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Star Trek: Lower Decks - Rezension zur Episode 1.02 "Envoys"

Die neue Serie bietet in der zweiten Woche weniger Rasanz und geht dafür intensiver auf die Figuren ein. Neben den zahlreichen Referenzen an den Trek-Kanon zeigt sich aber auch, dass der oft infantile Humor noch nicht so recht in den Mix passen will.

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von Björn Sülter

Star Trek: Lower Decks befindet sich bereits für den deutschen Markt in Arbeit. Wir halten euch auf dem Laufenden, auf welchem Streamingdienst (oder Sender) der neuste Streich landen wird. Lange sollte es aber nicht mehr dauern.

In der vergangenen Woche startete die Serie mit der Episode Second Contact mit einem extrem hohen Tempo und stellte das Setting und die Figuren vor. Heute geht es mit mit dem nächsten Abenteuer der USS Cerritos weiter.

Achtung: Die Rezensionen sind nicht spoilerfrei. Wer also nichts über die einzelnen Episoden wissen möchte, liest sie einfach erst nach Verfügbarkeit in Deutschland.

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Zum Inhalt:

Während Boimler und Mariner einen Klingonen zu einem diplomatischen Treffen eskortieren, sich dabei besser kennenlernen und viel Chaos stiften, versucht Rutherford sich in anderen Bereichen des Schiffes, um Tendi einen Wunsch zu erfüllen.

Story-Häppchen

Wie auch vergangene Woche ist die Handlung schnell erzählt. Mit einer strikten (und klassisch-trekkigen) Trennung in A- und B-Story verteilen die Autoren ihre vier Hauptfiguren auf zwei Paarungen und erlauben uns dadurch ein besseres Kennenlernen. Boimler und Mariner lassen sich zu diesem Zeitpunkt eindeutig als Fokus hervorheben. Ihre Chemie stimmt, die Konflikte sind klar geschrieben, wenn auch arg vorhersehbar. Das Duo soll eigentlich nur einen Diplomaten per Shuttle abliefern, gerät aber durch Alkohol, Streit und Chaos von einem Schlamassel in den nächsten.

Tendi und Rutherford erleben derweil auf der Cerritos eine noch simplere Geschichte, bei der es primär darum geht, sich selbst nicht zu verlieren, auch wenn man etwas für andere tun möchte.

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Kotze, Nudeln & Alkohol

Weiterhin gefällt sich insbesondere Mariner darin, gegen alle Grundsätze und Regeln ihres Jobs zu verstoßen. Sie trinkt, rauft, stiehlt, schimpft und spielt überdreht an der Technik herum. Obwohl klar ist, worauf die Macher damit hinauswollen, gerät ihre Überzeichnung bisher doch zu extrem und ihr Nervfaktor zu hoch. Doch ist nicht nur sie das Problem, auch die Witze an sich geraten oft aus dem Ruder und bedienen sich eines sehr überschaubaren Niveaus. Ob der Klingone auf seine Waffe kackt oder in der Botschaft betrunken den Boden vollkotzt, die Serie gefällt sich darin, immer wieder das Tiefgeschoss auf dem nach unten offenen Niveau-o-Meter aufzusuchen. Für ein paar Schmunzler reichts zwar im Verlauf auch hier, dem betriebenen Aufwand wird das aber aber eher nicht gerecht.

Auch liegt in der Figur der Mariner eine zu starke Abkehr von den Idealen der Sternenflotte. Bereits im wilden Teaser ist sie erneut beteiligt, als ein aufs Schiff eindringendes Energiewesen von ihr dazu benutzt wird, einen Trikorder samt Batterie zu erzeugen (was klingt als würde das Wesen sein Geschäft verrichten), dann aber von ihr und Tendi einfach zurückgelassen wird. An solchen Stellen kann Macher McMahan noch so oft von einer kanonischen Trek-Serie sprechen: Es passt einfach nicht. Star Trek: Lower Decks sollte man (zumindest bisher) lieber als harmlose, nicht-kanonische Spaßveranstaltung sehen.

Sympathisch

Was jedoch fraglos gut funktioniert, sind die Charakterinteraktionen. Es ist auf der einen Seite charmant, dass Rutherford sich so sehr für Tendi ins Zeug legt, obwohl sein Herz eindeutig für die Arbeit als Ingenieur schlägt. Auch gefällt, wie Mariner auf Boimlers Frust eingeht und ihm einen kleinen Triumph lässt.

Rutherfords Reise durch die Abteilungen stellt uns auf der einen Seite geschickt einige Führungsoffiziere vor und erlaubt zweitens Anleihen an bekannte Spezies und Vorgehensweisen wie die Borg oder den Kobayashi-Maru-Test. Auch ist es positiv zu sehen, dass ihm von seinen Vorgesetzten die Möglichkeit gegeben wird sich auszuprobieren, ein Wechsel dann aber auch kein Problem darstellt. Hier verfolgte man einen sehr trekkigen Ansatz. Rutherford darf sich orientieren und dennoch seiner Bestimmung folgen. Am Ende erhält er trotz seiner Rückkehr in den alten Job das Date mit Tendi, welches aber etwas anders ausfällt als gedacht. Ganz nebenbei hat seine kleine Rundreise uns eine Tour der Cerritos beschert. Clever!

Der gemeinsame Trip von Boimler und Mariner ist derweil erneut von Hektik und viel Drama geprägt, was primär an der immer noch recht nervigen Tochter des Captains liegt. Allerdings erhält auch sie zumindest einige ruhigere Szenen, die ihr und der Serie gut zu Gesicht stehen. Der Konflikt zwischen Draufgänger und Paragraphenreiter, zwischen Herz und Hirn, zwischen nach vorne preschen und nachdenken wird dabei ganz gut herausgearbeitet und erinnert sogar ein wenig an die Chemie zwischen Kirk und Spock/McCoy.

Auch muss positiv hervorgehoben werden, wie stark die Serie das komplette Trek-Universum bespielt und viele bekannte und beliebte Alien-Spezies in den Mix holt. Was bei den Realserien oft am Budget scheitert ist hier problemlos möglich und wird genutzt. Klasse!

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Easter Eggs

  • Das Energiewesen im Teaser klingt zwar wie Melllvar aus Futurama, erinnert aber wohl eher an das aus der TNG-Episode The Child (Das Kind). Es verschwindet am Ende der Szene in Captain Freeman. Fortsetzung folgt? Troi ist damals in TNG schwanger geworden ...
  • Mariner träumt von Geschehnissen, die sie vermutlich über Kirks Disput mit Khan gelesen hat. Auf jeden Fall zitiert sie aus dem zweiten Kinofilm.
  • Tulgana IV erinnert ein wenig an Farpoint Station auf Deneb IV.
  • Captain Freeman grübelt über einen coolen Spruch für den Moment nach, wenn sie den Warpbefehl gibt. Dabei denkt natürlich jeder sofort an Picard ("Engage!", "Make it so!") oder Pike ("Hit it!"). Ihre Idee "It´s warp-time" könnte man aber sicher noch etwas verfeinern.
  • Auf Tulgana IV gibt es mit Little Risa auch einen Abklatsch des beliebten Vergnügungsplaneten. In diesem Zusammenhang sehen wir auch ein Riesen-Horga’hn und hören wiederholt etwas über Jamaharon.
  • Das Janeway-Protokoll geht auf einen Satz des Captains aus der frühen Voyager-Episode Parallax (Die Parallaxe) zurück, in der Janeway sagte, man müsse sich manchmal einfach den weg "freirempeln". Rutherford verwendet es hier natürlich in einem vollkommen unpassenden Szenario und verliert dadurch viele (simulierte) Leben.
  • Mariner erhält viele Kirk-Anleihen: Sie kämpft in seinem Stil (Kirk Fu), stand einmal vor einem Kriegsgericht und ist offen für Alien-Romanzen.
  • Auf der Cerritos gibt es ein Crewmitglied (Castro), das eine kurze Zeit auf der Enterprise gedient hat.
  • Boimler erwähnt Sektion 31.
  • Anleihen an Vazquez Rocks, einen in Trek-Serien und -Filmen beliebter Ort für Dreharbeiten, sind im Park auf Tulgana IV zu finden. Auch befinden sich dort die Botschaften. Die Erdbotschaft erinnert stark an die aus The Forge (Der Anschlag) aus Star Trek: Enterprise.
  • Boimlers "Speedwalking" erinnert an viele Szenen aus den anderen Serien, in denen die Charaktere, statt unter Zeitdruck zu rennen, übertrieben schnell durch Gänge schritten.
  • Der Ferengi erinnert stark an die überkandidelten Versuche mit seiner Spezies aus den frühen Tagen von TNG.
  • Commander Ransom erwähnt den Joystick aus Star Trek: Der Aufstand.
  • In der Bar ist ein Landmann von Morn zu sehen, ein Lurianer.
  • Neben Klingonen, Risanern und Andorianern gibt es diesmal auch noch Kaelonier, Vendorianer und Evora aus Star Trek: Der Aufstand zu sehen.
  • Im fünften Kinofilm waren sie der Schere zum Opfer gefallen, hier spielen aber die Steinwesen aus dem eigentlichen Showdown des Films nun mit; zumindest erinnern sie stark an das, was William Shatner damals geplant hatte.
  • Ist der Planet Jaxa Prime vielleicht eine Hommage an Sito Jaxa aus der TNG-Episode Lower Decks (Beförderung)?

Fazit

Auch in der zweiten Woche setzt die neue Serie voll auf unzählige Kanon-Referenzen, schraubt dabei das Tempo und die Gagdichte etwas herunter und lässt so eine nähere Konzentration auf zwei Figurenpaarungen zu. Das gelingt auch recht charmant, wenngleich die Trefferquote der Gags aber ebenso zu wünschen lässt wie die Storytiefe.

Problematisch ist in Sachen Humor die extreme Überzeichnung, die nie so ganz mit dem bekannten Star Trek harmonieren will und eher an Futurama erinnert. Während die visuelle Umsetzung und all die Anspielungen also ein Fest für langjährige Fans sind, köchelt der oft infantile Humor auf Sparflamme und macht die Serie zwar zu einer netten Ergänzung des Portfolios, aber sicher noch nicht zu einer ernstzunehmenden Fortführung des Serienkosmos.

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Diese Woche geht es weiter mit Ausgabe #51 von Planet Trek fm und der Besprechung von Envoys. Gastgeber Björn Sülter empfängt dazu wieder verschiedene Gäste. Zum nächsten Wochenende folgt dann wieder eine neue Rezension zur dritten Episode der Serie.

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