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Star Trek: Discovery - Rezension zur Episode 3.02 "Far From Home" ("Fern der Heimat")

Die zweite Episode der dritten Staffel konzentriert sich auf das Schicksal der restlichen Crew der USS Discovery und begleitet sie bei ihren ersten Schritten in diese neue Welt.

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von Björn Sülter

Rund drei Jahre nach dem Auftakt der Serie im September 2017 startete vergangene Woche Star Trek: Discovery in die dritte Staffel. Wir kümmern uns bis ins neue Jahr hinein ausführlich um die Abenteuer der Crew. Neben wöchentlichen Rezensionen gibt es wie gewohnt auch die neuen Ausgaben vom Podcast Planet Trek fm.

Achtung: Die Rezensionen sind nicht spoilerfrei.

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Inhalt

Die USS Discovery kommt in der Zukunft an und legt eine Bruchlandung auf einem unbekannten Planeten hin. Während die Crew mit Reparaturen beschäftigt ist, besuchen Saru und Tilly eine nahegelegene Siedlung und versuchen, mit den Bewohnern ins Geschäft zu kommen.

GEMEINSAM

Nachdem wir in der Auftaktepisode erlebt haben, wie Michael Burnham in der neuen Zeit ankommt, ist diesmal die restliche Crew der USS Discovery dran. Ihre Ankunft gerät dabei ähnlich holperig und führt direkt zum Absturz. Der große Vorteil ist jedoch: Die Crew kann diese Aufgabe gemeinsam bestehen, während Burnham zunächst Verbündete finden musste und dabei auf sich allein gestellt war. Wie beispielsweise auch während der Xindi-Krise in der Episode Damage (Beschädigungen) aus Star Trek: Enterprise geht es hier um Aufräumarbeiten, Heilung, Miteinander und das Gefühl, eine Krise gemeinsam zu bestehen. Eine gute Entscheidung der Autoren.

DETMER

Nach der Bruchlandung bricht auch sofort große Freude darüber aus, dass man den Absturz überlebt hat. Einen großen Faktor stellte dabei auch Detmer dar, die jedoch nicht ganz bei sich zu sein scheint. Wie ein (Übergangs-)Captain ein Crewmitglied, das ganz offensichtlich vollkommen neben sich steht (und vielleicht innere Verletzungen hat?), alleine (!) zur Krankenstation schicken kann, leuchtet wohl kaum jemandem ein. Es sollte aber Sarus einziger, krasser Fehler der Episode bleiben. Da jedoch auch Dr. Pollard nichts Bedenkliches an Detmer findet, darf sie direkt weiterarbeiten, benimmt sich aber weiterhin merkwürdig.

An dieser Stelle muss man mal 1 und 1 zusammenzählen. Der Rückblick zur zweiten Staffel erinnert uns extra nochmal an Leland, Control und die Naniten. Nhan erwähnt derweil an anderer Stelle vollkommen grundlos Airiam, die in der letzten Staffel verstarb, nachdem sie von Lelands Naniten übernommen worden war. Detmer nun hat kybernetische Implantate und benimmt sich nach dem Übergang und der Flucht vor Control merkwürdig. Hmm. Wir haben von Control also vermutlich (leider) noch nicht das allerletzte Aufbäumen gesehen. Es wäre jedoch ehrlicherweise zu bevorzugeben, wenn diese Handlung in der Vergangenheit bleiben würde. Vielleicht handelt es sich ja nur um eine falsche Fährte. Oder es ist eben doch wie im Horrorfilm: Sie kommen immer wieder.

DIE BAR AM ENDE DER STRAße

Obwohl auch dieser Episode die grandiose Kulisse Islands sehr zugute kommt, ist es etwas enttäuschend, dass die Autoren nach einem Zeitsprung von fast 1000 Jahren ihre Kreativität mit einer Bergbausiedlung im Nirgendwo stillen und den Hauptteil der Handlung in einem kargen Saloon ablaufen lassen. Die Westernelemente sind zwar gut und schön, wirken hier aber schon ein wenig dürftig.

Sollte eine kammerspielartige Atmosphäre der Ansatz gewesen sein, können weder die Dramaturgie noch die Dialoge mit diesem Ansinnen mithalten. Alles dreht sich zu sehr im Kreis. Saru probiert Ruhe zu bewahren, Tilly steht neben sich, die Einheimischen haben Angst und der Bösewicht ist einfach böse. Als dann auch noch Georgiou hinzukommt und ihre Badass-Routine runterspielt, sind alle Klischees vereint.

Sollte es irgendein Fazit aus diesem viel zu langen Intermezzo geben, dann, dass auch in der Zukunft nichts einfach ist. Saru und Tilly haben nun aber die technische Lösung ihres Problems und können zum Schiff zurückkehren.

Saru

Während der Krise zeichnet sich insbesondere Saru aber (erneut) als verlässlicher Anführer aus. Er behält Ruhe und Überblick und koordiniert alle nötigen Schritte mit kühlem Kopf. Man spürt, dass seine Leute ihm vertrauen. Einzig in den Szenen im Saloon, wenn es hart auf hart kommt, wirkt seine feingeistige Diplomatie ein wenig hilflos und einschränkend, was aber auch daran liegt, dass man dort mit Georgiou einen Gegenpol ins Rennen bringt, der ihm mit Power und Aktion die Show stiehlt.

So überzeugend Saru sich als Übergangscaptain also auch verhält, in der Summe wirkt er auch hier eher wie ein guter erster Offizier, der eine Marke Kirk als Captain bräuchte, um wirklich zu glänzen. Wer in diesem Gedankengang eine zukünftige Entwicklung innerhalb der Staffel vermutet, liegt eventuell nicht so falsch. Warten wir es ab. Der tiefe Fall und hohe (Wieder-)Aufstieg der Michael B. ist an dieser Stelle der Serie sicher noch nicht beendet, auch wenn sie in dieser Episode eigentlich gar nicht vorkommt. Oder doch?

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TILLY & Georgiou

Selbst als ausgewiesener Tilly-Fan muss man mit dieser Episode leider akzeptieren, dass die Autoren die Figur immer mehr kaputtschreiben. Wie kann es sein, dass diese wunderbare, junge, geniale und witzige Frau nach zwei Staffeln immer noch in jeder einzelnen Szene ein solch nervliches und emotionales Wrack ist? Wieso kann sie keinen Satz geradeaus sprechen? Wieso muss sie ständig plappern, nerven, sich verhaspeln, den Tränen nahe sein? Liebe Autoren: Das ist einfach viel zu viel und wird der armen Mary Wiseman in keiner Weise gerecht. Warum kann Tilly nicht einfach manchmal ein wenig kauzig und unsicher sein? Warum muss es immer, die ganze Zeit und bis zum Limit sein? Schade. Tillys Nervfaktor sprengt dadurch leider nun endgültig jede Skala.

Änhliches gilt für Georgiou, die mit ihren finsteren Blicken, Fremdschäm-Onelinern und übercoolen Moves wie der typische Comic-Bösewicht aus einem mißglückten Batman-Film der 90er-Jahre wirkt (Joel Schumacher weiß, worum es dabei geht!). Michelle Yeoh gibt zwar (wie auch Mary Wiseman) alles, kann gegen die Vorlage der Autoren aber nicht anspielen. Warum braucht die Serie diese negative Figur bloß noch? Und wie kann ernsthaft jemand eine komplette Serie mit ihr in der Hauptrolle wollen? Es bleibt ein Rätsel. Die wunderbare Captain Georgiou der Serieneröffnung bleibt uns immerhin als schöne Erinnerung erhalten; dieser zweite Aufguss der Figur ist aber schlicht grausam.

FAMILIE

Diese beiden Aspekte sind umso ärgerlich, da sich die Macher hier redlich um die Discovery-Familie als Einheit bemühen. Detmer, Owo, Rhys, Bryce, Linus, Nhan, Reno, Stamets, Culber, Nilsson, Pollard sowie natürlich Saru und Tilly sind alle Teil der Lösung und erhalten ihre Momente. Hier gebührt den Autoren ein dickes Lob. Endlich werden auch Stamets und Culber wieder unbelasteter geschrieben, was insbesondere Wilson Cruz nach all den Erfahrungen seiner Figur die Chance gibt, gelöster zu agieren. Der Wandel kommt zwar sehr plötzlich, aber sei´s drum. Reno stieht derweil jede Szene und haut einen guten Spruch nach dem anderen raus. Diese Taktfrequenz kann man zwar zukünftig sicher nicht beibehalten, Reno ist aber weiterhin eine gelungene Ergänzung der Crew und erinnert ein wenig an Dr. Pulaski in der zweiten TNG-Staffel, die auch auf eine äußerst herbe Art und Weise austeilen konnte.

In jedem Fall ist es schön zu sehen, wie alle an einem Strang ziehen, um am Ende der Todesfalle auf dem Gletscher entfliehen zu können. Oder etwa doch nicht?

DER FLOP

An der spannendsten Stelle, als man einfach nur noch die Daumen drückt, dass der Crew und dem Schiff die Flucht gelingen möge, hauen uns die Autoren nämlich leider eine neue Ausgabe ihres Lieblingsdauerthemas um die Ohren: Ohne Michael geht es nicht.

Michael Burnham schwebt in gleißendem Licht hernieder, just als alle Hoffnung verloren scheint, rettet das Schiff und ihre Crew und begrüßt sie mit der Information, dass sie ein Jahr lang nach ihnen gesucht hätte. Ihre langen Haare zeugen dabei vom Fluss der Zeit, ihr emotionaler Auftritt davon, dass sie immer noch ganz "die Alte" ist. Warum es nötig war, der Crew das eigene Erfolgserlebnis zu nehmen und erneut klarzustellen, dass ohne Michael Burnham eben gar nichts läuft, bleibt ein weiteres Mal das Geheimnis der Schreiber.

Ein weiterer Aspekt wiegt aber sogar noch schwerer: Mit dem Kniff, die Discovery ein Jahr nach Michael in der Zukunft ankommen zu lassen, erhalten wir nun eine Situation, in der wir als Zuschauer und die Crew des Schiffes diese neue Welt nicht unbelastet erkunden können. Im Gegenteil! Michael hat ein Jahr Wissensvorsprung und wird allen Beteiligten bei verschiedenen Gelegenheiten Dinge erzählen können, die sie bereits erfahren, erlebt, recherchiert und probiert hat. Darf man zu "unfehlbar" nun also auch noch "allwissend" ergänzen? Worldbuilding sieht irgendwie anders aus.

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Dies & Das

  • Die Crew der USS Discovery kommt ein Jahr nach Michael Burnham in der Zukunft an. Das Jahr der Handlung ist ab sofort also 3189.
  • 88 Crewmitglieder sind noch an Bord. Dazu gehören neben Georgiou (die mit dem Rang Commander angesprochen wird) auch noch Nhan von der USS Enterprise sowie Jett Reno.
  • Ab dieser Episode ist auch der neue Schriftzug der Serie im Intro zu sehen; bei der ersten Episode war zunächst eine halbfertige Version hineingerutscht, die nun aber auch korrigiert wurde. Verändert hat sich primär, dass Discovery nun deutlich größer ist als Star Trek.
  • Die V’draysh wurden bisher nur im Short Trek mit dem Titel Calypso erwähnt. Dort waren sie die Antagonisten der Hauptfigur Craft. Hier steht der Name nun für die Föderation. War Craft also ein Gegner der Föderation? Es dürfte sich in jedem Fall lohnen, den Short Trek noch einmal anzuschauen.
  • Coridan galt immer als reich an Dilithium und wurde sowohl in der Originalserie als auch in Star Trek: Enterprise bereits erwähnt.
  • Bei der zellularen Regenerationskammer für Stamets muss man doch glatt an einen gewissen Dr. Giger aus der DS9-Episode In the Cards (Die Karte) denken.
  • Als Saru und Tilly die Discovery verlassen haben, fehlt nicht nur im Hintergrund ihr Schifff (huch!), es laufen auch Touristen in der Ferne herum.

Fazit

Die zweite Episode der neuen Staffel bringt uns zwar die Charaktere auf der USS Discovery näher und zeigt sie im gelungenen Zusammenspiel, ist aber mit der Auswahl des zentralen Settings der Handlung weniger erfolgreich und überzieht dazu gleich in verschiedenen Richtungen. Zudem sorgen ein später Auftritt sowie die damit verbundenen Auswirkungen für die Zukunft für Stirnrunzeln.

Als Neuanfang für die Serie kann man den Zweiteiler aus dieser und der ersten Episode zwar als durchaus gelungen, weil unterhaltsam und visuell beeindruckend, bezeichnen, der große Wurf ist aber sicher nicht geglückt.

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In gut einer Woche geht es weiter mit den Rezensionen zur dritten Staffel von Star Trek: Discovery.

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