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Star Trek: Ewig lockt der Resetbutton - Teil 1

In Star Trek-Episoden wurde von den Autoren oft und gerne der Resetbutton gedrückt. Doch was ist dran an diesem Ausweg aus einer Geschichte? Wir präsentieren euch heute die ersten fünf solcher Momente.

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von Björn Sülter

Zu den inzwischen über 800 TV-Episoden und 13 Kinofilme des Star-Trek-Franchise gibt es eine Menge zu besprechen. Daher werden wir euch zukünftig in unregelmäßigen Abständen mit kleinen Top-Listen versorgen und damit alle möglichen Aspekte beleuchten.

Thema sind heute fünf verschiedene Gelegenheiten, bei denen Autoren der Serien und Filme den heiligen Resetbutton bemühten, um aus einer Story wieder herauszufinden.

das andere leben

Beginnen wir unsere kleine Reise mit einem Fanliebling: Commander William T. Riker alias Jonathan Frakes! Dieser erlebte in der Episode Future Imperfect (Gedächtnisverlust) aus der vierten Staffel von Star Trek: The Next Generation eine alternative Zukunft, in der er als Captain der Enterprise fungierte, verheiratet war und einen Sohn hatte.

Am Ende stellte sich all das jedoch als holographische Simulation eines einsamen, außerirdischen Kindes heraus, das Riker als Freund und Vaterfigur an seiner Seite haben wollte und daher selbst in der Rolle des Sohnes agierte. Zu viele unlogische Momente in der Erzählung des Kindes weckten jedoch die Zweifel des Commanders, was die Scharade scheitern ließ.

Auch wenn die falsche Zukunft am Ende zerplatzt, handelt es sich doch um ein spannendes Gedankenspiel und schöne Einblicke in die Figur des Riker.

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alles nur geträumt

Ebenfalls alles nur im Kopf einer einzigen Figur spielte sich in der Episode Vanishing Point (Vermisst) aus der zweiten Staffel von Star Trek: Enterprise ab. Hoshi Sato erlebte dort eine traumatische Zeit, in der sie sich aufzulösen schien und ihre Kolleginnen und Kollegen plötzlich scheinbar keine Notiz mehr von ihr nahmen.

Die bekannten (oft auch unterschwelligen) Versagens- und Verlustängste der Figur wurden hier auf spannende Weise aufgenommen und in eine alternative Realität überführt, die sich genaugenommen nur in rund 8 Sekunden abspielte, als Hoshi sich im Transporterpuffer befand. Zwar war somit am Ende zwar nichts von alldem wirklich passiert, man lieferte aber erneut gelungene Einblicke in das Seelenleben eines Charakters.

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Weg damit!

Ganz kurz kann man die Intention der Doppelfolge Storm Front (Sturmfront) vom Beginn der vierten Enterprise-Staffel zusammenfassen: Manny Coto musste den Dreck aufwischen, den ihm seine Kollegen Berman & Braga mit dem (unnötigen) Cliffhanger am Ende der Xindi-Mission hinterlassen hatten. Genaugenommen ging es dabei um einen außerirdischen Nazi, der als Teil des Temporalen Kalten Krieges um seine Macht kämpfte.

Hierzu entwarf Coto ein Setting, das später auch ähnlich in der (viel besseren) Serie The Man in the High Castle behandelt wurde. Für Archer & Co hieß das, eine Epoche der Menschheitsgeschichte aus einem anderen Blickwinkel (und nach einem anderen Verlauf) zu erleben, die nach Bereinigung der Situation aber natürlich in der Versenkung verschwinden musste.

Es war sicher eine gute Idee, den Temporalen Kalten Krieg noch aufzulösen; die gewählte Art und Weise stellte aber sicher keine adäquate Behandlung des Themas dar. Das man sogar darauf verzichtete, die Identität des Future Guy (der bereits im Pilotfilm aufgetaucht war!) aufzuklären, passte da nur noch mehr ins Bild. Schade!

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pure zerstörung

Die vielleicht beste Resetbutton-Episode der Star-Trek-Geschichte erlebten wir Fans mit der Doppelfolge Year of Hell (Ein Jahr Hölle) aus Star Trek: Voyager. Allerdings handelte es sich dabei auch um den schmerzhaftesten Einsatz eben jenes Resetbuttons.

So war es in hohem Maße aufwühlend, erschreckend und emotional berührend, was die geliebte Crew hier durchleben musste. Die Verluste waren groß, das Ausmaß an Zerstörung legendär. Nie wurde bei einer Trek-Episode konsequenter mit einer ausgweglosen Situation umgegangen. Am Ende der Reise hatten sich alle Charaktere extrem verändert, waren durch die Erlebnisse gezeichnet oder sogar gestorben. Hinzu kam die großartig erzählte Geschichte des gebrochenen Gegenspieler Annorax, mit dem man mehr als mitfühlen konnte; trotz allem, was er Unrechtes tat.

Diesen düsteren Ausgangspunkt ließ man für die weitere Serie aber natürlich nicht zu und drückte den angesprochenen Notknopf. Alles war wieder gut und die Erinnerungen ausgelöscht. Ein bittersüßer Moment, bei dem man sich mit der Crew freute, die verlorenen Erinnerungen aber beweinte.

Star Trek: Voyager war oft eine Serie, die zu wunderbarer Unterhaltung imstande war. Sie war aber auch eine Serie, bei der man regelmäßig notwendige Konsequenzen scheute. Diese Episode steht sinnbildlich für beides.

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back in time

Kommen wir zum Abschluss zu einem Kinoabenteuer. Im achten Leinwandstreifen Star Trek: First Contact (Star Trek: Der erste Kontakt) reisten die Borg zurück durch die Zeit, um das erste Aufeinandertreffen der Vulkanier und der Menschen zu verhindern. In der Zukunft sahen wir die Auswirkungen: Die Erde war assimiliert worden!

Picard & Co reisten also ihrerseits hinterher und verhinderten den Eingriff in die Zeitlinie im Jahr 2063. Der Resetbutton bezog sich hier aber erfreulicherweise nur auf die Taten der Borg, nicht aber auf die Erlebnisse vor Ort und Begegnung mit Zephram Cochrane, der, wie wir später in Star Trek: Enterprise erfuhren, noch oft vom Angriff der kybernetischen Zombies aus der Zukunft berichtete, ohne, dass ihm jemand geglaubt hätte. Somit behielten am Ende alle ihre Erinnerungen, da sie entweder vor den Auswirklungen durch die Zeitreise geschützt waren und auf der Erde außerdem keine Wiederherstellung auf den Moment vor der Ankunft der Borg und der Enterprise stattfand.

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Das war es wieder einmal für heute! In Kürze geht es mit fünf weiteren Resetbuttons weiter.