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Star Trek: Discovery - Rezension zur Episode 3.03 "People of Earth" ("Bewohner der Erde")

Die dritte Episode der neuen Staffel führt unsere Helden gemeinsam zurück zur Erde, wo sie feststellen, dass auch nach Jahrhunderten Dinge gleich geblieben sind, während andere sich drastisch geändert haben.

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von Björn Sülter

Rund drei Jahre nach dem Auftakt der Serie im September 2017 startete vor zwei Wochen Star Trek: Discovery in die dritte Staffel. Wir kümmern uns bis ins neue Jahr hinein ausführlich um die Abenteuer der Crew. Neben wöchentlichen Rezensionen gibt es wie gewohnt auch die neuen Ausgaben vom Podcast Planet Trek fm.

Achtung: Die Rezensionen sind nicht spoilerfrei.

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Inhalt

Nach dem Wiedersehen mit Michael Burnham reist die Crew der USS Discovery zur Erde, um dort nach dem Ursprung eines zwölf Jahre alten Funkspruches zu suchen und herauszufinden, wie es der Menschheit in den vergangenen 930 Jahren ergangen ist ...

Wenn der Frakes kommt

Es gibt nur wenige Menschen, die durch und durch verinnerlicht haben, was Star Trek ausmacht. Einer davon ist sicher Schauspieler und Regisseur Jonathan Frakes. Dieser spielte nicht nur in sieben Staffeln von Star Trek: The Next Generation und vier Kinofilmen die Rolle des Commander William T. Riker, er absolvierte auch noch Gastauftritte in DS9, Voyager, Enterprise, Picard und Lower Decks und gehört von Beginn an zum festen Stamm der Regisseure bei Star Trek: Discovery. Zudem hat er die gleiche Position auch schon bei Episoden aus TNG (8x), DS9 (3x), Voyager (3x) und Picard (2x) sowie beim achten und neunten Kinofilm der Reihe übernommen. Für Strange New World mit Captain Pike ist er ebenfalls eingeplant. Es besteht kein Zweifel: Frakes kennt Star Trek!

Für Star Trek: Discovery lieferte er bisher drei Episoden ab, die alle gelungen waren. Insbesondere die Episoden rund um den Tod von Airiam (Projekt Daedalus) und New Eden wussten zu gefallen, da es Frakes dort nicht nur gelang, die jeweilige Geschichte auf eine fast schon klassische Art und Weise zu erzählen, sondern er auch die Darstellerinnen und Darsteller zu Höchstleistungen antrieb.

Gleiches gilt nach dem rasanten und teilweise überdrehten Auftakt der vergangenen beiden Wochen nun auch diesmal: Mit der dritten Episode kommt die Serie in der Staffel an und hat auch sonst einiges zu bieten.

Wiedervereinigung

Bevor es in die eigentliche Handlung geht, bieten uns die Macher erstmal eine kurze Sequenz, die uns durch ein Jahr von Michael Burnham führt. Ihre Haare wachsen, doch die Hoffnung bleibt. Aus diesen Vorgängen hätte man fraglos mehr machen können als eine einminütige Szene, doch eventuell baut man diesen Aspekt ja noch später aus.

Danach ist es aber natürlich schön zu sehen, wie die Crew der Discovery wieder zusammenfindet. Das Wiedersehen mit Michael fällt dabei bittersüß aus, da diese natürlich ein Jahr lang andere Dinge getan und sich auch teilweise mit dem möglichen Schicksal der Kolleginnen und Kollegen abgefunden hat.

Und auch wenn einige Fans angesichts der Tränen Burnhams auch in dieser Episode im Dreieck springen werden: Selten waren sie so berechtigt wie hier. Insbesondere die Szene mit ihrer Freundin Tilly gelang den Machern ganz wunderbar und wurde von Jonathan Frakes zudem erfreulich unaufgeregt eingefangen. Gleiches gilt für die Momente mir Saru.

Schön ist auch, wie schnell und entspannt Michael auf den Rang des Captains verzichtet. Ihre Verehrung für Saru und seine Leistungen wirkt aufrichtig und lässt Burnham sympathisch und gereift erscheinen. Ob der Kelpianer indes wirklich die richtige Wahl für den Posten ist, werden die nächsten Wochen zeigen. Das gilt ebenso was die Frage angeht, ob das Ganze wirklich Bestand haben wird. Für den Moment haben wir es jedoch mit einer interessanten Konstellation zu tun, die am ehesten an die von Picard und Riker erinnert. Hier der Ruhepol, der Diplomat und Denker, dort der Heißsporn mit Tatendrang und Feuer. Hoffen wir, dass es der Discovery-Mission dienen wird.

Etwas unglücklich kommt in diesem Zusammenhang natürlich rüber, dass gleich in dieser Episode erst Georgiou (durch ihr ewiges Genörgel) und schließlich auch Michael (durch ihre Eigenmächtigkeit) an seiner Position kratzen. Doch was will man erwarten? Das leidige Motiv "ohne-Michael-geht-es-nicht" wird nie ganz totzukriegen sein. An Sarus Stelle hätte ich aber zukünftig ein Auge darauf.

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Die neue Burnham

Was Michael Burnham angeht, muss man sich an dieser Stelle aber (eventuell abseits ihrer Eigenmächtigkeit, die aber durch das Jahr allein mit Book sogar erklärbar wäre) verwundert die Augen reiben. Was ist mit der Figur passiert? Ist es nur die neue Frisur? Sicher nicht. Michael wirkt nach dem Jahr mit Book gelöst, entspannt, reifer, geerdeter, als wir sie je erlebt haben. Haben die Autoren das fehlende Jahr vielleicht genutzt, um etwas stärker an ein paar Stellschrauben zu drehen und Michael Burnham zugänglicher zu schreiben? Erstaunlicherweise gelingt es Sonequa Martin Green im gleichen Zug sofort und aus dem Stand, uns eine frische, neue Version zu liefern. Plötzlich wirkt alles viel natürlicher, sympathischer und lässiger. Wenn sich dieser Eindruck in den kommenden Episoden bestätigt, wird die Serie davon mit Sicherheit langfrisitig profitieren.

Somit muss man sowohl den Autoren (die offenbar erfolgreich an der Figur und den Dialogen herumgedoktert haben) als auch Sonequa Martin Green ein Kompliment für diese neue Michael Burnham aussprechen, vergessen sollte man aber ebenfalls nicht Regisseur Frakes, dem es erneut gelingt, seinem Ruf gerecht zu werden, der besagt, dass er besonders gut mit den Schauspielerinnen und Schauspielern arbeiten kann. Nicht nur Burnham glänzt unter seiner Führung, auch Tilly und Georgiou bewegen sich wieder in angenehmen Bahnen und kommen nicht so überzeichnet daher wie zuletzt. Vielleicht sollte Frakes einfach immer Regie führen? Der Mann ist und bleibt einfach ein cooler und kompetenter Typ.

Schade ist natürlich, dass diesmal für Dr. Culber, Nhan und Jett Reno kein Platz war. Doch so ist das halt mit einem großen Ensemble wie hier.

die erde

Doch erfahren wir natürlich auch ein bisschen was über diese neue Zeit. Nach dem Zusammenbruch der Föderation hat sich die Erde zurückgezogen und auf sich konzentriert. Man verteidigt nun wieder den eigenen Planeten und versucht, das Überleben der eigenen Spezies zu schützen. Dass man in diesem Zuge sogar die Föderation verließ und die Sternenflotte den Planeten hinter sich ließ, ist eigentlich kaum zu fassen. Es dürfte spannend zu erleben sein, was inhaltlich dahintersteckt.

Der Twist mit dem Helm, unter dem ein Mensch steckt, der zu einer vergessenen Kolonie auf Titan gehört, ist zwar ein alter Hut und riecht zudem ein wenig nach dem Konflikt zwischen Erde und Gürtlern aus The Expanse, führt aber immerhin zu einem ersten kleinen diplomatischen Erfolg der Discovery-Crew. Hier regiert zwar der Pathos, irgendwo und irgendwie muss der Versuch, die alten Werte wiederzufinden aber schließlich beginnen. Da es sich nur um einen Helm handelt, ist immerhin auch die Befürchtung, es könne sich bei Wen um Control handeln (man beachte die roten Lichter in den "Augen") vom Tisch. Gut so! Darsteller Christopher Heyerdahl (bekannt u. a. aus Stargate: Atlantis oder Hell on Wheels) ist zudem immer willkommen.

Ein wenig enttäuschend ist es natürlich schon, dass wir so wenig über die Erde der Zukunft erfahren. Doch ist dafür ja vielleicht noch Zeit. Warten wir einfach ab, was man uns noch in den kommenden Episoden anbieten wird. Der Blick auf San Francisco ist in jedem Fall gelungen und die Metapher des starken Baumes, der alles überdauert, gefällt ebenso. Auch ist es schön, wie die Nebenfiguren die Chance erhalten, die Erde zu besuchen, während Michael und Saru gemeinsam vom Schiff aus zuschauen. Bei Saru ist es kein Wunder: Er stammt nicht von der Erde. Michael hingegen wurde hier geboren, konnte durch die Arbeit ihrer Eltern, das Leben auf Raumstationen und später bei den Vulkaniern aber keine Verbindung aufbauen. Hinzu kommt die Entfremdung durch das vergangene Jahr. Beide Lebenswege wurden hier zu einer stimmigen Szene zusammengefasst.

Auch die Einführung des neuen Wunderkindes Adira gelingt. Insbesondere ihre Chemie mit Paul Stamets macht Spaß. Komponist Jeff Russo untermalte die Szenen von Adira zudem mit vollkommen andersartigen, leichten Tönen. Stark! Dass es sich bei Adira um eine nicht-binäre Figur handeln wird, ist an dieser Stelle übrigens noch nicht ersichtlich; im Gegenteil wird die Figur als "sie" bezeichnet. Dies wird aber sicher im Verlauf der Staffel als Story-Arc präsentiert, der vermutlich auch etwas mit der Tatsache zu tun hat, dass Adira einen Trill-Symbionten in sich trägt. Kanonfragen bezüglich dieser Spezies sollte man sich zu diesem Zeitpunkt indes nur bedingt stellen. Warten wir lieber erst ab, wie man uns das Thema weiterhin präsentieren wird. Die große Auseinandersetzung mit dem Trill-Kanon heben wir uns für später auf.

die zukunft

Mit dem Aufbruch ins Abenteuer steht der Staffel nun alles offen. Adira gehört ab sofort zur Crew und könnte als Mensch mit Trill-Symbionten der Schlüssel zu wichtigen Informationen sein. Ihr die Geheimnisse zu entlocken, dürfte eine der ersten Aufgaben der nächsten Episoden sein. Dazu gilt es den Aufenthaltsort von Föderation und Sternenflotte zu finden, sowie die Verantwortlichen hinter dem Brand ausfindig zu machen. Dabei wäre dann noch die Frage: Kann oder will man ihn rückgängig machen? Oder was planen Burnham und Co ansonsten in dieser Hinsicht? Wäre eine Veränderung der Zeitlinie eine Option? Auch mit dem Mysterium um Michaels Mutter (die auf Terralysium niemand kennt), Detmers sonderbares Verhalten (das für eine posttraumatische Belastungsstörung, aber auch für eine Übernahme durch Control sprechen könnte) und Books neues Leben in diesem anderen Sektor hat man noch spannende Eisen im Feuer. Es dürfte nicht langweilig werden. Hoffen wir, dass die Autoren alle Stränge fest in der Hand behalten.

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Dies & Das

  • Zum ersten Mal sehen wir hier das Dilithium-Lager der Discovery.
  • Obwohl "Book" eigentlich Cleveland Booker heißt, stammt er nicht von der Erde und war auch noch nie dort.
  • Donatu VII gehört vermutlich zum gleichen System wie Donatu V, einen geschichtsträchtigen Ort, der uns bereits in Star Trek begegnet ist.
  • Saru besitzt immer noch das Teleskop von Georgiou.
  • Erneut weisen Michael und Book darauf hin, dass seine Katze Groll (Grudge) eine Königin sei.
  • Die Trill kennen wir bereits aus verschiedenen Serien und Filmen, wobei sie nur in DS9 wirklich ausgearbeitet wurden.

Fazit

Mit einer durch und durch gelungenen dritten Episode kommt Star Trek: Discovery endgültig im dritten Jahr an, erfreut mit einer runderneuerten Michael Burnham, die Sonequa Martin Green schauspielerisch viel leichter von der Hand zu gehen scheint und lässt auch sonst allen Figuren ausreichend Raum.

Dass man sich vielleicht etwas mehr an Informationen über die Erde gewünscht hätte, kaschieren die Macher mit viel Suspense und spannenden Fährten für die Zukunft. Obendrauf ist die Regie von Jonathan Frakes erneut eine pure Freude. Die Schnitzeljagd in dieser neuen Zeitebene ist endgültig eröffnet!

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In gut einer Woche geht es weiter mit den Rezensionen zur dritten Staffel von Star Trek: Discovery.

Dsc S3teasesoon Head