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Star Trek, deine Musik - Teil 6: Beliebigkeit & große Melodien

Die verschiedenen Titelmelodien und Soundtracks aus dem Star-Trek-Universum werden von Fans gerne und oft gesummt oder diskutiert. Im sechsten Teil unserer musikalischen Reihe geht es um die Melodien zu den vier Kinoabenteuern der Picard-Ära.

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von Björn Sülter

Nicht nur bei James-Bond-Filmen gehört der Vorspann sowie ein passender Soundtrack für viele Fans mit zum Gesamterlebnis dazu. Auch bei jeder neuen Star-Trek-Serie und jedem Kinofilm wurde schon immer ganz genau hingeschaut und hingehört. Nachdem wir uns zum Auftakt mit der Kontroverse rund um den Vorpann von Star Trek: Enterprise beschäftigt haben, ging es danach um die Originalserie und die weiteren klassischen Trek-Serien von TNG über DS9 bis Voyager sowie um die ersten sechs klassischen Kinofilme der Kirk-Ära.

Heute machen wir mit den vier Kinoabenteuern der Picard-Ära weiter.

Den Artikel zu Star Trek: Enterprise findet ihr hier.

Den Artikel zur Originalserie Star Trek findet ihr hier.

Den Artikel zu TNG, DS9 und Voyager findet ihr hier.

Den Artikel zum ersten bis dritten Kinofilm findet ihr hier.

Den Artikel zum vierten bis sechsten Kinofilm findet ihr hier.

Meditatives nichts

Dennis McCarthy, der für alle klassischen Trek-Serien ab TNG als Komponist aktiv gewesen war, durfte nach dem Titelthema von Star Trek: Deep Space Nine (das ihm grandios gelang) auch den ersten Kinoauftritt der Picard-Crew musikalisch begleiten. In Sachen Episodenuntermalung gehörte McCarthy immer zu jener Fraktion, die für Rick Bermans gepflegte Mutlosigkeit stand. Seine Scores waren nie schlecht, fielen jedoch auch nur selten positiv auf. Diese "Fahrstuhlmusik" der Ära des Roddenberry-Nachfolgers erweckte zunächst nur wenig Vorfreude auf seine Arbeit am ersten TNG-Film.

Seine Aufgabe bestand darin, nicht nur den Stil der Ur-Serie zu implementieren, sondern auch aus dem der Picard-Serie etwas kinokonformes zu zaubern. Dafür erhielt er auch endlich die Möglichkeit, mit einem großen Orchester und wie Vorgänger Cliff Eidelman mit einem Chor zu arbeiten.

Gleich zum Auftakt des Films hatte er es jedoch nicht leicht. Die eigentlich geplante Fallschirm-Szene wurde gedreht aber gestrichen und so untermalte seine Musik nur den Flug einer Champagnerflasche. Dabei gelang ihm fraglos eine gute Atmosphäre, die sich bis zum Zerschellen am Rumpf immer weiter steigerte. Abgesehen von diesem dramatischen Aufbau blieb der Track aber kaum im Gedächtnis. Gleiches galt auch weitestgehend für den folgenden Score. Zwar gelang es McCarthy, alle Sequenzen gleichermaßen adäquat zu unterfüttern, eine wirkliche Eigenständigkeit entstand aber nicht. Seine Arbeit wirkte an vielen Stellen unterkühlt, zu reduziert und austauschbar. In Momenten wie Picards erstem Nexus-Abstecher verfiel das Ganze dann sogar in Belanglosigkeit oder erreichte einen hohen Kitschlevel, wenn auch die Arbeit mit dem Chor an dieser Stelle positiv auffiel. In der Summe blieb aber eine kompetente Arbeit aus traditionellen Ansätzen, die oft allerdings unnötig schwermütig wirkte.

Die musikalische Anfangssequenz samt Credits kann man beispielsweise bei Youtube finden.

Infos

  • Komposition: Dennis McCarthy
  • Aufnahmejahr: 1994

Das Urteil

Wenn ein einziges Wort geeignet ist, McCarthys einzigen Trek-Filmscore zu beschreiben, so ist es "generisch". Ohne Mut und allzu kreative Einfälle bewegte sich alles nur auf einem brauchbaren Level, verließ den Gehörgang aber bereits Sekunden nach dem Wahrnehmen. Insbesondere nach der sensationellen Arbeit bei Star Trek VI: The Undiscovered Country (Star Trek VI: Das unentdeckte Land) und vor dem Glnazstück von Jerry Goldsmith zu Star Trek: First Contact (Star Trek: Der erste Kontakt) fällt dieser Score bis heute auf erschreckende Weise ab.

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Pures Gold

Nach dem Auftakt der TNG-Kinoreihe kehrte McCarthy nicht zurück. Zu klein waren seine Fußabdrücke letztlich gewesen. Rick Berman setzte stattdessen auf Jerry Goldsmith, der somit zu seiner dritten Kino-Arbeit am Franchise kam.

Hatte man angesichts der Borg-Thematik und des Action-Gehalts der Handlung an einen musikalisch bedrohlichen Auftakt glauben können, ging der Komponist den komplett entgegengesetzten Weg und nahm den Titel des Films und somit den hoffnungsvollen ersten Kontakt der Menschen mit den Vulkaniern als Basis für sein Titelthema. Damit gelang ihm ein Stück Musik, das bis heute zu den feinsten gehört, das Star Trek je angeboten hat und mit der Courage-Fanfare perfekt eingeleitet wurde. Atmosphäre, Eingängigkeit, Emotionen - hier stimmte einfach alles.

Dass viele Momente des Scores schon früh an das Barrier Motif aus Star Trek V erinnerten, überraschte zwar, störte aber nicht. Als Thema der Hoffnung und Freundschaft passte der Auftakt perfekt zu den positiven Aspekten des Streifens und schwenkte nach den Credits kompetent in die eingangs erwähnte bedrohliche Stimmung des Picard-Traums zu Beginn des Films um. Die Borg erhielten dabei düstere Synthesizer und metallische Sounds als Thema, Worf wurde mit Goldsmiths eigenem (bekannten) Klingonen-Thema ausgestattet und auch sein Thema aus The Motion Picture erhielt einen Platz.

Da man Seitens Paramount die Produktion des Scores von vier auf drei Wochen verkürzen musste, heuerte Goldsmith seinen Sohn Joel an, damit dieser ihm bei den Arbeiten assistieren konnte. 22 Minuten lieferte dieser letztlich als eigenen Beitrag ab, was sich stimmig ins Gesamtwerk einfügte.

Auch schafften es zwei reale Songs in den Score: Von Roy Orbison gab es Ooby Dooby zu hören. Steppenwolf lieferte Magic Carpet Ride. Parampunt war zunächst nicht von dieser Entscheidung überzeugt, die Verwendung durch Regisseur Frakes überzeugte aber letztlich.

Die ersten drei Minuten kann man beispielsweise bei Youtube finden.

Infos

  • Komposition: Jerry & Joel Goldsmith
  • Aufnahmejahr: 1996

Das Urteil

Episch! Alleine für den mitreißenden Auftakt, der jede Menge Gänsehaut erzeugt und die finale Begegnung zwischen Menschen und Vulkaniern hatte sich dieser Score mehr als gelohnt. Doch gelangen Vater und Sohn auch dazwischen viele starke Elemente, die sowohl die ruhigen als auch die actionreichen Momente perfekt untermalten. Manchmal klappt eben alles: Ein perfekter Film mit perfektem Score.

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vorne top, hinten mau

Nach dem glänzenden Abschneiden des Vorgängerfilms bei Fans und Kritikern (sowie an der Kinokasse) war es wenig verwunderlich, dass Rick Berman keine neuen Pferde sattelte, sondern in vielen Bereichen auf das setzte, was funktioniert hatte. So kehrte auch Goldsmith erneut zurück und lieferte seine vierte Arbeit am Kinofranchise ab.

Erneut eröffnete er den Film mit der Courage-Fanfare und einem ruhigen, positiven, ja tragenden Thema, das hier die Lebensweise der Bak'u symbolisierte. Erneut schwenkte sein Score dann mit der Enthüllung, dass etwas rund um Data vor sich ging, in einen düstereren Actionteil um. Beides gelang durchaus gut, jedoch nicht ganz so perfekt wie zuvor, da weder die Eingängigkeit erreicht wurde, noch die Eindringlichkeit bei den Folgeszenen. Schön war dieser Auftakt aber dennoch ohne jede Frage.

Erneut fanden auch sein Klingonen-Thema sowie der Marsch aus Star Trek: The Motion Picture (Star Trek: Der Film) ihren Platz. Vielleicht setzte der große Goldsmith in diesem Score dann aber doch zu sehr auf seine eigene Arbeit. Das Spying Theme geriet zwar beispielsweise sehr stimmungsvoll, erinnerte aber frappierend an seine Arbeit für Capricorn One. So tauchten immer wieder Schnipsel seiner musikalischen Vita auf, wenn man vielleicht eher etwas eigenständigeres erwartet hatte. Das machte den Score ein wenig vorhersehbar und generisch, was Goldsmith nur in wenigen Momenten durch den Einsatz überraschender Instrumente ausgleichen konnte. Obendrauf gab es übrigens noch A British Tar, gesungen von Patrick Stewart und Brent Spiner; die Szene war zwar etwas bemüht, sollte aber in diesem Zusammenhang Erwähnung finden.

Die vollständige Introsequenz (plus einige Minuen des Films) kann man beispielsweise bei Youtube finden.

Infos

  • Komposition: Jerry Goldsmith
  • Aufnahmejahr: 1998

Das Urteil

Irgendwie war bei allen Beteiligten zu diesem Zeitpunkt die Luft raus. Weder die Story, noch die Dialoge, die Kulissen, Effekte oder die Dramaturgie kamen über das Prädikat "nett" heraus und auch Großmeister Goldsmith lieferte abgesehen von dem wirklich schönen Main Theme hier kein Glanzstück ab sondern pflegte eine gewisse Beliebigkeit. Das reicht zwar immer noch für eine moderate Empfehlung, leider aber nicht für mehr.

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Alters-experimente

Star Trek: Nemesis war nach einer Pause von vier Jahren der Film, mit dem Rick Berman noch einmal durchstarten wollte. Seine aktuelle Serie war gut gestartet, hatte aber auch schon wieder einige Zuschauer verloren und Paramount erlaubte dem Franchise-Fackelträger einen weiteren Versuch im Kino, nachdem der neunte Streich nicht gezündet hatte. So probierte Berman es auch noch einmal komplett anders. Mit John Logan griff er nicht auf bekannte Autoren zurück, sondern holte einen Oscarnominierten (für Gladiator) ins Boot, der zudem als Trekkie galt. Auf dem Regiestuhl nahm hingegen jemand Platz, der keinerlei Erfahrung mit dem Franchise hatte: Stuard Baird, den man eigentlich als Cutter kannte. Bei der Musik war es daher dann auch überraschend, dass man erneut auf Jerry Goldsmith zurückgriff, der somit zum fünften Mal einen Kino-Score für Trek lieferte. Der damals bereits 73-Jährige zeigte sich jedoch erstaunlich flexibel und wich von seinen bewährten Sounds und Stilen ab.

Die Musik zum zehnten Kinofilm ist fraglos seine düsterste und härteste Arbeit für Star Trek, findet aber auch immer wieder Raum, auf seine eigene Kreationen zuvor und die seiner Kollegen Bezug zu nehmen. Gemeinsam mit dem Film erntete er dafür zum Zeitpunkt der Veröffentlichung eher negative Kritiken, jedoch zu Unrecht. Goldsmith ging quasi mit einem Werk baden, das in der musikalischen Umsetzung noch den spannendsten Aspekt besaß. Dabei war die Musik zum Film beiweitem nicht so spröde, wie man zuerst annehmen konnte. Ihr fehlte zwar der übliche Bombast, die Wärme und die Eingängigkeit, unter der Oberfläche brodelte jedoch eine Fülle an Ideen. Nie war der große Meister der tragenden Titelthemen so verspielt, experimentell und modern und erhielt sich dennoch das ihm so eigene Gespür, den Kern der Dramaturgie in Klang festzuhalten. Wo der achte Kinofilm musikalisch episch war und der neunte eher familiär klang, da war dieser Eintrag kalt, abweisend, treibend und nachdenklich. Man denke dabei nur an den Auftakt, der prinzipiell das Gleiche machte wie zweimal zuvor, dann aber abrupt abbrach, nur um sofort in einen treibenden Beat hin zum Ort des Geschehens auf Romulus zu wechseln.

In dem stark synthielastigen Werk finden sich dann auch einige Höhepunkte, wie das reduizerte Shinzon-Thema, das durch den Film auf verschiedene Weisen die Facetten der Figur auslotet oder Rückbezüge auf frühere Werke, die hier in ganz neuem Glanz erstrahlen.

Für Goldsmith war es eine seiner letzten Arbeiten: Er starb 2004 an Krebs. Sein Sohn Joel, mit dem er am achten Kinofilm gemeinsam gearbeitet hatte, starb nur acht Jahre später ebenfalls an Krebs.

Die vollständige Introsequenz (plus ein paar Minuten des Films) kann man beispielsweise bei Youtube finden.

Infos

  • Komposition: Jerry Goldsmith
  • Aufnahmejahr: 2002

Das Urteil

Jerry Goldsmith war nicht nur ein Meister seines Fachs, ihm wohnte auch ein Blick für Details inne, den seine Kollegen nur selten erreichten und erreichen. Seine Arbeit für Star Trek: Nemesis ist mit Sicherheit nicht zu seinen Top-5 zu zählen, bietet dem geneigten Hörer aber eine Fülle an versteckten Überraschungen, kombiniert Bekanntes und Neues auf außergewöhnliche Weise und beweist, das Alter und Klasse sich niemals ausschließen. Goldsmith war auch mit über 70 Jahren, nach unzähligen Arbeiten und bereits gezeichnet von seiner Krankheit, noch ein Ausbund an Kreativität. Schön, dass er uns fünf so außergewöhnliche Werke im Trek-Kosmos schenken konnte.

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ausblick

In der nächsten und dann auch letzten Ausgabe geht es um die Soundtracks der drei Reboot-Kinofilme.