News | 7 Monate

Star Trek: Brent Spiner über Bösewichte & Rebootgedanken

Der beliebte Data-Darsteller Brent Spiner spricht über seine Bösewichte in Star Trek sowie die Frage nach einem Reboot der Next Generation.

Spiner

Seit Jahrzehnten ist Brent Spiner eine feste Größe im Star-Trek-Universum, schloss er sich als Lt.-Cmdr. Data doch bei Sternzeit 41000 der Crew der Enterprise-D an (im Erdenjahr 2364 ... oder 1987, sofern wir uns an der Premiere von Star Trek: Das nächste Jahrhundert in unserer Realität orientieren möchte).

Wir hatten kürzlich die Chance, mit ihm über die bevorstehende Veröffentlichung seines Buches Fan Fiction: A Mem-Noir: Inspired by True Events zu sprechen. Während des Interviews verriet er uns witzige Details zu Star Trek und angrenzenden Themen, etwa zur Space Force des US-Militärs oder wie er über Picards Positronenkörper aus Star Trek: Picard denkt. Was hält er von einem TNG-Reboot? Und welchen Trek-Charakter verkörpert er eigentlich am liebsten (abgesehen von Data, natürlich)?

Neben Data hat Spiner schon fünf weitere Figuren im Trek-Universum verkörpert, von den verschiedenen Versionen des Androiden, beispielsweise in Für eine Handvoll Datas, ganz zu schweigen. Diese Vielfalt genießt der Schauspieler sehr.

„Es ist ein zweischneidiges Schwert, mit einer Rolle so fest verbunden zu werden“, erklärt er uns. „Aber zum Glück ist die Figur, mit der man mich identifiziert, wirklich facettenreich. Ich mochte es beispielsweise sehr, als Data auch Sherlock Holmes zu geben (in den TNG-Episoden Sherlock Data Holmes und Das Schiff in der Flasche). Im Laufe der Jahre kamen wir auf die tollsten Ideen, und zahlreiche Kreaturen und Persönlichkeiten ergriffen von mir Besitz. Als Schauspieler ist es ein wahrgewordener Traum, das spielen zu dürfen. Für mich sind das alles Aspekte derselben Rolle, desselben Charakters. Wobei die Soongs natürlich Menschen waren.“

Raumschiff Enterprise Naechste Jahrhundert05 126gefahr Aus Dem 19jahrhdt1001

Doch obwohl Spiner diese Vielfalt reizte, gab es eine bestimmte Trek-Rolle, die ihn besonders begeistern konnte. „Ich mochte Lore stets gern“, scherzt er bei der Erinnerung an Datas sinisteren Androidenbruder, „denn Lore ist mir ähnlicher als alle anderen Figuren, die ich je verkörpert habe. Ich selbst bin ja auch böse. Von daher passte der mir wie angegossen! Aber Scherz beiseite: Ich spielte ihn gerne. Die Figur war perfekt für mich.“

Es war übrigens nie geplant, dass Spiner so viele Charaktere übernimmt, erst recht nicht die Rolle des Dr. Noonian Soong. Diese Idee stammte von ihm selbst, denn er wusste zu der Zeit nicht, dass mit Keye Luke bereits ein anderer Schauspieler verpflichtet worden war. „Ich fand das einfach logisch“, erklärt er. „Soong hat diese Wesen nach seinem eigenen Abbild erschaffen. Ich war gewissermaßen eine Art Gott.“

Als er von Luke hörte, nahm Spiner den Vorschlag zurück, doch die Produzenten hatten Gefallen an der Idee gefunden. „Ich bekam es mit der Angst zu tun“, gesteht Spiner. „Wie sollte ich so etwas spielen? Soong war doch ein alter Mann. Ich wusste wirklich nicht, was ich machen soll.“

Zu Spiners Glück kam ihm Michael Westmore, der Makeup-Experte der Serie, zu Hilfe. „Etwa einen Tag vor Drehbeginn hatte Michael Westmore – übrigens einer der besten Makeup-Künstler aller Zeiten – plötzlich dieses Gesicht für Dr. Soong. ‚Lass es mich dir mal anlegen‘, sagte er zu mir. ‚Dann wissen wir, dass morgen alles sitzt.‘ Als er fertig war und ich mich im Spiegel betrachtete, wusste ich endlich, wie ich die Rolle spielen musste. Ich schulde Michael viel, denn in Soong stecken wir beide gleichermaßen.“

Raumschiff Enterprise Naechste Jahrhundert03ep174 0245i

Danach spielte Spiner noch zwei weitere Soongs: Arik Soong (Noonians Urgroßvater) in Enterprise und Altan Inigo Soong (Noonians Sohn) in der ersten Staffel von Picard. Von Altan stammt der positronische Körper, der in Picard gewissermaßen zu Jean-Lucs neuem Zuhause wird.

Hat Spiner einen Ratschlag für seinen Kollegen Patrick Stewart? Immerhin spielt Stewart dank der Ereignisse in Picard nun ebenfalls eine positronische Figur.

Der Schauspieler lacht, als er vorschlägt, Stewart müsse in Zukunft klüger auftreten. Picard habe nun vielleicht Fähigkeiten, zu denen sein ursprüngliches organisches Gehirn nicht in der Lage gewesen war.

„Wie die aussehen sollen, weiß ich aber selbst nicht“, gesteht er. „Ist nur der Körper positronisch, und das Gehirn bleibt wie es war? Hat er jetzt besondere Talente, Superkräfte und dergleichen? Keine Ahnung, aber es würde mich wundern. Ich glaube, er konnte auf diese Weise einfach überleben.“ Er schmunzelt. „Oder er kann jetzt fliegen. Wer weiß?“

Spiners Spekulationen über die Zukunft von Star Trek machen auch vor der Kinoleinwand nicht Halt. „Ich mochte die jüngsten Filme“, sagt er. „Früher oder später wird auch jemand einen Film-Reboot der Next Generation versuchen und irgendwelche jungen Leute in unseren Rollen besetzen.“

Missfällt ihm der Gedanke eines anderen Datas? „Ja, na klar“, scherzt er und wird wieder ernst. „Nein, das fände ich sogar spannend. Es wäre doch cool, wenn unsere Show so weitergehen könnte.“

Star Treks Einfluss auf unsere Welt übersteigt Leinwand und Mattscheibe. Die Fans wissen das schon seit der Erstausstrahlung der klassischen Episoden … doch hin und wieder reagieren auch sie überrascht. Nehmen wir zum Beispiel das Logo der Space Force, einer neuen US-Militäreinheit. „Sieht das nicht aus wie der Kommunikator?“, fragt Spiner und stimmt in den Chor der vielen Fans auf Twitter ein, die ähnliche Vergleiche anstellen.

Von etwaigen Urheberrechtsfragen abgesehen, hält Spiner eine Space Force zumindest für nützlich – nicht zur Abwehr außerirdischer Bedrohungen, sondern für die Suche nach neuen Lebensräumen der Menschheit. „Es wäre doch nicht schlecht, wenn diese Space Force das All erforscht und uns neue Welten erschließt“, findet er. „Und ich wette, das erste große Schiff, das sie auf die Reise schicken, heißt Enterprise.“

Brent Spiners neues Buch Fan Fiction: A Mem-Noir: Inspired by True Events erscheint in den USA am 5. Oktober 2021.

*

Dieser Artikel wurde von Christian Humberg von Moin Moin Medien im Auftrag von SYFY.de übersetzt.

Der Originalartikel stammt von SYFY.com und wurde von Vanessa Armstrong geschrieben.