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Star Trek: Lower Decks - Der beste Gag der zweiten Episode dreht sich um die Wahl des richtigen Jobs

Du hast Medizin studiert, wolltest aber eigentlich lieber Plasmaleitungen reparieren? Kein Problem! Star Trek zeigt uns mit Lower Decks erneut, dass die Karrierewege in der Sternenflotte unergründlich sind.

Lower Decks Episode 2

Manche neigen dazu, ihre Lieblingscharaktere bei Star Trek nach deren Job auszuwählen. Captain Picard ist cool, weil er der Captain ist. Sicherheitschef Tuvok ist cool, weil er der Sicherheitschef ist. Von vielen nur am Rand bemerkt wird allerdings, dass viele Star-Trek-Charaktere ohne ersichtliche Gründe massive Änderungen in ihren Laufbahnen einchlugen. In der neuesten Folge von Star Trek: Lower Decks dreht sich ein Running Gag um merkwürdige Positionswechsel bei Star Trek und erinnert uns daran, dass die Sternenflotte der ideale Platz dafür ist, ausgiebig „Bäumchen wechsle Dich!“ zu spielen.

Obwohl der Haupthandlungsstrang von Envoys sich auf Boimler und Mariner konzentriert, die einen klingonischen Gesandten zur Föderationsbotschaft eskortieren, handelt die witzige Nebenhandlung von Fähnrich Rutherford und seinen willkürlichen Karrieresprüngen durch das ganze Schiff. Zu Beginn der Folge erkennt Rutherford, dass er durch seine Dienstpflichten im technischen Bereich sein Date mit Fähnrich Tendi verpassen wird und so entscheidet er sich, diesen Job zu kündigen und eine völlig neue Karriere zu starten. Im Verlauf der Episode wird sein Abschied von der technischen Abteilung geschildert und wie er sich nacheinander in die Kommandoabteilung, die Sicherheitsabteilung sowie die medizinische Abteilung versetzen lässt, nur um sich am Ende dort wiederzufinden, wo er begonnen hat: In der technischen Abteilung. Und jedes Mal ist der Witz der gleiche: Man erwartet, Rutherfords neue Vorgesetzte und Kollegen könnten sich hintergangen fühlen, weil er sie verlässt, um anderswo einen anderen Tätigkeitsbereich zu finden; stattdessen jedoch ist jeder absolut einverstanden mit dem Wechsel.

Lower Decks Episode 2a

Nachdem Lt. Commander Andy Billups (gesprochen von Paul Scheer) Rutherford mitgeteilt hat, dass dieser sein liebster Mitarbeiter sei, muss er mit der Neuigkeit zurechtkommen, dass Rutherford seine Versetzung aus der technischen Abteilung beantragt hat. Nachdem es für eine Mikrosekunde so aussieht, als sei der Chefingenieur ärgerlich, beginnt er zu strahlen und sagt: „Betrachten sie ihr Gesuch als … genehmigt!“. Und dann platzt er mit einem breiten Grinsen heraus: „Wo immer sie auch landen, man wird dort glücklich sein, sie zu haben!“.

Der Witz ist aus vielen Gründen großartig. Vor allem deshalb, weil sich Rutherford jedes Mal nach einer neuen Entscheidung zum Wechsel gefühlt noch tiefer in den Posten hineinkniet als beim vorherigen und dass niemand glücklich darüber sein wird, wenn es ihn erneut weiterzieht. Besonders diese absurde optimistische und fast schon pathologische Positivität scheint gewissermaßen der Ausdruck dafür zu sein, dass jeder in der Sternenflotte grundsätzlich nett und freundlich zu sein hat.

Die Macher von Star Trek:The Next Generation waren mitunter für ihre Mutlosigkeit berüchtigt, Konflikte unter Sternenflottenoffizieren zu schildern: Die Crew sollte schließlich als Beispiel für den wesentlich höheren Sinn für Humanismus in der Zukunft fungieren. Dies erschwerte natürlich das Einbringen von Konflikten. In Lower Decks hingegen macht man einfach einen ulkigen Scherz daraus. Man wünscht sich beinahe ein paar Konsequenzen für Rutherford, der alle diese Posten in den Wind schießt. Doch der Witz in der Star-Trek-Zukunft ist, dass man jeden Job kündigen und in seiner Karriere hin- und herspringen kann, soviel man möchte und nicht befürchten muss, von irgendwem verurteilt zu werden. Die Reaktion ist, wenn überhaupt, Beifall.

Dies führt uns zu einem anderen Grund dafür, warum dieser Gag so witzig ist. Obwohl der Posten eines Technikers auf einem Raumschiff nicht mit dem eines medizinischen Offiziers zu vergleichen ist, gibt es Beispiele für gewaltige Karriereschübe im Handumdrehen. In der ersten Staffel von TNG war Geordi LaForge der Steuermann der Enterprise-D und trug dementsprechend eine rote Uniform. Doch im zweiten Jahr trug Geordi plötzlich Gelb und war zum Chefingenieur geworden. Zum Vergleich: Das wäre so gewesen, als hätte Sulu in der zweiten Staffel der Originalserie plötzlich Scotty ersetzt.

Raumschiff Enterprise Naechste Jahrhundert06 Tng Epi239ci

Thema Sulu: Im zweiten TOS-Pilotfilm Die Spitze des Eisbergs arbeitet Sulu hochmotiviert als Astrophysiker in der wissenschaftlichen Abteilung des Schiffes (und trägt eine blaue Uniform, Anm. d. Übersetzers), doch eine Folge später in Das Letzte seiner Art trägt er plötzlich Kommando-Gold und fliegt das Schiff. Chekov, der Navigator, wird im Verlauf der Kinofilme de facto zum Sicherheitschef der Enterprise, wofür niemals eine Erklärung geliefert wird. Dann ist da Chief O’Brien, der als Ersatz-Steuermann im TNG-Pilotfilm Der Mächtige/Mission Farpoint begann und zum Transporter-Experten wurde. In Star Trek: Deep Space Nine schließlich war er für die Technik einer kompletten Raumstation verantwortlich. Schön und gut, all das gehört zum technischen Bereich, aber dennoch wechselte O’Brien vom Fliegen des Schiffs über das Beamen von Personen bis hin zur Reparatur von Energierelais auf einer Raumstation in weniger als sieben Jahren. Das ist ein ziemlich spannender Karriereweg!

Eine der Stärken von Lower Decks ist grundsätzlich das Scherzen über die Idee des Karrierismus in einer Zukunft, in der es weder Geld noch eine echte Bedeutung von Status mehr gibt. Unsere Heldin Fähnrich Mariner denkt, dass das Aufsteigen im Rang etwas für Schnösel ist und dass es viel mehr Spaß bereitet dort zu bleiben, wo sie ist. Boimler hingegen ist anderer Ansicht, aber sein Karrierestreben wirkt nervig und Ich-bezogen. Bei alledem ist der Gag um Rutherford und seine Karrieresprünge (nur um am Ende wieder dort zu stehen, wo er anfing) herzerwärmend und ehrlich.

Bei Lower Decks gibt es keine Peinlichkeiten, wenn man bei seinen Leisten bleibt und sich dafür entscheidet, mit wenig zufrieden zu sein. Andererseits zeigt man dort aber auch, dass es durchaus in Ordnung ist, aus einer Laune heraus mit dem aufzuhören, was man gerade tut. In der hoffnungsvollen Zukunft von Star Trek können selbst entscheidungsschwache Zeitgenossen zu Helden werden!

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Dieser Artikel wurde von Thorsten Walch von Moin Moin Medien im Auftrag von SYFY.de übersetzt.

Der Originalartikel stammt von SYFY.com und wurde von Ryan Britt geschrieben.

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