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Spider-Man: Homecoming – Der Film, der sich selbst kommentiert?

Anlässlich der heutigen SYFY-Ausstrahlung von Spider-Man: Homecoming wollen wir euch einen Floh ins Ohr setzen: Hat dieser Film etwa eine selbstironische Metaebene?

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von Sidney Schering

Wir erinnern uns zurück: Es gab einmal eine Zeit, da war der Comicriese Marvel wackelig auf den Füßen. Also veräußerte der Comicverlag aus New York die Filmrechte an einigen seiner beliebtesten Figuren, darunter Peter Parker alias Spider-Man. Sony Pictures schlug zu und kreierte eine immens erfolgreiche Filmtrilogie mit Sam Raimi als Regisseur. Marvel wiederum kämpfte sich aus seiner Krise und startete sein eigenes Filmuniversum.

Sony hielt aber weiterhin die Rechte an Spider-Man, und nutzte sie, um eine neue Filmreihe rund um Spider-Man zu starten. Die brachte es auf zwei Filme, die von Marvels eigenem Cinematic Universe losgelöst waren. Sie sollten ein eigenes Franchise stemmen, aber diese Bemühungen wurden mangels Publikumsresonanz aufgegeben. Danach kam es hinter den Kulissen zu umfangreichen, komplexen Verhandlungen – und 2016 tauchte dann plötzlich schon wieder ein neuer Spider-Man auf. Gespielt von Tom Holland, schwang sich die freundliche Spinne durch Marvels The First Avenger: Civil War und eröffnete eine neue Filmära für den Spinnenhelden.

Wie sich diese Hinter-den-Kulissen-Geschichten inhaltlich auf Spider-Man: Homecoming auswirken? In vorfreudiger Einstimmung auf die heutige SYFY-Ausstrahlung dieser spaßigen Superheldengeschichte verraten wir es euch …

Darum geht es im Film

Nach den Ereignissen aus Marvel's The Avengers wird Adrian Toomes (Michael Keaton) damit beauftragt, den Schutt aus dem Kampf zwischen den Avengers und den von Loki angeführten Aliens zu beseitigen. Toomes und seine kleine Truppe an Angestellten freuen sich über den lukrativen Job – aber nicht lange. Denn Tony Stark macht ein millionenschweres Abkommen mit der US-Regierung, durch das er sich das Exklusivrecht sichert, den von den Avengers und ihren Feinden angerichteten Schaden wieder zu richten.

Der genauso schockierte wie genervte Toomes steckt jedoch etwas der Chitauri-Technologie ein, die er aushändigen muss, und beschließt, nun mit seiner Crew abseits des Pfads der Tugend zu agieren. Wenn Tony Stark Dinge zerstören und sich für ihre Wiedererrichtung bezahlen lassen kann, dann kann Toomes höher entwickelte Waffen stehlen, bearbeiten und verkaufen!

Jahre später gerät Toomes, nun auch als Vulture bekannt, mit Peter Parker (Tom Holland) aneinander: Der strebsame und schüchterne Schüler der Midtown School of Science and Technology will unbedingt ein Avenger werden, seit Tony Stark ihn rekrutierte, um ihm während eines Konflikts mit Captain America zu helfen (siehe The First Avenger: Civil War). Doch nachdem Peter Parker alias Spider-Man seinem Vorbild geholfen hat, hat er nichts mehr von ihm gehört, so dass er als „freundliche Spinne aus der Nachbarschaft“ kleine Verbrechen stoppt und kleinste Ärgernisse aus dem Weg schafft. Als ihm der Vulture auffällt, will er ihn aufhalten – obwohl er definitiv eine Kragenweite zu groß für ihn ist, wie auch Iron Man befindet …

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Darum geht es wirklich (?)

Kaum wurde der Titel von Spider-Man: Homecoming bekannt, fingen bereits die Spekulationen an – nicht wenige Fans bemerkten die Doppeldeutigkeit im Titel, verweist er doch nicht nur auf den in den USA typischen Homecoming-Schulball, sondern auch darauf, dass Marvel-Superheld Spider-Man nach seinen langen Jahren als Protagonist eines reinen Sony-Franchises zu Marvel „heimkehrt“. Denn Teil des Deals hinter Spider-Man: Homecoming war, dass Sony als Inhaber der Filmrechte an der Figur den Vertrieb und die Produktion übernimmt, doch die von Kevin Feige geleiteten Marvel Studios das kreative Sagen über den Filminhalt bekommen.

Dieser Metahumor zeigte sich dann auch im Film: Mehr als in allen anderen vorherigen Filmen des Marvel Cinematic Universe kokettiert der von Jon Watts inszenierte Teenie-Heldenspaß damit, dass die normale Bevölkerung des MCU so über die Avengers redet wie wir, das Publikum. Jugendliche fragen einander, welchen Avenger sie daten, verschmähen oder ...ihrwisstschon... würden. Normalsterbliche streiten über die innere Logik der Superheldenkräfte. Und sie spekulieren über die Implikationen der Existenz solch mächtiger Wesen.

Doch womöglich geht das Meta-Element noch tiefer: Habt ihr je darüber nachgedacht, dass Spider-Man: Homecoming eine Metapher darüber ist, wie Sony und Marvel mit der Figur Spider-Man umgegangen sind? Überlegt mal: Im Prolog geht es um einen Mann aus einer Pre-Avengers-Welt, der glaubt, im Schatten des Spektakels dieser Helden reich zu werden. Toomes symbolisiert Sony Pictures, das mit dem The Amazing Spider-Man-Franchise gehofft hat, in ähnliche Höhen emporzuschwingen wie die Marvel Studios parallel dazu mit dem MCU.

Anschließend sehen wir Spider-Man, der hofft, sich den Avengers anschließen zu dürfen, dem aber mehrmals gesagt wird, dass er das nicht darf – na, klingelt's? Weiter sehen wir Spider-Man, der versucht, immer größere Fälle zu übernehmen, bis er letztlich eine gespaltene Fähre zusammenzuhalten versucht – ganz allein. So, wie Spider-Man in Sonys Plänen ganz allein ein ganzes Filmfranchise stemmen sollte. Doch Spider-Man droht, zu scheitern – bis Iron Man (lies: Marvel Studios) zur Rettung kommt. Derweil schmiedet Toomes Pläne, auf eigene Faust Technologie auf Iron-Man-Level zu entwickeln und einzusetzen – so, wie Sony Pictures schon während der Spider-Man: Homecoming-Vorproduktion ankündigte, ein eigenes, nicht mit Marvel Studios verbundenes Franchise voller Spider-Man-Spin-offs zu entwickeln …

Das kommt euch zu abgehoben vor? Oder könnt ihr euch doch vorstellen, dass Spider-Man: Homecoming mit diesen Metakommentaren spielt? Klopft unsere These und eure Meinung dazu doch ab, wenn ihr den Film das nächste Mal schaut ... oder .... vielleicht ...

... einfach direkt heute um 20:15 Uhr SYFY einschalten! Wir wünschen viel Spaß!

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