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Rambo: Die Action-Ikone der Achtziger

Zur Ausstrahlung der drei Rambo-Filme in dieser Woche blicken wir hinter das Phänomen und fragen uns, worauf der Kult genau beruht.

Rambo I Stallone

Von Stefan Ulsamer

„Um den Krieg zu überleben, muss man selbst zum Krieg werden.“ – John J. Rambo. Dieses Zitat des von Sylvester Stallone verkörperten Titelhelden des Films Rambo II – der Auftrag spiegelt in einem Satz wieder, worum es in der patriotischsten aller amerikanischen Action-Reihen der 80er Jahre geht. Um einen schier unbesiegbaren Krieger, der es mit hunderten von „Bad Guys“ aufnimmt und längst verlorene Kriege buchstäblich nachträglich gewinnt, und der dabei ganze Landstriche von der „kommunistischen Gefahr“ befreit.

Das kulturelle Phänomen „Rambo“ beruht hauptsächlich auf dem mit Abstand erfolgreichsten Film der Reihe, dem zweiten Teil, aus dem das Zitat zu Anfang dieses Beitrages stammt. Darin wird der Titelheld vom US-Geheimdienst im Jahr 1985 nach Vietnam entsandt, um die Existenz amerikanischer Kriegsgefangener in den Gefangenen- und Foltercamps des südostasiatischen Landes nachzuweisen. Und Rambo hat tatsächlich Erfolg! Nicht nur kann er amerikanische Kriegsgefangene in einem vietnamesischen Lager ausmachen, es gelingt ihm sogar, einige zu befreien. Und das entgegen den Wünschen seiner Auftraggeber bei der US-Regierung. Denn in Rambo II gibt es auch eine waschechte Verschwörung.

Der Auftrag

Wir erinnern uns – Mitte der 70er Jahre hatten die US-Streitkräfte ihre erste große militärische Niederlage zu verbuchen. Am 30. April 1975 verließen die letzten US-Soldaten das südvietnamesische Saigon, nachdem es von nordvietnamesischen Truppen erobert wurde. Die heimkehrenden Soldaten wurden von der amerikanischen Bevölkerung – je nach Sichtweise –entweder als Verlierer oder brutale Schlächter gesehen. Und nun kam zehn Jahre später ein Kinofilm (Rambo II startete in den USA am 22. Mai 1985, in Deutschland im September des gleichen Jahres), in dem der muskelbepackte Held mit Pfeil und Bogen, einem Maschinengewehr und einem Huey-Helikopter im Alleingang die vietnamesische Armee besiegt und die verlorenen Amerikaner nach Hause bringt. Rambo II schlug ein wie eine Bombe und war der Kassenschlager des Sommers 1985. Sogar Ronald Reagan war begeistert und lud Sly Stallone zusammen mit Gattin Brigitte Nielsen ins Weiße Haus ein, wo sich der Präsident und der Action-Star als beste Buddys ausgaben.

Diese Begeisterung des US Präsidenten sorgte für einen Extraschub an den Kinokassen, da Reagans konservative Wählerschaft – die ansonsten eher selten ins Kino gingen – in Scharen die Lichtspielhäuser besuchten. In Deutschland wurde der Film deutlich kritischer gesehen und musste nach einer anfänglichen Freigabe ab 16 Jahren aufgrund des Drucks mehrere Bundesländer neu geprüft und ab 18 Jahren freigegeben werden. Die Videoversion landete sogar auf dem Index für jugendgefährdende Schriften, was bedeutete, dass der Film ungekürzt nicht mehr aufgeführt und nicht mehr beworben werden durfte. Trotz – oder gerade aufgrund des Umstands, dass der Film nicht mehr so leicht zugänglich war – erfreute sich der Film in Deutschland hauptsächlich bei Jugendlichen überaus großer Beliebtheit. Diese liebten die Abenteuer von John Rambo in Südostasien. Denn handwerklich ist Rambo II perfekt gemacht und die Actionszenen können auch nach mehr als 35 Jahren locker mit allem mithalten, was Hollywood dem Publikum heute serviert. Als reiner Actionfilm funktioniert der Film jedenfalls einwandfrei!

Rambo I I Stallone

Rambo I

Der erste Rambo-Film aus dem Jahr 1981 steht im krassen Gegensatz zu seiner wesentlich populäreren, zuvor beschriebenen Fortsetzung. Als der Film 1980 gedreht wurde, hatte Sylvester Stallone außer seinen beiden Rocky-Filmen keine Erfolge vorzuweisen und war nicht die erste Wahl von Regisseur Ted Kotcheff. Ursprünglich hätten Burt Reynolds, John Travolta oder sogar Clint Eastwood in die Rolle des wortkargen Vietnam-Veteranen Rambo schlüpfen sollen. Handlungsmäßig ist Rambo weit entfernt von seinen Nachfolgern. Denn er spielt nicht in irgendwelchen exotischen Kriegsgebieten, sondern in der Kleinstadt Hope im amerikanischen Nordwesten. Zu Beginn ist der etwas heruntergekommene Veteran Rambo auf der Suche nach einem Kriegskameraden und eigentlich nur auf der Durchreise. In der Stadt wird er vom örtlichen Kleinstadt-Sheriff Will Teasle (Brian Dennehy) aufgegabelt und als Landstreicher wieder vor den Toren der Stadt abgesetzt. Als Rambo entgegen der Aufforderung des Sheriffs, das Weite zu suchen, doch wieder das beschauliche Hope aufsucht, wird er von Teasle festgenommen.

Auf dem Revier wird er von den Deputys misshandelt, weshalb Rambo mehrere kurze Flashbacks an seine Zeit in einem vietnamesischen Foltergefängnis hat und sich befreien kann. Es kommt nun zu einer Menschenjagd der Polizei und später auch der Nationalgarde auf Rambo in den angrenzenden Bergen. Im ersten Film ist Rambo überwiegend in der Opferrolle zu sehen, der sich hauptsächlich nur defensiv zur Wehr setzt, während die Lage immer weiter eskaliert. Erst als man Rambos Ausbilder Colonel Samuel Trautman (dargestellt von Richard Crenna) hinzu zieht, lenkt Rambo ein und stellt sich. Am Ende ist er ein gebrochener Mann. Und ganz weit entfernt, von dem fast übermenschlichen Helden der Fortsetzungsfilme. Rambo I bot bodenständige und hochspannende Action, die hier noch durchaus realistisch wirkt.

Rambo I Stallone Und Brian Dennehy

Rambo III

Rambo III aus dem Jahr 1988 bewies, dass eine nochmalige Steigerung der gebotenen Action im Vergleich zum Vorgängerfilm möglich war. Rambo ist hier endgültig zur unverwundbaren Comicfigur geworden. Diesmal muss der wortkarge Einzelkämpfer seinen Mentor Colonel Trautman, den einzigen Menschen, der ihm nahe steht, aus den Händen der Sowjets in Afghanistan befreien. Und das nun folgende Actionfeuerwerk sucht auch heute noch seinesgleichen und bescherte der Produktion damals mit 63 Millionen US-Dollar die höchsten Produktionskosten aller Zeiten. In wenigen Filmen wurden solche Mengen an Munition und Pyrotechnik verbraucht, wie in dem 1987 überwiegend in Israel gedrehten dritten Rambo-Aufguss.

Die israelische Negev-Wüste doubelte für das schon damals kriegsgebeutelte Afghanistan. Während der Dreharbeiten kam es zu massiven Spannungen mit Highlander-Regisseur Russel Mulcahy, der nach mehreren Drehwochen durch den Regisseur des zweiten Aufnahmeteams (Second Unit), Peter MacDonald, ersetzt wurde. In Wahrheit führte jedoch Stallone die Regie. Und, das muss man dem Film bescheinigen, er tut dies äußerst gradlinig. Rambo III ist ein schnörkelloser Abenteuer-Kriegsfilm, der seine Actionszenen technisch raffiniert und schon fast balletartig abspult. Im Kontrast zu den Vorgängerfilmen enttäuschte Rambo III allerdings an den Kinokassen und legte das Franchise für längere Zeit auf Eis.

Der Veröffentlichungszeitpunkt im Sommer 1988 mag mit ein Faktor für das schlechte finanzielle Abschneiden von Rambo III gewesen sein, denn kurz vor Kinostart waren die Sowjets – wie einst die USA aus Vietnam – mit gesenktem Haupt aus Afghanistan abgezogen. Vielleicht war das Kinopublikum aber auch müde von den One-Man-Army-Filmen, denn im Gefolge der ersten beiden Rambo-Teile war vor allem der Videomarkt mit einer Unzahl filmischer Imitationen und Rip-Offs überschwemmt worden. Wie der Vorgänger wurde auch Rambo III in Deutschland indiziert und erst nach einer Neuprüfung im Jahr 2011 ab 18 Jahren freigegeben.

Rambo I I I Richard Crenna Und Sylvester Stallone

Fazit

Die drei ursprünglichen Rambo-Filme aus den 80er-Jahren umgibt heute ein besonderes nostalgisches Flair. Sie zeigen Sylvester Stallone in Bestform und zementierten seinen Ruf als Actionstar erster Güte. Eine Bezeichnung, die er auch heute noch innehat, denn er ist neben seinem guten Kumpel Arnold Schwarzenegger (aus der großen Rivalität der beiden Action-Ikonen in den 80ern entstand im Laufe der Jahre eine tiefe Freundschaft) auch mit 75 Jahren immer noch als Hauptdarsteller in der Kinolandschaft präsent.

Die ursprüngliche Rambo-Trilogie bietet auch nach über 30 Jahren fantastische, actionreiche Unterhaltung und lässt sich am besten ohne viel Nachdenken über die Handlung und die damalige Politik konsumieren. Als meisterhafte Vertreter des 80er-Jahre-Actionkinos machen die Filme einfach nur Spaß!

RAMBO I bis III laufen ab heute auf SYFY. Der erste und zweite Teil Montag und Dienstag jeweils um 22 Uhr, der dritte Teil Donnerstag um 22.40 Uhr.