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Planet of the Apes Last Frontier: Andy Serkis erstes eigenes Spiel ist ein Game of Thrones im Universum von Planet der Affen

Planet der Affen: Survival war dieses Jahr ein Kriegsfilm der besonderen Art. Hart und brutal wie Steven Spielbergs Der Soldat James Ryan, emotional wie Christopher Nolans Dunkirk. Einer der großen Stars der Reihe wird jetzt die Filme in einem Spiel verpacken: Andy Serkis. Berühmt geworden als Gollum aus Der Herr der Ringe, hat er mittlerweile sein eigenes Performance-Capture-Imperium in London und will jetzt Games mit Planet of the Apes: Last Frontier auf eine neue schauspielerische Ebene bringen.

Präsentiert von: Benjamin Kratsch


Andy Serkis liebt Gaming: Für Star Citizen, eine 175 Millionen US-Dollar teure, extrem aufwendige Weltraumsimulation führt er Regie, The Last Jedi-Star Mark Hamill spielt die Hauptrolle. Auch in vielen anderen Spielen hatte er die Hände im Spiel: Peter Jackson’s King Kong: The Official Game, eines jener Werke, die zuerst fotorealistische Haar-Animationen hatten. Gerade erst hat er mit Hellblade: Senua’s Sacrifice die beste Schauspielleistung auf den Game Awards, den Oscars der Spielekultur, vergeben und entwickelt jetzt sein erstes eigenes Videogame: Planet of the Apes: Last Frontier. Planet der Affen: Survival war zusammen mit Dunkirk sicherlich das bildgewaltigste Kriegsepos des Jahres und am 2018er Planet der Affen wird ebenfalls bereits gearbeitet. 

Während Christopher Nolan eher auf der emotionalen Klaviatur spielt und den Feind nur ganz selten zeigt, ist Planet der Affen sicherlich einer der härtesten und kompromisslosesten Kriegsfilme der letzten Jahre. Das Affendorf wird mit Granatwerfern beschossen, hunderte Tiere sterben im Kugelhagel der Söldner-Kommandos von Alpha Omega. Diese Szenen gibt es auch im Spiel, was sonst aber sehr, sehr viel anders macht. 

Andy Serkis: „Last Frontier ist ein interaktiver Film“

Planet of the Apes: Last Frontier dreht die Schraube dezent zurück: „Es ist ein interaktiver Film, der etwas weniger Hollywood-Bombast mit sich bringt und deutlich stärker dieses moralische Dilemma Mensch oder Affe zu sein, thematisiert“ erklärt Executive Producer Andy Serkis. „Die Verantwortung gegenüber der eigenen Familie, aber auch wie wir Affen als Metapher für bestimmte Menschentypen verwenden. Letztlich geht es um viele Entscheidungen, ihr müsst permanent entscheiden - im Kleinen, aber auch Großen.“ Die Familie hungert, soll man das bisschen Nahrung mit seinem Bruder teilen oder lieber nicht?  Nicht selten geht es um Leben und Tod und ihr werdet beide Seiten spielen - die der Farmer abseits des großen Krieges und die eines Affenstammes. „Darin liegt die Faszination der Geschichte: Ihr werdet feststellen, dass sich die Fraktionen gar nicht so unterschiedlich sind in ihren Nöten und nur deshalb bereit sind bis zum Äußersten zu gehen.“ Im Kern ist es aber doch recht Action-lastig, genau wie in den Filmen gibt es viel Gewalt, spielt Folter eine Rolle und kulminieren die Höhepunkte oft in harten Schießereien, bei denen mit Maschinenpistolen und Sturmgewehren aus dem Sattel der Pferde geschossen wird. 

Eine Reise durch alle Filme in neuer Komposition

Planet of the Apes: Last Frontier lässt euch viele dieser großen Szenen der Filme durchleben, von Dawn of the Planet of the Apes (Planet der Affen: Revolution) bis War of the Planet of the Apes (Planet der Affen: Survival). Spielerisch geht es in etlichen Szenen Richtung Detroit: Become Human, welches wir erst kürzlich ausführlich gespielt haben. Moralische Entscheidungen bilden das Herzstück des Spiels: Eine Gruppe von Affen flieht vor dem Krieg in die Rocky Mountains, ihr habt viele Kinder dabei. Alle hungern, der Winter naht, was tun? Die Menschen in einer Farm haben zwar nur wenig Gemüse, aber Ochsen - Affen essen in den Filmen ja auch Fleisch, weil sie menschliche DNA in sich tragen. Ihr müsst Entscheidungen treffen, die Leben kosten können, oft aber auch einfach nur den eigenen Rang innerhalb der Gruppe. Und das sehr oft, viel öfter als bei David Cage oder Telltale: Alle 15 - 20 Sekunden übernehmt ihr das Kommando, das Spiel lebt also nicht nur von Zwischensequenzen, wie etwa Beyond: Two Souls - das durch Inception-Star Ellen Page vielleicht berühmteste interaktive Filmspiel. 

Entscheidungen am laufenden Band - alle 15 Sekunden

Interessant ist, wie das Offizielle Spiel zu Planet der Affen das Thema Moral immer wieder thematisiert. Als Anführer der Schimpansen etwa könnt ihr leise vorgehen und im Stealth-Modus Vorräte der Farmer klauen. Erwischen sie euch, kommt es zum Gefecht. Oder ganz bewusst Verluste in Kauf nehmen. Im eigentlichen Gameplay schießt ihr zudem nicht selbst wie in Call of Duty: WW2, Wolfenstein oder anderen 2017er-Shootern, sondern entscheidet, wo ihr treffen wollt. Ihr könnt Gegner mit Bauch- und Kopfschüssen final ausschalten oder lieber aufs Bein zielen - das gibt dem Gegner Gelegenheit das Opfer zu retten. „Das ist ein kreatives Risiko, aber es fasziniert uns", erklärt Andy Serkis. Zu viele Filme und auch Spiele haben diese großen Entscheidungsmomente, aber nur wenige zwischendurch. Obwohl gerade die entscheidend sind: Es geht darum persönliche Bindung aufzubauen zwischen Charakteren, aber auch sich durchzusetzen. Seine eigene Moral zu hinterfragen: Was würde ich tun, wäre ich jetzt in genau dieser Situation.“ Und er hat Recht: Das Spiel lässt sich Zeit, vielmehr als die Filme. Wir lernen die Familien kennen, auf beiden Seiten. Sind bei Beerdigungen dabei, bei Rangeleien, bei Machtkämpfen und sehen immer wieder: Die Affen und Menschen sind sich sehr viel ähnlicher als sie selbst glauben.

Game of Thrones im Affenland: Wer Sturm sät, wird Blut ernten 

Bei den Menschen kontrollieren wir Jess, die ebenfalls ihre Position innerhalb des Dorfes verteidigen muss. Rainey, einer der erfahrensten Cowboys in der Stadt Millerton, will an die gut ausgestattete Waffenkammer ran, in der sogar M4-Sturmgewehre der Armee in einer Kiste lagern. Entscheiden wir uns mit Rainey mitzuziehen, festigt das unseren Rang in der Gesellschaft. Sorgt aber auch für blutigere Auseinandersetzungen. Töten wir jetzt die Affen auf dem Hügel, müssen wir in der nächsten Szene als Bryn wiederum unsere Affenfamilie davon überzeugen, warum es keine gute Idee wäre einen brutalen Gegenschlag zu führen. Oder uns für den Krieg entscheiden. Die Menschen mögen bessere Waffen haben, die Affen haben mehr Manpower. Ab diesem Moment wird es zu einer Art Game of Thrones. Es ist unsere Entscheidung, ob wir die Gewalt hochschaukeln wollen. „Blutvergießen führt nur zu mehr Blutvergießen. Als hätten wir das nicht über all die Jahre gelernt, Rainey“ sagt Jess. Spannend ist auch, wie sich das Spiel entwickelt: Vom Kleinen ins Große, von der Farm in eine voll ausgebaute Stadt namens Millerton, gefüllt mit gut bewaffneten, kampfbereiten Männern und Frauen auf Seiten der Menschen. Millerton hat MG-Stellungen, Stacheldraht auf den Dächern, eine große Miliz - die Affen hingegen eine große Armee zu Pferden. Es gibt viele Enden - ein blutiger Showdown wie in den Filmen ist nur eine Variante um Planet of the Apes: Last Frontier durchzuspielen.