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Star Trek: Discovery - Rezension zur Episode 3.11 "Su'Kal" ("Su'Kal")

Mit der elften Episode steigt die Serie wieder voll in die Rahmengeschichte der Staffel ein und überrascht mit einigen Entwicklungen rund um den Brand und die Figuren.

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von Björn Sülter

Rund drei Jahre nach dem Auftakt der Serie im September 2017  startete vor einigen Wochen Star Trek: Discovery in die dritte Staffel. Wir kümmern uns bis ins neue Jahr hinein ausführlich um die Abenteuer der Crew. Neben wöchentlichen Rezensionen gibt es wie gewohnt auch die neuen Ausgaben vom Podcast Planet Trek fm.

Achtung: Die Rezensionen sind nicht spoilerfrei.

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Inhalt

Saru, Michael Burnham und Dr. Culber begeben sich auf das kelpianische Schiff, um ein mysteriöses Lebenszeichen zu untersuchen. Derweil muss Tilly als Ersatz-Captain der USS Discovery fungieren und sich mit Osyraa und der Smaragdkette herumschlagen ...

Der Nebel

Obwohl die Erforschung des Brandes zu Beginn wie das vorherrschende Thema der Staffel gewirkt hatte, war es zuletzt ein wenig zu Beiwerk geworden und nur lose in der B-Handlung weitererzählt worden. Die Bemühungen, insbesondere von Stamets und Adira (sowie zuletzt auch Reno und Booker), brachten uns nur mit Babyschritten voran.

Damit ist nun jedoch Schluß. Es gelingt endlich, den Nebel genau zu erforschen und das kelpianische Schiff zu orten. Dank Books Flugkünsten ist es sogar möglich, mit der Discovery kurz in den Nebel zu springen (der eine hohe Strahlung aufweist, die auch Book bei seinem Manöver zu schaffen machte) und dort Saru, Burnham und Dr. Culber auf dem Schiff auszusetzen, das jedoch nicht ganz so verlassen ist, wie man zunächst und nach der langen Zeit hatte annehmen dürfen. Dr. Issa, die wir bereits aus den Holonachrichten kannten, lebt zwar nicht mehr dort, dafür aber ihr Sohn, dessen Umgebung jedoch als gewöhnungsbedürftig bezeichnet werden kann.

Während das kleine Außenteam also weitere Informationen sammeln soll, springt die Discovery zurück; unter dem Kommando von Acting Captain Tilly. Doch dazu kommen wir später.

Das Schiff

Die Mission auf dem Schiff gehört sicher mit zum abgedrehtesten, was lange in Star Trek zu sehen war; und das soll in Bezug auf Star Trek: Discovery schon etwas heißen!

Allerdings ist dieses Statement in keiner Weise negativ zu verstehen. Es handelt sich hier um eine wirklich spannende Idee. Wir besuchen die holographische Welt eines einsamen Kindes, das von seiner Mutter einen Lebensraum erhielt, der dazu taugt, das Kind zu schützen, am Leben zu erhalten und auszubilden. Dafür setzte Dr. Issa Hologramme und eine Art von Dramaturgie ein, die es ihrem Sohn ermöglicht, mit anderen Figuren zu interagieren. Als Schutzmechanismus gibt es obendrauf noch ein Monster, das verhindern soll, dass das Kind zu früh oder alleine die Außenwelt erkundet.

Das Programm, das offenbar durch die starke Strahlung inzwischen in einem schlechten Zustand ist und immer wieder Ausfälle aufweist, passt die Eindringlinge Saru, Burnham und Culber in die Dramaturgie ein. Warum das auf genau diese Weise passiert, erfahren wir nicht. Einen wirklichen Sinn scheint die Auswahl nicht zu ergeben. Michael ist nun eine Trill, Culber ein Bajoraner und Saru ein Mensch, was Doug Jones einen wunderbaren Auftritt ohne Makeup und seine Huf-Schuhe erlaubt, der an Far Beyond the Stars (Jenseits der Sterne) aus DS9 erinnert.

Neben einigen spannenden Informationen (Eintritt der Kelpianer und der Ba'ul in die Föderation, Begegnung mit einem Holo-Ältesten der Kelpianer) ist es aber vor allem die Atmosphäre der Simulation, die fasziniert. Ein dickes Lob geht hierbei an die Macher für die Auswahl des Drehortes, die Kulissen, starke Effekte und die Musik von Jeff Russo. Doch auch Sonequa Martin Green verdient sich ein Kompliment, wie perfekt ihre Burnham auf den neuen Charakter wechselt und eine Art Trill-Counselor abgibt (samt Neustart). Bei Doug Jones lohnt derweil ein genauer Blick auf Gestik und Mimik; man wird Saru von nun an sicher mit anderen Augen sehen!

Am Ende stößt dann noch Adira mit Gray (der sich bei der Trauerfeier zu Beginn der Episode nach längerer Zeit wieder zeigte) zu Saru und Culber. Es dürfte interessant sein, wie diese im Holoschiff dargestellt werden, ob dann auch andere Personen Gray werden sehen können und ob sich daraus vielleicht sogar eine Chance ergibt, Adiras Freund eine andere Existenz für die Zukunft zu ermöglichen.

Inhaltlich dient dieser ganze Trip aber natürlich primär dazu, einen wichtigen Aspekt der Staffelhandlung aufzuklären. Anschnallen bitte: Es erwartete uns eine äußerst ungewöhnliche Wahl für den Auslöser des Brandes, der so viel Unheil über die Föderation gebracht hat: Das Kind war traurig, hat geweint und geschrien!

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Der Brand

Es wirkt schon ein wenig befremdlich, wie schnell insbesondere Michael sich den (erneuten) emotionalen Ausbruch des Kindes, den wir hier miterleben, als Grund für den Brand herleitet und damit auch scheinbar die Kollegen überzeugt, so als wäre diese Begründung absolut logisch und selbstverständlich.

Sind wir mal ehrlich, ist sie aber natürlich vollkommen um die Ecke gedacht und kommt aus dem Nichts über uns. Es ist ohne weitere Informationen zumindest nicht halb so ein Aha-Effekt, wie man uns glauben machen möchte. Zur Ehrenrettung der Autoren muss man aber auch anmerken, dass noch gar nichts in trockenen Tüchern ist, da uns schlicht weitere Fakten fehlen, wie all das vor sich gegangen sein soll.

Wir dürfen nach dieser Episode jedoch zumindest annehmen, dass die emotionale Instabilität dieses jungen Kelpianers in der Nähe des Dilithiumplanetens für den allumfassenden Brand vor über 100 Jahren überall und zur gleichen Zeit gesorgt und damit viele Schiffe zerstört hat. Die Frage muss erlaubt sein: Ist das hier noch eine SF-Serie oder doch eher im Bereich der Fantasy anzusiedeln? Wenn es den Machern in letzter Konsequenz egal ist, muss man das natürlich akzeptieren, die Vermischung beider Genres wird an dieser Stelle aber überdeutlich. Ähnlich wie bei der Macht aus Star Wars (die man dort irgendwann recht erfolglos versuchte, pseudowissenschaftlich zu festigen), zieht man hier eine Geschichte heran, die die Glaubwürdigkeit eines Formates wie Star Trek, das sich immer um eine gewisse wissenschaftliche Fundierung bemüht hat, dann doch etwas strapaziert. Dennoch: Wir wissen letztlich noch zu wenig um ein finales Urteil zu fällen. Warten wir einfach noch ab. Die hier gelieferte Erklärung ist in jedem Fall eines: überraschend!

Mrs. Captain

Kommen wir lieber noch zum anderen Schauplatz der Episode und dem bereits angedeuteten Thema. Auf der USS Discovery erhält während all dieser Vorgänge Tilly die Chance, ihre Kommandofertigkeiten unter Realbedingungen zu trainieren. Und ja, das klingt so aberwitzig, wie es in der Realität auch ist. Admiral Vance steht eine ganze Basis voller Schiffe und Offiziere zur Verfügung, aber das wichtigste Instrument der Föderation, die große Hoffnung samt wertvollem Sporenantrieb, muss nun in einer handfesten Krise von einem Fähnrich ohne Erfahrung angeführt werden, weil Saru einen Abstecher auf das Holoschiff unternimmt. Ob den Machern an dieser Stelle zumindest bewusst wurde, wie grotesk diese Entscheidung von Saru und die Duldung durch Vance eigentlich waren?

Dennoch muss man auch erfreut zugeben, dass Tilly einen wirklich tollen Job macht. Mary Wiseman spielt das Überspielen von Unsicherheit mit Mut sowie einer gewissen Portion Frechheit und intellektueller Überlegenheit äußerst geschickt aus und beweist uns (ein weiteres Mal in Star Trek), wie auch junge Offiziere unter Druck über sich hinauswachsen können. Diesen Aspekt sollte und muss man positiv sehen.

Dass sie am Ende dennoch chancenlos gegen die Übermacht von Osyraa ist, darf man ihr zudem nicht negativ anlasten. Fast wäre ihr sogar der rettende Sprung noch gelungen. Doch könnte man argumentieren, dass die Autoren hier eben auch (endlich mal?) die technische Unterlegenheit des Schiffes (trotz Upgrade) gegenüber der Flotte der Smaragdkette ausspielen. Oder ist das als einzige Begründung vielleicht gar nicht genug? Müsste für die exakten Informationen, die Osyraa zu besitzen scheint, nicht viel mehr ein Spitzel im Spiel sein? Wer könnte das sein? Ryn, von dem wir bisher nur wenig gesehen haben? Eventuell trägt er auch nur einen Sender bei sich, was aber auch nicht alles erklären würde. Oder ist es Book? Oder Groll? Dass diese süße Katze mehr als nur eine Katze ist, ahnen viele bereits seit Staffelbeginn. Allerdings kommt sie hier weniger in Frage, dafür ist sie schon zu lange Weggefährtin von Book. Vielleicht befindet sich aber auch ein Maulwurf im Team von Admiral Vance. Willa etwa? Wir werden es erleben.

Tilly wird in jedem Fall eher ein Opfer der Umstände, nicht ihrer eingeschränkten Kommandoerfahrung. So absurd es angesichts der Übernahme des Schiffes klingen mag, hat sie doch einen guten Job gemacht. Tilly und Mary Wiseman kann man also nur ein dickes Lob für die Ruhe und Abgeklärtheit in der Krise sowie die Darstellung in all ihren Szenen aussprechen. Fast möchte man jubeln: Saru hats doch gewusst! Dennoch: Das Risiko bei so einer Entscheidung war einfach zu hoch, oder?

Die Gretchenfrage

Und wo wir gerade bei Kommandobefähigungen sind, sollte und muss auch noch ein Riesenaspekt aus dem Weg geräumt werden, der im Subtext der Episode mitläuft. Nicht nur wird in der Zusammenfassung zu Beginn der Episode Georgious Satz, Michael sei zu Größerem berufen, erneut eingespielt (bitte merken, liebe Zuschauer!), diesmal darf sogar Michael Burnham ganz offensiv und mehrfach die emotionale Stabilität und Befähigung Sarus in Frage stellen. Sie unterstellt ihm am Ende sogar, durch Emotionen seine Entscheidungen beeinflussen zu lassen. Nun, das mag sein! Aber halten wir uns mal vor Augen, von wem dieser Satz kommt! Michael Burnham lässt gefühlt jede Entscheidung durch ihre Emotionen beeinflussen. Man könnte sogar (positiv wie negativ) schlussfolgern, dass das den Kern ihres Charakters bildet. Und nun soll es bei Saru ein Anlass zur Kritik sein? Liebe Leute, das ist an Dreistigkeit nicht zu überbieten! Dennoch spielen die Autoren es (wie gewohnt) so aus, als sei Michael damit absolut im Recht. Weder gibt es Einspruch von Culber, noch von Saru selbst. Michael Burnham sorgt am Ende der Episode dafür, dass Saru beim Kind bleibt und sie zur Discovery zurückkehrt, um dort Tilly beizustehen. Und das, obwohl Saru selbst eigentlich Michael beim Kind lassen wollte, um selbst auf das Schiff zurückzukehren. Seine Begründung: Er sei schließlich der Captain! Und wie Recht er damit hat; er müsste umgehend zurück und Tilly die Bürde abnehmen. Verrückte Discovery-Welt.

Die Krux an der Sache ist (wie bereits mehrfach erwähnt), dass die Autoren Michael schlicht und ergreifend auf diese Weise sehen, sie konsequent in Dialogen verherrlichen und mit aller Macht auf diesen Stuhl bekommen wollen. Hier erleben wir nun vermutlich einen weiteren Schritt dieses Weges, der den Verantwortlichen offenbar auch ganz logisch erscheint. Nun, wie soll man noch argumentieren, wenn es der DNA der Serie folgt? Michael ist die Heldin der Show und nachdem man nun Georgiou so vehement hat erklären lassen, dass sie auf den Stuhl des Captains gehört, muss man sie da auch hinsetzen; egal wie! Keine Frage: Man darf bezüglich dieser Entscheidungen sicher geteilter Meinung sein. Dich warten wir auch hier mal gespannt ab, wie es an dieser Front weitergeht. Captain Burnham noch in dieser Staffel wird allerdings immer wahrscheinlicher.

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Dies & Das

  • Es gibt noch Transwarp-Kanäle, diese werden aber aufgrund von Sicherheitsbedenken nicht oft benutzt.
  • Die Discovery kann sich nun tarnen, dann aber nicht springen.
  • Sarus Flashbacks stammen aus dem Short Trek mit dem Titel The Brightest Star.
  • Robert Verlaque, der den Ältesten spielte, war zuvor als Sarus Vater Aradar aufgetreten.
  • Die Szene, in der Osyraa sich in einem vermeintlichen Föderationsschiff der Discovery nähert, erinnert an Khan und die USS Reliant.
  • Das Kopfband, das man Staments aufsetzt, erinnert an die Classic-Episode Spock's Brain (Spocks Gehirn).
  • Die Kelpianer und die Ba'ul haben offenbar nach den Ereignissen in The Sound of Thunder (Donnerhall) Frieden geschlossen.

Fazit

Mit einer unerwartet skurrilen Episode, die an Holodeck-Abenteuer der anderen Besatzungen oder auch an Catspaw (Das Spuschloss im Weltall) aus der Originalserie erinnert, bringen die Macher die Staffelhandlung voran und erstaunen uns mit einer unerwarteten und (bisher) auch nur wenig überzeugenden Ursache für den Brand.

Spaß machen aber in jedem Fall Burnham, Saru und Culber in anderen Rollen (und anderem Makeup), die gespenstische Atmosphäre in der Holowelt des einsamen Kindes und Tillys mutiger Kampf gegen die Übermacht von Osyraa.

Für sich genommen bietet Su'Kal spannende, ungewöhnliche und teilweise sogar mitreißende Unterhaltung. Was die Auswirkungen für eine gesonderte Staffelbetrachtung angeht, darf aber auch der eine oder andere Zweifel (Ursache des Brandes, penetrantes in Stellung bringen von Burnham als Captain) die Freude trüben.

*

In gut einer Woche geht es weiter mit den Rezensionen zur dritten Staffel von Star Trek: Discovery.

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