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So much more! Zack Snyder's Justice League – eine Filmkritik

Vergangene Woche ließ das DC-Universum endlich die ultimative Schnittfassung von Justice League auf die Fans los. Was Zack Snyders Version wert ist, beleuchtet für uns Stefan UIsamer.

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Von Stefan Ulsamer

Der Entstehungsprozess moderner Hollywood-Großproduktionen zieht sich in der Regel über mehrere Jahre der Planung, der Dreharbeiten und der Post-Produktion, ehe das fertige Werk seine Premiere im Kino feiern darf – oder in jüngster Zeit vermehrt auch direkt auf Streaming-Diensten oder linearen TV-Sendern.

Bei manchen Filmen kommt es während der Herstellung zu „Turbulenzen“, und nicht selten gibt es hinter den Kulissen Zoff um das Drehbuch, verschiedene Schnittfassungen oder den visuellen Stil eines Films. Manchmal verabschiedet sich dann der Regisseur aufgrund der berühmt berüchtigten „kreativen Differenzen“ von seinem Werk oder er wird sogar vom Studio gefeuert. Man denke an Phil Lord und Christopher Miller, die nach einem Großteil der Dreharbeiten zu Solo: A Star Wars Story von Ron Howard abgelöst wurden, der weite Teile des Star Wars-Spin-Offs neu inszenierte.

Die Ursprungsversion

Bei Justice League (basierend auf den in Deutschland als Gerechtigkeitsliga bekannten Comics) hingegen, dem von Warner Brothers produzierten dritten Superman-/Batman-Teil des DC Extended Universe (nach Man of Steel und Batman v Superman: Dawn of Justice), zog sich Regisseur Zack Snyder im Frühjahr 2017 aufgrund des tragischen Selbstmordtodes seiner Tochter Autumn von der Produktion zurück. Um den Film doch noch im Herbst desselben Jahres in die Kinos bringen zu können, wurde Avengers-Macher Joss Whedon für die Beendigung der noch ausstehenden Szenen sowie die Überwachung der Post-Produktion engagiert. Da Warner mit der düsteren Grundstimmung von Zack Snyder – der auch schon die beiden Vorgänger inszeniert hatte – nicht einverstanden war, wurde Whedon weiterhin mit umfangreichen Nachdrehs beauftragt, die dem Film einen leichteren Touch und deutlich mehr Humor verleihen sollten.

Als das Ergebnis am 26. Oktober 2017 seine Premiere hatte, waren weder die Kritiker noch die Fans sonderlich von Whedons Justice League-Version begeistert und der Film blieb vor allem in den USA finanziell deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Der zweite Anlauf

Während die der Justice League nachfolgenden DC-Solofilme Wonder Woman, Aquaman und Shazaam große Erfolge feierten, wurde es um die beiden berühmtesten Superhelden überhaupt – nämlich Superman und Batman – stiller. Weitere Projekte mit der Fledermaus und dem Mann aus Stahl wurden erstmal auf Eis gelegt. In den Jahren 2018 und 2019 starteten mehrere Briefkampagnen und Online-Petitionen von hunderttausenden Fans, doch endlich Zack Snyders ursprüngliche Version der Justice League zu veröffentlichen. Warner Brothers fällte schließlich im Februar 2020 die Entscheidung, Snyder die Mittel (man spricht von 70 Millionen US-Dollar) zur Vollendung seiner ursprünglichen Version zur Verfügung zu stellen. Fast sämtliche visuellen Effekte von Justice League wurden neu erstellt, viele Szenen erweitert, Handlungsstränge, die Joss Whedon integriert hatte, eliminiert und durch neue ergänzt. Im Oktober 2020 schließlich startete Zack Snyder aufwendige Nachdrehs mit einem Teil der Originalbesetzung. Zum Darstellerensemble stieß nun auch Jared Leto, der in der Ursprungsversion komplett fehlte und der nun wieder als seine ganz eigene Version des Jokers (bekannt aus Suicide Squad) vor den Kameras stand.

Das Ergebnis hatte schließlich am 18. März auf dem Warner-eigenen Streaming-Dienst HBO Max seine US-Premiere, zeitgleich startete Zack Snyder's Justice League auf dem linearen Pay-TV-Sender Sky Cinema sowie dem Streaming-Dienst Sky Ticket in Deutschland. Nach Wonder Woman 1984 hatte sich Sky im Falle von Snyders Justice League ein zweites Mal innerhalb kurzer Zeit die Exklusivauswertung eines aktuellen Blockbusters vor der Kino- oder Home-Media-Auswertung gesichert.

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So viel besser

Die Comic-Fans zeigten sich von Zack Snyder's Justice League mehr als begeistert und die Filmkritiker ebenfalls attestierten dem insgesamt 242 Minuten langen Mammutwerk epische Qualitäten. Auch der Autor dieser Zeilen ist von der neuen Version mehr als angetan. Zack Snyder's Justice League ist ein Superheldenfilm, der sich neben einem selbstverständlichen, bombastischen Effektgewitter viel Zeit nimmt, seine Charaktere einzuführen und die richtige Balance zwischen ernsten und lustigen Szenen findet. Zack Snyder's Justice League kann dabei besonders in den folgenden Bereichen punkten:

Die Hauptcharaktere

Die ursprüngliche Justice League-Version konzentrierte sich hauptsächlich auf die drei „Großen“ unter den DC-Helden – Batman/Bruce Wayne, Superman/Clark Kent und Wonder Woman/Diana Prince – während Aquaman/Arthur Curry, Cyborg/Victor Stone und The Flash/Barry Allen zu Nebenfiguren in der zweiten Reihe degradiert werden. Zack Snyder's Justice League hingegen stattet jeden der Helden mit neuen Einführungsszenen, einer ausführlichen Hintergrundgeschichte und der notwendigen Screen Time aus. Der emotionale Fokus rückt dabei von Batman auf den bisher kaum wahrnehmbaren Cyborg, dessen tragische Geschichte dem Film eine emotionale Tiefe verleiht, die in der vorhergehenden Version schlichtweg fehlte.

Der Bösewicht

Während es in der Justice League-Variante aus dem Jahr 2017 den Anschein hat, als ob der Bösewicht Steppenwolf (dargestellt von Ciarán Hinds) die Erde im Alleingang erobern möchte, zeigt Zack Snyder, dass das gehörnte Alien tatsächlich einem noch viel mächtigeren Wesen namens Darkseid Rechenschaft ablegen muss, das – eindrucksvoll verkörpert von Ray Porter – in Punkto „Bösartigkeit“ dem Marvel-Schurken Thanos in nichts nachsteht.

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Die Musik

Für den Soundtrack von Man of Steel und Batman v Superman zeichnete der niederländische Star-DJ und Filmkomponist Tom Holkenborg alias Junkie XL in Zusammenarbeit mit Hans Zimmer verantwortlich. Holkenborg hatte zum Zeitpunkt des Weggangs von Zack Snyder bereits einen größtenteils kompletten Soundtrack zu Justice League geschrieben, der aber in der 2017 erschienenen Version durch einen Score von Danny Elfman ersetzt wurde. Für Zack Snyder's Justice League griff man nun wieder auf Holkenborg zurück, der sich gegen eine Verwendung seines Materials aus 2017 entschied und einen vollständig neuen Soundtrack komponierte. Das Endergebnis ist atmosphärisch dicht, düster und an den passenden Action-Stellen bombastisch. Und es bietet ein homogenes Klangerlebnis mit den beiden Vorgänger-Soundtracks.

Die Optik

In der ursprünglichen Fassung von Justice League wirkten viele Effektszenen künstlich und teilweise „unfertig“, als ob manche CGI-Animationen nicht zu Ende gerendert worden sind. Zack Snyder's Justice League dagegen kann Effekte auf allerhöchstem Blockbuster-Niveau vorweisen, die auch in Bezug auf viele Designs von Charakteren (Stichwort Superman), Fahrzeugen und Fluggeräten ein umfangreiches Update erhalten haben. Und im Finale wurde der von vielen Fans als störend empfundene Rotton des Himmels vollständig entfernt und durch düstere Farben ersetzt.

Der Epilog

Während Joss Whedons Justice League ein in sich größtenteils abgeschlossene Geschichte erzählt, ist Zack Snyders Version klar als Auftakt eines größeren Handlungsbogens erkennbar. Das ist insbesondere in den letzten Minuten ersichtlich, die den Grundstein für weitere Superheldenabenteuer in der Kontinuität der Snyder-Filme (dem sogenannten „Snyderverse“) legen. Es bleibt zu hoffen, dass Zack Snyder's Justice League HBO Max, Sky und den anderen weltweiten Pay-TV- sowie Streaming-Diensten, die Snyders Version im Programm haben, genügend Zuschauer beschert, so dass bei Warner Brothers die Weichen für eine Fortsetzung gestellt werden. Die langjährigen DC-Fans – und nicht nur die – würden es ihnen danken!