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Star Trek: Alexander Siddig im Interview über The Sid City Social Club, DS9-Fans & seine Liebe zu Julian Bashir

Wir trafen Alexander Siddig, den beliebten Darsteller des Dr. Julian Bashir aus Star Trek: Deep Space Nine, zum Interview über die Fans seiner Serie und viele neue und spannende Projekte.

Siddig

Es ist eine gute … nein, eine großartige Zeit, um Star-Trek-Fan zu sein. Während in der Vergangenheit Jahrzehnte zwischen neuen Star-Trek-Serien vergingen, haben gegenwärtige Trekkies keine solchen Probleme: Allein 2020 sah den Start der neuen Serien Picard und Lower Decks zusätzlich zur dritten Staffel von Discovery. Doch obwohl 2020 bis zum Rand mit neuen Serien angefüllt war, gab es eine weitere, unerwartete Zugabe zum Star-Trek-Universum, die dazu verhalf, Hunderten von Fans während des COVID-bedingten Lockdowns Freude zu bringen: The Sid City Social Club.

Das geistige Kind des Deep-Space-Nine-Schauspielers Alexander Siddig (Dr. Julian Bashir), der Social Club, startete im April 2020 in Form eines zweiwöchentlichen Meetings als Möglichkeit für Siddig und seine Fans den Kontakt aufrechtzuerhalten, während man gleichzeitig sicher daheimbleiben konnte. Fans können sich unter SidCity.net registrieren, um mit dem Star-Trek-Schauspieler über DS9, das Kochen und Haustiere zu plaudern – alles, was sie interessiert.

Monate vergingen und die Popularität des Clubs wuchs – was als Experiment begonnen hatte (eins, über dessen Erfolg Siddig selbst unsicher war) entwickelte sich langsam zu einer festen Größe in der Star-Trek-Community und fand so viele interessierte Teilnehmer, dass die Meetings mittlerweile binnen Sekunden die maximale Kapazitätsgröße des Zoom-Links erreichen, über den man auf die Website gelangt. Der Erfolg des Social Clubs brachte Siddig dazu, eine Neuheit einzuführen – das Vorlesen von Fans geschriebener Drehbücher, was er allwöchentlich live für die Teilnehmer tut.

Ursprünglich sollte es nur Auftritte von Siddig und seinem mit ihm befreundeten DS9-Co-Star Andrew Robinson (der den Fan-Liebling Elim Garak spielte) geben, aber seither haben sich diese Auftritte so wie der Club selbst vom einmaligen Gastspiel zur vielteiligen Reihe entwickelt: So sind mittlerweile Armin Shimerman (Quark), Nana Visitor (Kira), Cirroc Lofton (Jake) und Terry Farrell (Jadzia) ebenfalls mit dabei. SYFY hat Alexander Siddig virtuell getroffen, um mit ihm über die Entwicklung des Clubs, das Vortragen des von Fans geschriebenen DS9-Stücks Alone Together sowie seine Liebe für den Charakter des Dr. Julian Bashir zu sprechen.

SYFY: Ich kann kaum glauben, dass Sie das Ganze schon seit April machen. Haben Sie erwartet, dass der Social Club für fast ein ganzes Jahr weiterlaufen würde?

A. Siddig: (lacht) Absolut nicht! Ich dachte, vielleicht machen wir das bis … naja, für ein paar weitere Meetings und, dass wir uns wirklich anstrengen müssen, damit die Leute wiederkommen, weil sie sagen wir gelangweilt wären. Und genau so war es nicht. Es begann als Unterhaltungsform und wurde eine Art Gruppenkuscheln.

SYFY: Warum, glauben Sie, kommen die Leute immer wieder? Wie Sie sagten, sorgten Sie sich, dass sie darum würden kämpfen müssen, aber jetzt drücken Leute die Daumen, auf die Liste zu kommen und jede Woche mit Ihnen sprechen zu können.

A. Siddig: Ich denke, das kommt daher, weil das eine wirklich nette Gruppe von Leuten ist. Wir kommen von überall her mit vielen unterschiedlichen Lebensstilen und Orten, wo sie wohnen – unterschiedliche Länder und Kontinente. Und es ist beruhigend festzustellen, dass jeder wirklich großartig ist, wissen Sie, wirklich freundlich und auch vertrauenswürdig. Und das kann man schwerlich mit 100 Leuten in dem Raum.

SYFY: Was nehmen Sie für sich persönlich dadurch mit, dass Sie den Club zweimal wöchentlich moderieren?

A. Siddig: Ich denke, ich bin auf eine verrückte Weise abhängig davon. Es gibt mir genauso viel zurück wie einigen anderen Leuten auch. Und ich denke, dadurch wird die Schranke durchbrochen. Ich denke nicht, dass ich noch ein »Star« für alle diese Leute bin, wissen Sie. Ich meine, sicher bin ich das, aber das tritt in den Hintergrund. Sie lernten mich auf diese Weise kennen, aber wie bei allen Freunden vergisst man das sehr schnell und wir sind lediglich Leute, die zusammen Zeit verbringen – und dass das so ist, ist wirklich cool.

SYFY: Also findet der Social Club statt. Es ist toll. Die Leute lieben es. Es ist großartig. Und ich sitze zuhause und denke mir etwas in der Art wie »Wow, ich bin so glücklich, dass diese Sache passiert.« Aber dann, auf dem Höhepunkt, kommt Alone Together. Wir können nicht nur jede Woche mit den Schauspielern reden, sondern können sie nun beim Vortragen sehen. Wie wurde Alone Together entwickelt? Woher kam die Idee? Hat es Sie gejuckt, wieder zu schauspielern?

A. Siddig: Nein, überhaupt nicht! Zu dieser Zeit war ich sehr angetan von diesen ganzen Leuten in Mailand, Italien. Sänger und Musikanten, die einfach auf ihre Balkone traten oder auf die Dächer stiegen, weil sie isoliert waren und dann kostenlos von ihren Balkonen aus sangen und musizierten. Und den Menschen machte das sehr viel Freude. Und ich dachte mir: »Nun, Schauspieler können das nicht wirklich machen. Aber wisst ihr, was wir tun können? Wir können etwas auf Zoom machen!« Der beste Freund meiner Frau seit Kindertagen ist ein riesiger Star-Trek-Fan, ich meine, er hat ein lexikalisches Verständnis vom ganzen Bereich. Und er sagte: »Ich schreibe etwas.« Und ich antwortete: »Toll, fang an!« Und er schrieb etwas. Und es erwies sich als wirklich, wirklich gut. Und dann wollte eine Gruppe anderer Leute auch schreiben, und was sie schrieben, erwies sich als wirklich, wirklich gut. Also machten wir viele verschiedene Sachen von mehreren Autoren.

SYFY: Sie waren in so vielen Produktionen zu sehen – Gotham, Game Of Thrones, Syriana, das haben Sie alles gemacht. Was ist es, das Sie bei Star Trek dazu bringt, immer wieder darauf zurückzukommen?

A. Siddig: Ich denke über Julian Bashir so: In Chaucers Die Erzählung des Ritters – Sie mögen es gelesen haben oder auch nicht und es spielt auch keine Rolle, ob Sie das jemals tun – gibt es ein Zitat. Darin geht es um einen der Anführer, der ein sehr vollendeter und edler Ritter ist. Und ich sehe Bashir als einen vollendeten edlen Ritter. Er ist der Ritter in der glänzenden Rüstung. Und wenn man ihn richtig kennenlernt, dann findet man ihn ein wenig vertrottelt und man entspannt sich in seiner Gegenwart und lacht. Aber er ist der Ritter, wissen Sie? Er ist derjenige, der hereinkommt und die Kavallerie ist. Und ich liebe diese Kombination aus einem wirklich einnehmenden Helden, der trotzdem auch zu Fehlern neigt; in der gleichen Weise, wie das auch Ihre Freunde tun, die Sie trotz ihrer manchmal irritierenden Fehlerhaftigkeit lieben. Und ich liebe seine Menschlichkeit. Er ist mein Superheld.

SYFY: Wie kamen die anderen Star-Trek-Schauspieler mit dazu? Wir wissen ja, dass Sie vorher schon Projekte mit Andrew Robinson zusammen hatten und mit ihm zusammen Stücke schrieben, die Sie auf Conventions aufgeführt haben, aber ich glaube, es ist eine ganz andere Hausnummer, ein halbes Dutzend der Originalschauspieler zurückzubringen.

A. Siddig: Nun, das war wirklich ich, der den Telefonhörer abgenommen und »Komm und schaut euch das an!« gesagt hat. Andy (Robinson) und ich machten die ersten paar zusammen, dann kam Cirroc (Lofton) dazu. Und es war hauptsächlich Matthew, der immer inspirierter beim Schreiben wurde. Und Armin (Shimerman) sagte »Ich komme!«, und es gefiel ihm gut. Wenn man Armin einmal hat, bekommt man auch Nana (Visitor), und wenn man Nana hat, bekommt man auch Terry (Farrell), und damit waren alle mit an Bord.

SYFY: DS9 wird dieses Jahr 28 Jahre alt, und die Fanszene ist immer noch sehr lebendig und frisch. Vor ein paar Jahren gab es die Dokumentation (What We Left Behind), jetzt gibt es den Social Club, und dann haben Sie diese neuen Stücke. Was, glauben Sie, hat DS9 während all dieser Jahre am Leben erhalten?

A. Siddig: Die Fanbase. Das ist eine verrückte Truppe und sie lieben es, den Kontakt zueinander zu halten. Sie sind einander sehr zugetan und eine sehr zugängliche Gruppe. Sie wären überrascht, wie viele Leute uns gefunden haben, die sich verloren fühlen, was dadurch aufhört – das ist sehr ermutigend. Ich meine, Leute, die sowas wie Außenseiter sind, sich selbst nicht als Teil der Masse sehen, die sich selbst nicht als Mittelpunkt jeder Party betrachten – alles das beschreibt die DS9-Fans aber nicht wirklich. Ich sage, wir haben unsere lebende Seele. Aber sie sind gewissermaßen eingesperrt. (lacht). Und sie waren nicht wirklich lebende Seelen, solange sie eingesperrt blieben. Wir haben eine Menge Gender-übergreifende Personen, wissen Sie, nichtbinäre Menschen und auch neurodivergente Personen (was unter anderem Autismus einschließt, Anm. d. Übersetzers). Ich denke, dass diese Bindungen, geschlossen von Menschen, die eigentlich Probleme damit haben stärker als alles andere sind. Also hielten sie für Jahrzehnte. Ich sehe Gesichter im Social Club, die ich schon seit fast 30 Jahren sehe.

SYFY: Bevor ich Sie wieder freilasse … wir haben Charaktere aus The Next Generation und Voyager in Picard auftauchen sehen. Wenn man Sie fragen würde, würden Sie auch in Picard zurückkommen? Würden Sie Bashir gern wiedersehen?

A. Siddig: Wenn sie den Fakt respektieren würden, dass ich Bashir für meinen höchst vollendet edlen Ritter halte, würde ich mich glücklich schätzen, das zu tun. Wenn sie aber meine Sichtweise auf ihn verderben, hätten sie allerdings alle Arten von Problemen.

SYFY: Wo würden Sie den Charakter gern sehen? Wenn Sie die volle Kontrolle über Bashirs Handlungsstrang hätten, wohin würden Sie dann gehen?

A. Siddig: Ich weiß es nicht. Ich liebe es, nicht die Kontrolle zu haben. Auf diese Weise kann ich wirklich begeistert über das sein, womit andere Autoren herauskommen können. Meine Ideen sind ausnahmslos die schlechtesten, da können Sie meine Ehefrauen fragen (lacht). Aber wenn ich andere Menschen treffe und mir ihre Ideen anhöre, setzt das etwas in Gang und ich bin gespannt darauf zu sehen, welche guten Ideen jemand anderes haben kann. Ich habe das Gefühl, dass dieser Jemand zu irgendeiner Zeit auftauchen wird.

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Dieser Artikel wurde von Thorsten Walch von Moin Moin Medien im Auftrag von SYFY.de übersetzt.

Der Originalartikel stammt von SYFY.com und wurde von Lauren Coates geschrieben.