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Star Trek: Discovery - Countdown zu Staffel 3

Kurz vor dem Start der dritten Staffel von Star Trek: Discovery blicken wir auf das erste und zweite Jahr der Serie zurück und erinnern uns an klingonische Schläfer, einen Trip ins Spiegeluniversum und den Roten Engel.

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von Björn Sülter

Star Trek: Discovery startet am Freitag dieser Woche in die dritte Staffel. Am 24. September 2017 und somit vor rund drei Jahren fiel in den USA zwölf Jahre nach der Absetzung von Star Trek: Enterprise der Startschuss für die neue Serie, die ein neues Star-Trek-Universum im TV begründete und inzwischen von Star Trek: Picard, den Short Treks und Star Trek: Lower Decks flankiert wird und bald mit Star Trek: Strange New Worlds und Star Trek: Prodigy noch Zuwachs erhalten wird.

Doch wurde die Serie in den ersten beiden Jahren von vielen Turbulenzen begleitet. Schöpfer Bryan Fuller galt zunächst als zentrale Figur, ging aber schon vor dem Start von Bord. Die beiden Nachfolger schasste man wegen interner Probleme zu Beginn des zweiten Jahres. Somit folgte noch keine Staffel der Vision eines festen Teams; bis jetzt. Das dritte Jahr entstand zwar im Schatten von Covid-19, aber unter der Führung von Alex Kurtzman und Michelle Paradise und dürfte daher definitiv mehr aus einem Guss daherkommen als bisher.

Wie üblich spaltet die Serie auch von Beginn an das Fandom. Die einen preisen den frischen, actionreichen Ansatz, andere wehren sich gegen den modernen Stil und die fraglos vorhandenen Logikprobleme der Handlung. Doch kann man immerhin als Konsens festhalten: Die Serie sieht fantastisch aus, bemüht sich um trekkige Ansätze und hat einen wunderbaren Cast zu bieten. Vielleicht gelingt mit dem dritten Jahr nun der große Schritt. Schließlich haben auch andere Trek-Formate ihre Zeit gebraucht ...

Schauen wir uns als kleine Einstimmung noch einmal an, was die ersten beiden Staffeln an Stoff mit sich gebracht haben.

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Meuterei & Läuterung

Die zentrale Figur der Serie war, ist und bleibt Michael Burnham. Sie begann als meuternde erste Offizierin, wurde eingelocht, vom bösen Lorca auf der USS Discovery rekrutiert, half im Spiegeluniversum und beim Krieg gegen die Klingonen, wurde begnadigt, verliebte sich in Ash Tyler, wurde enttäuscht und musste nicht nur ihren Halbbruder Spock suchen, sondern auch die eigene Mutter als Roten Engel enttarnen und selbst in die Rolle schlüpfen. Burnham lebt das Dauerdrama der Serie und ist somit die Verkörperung aller Aspekte dieser Show.

Ob es optimal für die Serie ist, Burnham derart in den Dauerfokus zu rücken, muss jeder für sich selbst entscheiden. Letztlich bleibt es aber als bewusste Entscheidung der Macher zu respektieren.

Auch im dritten Jahr geht es direkt mit ihr los, als sie auf einen mysteriösen Fremden trifft und ihre Crew wiederfinden muss. Der Titel des Auftakts bezieht sich mit Sicherheit ebenfalls auf sie, wenn es um den Zustand der Föderation geht: That Hope Is You, Michael!

Schläfer, liebster & Spion

Kommen wir direkt zum zweiten Dramafänger der Serie. Ash Tyler wurde zunächst aus klingonischer Gefangenschaft gerettet, litt vermeintlich unter posttraumatischem Stress, wurde Sicherheitschef der Discovery unter Captain Lorca, entpuppte sich als klingonischer Schläfer Voq, tötete Dr. Culber, enttäuschte die Gefühle von Michael, war Handlanger von L'Rell, wechselte zur Sektion 31 und wird auch in Zukunft in dieser Funktion gut zu tun haben. Allerdings nicht mehr im Rahmen von Star Trek: Discovery, da sich Schiff, Crew und Tyler zukünftig in unterschiedlichen Zeitebenen befinden werden. Oder nicht? Wir bleiben gespannt. In der Serie ist alles möglich.

Captain, Mentorin, Imperatorin

Eine spannende Rolle nimmt auch die Figur der Phillipa Georgiou ein. Zu Beginn der Serie zeigte man sie uns als Captain und Mentorin von Burnham. Allerdings verlor die von Michelle Yeoh gespielte Sympathieträgerin ihr Leben direkt zu Beginn der Serie, nur um später als böse Imperatorin aus dem Spiegeluniversum zurückzukehren. Als solche schloss sie sich am Ende der zweiten Staffel sogar der Crew der Discovery an und folgte ihr in die Zukunft. Dass sie zwischendurch noch für Sektion 31 an der Seite des nicht minder finsteren Leland arbeiten durfte ist fast nur eine Randnotiz. Die gute Frau hat in nur zwei Staffeln wie auch Kollege Ash Tyler/Voq bereits eine Menge erlebt!

Spieglein, Spieglein ...

Der Abstecher ins Spielgeluniversum brachte uns nicht nur Imperatorin Georgiou und den Tod des bösen Lorca, er soll eventuell auch weiterhin von Relevanz sein, wie man aus einer Aussage von Alex Kurtzman ableiten kann. Wie das in der fernen Zukunft jedoch vonstatten gehen soll, dürfte spannend werden. Vielleicht sehen wir doch noch irgendwann den "guten" Lorca?

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von den toten auferstanden

Ein besonderes Schicksal traf den Arzt der Discovery, Dr. Hugh Culber. Nicht nur wurde er von Beginn der Serie an konsequent zum nicht Hauptverantwortlichen auf der Krankenstation erklärt, er starb auch durch die Hand von Ash Tyler alias Voq und verbrachte danach eine Weile allein im Myzelnetzwerk. Das Problem: Alle hielten ihn für tot! Während sein Lebensgefährte Paul Stamets also noch trauerte, kehrte Culber schließlich zurück und musste sich mit den Auswirkungen seiner Erfahrung auseinandersetzen. Zunächst wollte er das Schiff deswegen auch verlassen, schloss sich allerdings am Ende doch der Crew der USS Discovery auf dem Weg in die Zukunft an. Wünschen wir dem sympathischen Doktor doch einfach mal eine ruhigere dritte Staffel!

nicht nur eine stippvisite

Mit dem Auftauchen der USS Enterprise hatten die Macher direkt am Ende der ersten Staffel eine Bombe hochgehen lassen. Das Schiff unter dem Kommando von Captain Christopher Pike spielte dann auch im zweiten Jahr eine große Rolle, wenn diese auch mehr an den Figuren Pike, Spock und Nummer Eins festzumachen war. Pike übernahm gar interimsweise nach dem Ableben des finsteren Spiegeluniversums-Lorca die Chefrolle auf der Discovery.

Nach getaner Arbeit kehrte das Trio jedoch auf ihr eigenes Schiff zurück und erhielt (auch durch die Begeisterung der Fans) eine eigene Serie, die mit dem Titel Star Trek: Strange New Worlds 2021 an den Start gehen soll. Ein durchaus gelungener Abstecher also!

Der Rest vom Fest

Doch sind da natürlich auch noch Saru, der offenbar zum Start der neuen Staffel Captain der Discovery ist, Tilly, die von der Rolle der Nervensäge inzwischen zu einer respektierten Kollegin geworden ist, Stamets, der sich seinem Lebenspartner Hugh Culber wieder annähern möchte, sowie Jett Reno oder auch Nebenfiguren wie Owosekun, Bryce, Rhys, Detmer, Nilsson oder Dr. Pollard. Nicht mehr wiedersehen sollten wir neben Ash Tyler handlungsbedingt derweil eigentlich L'Rell, Sarek, Amanda, Spock, Pike, Nummer Eins sowie die verstorbenen Landry, Airiam und Admiral Cornwall. Lassen wir uns überraschen.

Wo noch nie ein Mensch gewesen ist?

Diese Überschrift ist natürlich nur bedingt richtig. Nach ihrer Reise in die ferne Zukunft trifft die Crew schließlich auch wieder auf Menschen. Allerdings hat noch kein Trekkie derart weit in die Zukunft blicken dürfen. Die Autoren sind also so frei wie es ihnen nur möglich war. Sie können ohne Einschränkungen einen Spielplatz für ihre Abenteuer erfinden und dabei sogar dem Kanon der anderen Serien frönen, so sie das denn wollen. Der Abstecher auf die Heimatwelt der Trill aus den Trailern scheint diesen Eindruck in jedem Fall zu untermauern.

Warten wir also ab mit welchen Fragen sich Burnham und Co in der Zukunft herumschlagen müssen, wer auf dem Weg auftaucht und ob es vielleicht doch eine Rückkehrmöglichkeit gibt.

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Diese Liste ist natürlich keineswegs vollständig. Eine Menge ist in der bisherigen Seriengeschichte bereits passiert. Und eines hat Star Trek: Discovery dabei definitiv nie: gelangweilt!

Im Gegenteil: Die Serie legt ein hohes Tempo vor, lebt von sich überachlagenden Ereignissen, fordert die Figuren mit allerlei Extremsituationen immer wieder heraus und ist sich auch für eine ganze Schippe Humor und Action nicht zu schade. Man mag das als eine Art von Trek light verunglimpfen, Fakt ist aber, dass die Serie wie erwähnt noch nicht die Chance hatte, einer klaren Vision auch längere Zeit zu folgen. Vielleicht ändert sich das nun.

An der Temposchraube werden die Macher derweil aber sicher nicht nach unten gedreht haben: Rasanz und Wahnsinn sind zwei unverkennbare Markenzeichen der Serie. Schnallen wir uns also lieber schon mal an und begrüßen wir die dritten Staffel standesgemäß: Keep the drama coming, Disco!

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Direkt am Freitag geht es mit den Rezensionen zur dritten Staffel von Star Trek: Discovery los. Die erste Folge heißt "That Hope Is You, Part 1" und ist ab Freitag, dem 16. Oktober auf Netflix zu sehen.

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