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Star Trek: Discovery - Rezension zur Episode 3.13 "That Hope Is You, Part II" ("Ein Zeichen der Hoffnung, Teil 2")

In der letzten Episode der Staffel geht es mit reichlich Action zur Sache, bis am Ende die Basis für das vierte Jahr gelegt wird.

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von Björn Sülter

Rund drei Jahre nach dem Auftakt der Serie im September 2017 startete Ende 2020 Star Trek: Discovery in die dritte Staffel. Wir kümmern uns ausführlich um die Abenteuer der Crew. Neben wöchentlichen Rezensionen gibt es wie gewohnt auch die neuen Ausgaben vom Podcast Planet Trek fm.

Achtung: Die Rezensionen sind nicht spoilerfrei.

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Inhalt

Während der Kampf um die USS Discovery tobt, müssen Saru, Culber, Adira und Gray auf dem Holoschiff der Kelpianer eine Lösung für Su'Kal finden und sich selbst in Sicherheit bringen ...

SCHWEINEPRIESTER

Das Finale der Staffel konzentrierte sich, wie man auch sicher erwarten durfte, auf atemlose Action. Die Rückeroberung des Schiffes wurde jedoch nicht, wie man hätte annehmen können, zur reinen Michael-Burnham-Show. Im Gegenteil splittete Autorin Michelle Paradise die Verantwortung auf. Tilly & Co (und dabei insbesondere Owo) hatten ebenso ihren Anteil am Erfolg wie Michael gegen Osyraa und Book gegen Zareh. Dass aber am Ende genaugenommen alles auf zwei Faustkämpfe hinauslief (wobei zumindest Michael durchaus moderne Technik für ihren Triumph einsetzte) war natürlich ein recht alter Hut. Dennoch macht die Hommage an Filme wie Stirb langsam auch hier noch Spaß. Und dieser Spaß dominierte letztlich auch alles: Spaß an Action, Spaß an coolen Gadgets, Sprüchen, Stunts und Effektgewitter.

Tiefgang war an dieser Front daher auch schlicht nicht vorgesehen. Osyraa wurde wie vor den Verhandlungen mit Vance wieder wie ein typischer Baukastenbösewicht geschrieben, Aurelio erhielt eine zweite Lektion über seine ehemalige Retterin (und durfte dann auch konsequenterweise am Ende an Bord bleiben), alle relevanten Antagonisten starben und den Rest beamte Michael irgendwohin. Ob der Computer die Anweisung "von Bord beamen" wohl einfach wörtlich genommen und den Trupp Power Rangers humorlos ins All verfrachtet hat? Egal. Das Drehbuch hielt sich mit derlei Fragen nicht lange auf.

Auch der Stunt mit dem Warpkern und die plötzliche Fähigkeit zur Bedienung des Sporenantriebs durch Book (die man nicht mal testete sondern per "wird schon klappen" handhabte), strapazierten natürlich die Glaubwürdigkeit; wirklich Zeit über das wilde Geschehen nachzudenken blieb aber kaum.

Während in diesem Teil der Handlung also alles nach Schema F ablief und dem Credo "lauter, bunter, mehr" folgte, kamen die Vorgänge auf dem Holoschiff vergleichsweise entschleunigt und gehaltvoll daher.

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Ich bin bei dir

Dort liegt dann auch das Gold der Episode, nämlich konkret im Umgang Sarus mit Su'Kal. Dieser hat sein Leben lang alleine in diesem Gefängnis verbracht, das nun mehr und mehr auseinanderfällt und für die einzigen realen Lebewesen in seiner Umgebung zur Todesfalle wird. Es braucht Überzeugungskraft, Empathie und eine starke Verbindung, Su'Kal von der Notwendigkeit zu überzeugen, den Schritt in ein neues Leben und somit das Ungewisse zu wagen. Saru ist dafür genau die richtige Person, was Doug Jones auch dank der starken Dialoge zu einer Galavorstellung antreibt. Fast ist es schade, den Mimen zukünftig wieder unter dem ganzen Make-up zu sehen. Jones ist in seinen Szenen schlicht wunderbar.

Genaugenommen wären für die Geschichte Culber, Adira und Gray auch gar nicht notwendig gewesen. Das Drehbuch nutzt sie jedoch so gut es eben geht. Am Ende klärt sich dann auch für den armen Kelpianer alles auf, als er die letzten Momente seiner Mutter als Aufzeichnung verfolgen kann. Ebenso wie mit den (erneuten) Erklärungen von Culber zum Auslöser des Brandes erfahren wir hier aber nicht mehr wirklich etwas Neues. Dennoch: Dank der Vermischung der Storylines und dem Einsatz der Discovery gelingt schließlich die Rettung und wir erleben die letzten Minuten der Staffel als Montage verschiedener Motive. Völker kehren in den Schoß der Föderation zurück, das Dilithium wird abgebaut und soll ausgeliefert werden, die Crew erhält die neuen Uniformen und letztlich kommt es dann sogar zu dem Ereignis, das viele Fans bereits erahnt, andere nicht herbeigesehnt hatten.

Der Moment

Wer diese Rezensionen regelmäßig liest, wird wissen, dass auf der Seite des Schreibers über die Einsetzung von Michael Burnham als Captain im Finale keine große Überraschung ausgebrochen ist. Zu eindeutig hatten die Autoren ihre Hauptfigur in Stellung gebracht und bei jeder Gelegenheit durch andere Figuren loben lassen. Man denke an Nhan oder Georgiou. Der Handlungsbogen from zero to hero war absolut beabsichtigt und ein wichtiger Fokus der Macher für dieses dritte Serienjahr, wie Showrunnerin Michelle Paradise auch nach Veröffentlichung der letzten Episode zugab.

Blendet man alles aus, was vor diesen finalen sechzig Minuten passiert ist und fokussiert sich auf das, was uns hier geboten wird, ergibt das Ganze auch erstaunlich viel Sinn.

Einerseits kann man Tilly absolut verstehen, als sie den Stuhl und die Verantwortung an Michael abtritt. Sie hat gerade eine verdammt harte Phase hinter sich und fast ihr Leben verloren. Außerdem erkennt sie richtigerweise den viel höheren Rang und die Erfahrung der Freundin und Kollegin an. Michael für die Rückreise und den Rest der Mission den Job abzutreten ist sinnvoll und nachvollziehbar.

Auch Saru und seine Argumentation ist schlüssig. Dass er, der seine Welt so früh für die Sternenflotte verließ und sogar in der Vergangenheit zurückließ, nun die Chance nutzt, sie in dieser spannenden Zukunft und nach dem Eintritt in die Föderation völlig neu zu entdecken und den Weg zu begleiten und nebenbei noch Su'Kal einen besseren Start in sein neues Leben zu ermöglichen, passt absolut zur Figur des mitfühlenden und nachdenklichen Kelpianers. Saru sucht nach all den Turbulenzen der letzten Jahre Ruhe und Sinn und vielleicht ist ihm die Rolle des Captains am Ende doch nicht so geheuer gewesen wie gedacht. Die Autoren schaffen es, seine Entscheidung überzeugend darzulegen. Dass er - leider nur in der Erzählung von Vance - Michael als seinen Ersatz vorschlägt, passt ebenfalls zu ihm. Wie bei Tilly ist er bereit, über Vergangenes hinwegzusehen oder einfach ein Risiko einzugehen, weil er an den Menschen an sich glaubt. Saru ist ein Wesen, das immer wieder den Versuch unternimmt, andere zu unterstützen und ihnen auf die Sprünge zu helfen. Er weiß, dass Michael es im Kern könnte und sieht vermutlich für sie, die Sternenflotte und die Crew mehr Chance als Risiko darin.

Schließlich gelingt es sogar noch, Michael sympathisch darzustellen, da sie eigentlich lieber auf Sarus Rückkehr warten möchte. Zugegeben, sie lässt sich dann doch schnell von Vance überzeugen, doch wer will es ihr verdenken? Sie hat ihren Frieden mit ihrem Platz auf dem Schiff gemacht, weiß Book an ihrer Seite und ergreift diese Karrierechance. Daran gibt es nichts zu kritisieren.

Wie gesagt: Das alles gilt für diese letzte Episode. Blickt man jedoch weiter zurück und lässt alles Revue passieren, was rund um Michael so passiert ist, überzeugt die Geschichte leider weniger. Die Chance kommt zu früh, alles ändert sich von Moment zu Moment zu schnell und wenn man ehrlich ist, wollen mehr die Macher der Serie Michael als Captain haben, als dass es die Dramaturgie wirklich hergeben würde. Doch geschenkt: Dieser Punkt musste und sollte kommen. Nun wird es interessant zu sehen sein, wie man damit zukünftig umgeht. Die Figur war ohnehin schon immer ultimativer Dreh- und Angelpunkt des Geschehens. Daran dürfte sich nur wenig ändern. Doch vielleicht bekommt Michael die Machtfülle besser, jetzt, wo sie nicht mehr stur und bockig gegen Befehle angehen muss, sondern ihr Ding machen kann. Wie sagt sie am Ende? Lasst uns fliegen - und abwarten.

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Gedanken

  • Der bedauernswerte Sahil wurde zwar die komplette Staffel vergessen, immerhin nun aber zum Ende eingesammelt und befördert. Michael Burnham kann über die herzliche Begegnung übrigens wirklich froh sein. Schließlich hätte sie auch direkt nach dem Zusammentreffen mit der Föderation für seine Rettung sorgen können. Offenbar ist der gute Mann aber nicht nachtragend.
  • Nachdem man einige Episoden lang Lt. Nilsson nicht gesehen hatte und stattdessen aus dem Nichts Lt. Ina ins Spiel brachte, taucht Nilsson nun für den Abschluss wieder auf. Das kann nur Produktionsgründe gehabt haben.
  • Jett Reno alias Tig Notaro ist ebenfalls noch einmal zu sehen, hat aber keinen Text.
  • Der Konflikt zwischen Stamets und Burnham wird nicht mehr verfolgt und auf die kommende Staffel verschoben. Auch für das Wiedersehen von Stamets, Culber und Adira bleibt nur wenig Zeit (und kein Dialog).
  • Über das Innere der Discovery darf man angesichts dieser Episode lieber gar nicht nachdenken; lieber sollte man Doctor Who anrufen, der kennt solche Phänomene. Star Trek war immer der Versuch einer glaubwürdigen Zukunft; Star Trek: Discovery hat das inzwischen leider komplett über Bord geworfen.
  • Dass Saru Michael als Captain sieht, wäre im Dialog vermutlich effektiver gewesen, insbesondere angesichts der Vergangenheit der beiden und der Ereignisse der aktuellen Staffel.
  • Dass Book auf einmal als Ersatz-Stamets taugt, kommt völlig aus dem Nichts. Vielleicht hätte man diese Option schon mal vorher irgendwie andeuten können. Seine Fähigkeiten, die man in dieser Staffel bereits sah, waren den Autoren leider keine größere Aufmerksamkeit wert.
  • Nachdem die Smaragdkette zunächst viele Episoden lang nur wie eine Horde Piraten wirkte, dann in den Verhandlungen zu einem Konstrukt mit vielen Orten und sogar Ministern (!) wurde, gilt sie nach Osyraas Tod nun direkt als zerschlagen. Das ergibt leider von vorne bis hinten keinen Sinn und enttarnt die ganze Geschichte als reines Deus Ex Machina. Schade!
  • In der Frage, wer der Föderationspräsident ist, legen die Macher sich nicht fest. Kovich steht zwar in der Krise an der Seite von Vance, hat aber offenbar wenig zu sagen und kann durchaus immer noch in jeder anderen Funktion tätig sein.
  • Die Musik, die mit der Entdeckung des Schiffes im Nebel kurzzeitig ein spannendes Thema war, wurde von den Autoren nicht mal mehr näher aufgelöst. Reimen wir uns also zusammen, dass es das kelpianische Schlaflied war, welches irgendwie durch den Subraum übertragen wurde und andere Völker beeinflusste. Nun ja, da war Battlestar Galactica doch etwas kreativer gewesen ...
  • Der beste Moment der Episode gehört Book, nachdem er Zareh aus der Kabine stürzt und dieser seine Katze beleidigt hatte: "Sie ist eine Königin!"
  • Das Zitat von Gene Roddenberry, so schön es auch ist, wäre in einer Episode mit mehr Tiefgang vermutlich besser aufgehoben gewesen. Denkt man sich einmal durch das klassische Star Trek, fallen einem eine Vielzahl von Episoden über Kommunikation ein, die dieses Zitat des Trek-Schöpfers besser mit Leben gefüllt haben. Dennoch: Der gute Wille zählt. Blickt man auf die Dynamik zwischen Saru und Su'Kal, kann man schließlich sogar sagen: Hier passt es! Dass man jedoch obendrauf noch der Verlockung erlag, die TOS-Abspannmusik zu verwenden, war des Zuckergusses dann doch wieder zu viel, da die Episode eine solche Verbindung in keiner Weise hergab. Somit kann man es sogar als unnötige Anbiederung an die Fans der ersten Stunde sehen, wenn man denn zynisch sein möchte. Schwamm drüber.

Fazit

Mit einem rasanten Finale endet die dritte Staffel von Star Trek: Discovery und hinterlässt die Fans vermutlich gespalten. Wer akzeptieren kann, dass eine ganze Armada von Sternenzerstörern die Plotholes durchfliegen könnte und sich nicht daran stört, wieviel Potenzial die Serie immer noch an allen Ecken und Enden liegenlässt, erhält eine actionreiche Stunde voller Drama, Emotionen und coolen Sprüchen, die schnell vorbeirauscht und die vorhandenen Schwächen effektiv kaschiert. Wer von Star Trek im Speziellen und einer horizontal erzählten Serie im Allgemeinen jedoch weiterhin mehr erwartet, als bunte Popcorn-Unterhaltung, dürfte ebenso frustriert von dem wilden Treiben sein.

Versucht man einen Mix beider Betrachtungsweisen, schließt die letzte Episode die bisher beste Staffel der Serie angemessen ab, bringt die meisten Handlungselemente zu einem Ende und ermöglicht der Serie einen weiteren Neustart im kommenden Jahr. Die Wahrheit darüber, ob das aktuelle Produkt gutes Star Trek oder eine gut geschriebene Serie darstellt, liegt wie so oft im Auge des Betrachters. Jeder möge hierfür seine eigene, ganz persönliche Wahrheit finden.

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