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Passengers: Odyssee zwischen den Sternensystemen

Im Januar 2017 kam ein Science Fiction-Film in die deutschen Kinos, der sich sämtlichen Kategorisierungsversuchen zu entziehen schien: Passengers, inszeniert vom norwegischen Regisseur Morten Tyldum. Ein Film der eigentlich nur von Jennifer Lawrence, Chris Pratt und Michael Sheen getragen wird. Heute läuft er auf SYFY.

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von Stefan Ulsamer

Passengers ist zwar auch ein Weltraum-Action-Katastrophenfilm, vordergründig dominieren allerdings eher romantische Töne. Es ist also weder Star Wars noch Star Trek und schon gar nicht Alien. Von manchen Kritikern wurde Passengers sowohl mit Titanic wie auch mit Gravity verglichen. Beide Vergleiche hinken allerdings. Denn in Gravity kämpft Sandra Bullock auf der heute real existierenden Internationalen Raumstation ISS ums Überleben.

Passengers ist dagegen auf einem gigantischen kilometerlangen Raumschiff angesiedelt, das im 24. Jahrhundert zwischen der Erde und einer weit entfernten Kolonialwelt pendelt. Und in Titanic wussten die Hauptfiguren nichts von der Bedrohung durch den Eisberg, ehe es zu spät war. In Passengers wissen die Protagonisten über die Gefahren, die ihrem kosmischen Gefährt drohen, Bescheid. Die Kernfrage des Films ist allerdings eine moralische. Eine solche, die den Zuschauer noch lange nach dem Ende des Films beschäftigen kann.

Worum geht es denn?

Die Handlung von Passengers ist auf dem riesigen Kolonialschiff Avalon angesiedelt, welches sich auf einer 120 Jahre währenden Reise zwischen der Erde und der Weltraumkolonie Homestead II befindet. Insgesamt 5.000 Passagiere, die eine überbevölkerte und umwelttechnisch größtenteils zerstörte Erde hinter sich lassen wollen, und 258 Besatzungsmitglieder sind an Bord des luxuriösen Transportschiffes. Der Plan sieht vor, diese 5.258 Personen alle auf einmal rund vier Monate vor der Ankunft am Zielplaneten aus ihren Kälteschlafkammern zu wecken. Nach rund 30 Jahren Flugzeit kommt es aufgrund einer Kollision mit einem Asteroiden an Bord allerdings zu einer Fehlfunktion und der Mechaniker Jim Preston – charismatisch dargestellt von Chris Pratt, der sich einmal wieder selbst spielen darf – wird als Einziger aus dem Kälteschlaf geweckt. Schnell wird ihm klar, in welch aussichtsloser Lage er steckt.

Aufgrund der technischen Gegebenheiten rund um die Kälteschlafkammern kann er sich nicht selbst zurück in den Langzeit-Tiefschlaf versetzen. Auch ein Notfalltelefonat zur Erde erweist sich als wenig hilfreich, da eine Antwort rund 55 Jahre dauern wird. Etwas Gesellschaft erhält Jim lediglich durch den Roboter-Bartender Arthur, der charmant von dem britischen Charakterdarsteller Michael Sheen gespielt wird. Nach einem frustrierenden Jahr – mit der Aussicht nie wieder mit einem anderen Menschen zu sprechen – und einem Selbstmordversuch, entscheidet sich Jim für das Undenkbare – nämlich das Aufwecken einer anderen Person, die er damit zum gleichen Leben zwischen den Sternensystemen verdammt. Er entscheidet sich dabei für die hübsche Journalistin und Schriftstellerin Aurora Lane (Lady-like gespielt von Jennifer Lawrence), in deren Videoprofil er sich mittlerweile verliebt hat. Zwischen dem ungleichen Paar – dem bodenständigen Mechaniker, der in den Kolonialwelten neu anfangen möchte, und der am Anfang leicht versnobten Tochter aus der High Society – entwickelt sich eine leidenschaftliche Romanze.

Beide sind glücklich und scheinen sich mit ihrem Schicksal abgefunden zu haben. Wäre da nicht die Tatsache, dass Aurora nichts von den Umständen ihres unfreiwilligen Erwachens aus dem Kälteschlaf weiß, denn sie ist im Glauben, dass auch sie durch einen Fehler im System geweckt wurde. Kann Robo-Bartender Arthur dichthalten? Und warum kommt es auf der Avalon zu immer gravierenderen technischen Fehlfunktionen?

Eine Betrachtung

Wie eingangs erwähnt, entzieht sich Passengers einer Einordnung in eine bestimmte (Film-) Schublade. Das erste Drittel setzt sich hauptsächlich mit Jims Einsamkeit auseinander und seinen Aussichten auf ein lange trostlose interstellare Reise, deren Ende er nicht mehr miterleben wird. Das zweite Drittel beschäftigt sich mit der aufkeimenden Romanze mit Jims eigentlich unfreiwilligem Love Interest. Und das letzte Drittel ist hingegen ein klassisches Actionspektakel, das den Überlebenskampf der beiden Hauptcharaktere auf der Avalon zeigt. Über allem schwebt die moralische Frage der Rechtmäßigkeit von Jims handeln, die sich der Zuschauer konstant stellt. Was würde man selbst tun, wäre man alleine für 90 Jahre auf einem Raumschiff gefangen und hätte die Möglichkeit, seine Einsamkeit durch das Aufwecken einer anderen Person zu beenden? Würde man der Versuchung nachgeben? Auch wenn man die andere Person zum gleichen Schicksal verurteilt? Und vor allem – würde man es der anderen Person sagen?

Diese Fragen muss jeder Zuschauer für sich selbst beantworten. Jennifer Lawrence und Chris Pratt geben jedenfalls beinahe ein filmisches Traumpaar von solch einem Kaliber wie Leonardo DiCaprio und Kate Winslet aus Titanic ab – wenn eben jene zuvor beschriebenen Fragen nicht im Raum stünden. Insofern ist Passengers neben den optischen Schauwerten auch eine hervorragende Sozialstudie. Und optische Schauwerte hat der Film in der Tat einige. Selten hat man in einem Science Fiction-Film ein derartig luxuriöses Raumschiff wie die Avalon gesehen, welches von den ausschweifendsten heutigen irdischen Kreuzfahrtschiffen inspiriert ist. Technisch sind die Weltraumszenen perfekt und man kann als Zuschauer die Größe des riesigen Raumfahrzeuges und die majestätische Tiefe des Alls buchstäblich spüren. Mehrere Weltraumspaziergänge außerhalb der Avalon – anfangs noch zum Spaß, später im kosmischen Überlebenskampf – zählen zu den absoluten optischen Höhepunkten von Passengers.

Bei Produktionskosten von rund 150 Millionen US-Dollar spielte Passengers an den internationalen Kinokassen 303,1 Millionen US-Dollar ein. Das ist heute nicht schlecht für einen Film, der weder ein Sequel, Prequel, Remake oder Teil eines großangelegten Comic-Universums ist. Passengers ist einfach eine Weltraum-Romanze mit Actionelementen – und damit wäre die Einordnung geklärt. Eine Weltraum-Romanze, die uns Zuschauern viel Spaß macht und zwei charismatische Darsteller auf der Höhe ihres Schaffens zeigt. Abgerundet wird Passengers übrigens durch ein in letzter Konsequenz doch überraschendes Ende sowie einen gelungenen kurzen Gastauftritt des amerikanischen Charaktermimen Laurence Fishburne.

Passengers läuft am heutigen zweiten Weihnachtstag um 20.15 Uhr bei SYFY. Wir wünschen gute Unterhaltung!

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