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Star Trek auf SYFY: Vier Tage voller Trash & Höhepunkte

In den kommenden Tagen laufen auf SYFY verschiedene Beispiele für Episoden aus dem Trek-Universum, die entweder besonders herausragend oder grauenvoll schlecht sind. Unser Björn Sülter hat einige Beispiele für euch herausgesucht. Lust auf ein wenig Star Trek?

Präsentiert von: Björn Sülter


Jeder Trekkie weiß: In den verschiedenen Serien aus dem Trek-Franchise gibt es nicht nur unvergessene Höhepunkte, sondern auch inhaltliche Fehlschläge und Fremdschäm-Momente. Damit ist das Franchise allerdings weder allein, noch ist es ein Grund zur Sorge. Eine breite qualitative Streuung gehört immer dazu, wenn etwas so groß wird wie Star Trek und ist bei fast 750 TV-Episoden auch schlichtweg normal.

Spannenderweise laufen jedoch einige gute Beispiele für diesen Gegensatz in den nächsten Tagen im Programm von SYFY. Folgt uns auf einer Reise durch tiefste Abgründe und auf höchste Gipfel.

Geschenkt ist noch zu teuer

Schwer gezeichnet von einer Auseinandersetzung mit den Romulanern sucht die Crew der NX-01 zu Beginn der zweiten Staffel von Star Trek: Enterprise nach einer Lösung und findet wie von Geisterhand eine Art vollautomatische Raumschiff-Werkstatt. Das Ganze wirkt eigentlich zu schön um wahr zu sein. Und wirklich: Zumindest über den Preis hätte man vielleicht im Vorfeld sprechen sollen ...

Star Trek: Enterprise hatte zu Beginn der zweiten Staffel durchaus einen Lauf. Der erste Hammer des noch jungen Jahres war jedoch in jeder Hinsicht –ein Stück pure SF, das durch Story, Originalität, greifbare Charaktere, geschliffene Dialoge und eine überzeugende Optik glänzte. So machte Star Trek auch nach über vierzig Jahren noch Spaß, so konnte das alterwürdige Franchise noch überraschen.

Die mysteriöse Station wirkte insbesondere am Ende der Episode fast ein wenig wie aus einem Akte-X-Abenteuer entliehen. Atmosphärisch dicht inszeniert erfand man hier etwas wirklich Neues und Spannendes und sorgte für Gänsehaut. Gut war auch, dass am Ende nicht alles aufgeklärt wurde.

„You're not putting anymore of those things inside my leg. You still didn't find the last one.“ (Reed) - „He will come out on his own ... eventually.“ (Phlox)

Am Sonntag um 11.15 Uhr läuft auf SYFY aus der Serie Star Trek: Enterprise die Episode Todesstation (Dead Stop).

Khaaaaaaaaaaaaaan!

Der erste Auftritt des Khan: Die USS Enterprise fängt einen Notruf ab und entdeckt dabei ein Erdenschiff aus dem 20. Jahrhundert. Wie sich herausstellt, handelt es sich bei den Passagieren um eine Gruppe Supermenschen unter der Führung des Diktators Khan Noonien Singh. Kurz nach dieser Erkenntnis beginnen diese leider, die Enterprise zu übernehmen… ...

Star Trek

Ricardo Montalban bleibt vielen Fans unvergessen in der Rolle eines der besten und charismatischsten Antagonisten der Trek- und Seriengeschichte: Khan! Dass man ihn in Star Trek II: Der Zorn des Khan (Star Trek II: The Wrath of Khan) zurückbrachte und somit sogar noch einen draufsetzte, war eine Glanzleistung. Dass er für die Rebootfilme dann neu besetzt (Benedict Cumberbatch) und in ein fast schon dreistes Plagiat des zweiten Originalfilms verpflanzt wurde, jedoch weniger.

Sein erster Auftritt im Rahmen der Serie war durchaus spannend und amüsant, lebte jedoch primär von der Präsenz des Mimen und seinem sich anbahnenden Kleinkrieg mit Kirk. Ein historischer Moment der Trek-Seriengeschichte!

„It would be interesting, captain, to return to that world in a hundred years and to learn what crop has sprung from the seed you planted today.“ (Spock)

In der Nacht von Sonntag auf Montag um 2.40 Uhr läuft auf SYFY aus der Serie Star Trek die Episode Der schlafende Tiger (Space Seed).

Ein Hund, lange Fußnägel & viel Gel

Ihr findet, die Überschrift klingt lustig? Mit der richtigen Portion Humor mag das auch auf diese Episode zutreffen: Archers Hund Porthos infiziert sich mit einem Virus. Als sich sein Zustand drastisch verschlechtert, verbringt der Captain die Nacht bei ihm und Dr. Phlox in der Krankenstation…. Mit unerwarteten Folgen für alle Beteiligten ...

Wie kann man eine Episode bewerten, in der der Captain jeden Freudschen Versprecher mitnimmt und von Brüsten und Lippen fabuliert, in der sich die Crew gegenseitig in Unterwäsche eincremt oder in der eine Trauerfeier für einen Hund abgehalten wird, bei der es eigentlich um erotischen Subtext geht? Rick Berman und Brannon Braga lieferten hier viel zu früh in der zweiten Staffel eine Art Bankrotterklärung und eine Episode, die man in der dreizehnten Staffel einer dahinsiechenden Serie vielleicht bringen kann, nicht aber auf der Jagd nach Zuschauern zu Beginn einer Show. Sie zelebrierten zudem noch die Hinrichtung ihres Hauptcharakters Captain Jonathan Archer unter Zuhilfenahme von pubertärem Humor, Albernheiten und schlimmen Dialogen.

Einzige Chance: Humor auf höchste Stufe drehen und eine gewisse Gleichgültigkeit entwickeln. Dann ist die Episode unter Umständen zwar immer noch ein Ritt auf der Rasierklinge, funktioniert aber gegebenenfalls sogar. Man kann ihr zugutehalten: Sie nimmt keine Rücksicht auf sich selbst und lässt für eine Dreiviertelstunde jeden Ernst außer Acht. Das kann man sicher mutig, provokativ und spannend finden! Tipp: Anschauen, selbst entscheiden.

„I'm doing the breast ... the best, I can.“ (Archer)

Am Montag um 13.10 Uhr läuft auf SYFY aus der Serie Star Trek: Enterprise die Episode Eine Nacht Krankenstation (A Night in Sickbay).

Lost in the Dark

Es wird persönlich: Hoshi Sato muss das erste Mal den Transporter benutzen und stellt sonderbare Veränderungen an sich fest: Mannschaftsmitglieder ignorieren sie plötzlich und ihr Körper scheint sich aufzulösen …

Trotz des definitiv hohen Recycling-Faktors bekannter Ideen aus Star Trek selbst (TNG: The Next Phase/So nah und doch so fern) und darüber hinaus (Ghost – Nachricht von Sam) zeichnet die Episode sensibel das Bild einer jungen und noch nicht gefestigten Persönlichkeit, die an den komplexen Anforderungen ihres Jobs und der ungewohnten Situation zu zerbrechen droht. Ihre Ängste, für die in dieser durch Professionalität geprägten Welt nur wenig Platz ist, kehren sich nach innen und dominieren ihre Gefühlswelt. Ein Prozess der Reife, des Erwachsenwerdens, aber auch des Wachsens an sich und den Aufgaben.

Dazu spielt Linda Park sehr überzeugend und emotional und verleiht ihrer Figur viel willkommene Tiefe.

„You go first. If you get back to Enterprise in one piece, I'll be right behind you.“ (Sato)

Am Dienstag um 14.40 Uhr läuft auf SYFY aus der Serie Star Trek: Enterprise die Episode Vermisst (Vanishing Point).

Die Liebe seines Lebens

Eines der größten Highlights des Trek-Franchise: Auf einem verlassenen Planeten findet die Crew um Captain Kirl ein Zeitportal, das die Möglichkeit bietet, in verschiedene Epochen zu reisen. Durch einen Unfall dreht McCoy jedoch durch und gerät in die Vergangenheit, was sofort zu einer Auslöschung der Zeitlinie führt. Kirk und Spock müssen ihrem Freund und Kollegen folgen, um alles wieder in Ordnung zu bringen… ...

Star Trek

Die gesamte Episode ist ein einziger Homerun und präsentiert uns ein wunderbares SF-Konzept, eingebettet in eine relevante, zeithistorisch interessante Geschichte, gespielt von starken Darstellern in glaubwürdigen Rollen. Die Serie war nie besser, nie dichter inszeniert, nie aussagekräftiger und nie emotional berührender.

Mit Joan Collins fand man zudem eine Darstellerin, die es auch hier in diesem frühen Stadium ihrer Karriere schon mit den charismatischen Recken von der Enterprise aufnehmen konnte und für gelebte Träume stand.

Für mich bis zum heutigen Tag die beste Episode der Classic-Serie und ganz bestimmt auch eine der TOP-10-Episoden aus allen Trek-Inkarnationen. Ein rarer TV-Moment, den man sich gerne immer wieder anschauen kann!

„One day soon, man is going to be able to harness incredible energies – maybe even the atom; energies that could ultimately hurl us to other worlds in some sort of spaceship. And the men that reach out into space will be able to find ways to feed the hungry millions of the world and to cure their diseases. They will be able to find a way to give each man hope and a common future... and those are the days worth living for.“ (Keeler)

Am Dienstag um 22.30 Uhr läuft auf SYFY aus der Serie Star Trek die Episode Griff in die Geschichte (The City on the Edge of Forever).

Sex, Matsch & coole Sprüche

Eine Mission wie aus dem Story-Baukasten: Die Crew trifft auf zwei generische Außerirdische, die eine junge Frau im Kälteschlaf transportieren. Während Trip bei Reparaturen hilft, erwacht diese jedoch und erklärt ihm, dass sie in Wirklichkeit eine Gefangene ist ...

Retortenhandlung, Sparwitze, Anzüglichkeiten und Studiomorast. Dass sich die Autoren Anfang des Jahrtausend noch getraut haben, in einer zweiten Staffel ihrer neuen Vorzeigeserie derart viele Klischees aus so vielen Serien und Filmen zusammenzuklauen und zum zigsten Mal aufzuwärmen, ist schlicht eine Frechheit. Hier wurde die Qualität der eigenen Serie auf ein Niveau tiefergelegt, das niemand ertragen konnte.

Kein Wunder dieser Welt oder des Universums hätte diesem Totalausfall auch nur einen Funken Hirn einhauchen können. Nimmt man alles wie immer nicht allzu ernst, ist aber vielleicht sogar ein Schmunzeln über das unbeholfene Treiben drin. 

„Trip? Is this a bad time?“ (Archer)

Am Mittwoch um 13.10 Uhr läuft auf SYFY aus der Serie Star Trek: Enterprise die Episode Kostbare Fracht (Precious Cargo).

Mann trägt Bart

Spieglein, Spieglein ... Aufgrund eines Transporterunfalls werden Kirk, Scotty, McCoy und Uhura mit Gegenstücken aus einem brutalen, parallelen Universums ausgetauscht. Unter Einsatz ihrer Leben müssen sie das gefährliche Spiel mitspielen und einen Weg finden, auf ihre Enterprise zurückzukehren… ...

Star Trek

Die Episode ist bis heute ein unangefochtener Fanliebling. Ob es an der Andersartigkeit der Charaktere liegt, die ihre bekannt-beliebten Rollen gegen den Strich bürsten oder am Humor, den diese Situation erzeugt, ist letztlich zweitrangig. Der erste Ausflug in das Paralleluniversum ist sicher franchiseübergreifend nicht der beste, macht aber auch heute noch eine Menge Spaß!

„I do not threaten, Captain. I merely state facts.“ (Mirror-Spock)

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag um 0.15 Uhr läuft auf SYFY aus der Serie Star Trek die Episode Ein Parallel-Universum (Mirror, Mirror).

 

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Autor, Journalist & SYFY-Experte Björn Sülter nimmt euch mit auf eine Zeitreise durch über 50 Jahre, erzählt die Geschichten hinter den Kulissen und beleuchtet Stärken, Schwächen und Dramen aller Serien und Filme seit 1966! Angefangen mit den Abenteuern des Captain Kirk über Picard, Sisko, Janeway und Archer hat sich Star Trek seit damals eine treue und engagierte Fanbase erarbeitet. Die erfolgreichen Reboot-Kinofilme des J. J. Abrams sorgen seit 2009 für ebenso viel Diskussionsstoff wie die jüngst gestartete Fernsehserie Star Trek: Discovery. So zeigt sich das Franchise somit immer noch topfit und durchlebt aktuell einen weiteren Frühling. Die Entstehung und der Verlauf jeder Serie und jedes Films wird dabei eingehend beleuchtet. Ein ausführlicher Teil befasst sich zudem mit den neuen Kinofilmen und Star Trek: Discovery.

Das Buch ist bei Amazon und vielen anderen Händlern erhältlich.

Über den Autor & Gastgeber von Planet Trek fm:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider. Neben seinem Sachbuch "Es lebe Star Trek" ist im Oktober der Auftakt seiner Jugendbuchreihe "Ein Fall für die Patchwork Kids" erschienen. Im Dezember startete mit "Beyond Berlin" seine erste eigene Science-Fiction-Reihe.

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.


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