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Star Trek, deine Musik - Teil 5: Wer experimentiert denn da?

Die verschiedenen Titelmelodien und Soundtracks aus dem Star-Trek-Universum werden von Fans gerne und oft gesummt oder diskutiert. Im fünften Teil unserer musikalischen Reihe geht es um die Melodien zu den letzten drei klassischen Kinoabenteuern der Kirk-Ära. Mit dabei: Ein Veteran und doppelt frisches Blut.

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von Björn Sülter

Nicht nur bei James-Bond-Filmen gehört der Vorspann sowie ein passender Soundtrack für viele Fans mit zum Gesamterlebnis dazu. Auch bei jeder neuen Star-Trek-Serie und jedem Kinofilm wurde schon immer ganz genau hingeschaut und hingehört. Nachdem wir uns zum Auftakt mit der Kontroverse rund um den Vorpann von Star Trek: Enterprise beschäftigt haben, ging es danach um die Originalserie und die weiteren klassischen Trek-Serien von TNG über DS9 bis Voyager sowie um die ersten drei klassischen Kinofilme der Kirk-Ära.

Heute machen wir mit den letzten drei Abenteuern der Ur-Besatzung weiter.

Den Artikel zu Star Trek: Enterprise findet ihr hier.

Den Artikel zur Originalserie Star Trek findet ihr hier.

Den Artikel zu TNG, DS9 und Voyager findet ihr hier.

Den Artikel zu den ersten drei Kinofilmen findet ihr hier.

Der doppelte LEonard

Leonard Nimoy hatte bereits beim dritten Kinofilm Regie geführt und geplant, seinen Freund Leonard Rosenman als Komponisten an Bord zu holen. Damals scheiterte er jedoch am sanften Veto von Harve Bennett, der James Horner noch einmal dabei haben wollte. Als nun jedoch Horner eine Beteiligung am vierten Teil ausschloß, schlug die Stunde für die Kooperation der beiden Leonards.

Rosenman hatte beispielsweise die Musik für Die phantastische Reise oder die 1978er-Verfilmung von Der Herr der Ringe geschrieben. Im Serienbereich war er für Formate wie Falcon Crest, Quincy und Twilight Zone aktiv gewesen. Er war insgesamt viermal für den Oscar nominiert und gewann die begehrte Goldstatue zweimal (Barry Lyndon, Dieses Land ist mein Land). Hinzu gesellten sich zwei Emmys. Dennoch galt Rosenman im Vergleich zu den beiden Kollegen immer als Exot der Szene.

Der Film begann mit einem von Kirk kommentierten Rückblick auf die vergangenen Abenteuer und enthielt dann noch eine Würdigung der Challenger-Crew. Nach diesen knapp vier Minuten Vorlauf begann dann die Filmmusik mit der bekannten Fanfare des Alexander Courage. Allerdings hatte Rosenman sich für den Rest der Introsequenz etwas gänzlich Eigentständiges überlegt. Das sogenannte Kirk-Thema geriet dabei mit seinen ausufernden Trompeten geradezu feierlich.

Doch beherrschte der Komponist auch die ruhigen Töne und das Mystische (wie in seiner Whale Fugue) sowie das Untermalen von Action-Parts, wie in seinem bombastischen Finale (Crash/Whale Fugue). Zum Ende, als die Crew die Enterprise-A zu Gesicht bekam, griff Rosenman dann sogar wieder auf den Kollegen Courage zurück und machte damit alles richtig.

Sein Score wurde für einen Oscar nominiert, gewann ihn aber letztlich nicht. Leonard Rosenman starb im Alter von 83 Jahren im Jahr 2008.

Die vollständige Anfangssequenz samt Credits kann man beispielsweise bei Youtube finden.

Infos

  • Komposition: Leonard Rosenman
  • Aufnahmejahr: 1986
  • Der Song der Bus-Szene (Stichwort: Punk) war I Hate You von und mit Kirk Thatcher.

Das Urteil

Leonard Rosenman komponierte einen der ungewöhnlichsten Scores der Trek-Geschichte und einen, der in der Rückschau einen typischen 80er-Jahre-Comedy-Score darstellte. Das stieß einigen Fans insbesondere deswegen auf, weil sie sich einen auch musikalisch homogenen Dreiteiler aus zweitem, dritten und viertem Film gewünscht hätten. Dazu konnte es bei den Unterschieden zwischen Rosenman und Horner aber nicht kommen. Ersterer ging von Beginn an seinen eigenen Weg und blickte wie ein Außenseiter auf das Franchise, ohne allzu große Anleihen bei den Kollegen zu nehmen. Diese gab es dann eher an an seine eigene Arbeit für Der Herr der Ringe (genauer an den Frodo March), fielen jedoch nicht weiter ins Gewicht. Sein Score geriet vom Start weg dynamisch, positiv, fröhlich und trug gut durch die sympathische Handlung des Films. Einen wirklichen Ohrwurmcharakter besaß allerdings keines der Stücke.

Doch insbesondere seine verschiedenen Ideen zur Untermalung der Szenen auf der Erde wussten zu gefallen. Man denke hier beispielsweise an die Flucht von Chekov (mit Anleihen an die Manfred-Sinfonie von Tschaikowsky) oder die turbulenten Szenen im Krankenhaus, mit denen Rosenman musikalisch an Charlie Chaplin erinnerte.

Seine Leistung lag in der Summe weniger darin, einen zeitüberdauernden Score mit hohem Wiedererkennungswert zu komponieren, sondern eher darin, die Handlung auf nicht ganz vorhersehbare Weise perfekt zu unterstützen.

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Goldsmith veredelt

Wenn es um den fünften Kinofilm geht, sprechen viele zuerst über William Shatner, der nach zwei Abenteuern unter der Regie seines Kollegen Nimoy damals selbst das Ruder übernehmen durfte und in der Wahrnehmung einer (zumindest wortgewaltigen) Mehrheit offenbar versagte. Man mag dem guten Mann in dieser Position durchaus die eine oder andere Fehlentscheidung unterstellen, Jerry Goldsmith für die Musik zu verpflichten war aber selbstverständlich keine.

Doch begann das fertige Werk ohnehin zunächst für Star Trek ungewöhnlich. Shatner startete (wie er es aus dem TV kannte) mit einem Cold Open und stieg direkt in die Handlung ein. Erst nach der Szene um Sybok folgte die eigentliche Introsequenz mit der Titelmusik. Diese rund fünf Minuten gingen mit der beliebten Courage-Fanfare in ein Stück über, das für die Ohren einiger Fans sicher verdächtig nach etwas anderen klang. Dennoch: Diese Musik "gehört" eigentlich Star Trek I (und war dort als Motion Picture March bekannt) und nicht der Serie Star Trek: The Next Generation.

Die schmissige Musik leitete den Film dynamisch und optimistisch ein und stellte einen schönen Kontrast zur Wüstensequenz zuvor dar. Und sie war vor allem eines: kurz! Denn schon nach etwas mehr als einer Minute begann die Haupthandlung mit samt eines neuen Musikstückes, das wunderbar die Atmosphäre im Yosemite Nationalpark und die Kameradschaft von Kirk, Spock und McCoy einfing. Goldsmith sorgte hier direkt für Gänsehaut und das so typische Flair seiner Arbeit. Wunderbar!

Während sein Oscar-nominiertes Wirken am ersten Trek-Kinofilm episch und tragend angelegt war, durfte er hier zwischen Action und emotionalen Szenen wechseln. Neben dem Motion Picture March brachte Goldsmith auch eine Neubearbeitung des klingonischen Themas aus dem ersten Film zurück, das sowohl in actionreichen wie auch in ruhigeren Momenten zum Tragen kam und nie so eindringlich umgesetzt wurde wie in diesem Film.

Seine größte Herausforderung waren allerdings nach eigenem Bekunden die Szenen mit dem vermeintlichen Gott, die er mit dem durch den Film laufenden Sybok-Thema sowie verschiedenen düsteren Parts und schließlich einem wilden und adrenalingeladenen Action-Stück verband, das die Flucht von Kirk und Co sowie die Zerstörung des Wesens untermalte.

Goldsmiths (teils überbordende) Synthesizer-Phase war zu diesem Zeitpunkt übrigens weitestgenend überwunden und so präsentierte sich dieser Score als gesunder Mix aus elektronischen Klängen und Orcherster.

Die ersten elf Minuten des Films mit dem kompletten Intro kann man beispielsweise bei Youtube finden.

Infos

  • Komposition: Jerry Goldsmitth
  • Aufnahmejahr: 1989

Das Urteil

Einfach schön! Der fünfte Film mag vielen keine Sternstunde sein, ist aber nicht nur wegen des wunderbaren Score des Jerry Goldsmith besser als sein Ruf. Viele Szenen leben das Motto von Familie, Freundchaft und Besinnung auf Werte und die Menschlichkeit und die Musik unterstreicht diese Motive an allen Ecken auf virtuose Weise.

Goldsmith war sicher vorher und später oft besser, bei der Fülle an starken Scores in seiner Vita ist dieses Statement aber mit Vorsicht zu genießen: Die Musik zu Star Trek V ist (wie übrigens auch der Film an sich) unterschätzt.

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Musikalische Urgewalt

Kommen wir zum Ende der Kirk-Kino-Ära und somit auch zu einer weiteren Kontroverse. Vielen Fans gilt der sechste Streifen als einer der besten der Reihe, andere lehnen bis heute die von Regisseur Nicholas Meyer vorgenommenen Freiheiten in Bezug auf den Kanon rundheraus ab.

Auch in Sachen Musik ging der kreative Kopf neue Wege, da er ein weiteres Mal ein frisches Gesicht präsentierte, um seinen Film zu untermalen: Cliff Eidelman. Dieser war zum Zeitpunkt seiner Arbeit an Star Trek VI gerade 26 Jahre jung und hatte nur eine Handvoll Filmprojekte vorzuweisen, die hierzulande wenig bekannt sind. Dennoch fischte Meyer ihn aus einem Sammelsurium aus Demotapes heraus und engagierte den auftrebenden Komponisten. Was dieser dann als Stempel im Trek-Franchise hinterließ, konnte man wahrlich als sensationell bezeichnen.

Dank der frühzeitigen Planung Meyers erhielt Eidelman auch ungewöhnlich viel Zeit, seine Arbeit anzugehen. Er durfte im Vorfeld dem Bau der Sets beiwohnen und konnte schon in der frühen Produktionsphase Demos erstellen, die auch die Entscheider bei Paramount überzeugten, das Risiko mit einem relativ unbekannten Nachwuchskomponisten einzugehen.

Meyer wollte nicht mit den bombastischen Introsequenzen der Vorgänger in Wettbewerb treten. Auch waren er und Eidelman einer Meinung darüber, dass diesem Film ein viel düstereres Thema innewohnte, das man direkt zu Beginn musikalisch einleiten wollte. Als Inspiration hielt dabei Stravinskys Der Feuervogel her.

Durch den Einsatz von Percussion, Drums, Chorgesang und nur wenigen westlichen Instrumenten erreichte Eidelman eine Eigenständigkeit und Fremdartigkeit, die sogar seine Kollegen in ihrem zukünftigen Wirken inspirierte, wie Jerry Goldsmith einmal zugab.

Die vollständige Introsequenz kann man beispielsweise bei Youtube finden.

Infos

  • Komposition: Cliff Eidelman
  • Aufnahmejahr: 1991

Das Urteil

Star Trek VI ist nicht nur ein wunderbarer Star-Trek-Film und funktioniert sogar abseits des Franchise als gelungene Metapher auf den Kalten Krieg, der Score von Cliff Eidelman gehört auch bis heute zum Besten, was die Reihe und auch das Science-Fiction-Genre zu bieten hat. Neben dem atmosphärisch dichten Beginn stechen insbesondere die Untermalung der Szenen auf Rura Penthe sowie die finalen Kampfszenen heraus, bei denen Eidelman dezent startete, um sich dann immer weiter zu steigern.

Der Soundtrack zum letzten Kinofilm der klassischen Besatzung gehört in jede Sammlung!

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In der nächsten Ausgabe geht es um die Titelmelodien der vier Star-Trek-Kinofilme aus der Picard-Ära.