News | 2 Monate

Star Trek: Lower Decks - Der beste Gag der Pilotepisode ist vielschichtig

Am Ende der ersten Episode erwähnte Mariner den Namen Gary Mitchell. Was wie Namedropping wirkt ist in Wirklichkeit viel komplexer.

Lower13

Die allererste Episode von Star Trek: Lower Decks könnte Trekkies eventuell in zwei unterschiedliche Arten von Fans aufteilen: Bist Du eher wie Boimler oder mehr wie Mariner? Boimler liebt die Sternenflotte, ist aber alles andere als ein Experte für ihre oft verrückte Geschichte. Mariner hingegen hält die Sternenflotte gelegentlich für langweilig, kennt jedoch praktisch jede Facette selbst ihrer merkwürdigsten Momente.

Der allerbeste Gag in der ersten Folge von Star Tek: Lower Decks ist eng mit dieser Unterscheidung verknüpft. Als Mariner eine ganze Batterie von Referenzen an den allgemeinen Trek-Canon herunterrattert, legt sie dabei ein spaßiges „Easter Egg“ (ein Begriff für einen Insider-Witz – Anm. d. Übers.), das gewissermaßen gleich zweimal seine Wirkung tut, eigentlich sogar dreimal. Sehen wir nach, was Mariners Gag gegen Ende der ersten Lower-Decks-Folge so lustig macht und Boimler dabei völlig im Regen stehen lässt.

Nachdem Fähnrich Brad Boimler (Jack Quaid) und Fähnrich Beckett Mariner (Tawny Newsome) gegen Ende der Episode zu besten Freunden werden, ergeht sich Mariner in einer Liste schrulliger Star-Trek-Fakten, die sie im Wesentlichen aus den Geschichtsbüchern kennt. „Kennst du Spock?“, sagt sie und greift Boimler am Uniformhemd. „Der Typ ist von den Toten auferstanden!“ Danach spricht sie über „meinen Helden Worf“ und erwähnt Kirk und Deanna Troi namentlich. Der beste Witz folgt jedoch, als Mariner Boimler nach jemand anderem fragt. Und das klingt so:

Mariner: „Gary Mitchell?“

Boimler: „Ich bin sicher, den könnte ich nachschlagen!“

Okay, das ist ziemlich klasse. Hardcore-Fans wissen, dass Gary Mitchell (gespielt von Gary Lockwood) im Jahr 2265 der Erste Offizier der U.S.S. Enterprise war. In der Folge Die Spitze des Eisbergs (Where No Man Has Gone Before) wurde er über unsere Galaxis hinaus versetzt, entwickelte Super-PSI-Kräfte, wandelte sich zum spinnerten Weltraum-Gott und wurde schließlich von Kirk unter einem Felsen begraben. Bei alledem war Gary einst Kirks bester Freund. Die Spitze des Eisbergs war der zweite Pilotfilm der Originalserie und schaffte es im Gegensatz zu Der Käfig (The Cage), Star Trek zu verkaufen. Ein Teil der Pointe von Mariners Referenz an den Vorfall in der Lower-Decks-Eröffnungsfolge Second Contact besteht darin, dass Die Spitze des Eisbergs sozusagen erstmalig im Piloten einer späteren Trek-Serie überhaupt erwähnt wurde.

Gary Mitchell

Außerdem witzig ist, dass Mitchells Schicksal einen so großen Einschnitt bedeutete, trotzdem er in lediglich einer Episode auftrat. Obwohl es sich um den zweiten Pilotfilm der Serie handelte, ist die Folge kein Fan-Favorit. Sie beinhaltet ferner ein paar verwirrende kanonische Brüche: Etwa der erweckte Eindruck, Spocks Vorfahren hätten sich mit Menschen gepaart, eine andere Brückenbesatzung der Enterprise, Sulu in blauer Uniform und weder Uhura noch „Pille“ McCoy an Bord. Grundsätzlich ist Gary Mitchells Erwähnung ein Wink mit dem Zaunpfahl bezüglich des Umstandes, dass der Star-Trek-Kanon zuweilen ein klein wenig durcheinander daherkam.

Das aber ist noch nicht der Hauptgrund für die Spaßigkeit des Gags.

Dieser nämlich ist, dass Boimlers Bemerkung „Ich könnte ihn nachschlagen!“ impliziert, dass er noch nie von Gary Mitchell gehört hat. Und das, man höre und staune, macht im Kanon durchaus Sinn. Die Tatsache, dass Mariner von Gary Mitchell weiß bedeutet, dass sie sich wirklich gut mit der Geschichte des 23. Jahrhunderts auskennt, da niemand in der Sternenflotte über Mitchell Bescheid wissen sollte. Der Grund dafür ist, dass Kirk seinen Computerlogbuch-Eintrag in Die Spitze des Eisbergs verfälscht. Am Ende der Folge diktiert Kirk, dass Dr. Dehner und Gary Mitchell beide in Ausübung ihrer Pflicht starben. Er erwähnt nicht, dass sie sich in irre Mutanten mit übernatürlichen Fähigkeiten a’la Professor X verwandelten und auch nicht, dass er derjenige war, der Mitchell tötete.

Kirk Mitchell

Somit besagen die offiziellen Aufzeichnungen der Sternenflotte, dass Gary Mitchell in Ausübung seiner Pflicht starb und Mariner eigentlich nichts davon wissen kann, dass sich Mitchell in einen boshaften Weltraum-Gott verwandelte. Gary Mitchell dürfte also den Studenten der Geschichte der Sternenflotte nicht weiter bekannt sein, daher macht es Sinn, dass Boimler nie von ihm gehört hat. Auch sagt der Gag aus, dass Second Contact mit einem verfälschten Logbucheintrag (aufgezeichnet von Boimler) beginnt und mit einer Referenz an Kirks Eintrag in Die Spitze des Eisbergs endet.

Eigentlich macht sich der beste Gag in der Lower-Decks-Eröffnungsfolge über die Unzuverlässigkeit der Computerlogbücher der Captains lustig und die Tatsache, dass wir möglicherweise niemals die ganze Wahrheit durch sie erfahren. Captain Freeman fragt Boimler nach seinen Logbucheinträgen, und als er antwortet, dass er fünf pro Tag davon aufzeichnet, antwortet sie: „Das ist ja schon exzessiv!“ Ha! Wie viele Logbucheinträge nahm Kirk in jeder beliebigen Episode der Originalserie auf? Mindestens fünf, wenn nicht sogar mehr.

Das Gary-Mitchell-Easter-Egg ist mehr als eine spaßige Referenz. Es ist ein Gag über den Star-Trek-Kanon, der auch mit den anderen Scherzen während der Folge verknüpft ist. Falls dies bedeutet, dass wir weitere serienübergreifende Trekkie-Gags in Lower Decks erwarten können, sieht es ganz danach aus, als hätten wir gerade erst den ersten Faden des tholianischen Netzes gesehen.

*

Dieser Artikel wurde von Thorsten Walch von Moin Moin Medien im Auftrag von SYFY.de übersetzt.

Der Originalartikel stammt von SYFY.com und wurde von Ryan Britt geschrieben.