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Praise the Shat! Zum 90. Geburtstag von William Shatner

Zum heutigen 90. Geburtstag des legendären Darstellers der Figur des Captains James T. Kirk erinnert unser Redakteur Thorsten Walch an dessen beispiellose Karriere.

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»Er läuft…und läuft…und läuft…« Den Slogan eines beliebten deutschen Automobilherstellers (für dessen Werbebereich das Geburtstagskind vor einigen Jahren einmal tätig war) könnte man mühelos auch auf Schauspiellegende William Shatner übertragen. Der Mime, dessen bekannteste Rolle bis heute die des ikonischen Captain James Tiberius Kirk aus der klassischen Star-Trek-Orignalserie ist, wird am 22. März unfassbare 90 Jahre alt. Doch von Ruhestand und Rückzug will der agile Altstar ganz und gar nichts wissen.

Theater-Kinderstar

Der am 22. März 1931 im kanadischen Montreal geborene Nachfahre jüdischer Einwanderer deutscher und österreichischer Abstammung (sein Großvater trug den Namen Wolfgang Schattner, was er später in Shatner umänderte) entdeckte schon als 6-jähriger in einem Feriencamp seine Liebe zur Schauspielerei und war danach am Kindertheater in seiner Heimatstadt zu sehen. Mit nur 10 Jahren war der junge William schon ein recht bekannter Hörspielsprecher beim Sender CBC.

Erste kleinere und größere Rollen

Nachdem er nach der Highschool zunächst Wirtschaftswissenschaften studiert hatte, begann er in den frühen 50er-Jahren wieder mit dem Theaterspielen und war während eines Festivals in mehreren Shakespeare-Stücken zu sehen. Seinen ersten Filmauftritt hatte er 1951 in dem kanadischen Jugenddrama The Butler’s Night Off, in dem er einen jugendlichen Straftäter spielte. Nachdem er 1956 nach New York umgesiedelt und in Episoden amerikanischer TV-Serien sowie am Broadway zu sehen gewesen war, erhielt er 1958 als junger Priester Alexej eine tragende Nebenrolle neben den damaligen Weltstars Yul Brynner und Maria Schell in der Literaturverfilmung Die Brüder Karamasow nach Fjodor Dostojewski. Es folgte eine kleine Rolle im monumentalen Geschichtsfilm Das Urteil von Nürnberg (1961) sowie die Hauptrollen im Jugenddrama Frühreife Generation im gleichen Jahr sowie der harten Anti-Rassismus-Parabel Weißer Terror (1962) des später weltbekannten Roger Corman.

Der TV-Star

Obwohl Shatner auch in der Folgezeit immer wieder im Kino zu sehen war, arbeitete er zunehmend für das Fernsehen – der Grund dafür war seine junge Familie, die er durch mehr oder weniger regelmäßige Einkünfte ernähren musste. Im Jahr 1963 war er erstmals in einem späteren TV-Klassiker zu sehen: In der Episode Nightmare At 20.000 Feet (die für die deutsche Fassung den Titel Portrait eines ängstlichen Mannes erhielt) der klassischen Anthologien-Fernsehserie The Twilight Zone (hierzulande nur kurz unter verschiedenen Titeln gezeigt) war er in der Rolle des panischen Flugzeugpassagiers Bob Wilson zu sehen, der während eines Nachtfluges durch ein Unwetter als einziger an Bord ein monströses Geschöpf auf einer der Tragflächen sehen kann. Die mehrfach neuverfilmte Episode gilt bis heute als Musterbeispiel für Spannungsfernsehen. Diese Darstellung trug sicher wesentlich dazu bei, dass William Shatner sich 1966 gegen Mitbewerber wie Lloyd Bridges oder George Segal um die Rolle des Captain Kirk durchsetzen konnte, nachdem der ursprüngliche Captain namens Pike, gespielt von Jeffrey Hunter, nach seinem Auftritt im Pilotfilm The Cage für die eigentliche Serie nicht mehr zur Verfügung stand.

Auf dem Raumschiff Enterprise

Der Rest ist TV-Geschichte: Während der drei Staffeln von Star Trek, hierzulande ab 1972 bekannt als Raumschiff Enterprise, wurde William Shatner als Kirk zu einem der wegweisendsten Genre-Stars. Er lieh auch seinem Zeichentrick-Ich seine Stimme, als es 1973 eine Wiederbelebung der Abenteuer der Enterprise als Animationsserie gab, in der sich anschließenden Star-Trek-Pause wirkte er in Horrorfilmen wie The Devil’s Rain (1975) oder Mörderspinnen (1977) mit. Selbstverständlich war Bill Shatner, wie er abgekürzt gern genannt wird, auch 1979 in der auf Umwegen erfolgten Kinofortsetzung von Star Trek wieder mit von der Partie und spielte bis 1994 sechs weitere Male die ikonische Rolle, ehe Captain Kirk in Star Trek Generations auf eher unspektakuläre Weise den Leinwandtod starb.

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Der Autor und der Musiker

Bereits 1994 hatte William Shatner zusammen mit dem Science-Fiction-Autor Ron Goulart die Romanreihe TekWar verfasst (die im gleichen Jahr mit Shatner als Sicherheitsfachmann Bascom in der zweiten Hauptrolle neben Greg Evigan für das Fernsehen verfilmt wurde). Ab 1996 belebte Shatner mit Hilfe des Profiautoren-Ehepaares Judith und Garfield Reeves-Stevens mittels Borg-Technologie den verstorbenen Captain Kirk wieder und ließ ihn neue Abenteuer im 24. Jahrhundert der Captains Picard, Sisko und Janeway erleben – allerdings nur in Form einer achtbändigen Romanreihe. Weitere Bücher, sowohl Biografien als auch Romane, folgten. Ferner war Shatner auch bereits seit 1968 als eigenwilliger Interpret bekannter Popsongs zu hören: Auf Alben wie The Transformed Man aus diesem Jahr sowie William Shatner Live (1977), Has Been (2004) oder zuletzt The Blues (2020) bot er bekannte Songklassiker in seinem unvergleichlichen überspitzten Sprechgesang teilweise mit prominenter Unterstützung dar – und findet durchaus Freunde. Ferner engagiert sich der glühende Pferdenarr seit vielen Jahren in der Reittherapie bei behinderten Kindern.

Für immer Kirk

Obwohl William Shatner von 1982 bis 1986 92 Folgen lang den Streifenpolizisten T.J. Hooker in der gleichnamigen Serie spielte und zwischen 2004 und 2008 ein großes Comeback als dementer Anwalt Denny Crane in den 101 Folgen der preisgekrönten satirischen Serie Boston Legal feierte, bleibt William Shatner doch für die meisten Leute James T. Kirk von der Enterprise. Die neuesten Projekte des rüstigen Fast-90ers sind die Moderation der Doku-Serie The UnXplained (Das Unerklärliche mit William Shatner) des Senders History, in der er rätselhaften Phänomenen und Orten auf den Grund geht, sowie die Komödie Senior Moment, in dem Bill neben Jean Smart (Watchmen) und Christopher Lloyd (Back To The Future) als ehemaliger Pilot Victor seinen Führerschein verliert und dafür eine neue späte Liebe findet.

Wir von SYFY wünschen William Shatner alles nur erdenklich Gute für seine Zukunft: Live long and prosper, Sir!

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