuss. Danach trat er beispielsweise in Episoden von The Jeffersons, Wonder Woman, Charlies Angels und Mrs. Columbo an der Seite von Kate Mulgrew auf. Die erste große Rolle war jedoch die des Clayton Endicott III in der Serie Benson, die er von 1980 bis 1986 in 135 Episoden verkörperm durfte. Es schlossen sich kleinere Auftritte in Mord ist ihr Hobby und L.A. Law an, ehe er 1993 für die Rolle des Odo in Star Trek: Deep Space Nine besetzt wurde. Dort war er in insgesamt 173 Episoden zu sehen und blieb über die gesamte Laufzeit der Produktion dabei. Bevor es dann fünf Jahre später in seine nächste große Rolle gehen sollte, spielte er noch bei The Outer Limits, Chicago Hope, Stargate SG:1, The Practice, Frasier, Nash Bridges und Star Trek: Enterprise mit, wo er in der Episode Oasis den Ezral verkörperte.

Mit Boston Legal wechselte er dann 2004 an die Seite von William Shatner und durfte als Paul Lewiston zum dritten Mal in seiner Karriere eine bedeutende Rolle übernehmen. Es schlossen sich Auftritte in Warehouse 13, Criminal Minds,Grey's Anatomy und The Good Wife an. Seine letzten Auftritte im TV hatte Auberjonois dann in vier Episoden der Serie Madame Secretary.

Unvergessen bleibt aber selbstverständlich auch seine Mitwirkung an der dieses Jahr veröffentlichten Dokumentation What We Left Behind über Star Trek: Deep Space Nine.

Über all diese Rollen hinaus war René Auberjonois allerdings auch noch als Regisseur (auch von acht DS9-Episoden), als Hörbuchsprecher, Sprecher in Videospielen (beispielsweise in Star Trek Online) und unzähligen Radioproduktionen zu erleben.

Auch wenn wir Trekkies ihn selbstverständlich als Odo kennen und lieben ist es angesichts dieser beeindruckenden Vita überflüssig zu erwähnen, wie reichhaltig seine Karriere in vielerlei Hinsicht war.

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Gemeinsam mit meinem Kollegen Mike Hillenbrand hatte ich das Glück, René Auberjonois an der Seite von Nana Visitor im April 2018 während der Destination Star Trek Germany auf der SYFY-Fanbühne zum Plausch begrüßen zu dürfen. Wir erlebten einen herzensguten, charmanten, bodenständigen, witzigen und liebenswerten Menschen, der sich sowohl auf der Bühne als auch Backstage viel Zeit nahm, zuhörte und geduldig mit uns und seinen Fans umging. Auch wenn er nach eigenem Bekunden nicht mehr so gut hören konnte, ging er auf alle Fragen gerne ein und scherzte mit seiner Kollegin und Freundin herum. Dass zwischen den beiden eine Freundschaft entstanden war, konnte nicht übersehen werden.

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Mit René Auberjonois verlieren wir Trekkies einen außerordentlich talentierten Schauspieler, einen liebenswerten Menschen und eine starke Persönlichkeit. Er sagte einmal im Scherz, dass er hoffe, seine Arbeit für Star Trek: Deep Space Nine würde die an der Serie Benson für einen Eintrag auf seinem Grabstein ablösen können. Die Wahrheit dürfte jedoch sein, dass sich viele Menschen weltweit gerne an alle seine Rollen erinnern werden; auch wenn er für uns immer Odo bleiben wird.

Danke, dass ich Sie treffen durfte, Mr. Auberjonois. Ruhen Sie in Frieden.

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