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Star Trek: Lower Decks - Komponist Chris Westlake enthüllt seine musikalischen Easter Eggs

Star Trek: Lower Decks ist ein Fest für Fans von Anspielungen auf vergangene Trek-Zeiten. Wo sich diese auch in der Musik verstecken, erklärt uns nun der Komponist persönlich.

Star Trek Lower Decks Crew 109 Westlake

Hinweis: Dieser Artikel beinhaltet Spoiler zur ersten Staffel von Star Trek: Lower Decks.

Auch wenn Star Trek: Lower Decks als Comedy präsentiert wird, macht Serienkomponist Chris Westlake keine Scherze bei der Musik. Wer die Titelmelodieschon vor dem Ansehen hörte, wusste möglicherweise gar nicht, dass sie für eine Serie komponiert wurde, die sich (meist) über Star Trek lustig macht. Dies sei erwähnt, da speziell diese Trek-Serie in wesentlich kleinerem Umfang daherkommt als ihre Vorgänger. Westlake erklärt, dass ihm klar war, dass die Melodie nicht „zu bombastisch“ sein sollte. In anderen Worten: Wenn die U.S.S. Cerritos in der Titelsequenz mit dem Weltraum-Eisberg zusammenstößt, wird dieser visuelle Gag nicht von einem großen Paukenschlag begleitet. Die Klänge von Lower Decks sind nicht die eines „albernen“ Star Trek. Sie sind schlicht neue, einzigartige Star-Trek-Klänge, die gleichzeitig vertraut scheinen.

„Es gibt Gags in den Szenen mit den Charakteren, doch die Musik muss sich vorstellen, sie gehöre zu einem der Filme oder einer der Serien.“, erzählt Chris Westlake. „Sie muss aufrichtig und nicht zu aufdringlich sein. Je ernster wir die Musik nahmen, umso größer wurde der Comedy-Faktor. Deshalb ergänzten wir die Titelmelodie um einen Chor. Wir beschlossen einfach, draufzuhalten, und der Chor machte es spaßiger. Es war so, dass wir anfangs sechs oder sieben Melodien ausprobierten, wovon schließlich zwei übrigblieben. Eine davon war eher langsam und stattlich und wir mussten uns zwischen ihr und der, die es wurde, entscheiden. Sie war einfach energiegeladener.“

Wie viele andere Fernsehserien, die zu Zeiten von COVID-19 fertiggestellt wurden, entstand der Soundtrack zu Lower Decks aus dem Home-Office, wie Westlake enthüllt: Jeder Musiker nahm seinen Teil einzeln auf. Diese Herausforderung ergab sich durch den Fakt, dass die Premiere von Lower Decks „…um zwei Monate vorgezogen wurde“, was, wie Westlake sagt, daran lag, „…dass wir mit Staffel 3 von Discovery in der Programmplanung getauscht wurden. Der Hauptgrund war, dass wir als Zeichentrick-Serie besser vorankamen. Somit war mein Zeitfenster eingeschränkt!“

Star Trek Lower Decks Movie

Trotz dieser Herausforderungen wuchsen Westlake und seine Musiker an der Aufgabe und lieferten einzigartige Musik für jede Folge von Lower Decks, die nicht nur jeder "ihre eigene klangliche Identität gab“, sondern auch, wie Westlake freimütig zugibt, einige musikalische „Easter Eggs“ für das Publikum beinhaltet. In Episode 3, Temporal Edict, hören wir musikalische Anklänge an die Kampfmusik aus der Originalserie, als Jack Ransom in Captain-Kirk-Manier ein riesiges Alien bekämpft, während beiläufig auch Musik aus The Next Generation in subtiler Art für das neue Trek adaptiert wird. „Ich schätze, die Fans werden die meisten Easter Eggs gefunden haben“, sagt Westlake, doch bezieht sich dies hauptsächlich auf die musikalischen Anspielungen in Folgen vor Episode 9, Crisis Point. In dieser Folge nämlich wird die Serienmusik fast komplett zu einer Easter-Egg-Maschine für Trekkies.

Als Ensign Mariner ein Holodeck-Programm in einen Film mit ihr selbst und ihren KameradInnen in den Hauptrollen verwandelt, sind die besten Referenzen zum früheren Star Trek nicht zu sehen, sondern in die clevere Serienmusik der Folge eingebettet. Als Mariner und die anderen den Vorspann des Lower-Decks-Films anschauen, werden erfahrene Trekkies auf der Stelle erkennen, was Westlakes Musik gerade macht: Nämlich auf die Waldhörner aus James Horners Filmmusik zu Der Zorn des Khan anzuspielen.

„Obwohl wir unsere eigene klangliche Identität für die Serie haben, wollten wir auch auf die großen Komponisten verweisen, die Musik für Star Trek geschrieben haben.“, erklärt Westlake. „Ich denke, wenn ich ein ‚Lower Decker‘ wäre, dann würde meine Brückencrew wie Jerry Goldsmith (Star Trek: Der Film), James Horner (Der Zorn des Khan) oder Jay Chattaway und Ron Jones (The Next Generation) klingen. Doch gibt es nichts Aufregenderes für mich als James Horners Hörner-Kompositionen für Der Zorn des Khan. Das ist ungeheuer aufregende Musik. Von allen Filmen ist Horners Arbeit diejenige, die sich am meisten nach Action und Abenteuer anhört.“

Nicholas Meyer, der Regisseur von Der Zorn des Khan, schließt sich Westlakes Einschätzung von Horners Soundtrack zum Film absolut an. In seinen Buch-Erinnerungen The View From The Bridge: Memories Of Star Trek And A Life In Hollywood (nicht in deutscher Übersetzung erschienen) schreibt Meyer darüber, wie er Horner anwies, dass die Musik „das majestätische Wiegen des Ozeans suggerieren sollte. Nautisch und schön.“ Dieses spezielle Konzept – das Erzählen einer musikalischen Geschichte in Star Trek über Segelschiffe im Weltraum – ist Westlake wichtig. Aus diesem Grund und auch als jemand, der an der Trailer-Musik für Star Wars: Das Erwachen der Macht mitgearbeitet hat, weiß er, dass der Eindruck eines John-Williams-Soundtracks großen Einfluss nehmen kann.

Lowerdecksreliant

„Ich gehörte eher zur John-Williams-Fraktion.“, eröffnet Westlake. „Mike (McMahan) und ich sprachen oft darüber, wieviel der Musik von Star Wars die Filme ausmacht und wieviel von Star Trek durch die Musik kommt. Ich denke, dieser Einfluss durch John Williams ist unmöglich zu ignorieren, und ich sage, dass selbst einiges bei The Next Generation von ihm inspiriert wurde. Aber was macht das schon für einen Unterschied? Was ich stets im Kopf behalte ist, dass die Star-Wars-Musik rasend schnelle Raumschiffe, Weltraumgefechte und das Ausweichen und Herauswinden untermalt. Die Star-Trek-Musik dagegen begleitet langsam fliegende Schiffe, diese mehr seemännischen Aspekte. Und ich denke, dass sich selbst James Horner an Jerry Goldsmith orientiert hat.

Für Fans, die sich vielleicht nicht mehr erinnern können: Jerry Goldsmith ist der Komponist, der 1979 die Musik zu Star Trek: Der Film schrieb, deren Eröffnung 1987 auch als Titelmelodie für The Next Generation verwendet wurde (Boimler summt diese Melodie in der dritten Folge von Lower Decks). Und auf gewisse Weise noch bekannter wurde eine ebenfalls von Goldsmith geschriebene langsamere, sehr nautische Version der berühmten Melodie mit dem Titel The Enterprise, die erklingt, als Kirk und Scotty in einer extralangen Filmsequenz um die Enterprise herumfliegen. Nur für den Fall, dass sich jemand nicht sicher ist, warum die Crew so lange um die U.S.S. Cerritos in der neuesten Folge von Lower Decks kreist: Dies ist zu 100 Prozent eine sehr lange (und ulkige!) Hommage an diese Szene und, vielleicht noch wichtiger, an das Jerry-Goldsmith-Stück.

„Yeah, wir mussten unsere eigene filmische Version der Lower-Decks-Melodie schaffen!“, sagt Westlake lachend. „Ich glaube nicht, dass wir das noch einmal verwenden können. Höchstens dann, wenn wirklich ein Lower-Decks-Film kommt!“

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Dieser Artikel wurde von Thorsten Walch von Moin Moin Medien im Auftrag von SYFY.de übersetzt.

Der Originalartikel stammt von SYFY.com und wurde von Ryan Britt geschrieben.