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Star Trek, deine Uniformen: Eine Zeitreise durch trekkige Mode - Teil 3

Sie sind so bunt und vielfältig wie die Serien und Filme des 53 Jahre jungen Franchise: Die Uniformen! Unser Björn Sülter reist für euch durch die Jahrhunderte und beleuchtet heute die Kinofilme der Kirk- und Picard-Ära sowie die aktuellen Reboots.

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von Björn Sülter

Es gibt wahrlich viele spannende Themen rund um die verschiedenen Star-Trek-Serien über die man in epischer Form sprechen kann. Doch viel zu selten geht es um Mode! Dabei ist die Geschichte der Uniformen in Star Trek (fast) so abenteuerlich wie eine diplomatische Mission oder Zeitreisen.

Heute befassen wir uns mit den Kinoabenteuern der verschiedenen Crews und decken dabei einen immensen Zeitraum ab, der von 1979 bis 2016 reicht.

Was zum Teufel ...

Über den Kinostart der Originalbesatzung mit Star Trek: The Motion Picture (Star Trek: Der Film) im Jahr 1979 gehen die Meinungen der Fans bis zum heutigen Tag in Sachen Qualität weit auseinander. Doch  lässt man all diese Überlegungen außer Acht, fallen die Entscheidungen der Macher auf, die insbesondere die Optik der Serie auf links drehten.

Bei den Uniformen wurde es richtiggehend wild. Es gab einerseits so viele Varianten und Abwandlungen zu bewundern, dass ein klarer Stil gar nicht ersichtlich wurde. Man konnte vermuten, dass sogar für den Toilettengang der Crew eine eigene Uniform erdacht worden war. Wahnsinn! Den Kern bildete jedoch der auf dem Foto abgebildete Stil.

Die minimalistische Farbpalette reichte von grau über weiß, grau und weiß, blau zu braun und beige. Nicht gerade hip, oder? Die Zugehörigkeit zu einem Schiffsbereich gab man über einen kleinen farbigen Bereich aus: rot für Maschinenraum, hellgrau für Medizin, orange für Wissenschaft, weiß für Kommando, hellgold für Operationen und grau für Sicherheit. Wer sollte da noch durchsteigen? ("Hey bist du aus der Wissenschaft? - Nee, das ist hellgold, nicht orange! Aber du bist sicher ein Arzt, oder? - Quatsch, das ist reinweiß, guck gefälligst genauer hin! Ich bin der Captain!")

Zu all diesem Wirrwarr gab es als Sahnehaube auch noch Brustplatten und Helme zu bewundern sowie persönliche Scanner. Was für eine Verschwendung von kreativer Energie!

Funfact: Es war Gene Roddenberry gemeinsam mit Susan Sackett höchstselbst, der die Änderungen damals vorantrieb. Beide vertraten die Meinung, dass die farbenfrohen Uniformen der Serie auf der Kinoleinwand ablenkend wirken würden. Unfassbar! J. J. Abrams sollte das viel später für seine Rebootfilme ganz anders sehen und wagte es sogar, seine Zuschauer obendrauf noch mit Lensflares abzulenken! Es war dann nach dem ersten Kinofilm übrigens ein gewisser Harve Bennett, der entschied, dass er für die weiteren Abenteuer keine grau-in-grau Uniformen auf einem grau-in-grau Schiff haben wollte. Was für ein Glücksfall, dieser Mann!

Trek Motion Picture Cast

Ruhe im Karton!

Danken wir also alle gemeinsam noch einmal jenem Harve Bennett und erfreuen uns an dem, was vom zweiten bis zum Auftakt des siebten Films der neue Style in Sachen Uniformen werden sollte.

Das neue Werk bestand aus einer schwarzen Hose (mit einer Farbapplikation, die den Schiffsbereich kennzeichnete), schwarzen Schuhen und einem blutroten Oberteil. Dieses hatte es jedoch in sich. Neben einem von oben nach unten laufenden schwarzen Streifen (der einen kleinen Zickzack vollführte) gab es einen Gürtel (mit Sternenflotten-Insignien), weiteren Sternenflotten-Insignien auf der Brust, einem Schulterbereich mit den Rangabzeichen und der Dienstzeit, weitere Applikationen am Ärmel und eine Art Rollkragenpullover in den Farbvarianten weiß, gold, grau, dunkelgrün, hellgrün, dunkelblau, hellblau und rot, der unter der Uniformjacke den zugeordneten Bereich des Schiffes anzeigte. Zugegeben: Auch hier hätte man sicher ein paar Farbvarianten einsparen können, der Rest war jedoch perfekt. Überdies konnte man einen Teil der Uniformjacke nach vorne herunterklappen, was auch einen Teil des Öffnungsmechanismus darstellte.

Man muss es auch nach Jahrzehnten noch sagen: Wie elegant, stilvoll, würdevoll und schlicht schön waren bitte diese Uniformen? Ein dickes nachträgliches Lob an die Macher, insbesondere nach dem Desaster mit dem ersten Kinofilm. Sie fanden sich übrigens auch in Flashback-Szenen aus Star Trek: Voyager und Star Trek: The Next Generation.

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Chaos!

Das erste Leinwandabenteuer der TNG-Crew in Star Trek Generations (Star Trek: Treffen der Generationen) markierte in Sachen Uniformen einen zweiten Tiefpunkt nach dem ersten Kinoabenteuer von 1979.

Auf der einen Seite ließ man Crewmitglieder mit den aus der Serie bekannten Uniformen herumlaufen, auf der anderen Seite sah man andere Offiziere in den aus Star Trek: Deep Space Nine bekannten Leibchen. Das fiel natürlich besonders auf, wenn in einer Szene mehrere Crewmitglieder unterschiedlich gewandet waren. Völlig verrückt wurde es jedoch dadurch, dass die Figuren während des Films auch noch vollkommen grundlos zwischen den verschiedenen Stilen wechselten! ("Sorry, Chef! Ich weiß, es herrscht ne Krise, aber ich muss kurz mal meinen Style optimieren!")

Hintergrund war, dass man für den Film eigentlich komplett neue Uniformen hatte erstellen lassen, diese jedoch im letzten Moment noch verwarf. Bei Interesse kann man die Action-Figuren von Playmate Toys via Google finden, die damals bereits mit diesen neuen Uniformen versehen und produziert worden waren. In jedem Fall stand man durch diese Entscheidung bei Drehbeginn plötzlich vor dem Problem, nicht ausreichend Material für die ganzen Nebendarsteller zu haben und musste den oben beschriebenen Weg wählen.

Interessant war aber immerhin noch der neue Kommunikator, der erfreulicherweise auf allen Uniformen zum Einsatz kam und später dann auch bei Star Trek: Deep Space Nine und Star Trek: Voyager Verwendung fand. Der Farbcode war ebenfalls der gleiche wie in der Serie: rot für Kommando, gelb für Sicherheit und Technik und blau für Medizin und Wissenschaft.

Funfacts: Riker trug während des Films die Uniform von Avery Brooks (Captain Sisko), LaForge die von Colm Meaney (Chief O'Brien). Immerhin Kirk, Scotty und Chekov durften allerdings in den Szenen zu Beginn des Films die beliebt-bekannten Uniformen ihrer eigenen Filme noch einmal anziehen. Ein kleines Trostpflaster!

Star Trek Generations 60

Konstant düster

Nach dem Drama mit Star Trek Generations kehrte im achten Leinwandabenteuer endlich wieder Konstanz ein. Die Crew erhielt passend zum neuen Schiff gänzlich neu gestaltete Uniformen, die diesmal auch von allen Crewmitgliedern getragen wurden. Die Hauptfarbe war nun schwarz, dazu gab es einen grauen, strukturierten Schulterbereich und farbcodierte Untershirts, die auch Heimat der Rangabzeichen wurden. Der Kommunikator saß weiterhin im Brustbereich. Der Farbcode an sich blieb natürlich von der Bedeutung her erhalten, der Reißverschluss der Oberteile saß vorne.

Verwendung fanden diese Leibchen in Star Trek: First Contact (Star Trek: Der erste Kontakt), Star Trek: Insurrection (Star Trek: Der Aufstand) und Star Trek: Nemesis. Ebenfalls kamen sie im späteren Verlauf der Serie in Star Trek: Deep Space Nine zum Einsatz. Admiral Janeway durfte nach der Rückkehr der Voyager in Star Trek: Nemesis übrigens auch noch einmal in diese neue Uniform schlüpfen.

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Zurück zu den Wurzeln?

Eine spannende Entscheidung traf das Team der Reboot-Kinofilme, als man mit Star Trek 2009 erneut die Kinos enterte. Während die Crew der klassischen Enterprise in den großen Leinwandabenteuern nie die Serien-Uniformen hatte tragen dürfen, tat man hier nun genau das. Man kehrte zum farbenfrohen Serien-Style zurück und peppte diesen etwas auf. Wie gut das dann auf der großen Leinwand aussah, führte nach Jahrzehnten noch die Annahme Roddenberrys ad Absurdum, sie würden nicht für einen Kinoeinsatz taugen.

Mit einem leicht strukturierten Material, einem eleganten V-Ausschnitt, schwarzen Untershirts und neuen Kommunikatoren, die auch den Arbeitsbereich auswiesen, kehrte man zudem zum bekannten Farbcode der Classic-Serie zurück.

Die Uniformen kamen in Star Trek und (mit nur leichten Änderungen) auch in Star Trek Into Darkness zum Einsatz.

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Detailarbeit

Star Trek Beyond war der bisher letzte Kinofilm und präsentierte uns die Crew der USS Enterprise inmitten ihrer 5-Jahres-Mission. Die Uniformen waren dabei auf den ersten Blick erneut unverändert, unterschieden sich aber doch in Details von den Vorgängern. Das Grundmaterial war etwas anders, der Schnitt hatte sich leicht verändert und der Ausschnitt war kleiner geworden. Insgesamt handelte es sich hierbei aber wirklich nur um sehr dezente Anpassungen. Die meiste Zeit des Films sahen wir die Crew dann ohnehin in den Leibchen der USS Franklin herumlaufen.

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Ausblick

Beim nächsten Mal befassen wir uns noch mit ein paar interessanten Anomalien aus dem Uniformbereich.

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Autor, Journalist & SYFY-Experte Björn Sülter nimmt euch mit auf eine Zeitreise durch über 50 Jahre, erzählt die Geschichten hinter den Kulissen und beleuchtet Stärken, Schwächen und Dramen aller Serien und Filme seit 1966! Angefangen mit den Abenteuern des Captain Kirk über Picard, Sisko, Janeway und Archer hat sich Star Trek seit damals eine treue und engagierte Fanbase erarbeitet. Die erfolgreichen Reboot-Kinofilme des J. J. Abrams sorgen seit 2009 für ebenso viel Diskussionsstoff wie die jüngst gestartete Fernsehserie Star Trek: Discovery. So zeigt sich das Franchise somit immer noch topfit und durchlebt aktuell einen weiteren Frühling. Die Entstehung und der Verlauf jeder Serie und jedes Films wird dabei eingehend beleuchtet. Ein ausführlicher Teil befasst sich zudem mit den neuen Kinofilmen und Star Trek: Discovery.

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Über den Autor & Gastgeber von Planet Trek fm:

Björn Sülter lebt mit Frau, Tochter, Pferden, Hunden & Katze auf einem Bauernhof irgendwo im Nirgendwo Schleswig-Holsteins.

Der Autor, Journalist & Podcaster ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies und Quotenmeter. Im Printbereich schreibt er für das Phantastik-Magazin Geek! und den Fedcon-Insider. Neben seinem Sachbuch "Es lebe Star Trek", das 2019 mit dem "Deutschen Phantastik Preis" als "Bestes Sekundärwerk" ausgezeichnet wurde, erschien der Aufrtakt seiner Jugendbuchreihe "Ein Fall für die Patchwork Kids" und ebenso der erste Teil seiner Science-Fiction-Trilogie "Beyond Berlin".

Sein Podcast Planet Trek fm behandelt alle Themen rund um Trek sowie das phantastische Genre. Bereits seit über zwanzig Jahren schreibt und spricht er für verschiedene Medien. Besucht auch gerne Björns Homepage Sülters Sendepause mit vielen seiner Artikel und Rezensionen zu Star Trek, Babylon 5, The Expanse, Akte X oder The Orville sowie seinen Twitter-Account.