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Star Trek, deine Musik - Teil 7: Bombast & gezielte Anleihen

Die verschiedenen Titelmelodien und Soundtracks aus dem Star-Trek-Universum werden von Fans gerne und oft gesummt oder diskutiert. Im siebten Teil unserer musikalischen Reihe geht es um die Melodien zu den bisherigen drei Kinoabenteuern der Reboot-Ära.

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von Björn Sülter

Nicht nur bei James-Bond-Filmen gehört der Vorspann sowie ein passender Soundtrack für viele Fans mit zum Gesamterlebnis dazu. Auch bei jeder neuen Star-Trek-Serie und jedem Kinofilm wurde schon immer ganz genau hingeschaut und hingehört. Nachdem wir uns zum Auftakt mit der Kontroverse rund um den Vorpann von Star Trek: Enterprise beschäftigt haben, ging es danach um die Originalserie und die weiteren klassischen Trek-Serien von TNG über DS9 bis Voyager sowie um die ersten sechs klassischen Kinofilme der Kirk-Ära und die vier Kinofilme der Picard-Zeit.

Heute machen wir mit den drei Kinoabenteuern der Reboot-Ära weiter.

Den Artikel zu Star Trek: Enterprise findet ihr hier.

Den Artikel zur Originalserie Star Trek findet ihr hier.

Den Artikel zu TNG, DS9 und Voyager findet ihr hier.

Den Artikel zum ersten bis dritten Kinofilm findet ihr hier.

Den Artikel zum vierten bis sechsten Kinofilm findet ihr hier.

Den Artikel zum siebten bis zehnten Kinofilm findet ihr hier.

Das muss kesseln!

Die Ära der klassischen Star-Trek-Kinofilme hatte mit Star Trek: Nemesis ein abruptes Ende gefunden. 2009 durfte Hollywood-Wunderkind J.J. Abrams dann allerdings eine Wiederbelebung des SF-Dinos probieren. Dass er damit einen kommerziellen Erfolg hinlegte, ist heute längst Geschichte. Abrams drehte jeden Stein um, was sich natürlich auch auf die Musik auswirkte.

Mit Michael Giacchino kam ein Komponist an Bord, der zuvor durch seine Arbeit an Die Unglaublichen, Cloverfield, Ratatouille und Mission Impossible III auf sich aufmerksam gemacht. Im TV stand er damals bereits für Serienhits wie Alias, LOST und Fringe. Man erkennt daran auch deutlich die Verbundenheit zu Abrams.

Sein Ansatz für die neue Kinoära von Star Trek wurde schon mit dem fulminanten Auftakt des Films deutlich: lauter, imposanter, wuchtiger! Die Untermalung bei der Einblendung des Titels ist im Heimkino geradezu dafür geschaffen, alles aus der Technik herauszuholen. Neben vielen eigenen Stücken fand sich auch eine Neubearbeitung des klassischen Courage-Themas, das am besten auf den Schluss-Credits zu hören ist. Ein Orchester aus 170 Musikern und ein Chor aus vierzig Personen stand ihm zur Vergügung, als es in Culver City in Kalifornien ernst wurde. Einige Musiker trugen dabei sogar Starfleet-Uniformen. Trekkies sind überall!

Zu den Höhepunkten des Soundtracks gehört sicher der Auftakt, und dabei insbesondere die Szenen rund um Kirks Geburt (Labor of Love), Spocks Thema (bzw. der späte Track That New Car Smell) sowie die Verwendung des Rocksongs Sabotage von The Beastie Boys zu Beginn des Films als Rebellenthema des jungen Kirk.

Giacchino gestand übrigens einmal, dass ihn der Auftrag zunächst durchaus unter Druck gesetzt hatte, da er um die Vorbilder und Vorgänger wusste. Letztlich ließ er sich aber voll und ganz auf den Film und das Material ein und holte sich so die Inspiration für die Musik; eine Vorgehensweise, die er immer beherzigt. Dennoch brauchte er rund zwanzig Anläufe für das Titelthema des Films. Zuvor hatte sein Kumpel J.J. Abrams bei jedem Versuch gesagt, dass es (noch) nicht das Richtige für den Film sei. Dennoch: Die Arbeit hat sich am Ende gelohnt.

Einen kurzen Einblick in die grandiose musikalische Auftaktsequenz kann man beispielsweise bei Youtube finden.

Infos

  • Komposition: Michael Giacchino
  • Aufnahmejahr: 2009

Das Urteil

So bunt, locker und abwechslungsreich wie der Film, gestaltet sich auch die musikalische Untermalung. Michael Giacchino gelang ein perfekter Auftakt in seine Trek-Laufbahn, der insbesondere für die Wucht und Dramatik im Gedächtnis bleibt. Dass es dem Komponisten dazu auch noch gelang, aus dem Nichts eine (vollkommen neue!) und ikonische Erkennungsmelodie zu erzeugen, die man auch bei den Folgefilmen sofort mit der Reihe assoziierte, hebt seine Arbeit von Massenware anderer Komponisten ab. Hier saß letztlich jeder Griff.

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Wild & laut

Dass Giacchino für den zweiten Teil zurückkehren würde, war nie wirklich in Frage gestellt worden. Zu überzeugend geriet seine Arbeit, als zu eng galt seine Verbundenheit zu Abrams.

Diesmal stand er nun jedoch vor einem Problem, das ihm einige schlaflose Nächte bereitete. Beim Lesen des Manuskripts hatte er das Gefühl, ständig auf riesengroße Szenen zu stoßen, die er dann auch dementsprechend untermalen wollte, nur um festzustellen, dass der Film immer eine noch größere Szene in der Hinterhand hatte, die man dann musikalisch kaum mehr toppen konnte. Also zäumte er das Pferd von hinten auf und arbeitete sich vom Klimax des Films rückwärts dem Anfang entgegen.

Das Kirk-Thema des ersten Teils erhielt eine persönlichere Note, es gab nun ein Admiral-Marcus-Thema, ein Klingonen-Thema mit einem klingonischen Chor sowie natürlich ein Khan-Thema, in das Giacchino viele Gedanken investierte. Es sollte kein reines Bösewicht-Thema sein, sondern etwas Differenziertes, das auch die Vergangenheit der komplexen Figur berücksichtigte. Ein besonderes Highlight, das man sich unbedingt intensiver anhören sollte, ist das Stück London Calling.

Als der Komponist eines Abends seine Arbeit des Tages erledigt hatte, las er noch eine Nachricht auf Twitter, er möge doch bitte etwas aus der klassischen TV-Serie musikalisch aufgreifen. Giacchino ging direkt wieder an die Arbeit und wob ein Stück aus der Episode Amok Time (Weltraumfieber) in die Kampfszene zwischen Spock und Khan ein. Der ursprüngliche Komponist erhielt daraurfhin eine Nennung im Abspann.

Die ersten neun Minuten des Films kann man beispielsweise bei Youtube finden.

Infos

  • Komposition: Michael Giacchino
  • Aufnahmejahr: 2013

Das Urteil

Der Soundtrack zum zweiten Teil wirkt beim ersten Hören weniger differenziert, enthüllt aber bei genauerer Beschäftigung mit dem Material viele gelungene Zwischentöne, die die innere Zerrissenheit einiger Figuren clever transportieren. Auch gelingt der Spagat zwischen ruhigen Momenten und den vielen lauten Sequenzen besser, als man zunächst annehmen möchte. Giacchinos Arbeit leidet ein wenig am Pacing des Films und entwickelt erst wirklich einen bleibenden Eindruck, wenn man die visuelle Bombardierung zumindest teilweise ausblendet und sich einlässt.

Star Trek Into Darkness 2

Mit Routine, Witz & Gefühl

Fast schon Routine war es als, Giacchino für seinen dritten Job zurückkehrte, um den Film zum 50. Trek-Geburtstag im Jahr 2016 zu untermalen. Dabei hatte man angesichts der Wahl des Regisseurs Justin Lin eine Weile annehmen dürfen, dieser würde seinen Lieblingskomponisten Bryan Tyler mitbringen. Nun, vielleicht wäre das zumindest auch spannend gewesen.

Giacchino schien bei dieser dritten Arbeit für Star Trek nämlich ein wenig in die Routine-Falle zu tappen, zumindest oberflächlich betrachtet. Sein Score wurde von bekannten Melodien der ersten beiden Teile dominiert, wirklich Neues nahm man nur am Rande wahr. Das ist jedoch nicht unbedingt etwas Schlechtes: Es gibt dem geneigten Hörer nämlich die Chance, den Soundtrack abseits des Films ganz neu zu entdecken und ihn dann auch im Film beim erneuten Ansehen deutlicher wahrzunehmen. Das gilt beispielsweise für die starken Beiträge Thank Your Lucky Star Date und Night on the Yorktown oder das schmissige Motorcycles of Relief. Der Einsatz von Pianosegmenten oder auch die Chöre machen in diesem Zusammenhang viel Freude, wenn man sich erstmal eingehört hat. Auffallend sind aber auch die eher düsteren Stücke The Dance of the Nebula und The Swarm Reception, die zu den kreativsten des Albums gehören.

Insgesamt zitiert sich Giacchino bei dieser Arbeit dennoch (einen Hauch) zu häufig selbst; er holt gelungene Momente der ersten beiden Filme aus der Tasche und liefert auch immer wieder seine eigenen Kreationen dieses dritten Films in leicht veränderter Form. Das mag beim ersten Hören ein wenig redundant wirken, ist aber in Wirklichkeit Maß- und Detailarbeit, die diesen Score zu einem Flickenteppich aus neuen und alten Ideen machen. Unbedingt eine Chance geben!

Eine Rückkehr feierte im Film übrigens, passend zu den ganzen musikalischen Zitaten, auch der Song Sabotage von The Beastie Boys, der hier beim letzten Kampf zum Einsatz kam. Die Message kann daher nur lauten: Musik gewinnt eben immer!

Die ersten neun Minuten kann man beispielsweise bei Youtube finden.

Infos

  • Komposition: Michael Giacchino
  • Aufnahmejahr: 2016

Das Urteil

Man muss diesem dritten Anlauf definitiv eine ehrliche Chance geben. Michael Giaccino steigerte sich bei seiner Arbeit offenbar extrem in die Materie hinein und wurde dabei zuweilen arg kleinteilig, liefert aber bei genauerer Beschäftigung einen Score ab, der mit viel Liebe Motive und Themen aller Reboot-Filme und auch der klassischen Werke des Franchises verbindet. Das ist nicht immer leicht zugänglich, wirkt hier und da generisch oder belanglos, ist aber unter der Hülle viel mehr als das: ein Score, der nicht nur den Film und die (eigene) Reihe feiert, sondern auch 50 Jahre Star Trek reflektiert.

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RÜCKBLICK

Das waren sieben Teile über die Musik in Star Trek. Vielen Dank für das Interesse und bis bald, wenn wir uns mit den Titelmelodien von Star Trek: Discovery, Star Trek: Picard, Star Trek: Lower Decks und den weiteren top-aktuellen Projekten befassen werden.